{"id":89396,"date":"2019-02-03T17:51:50","date_gmt":"2019-02-03T17:51:50","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/denken-und-denken-sind-zweierlei\/"},"modified":"2019-02-03T17:51:50","modified_gmt":"2019-02-03T17:51:50","slug":"denken-und-denken-sind-zweierlei","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/denken-und-denken-sind-zweierlei\/","title":{"rendered":"Denken und Denken sind zweierlei"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;\u201eMach dir nicht so viele Gedanken\u201c, h\u00f6rte ich oft, als ich noch ein Kind war. Aber warum sagte man das? Konnte man denn \u00fcberhaupt etwas anderes tun als nachzudenken? Eines der Dinge zum Beispiel, die mich nachdenklich machten, war:<\/p>\n<p>Kinder mit Down-Syndrom wurden fr\u00fcher \u201eungl\u00fcckliche Kinder\u201c genannt. Als ich sechs Jahre alt war und einmal mit meiner Mutter die Stra\u00dfe entlangging, kam uns eine Frau mit einem solchen Kind entgegen. Ich sagte mitf\u00fchlend: \u201eOh\u2026\u201c, und meine Mutter erkl\u00e4rte: \u201eDu musst kein Mitleid mit ihm haben. Diesen Kindern ist das nicht bewusst. Sie sind oft sehr gl\u00fccklich.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber musste ich erst mal nachdenken. Und ich kam drauf, dass das hei\u00dft: wenn du eigentlich ungl\u00fccklich sein m\u00fcsstest (und andere das auch von dir denken), kannst du trotzdem gl\u00fccklich sein.<\/p>\n<p>Anscheinend kann man etwas sein, was man selbst gar nicht kennt. Komisch nur, dass andere es dann kennen sollen. W\u00e4re ich selbst nach den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden ein \u201eungl\u00fcckliches Kind\u201c, w\u00e4re es dann f\u00fcr mich besser, wenn ich es nicht w\u00fcsste, weil ich ja eigentlich gl\u00fccklich bin?<\/p>\n<p>Niemand verstand das, als ich es viel sp\u00e4ter erz\u00e4hlte. Niemand schien zu begreifen, dass dies f\u00fcr mich wirklich ein Problem darstellte und dass au\u00dferdem das ganze Leben ein Problem ist, ja, ein Mysterium. Es dauerte Jahrzehnte, bis man herausfand, dass Kinder mit Down-Syndrom tats\u00e4chlich etwas sein k\u00f6nnen, das andere kennen, nur nicht sie selbst. (\u00dcbrigens machen manche Leute einem etwas vor, etwas, das sie nicht sind, glauben aber, man w\u00fcrde es nicht merken, aber das stimmt nicht).<\/p>\n<p>Es gibt auch Dinge, die von den meisten unbeachtet bleiben, obwohl sie doch eigentlich ein Wunder darstellen. Zum Beispiel in der Schule, als der Kunstlehrer eine Farbscheibe kreisen lie\u00df und sie wei\u00df wurde. Wie konnte das sein! Wenn man alle Farben miteinander verr\u00fchrt, ergeben sie doch kein Wei\u00df. Aber diese unglaubliche Darbietung gab der Lehrer tats\u00e4chlich zum Besten, und in seinem Gesicht stand zu lesen: Das habt ihr wohl nicht gedacht, was? Aber das Thema wurde \u00fcberhaupt nicht weiter behandelt.<\/p>\n<p>Fragt man sich da nicht, was wohl w\u00e4re, wenn man alle Menschen miteinander vermischen w\u00fcrde? K\u00e4me etwa ein Heiliger dabei raus? So etwas hat doch eine Bedeutung! Der Physiklehrer zeigte uns, wie ein St\u00fcckchen Plexiglas das Licht in sieben Farben brechen kann. Selbst wenn sie w\u00e4hrend der ganzen Schulzeit nichts anderes unterrichtet h\u00e4tten, mir w\u00e4re das ein Leben lang Stoff zum Nachdenken gewesen.<\/p>\n<p>Dann gab es all diese Dinge, die sich viele Kinder fragen; zum Beispiel, was in der Bibel steht, stimmt oft nicht mit den Auffassungen der Gl\u00e4ubigen \u00fcberein und nicht einmal mit Texten an anderer Stelle in derselben Bibel.<\/p>\n<p>Und da waren die Leute, die an andere Dinge glaubten und von dem, was sie sagten, genauso \u00fcberzeugt waren wie die, die auf irgendeine Weise an die Bibel glaubten. Wie sollte man da wissen, was richtig ist? R\u00e4tsel \u00fcber R\u00e4tsel, auf die man Antworten von erwachsenen, denkenden Menschen erwartete. Aber \u201edenkende\u201c Menschen wollen \u00fcberhaupt nicht, dass man \u00fcber alles nachdenkt. M\u00fcsste man sie dann nicht eigentlich als \u201enicht-denkende\u201c Menschen bezeichnen? Sich \u00fcber ehrliche Fragen \u00e4rgern \u2013 ist das nicht seltsam?<\/p>\n<p>Wer Fragen stellt, wird oft als Unruhestifter angesehen, als jemand, dessen Glaube zu kurz greift. Nat\u00fcrlich gibt es auch Menschen, die ihr M\u00f6glichstes tun, die R\u00e4tsel zu l\u00f6sen, was nat\u00fcrlich durch Nachdenken geschieht. Es wurden viele Erkl\u00e4rungen f\u00fcr \u00e4u\u00dferst r\u00e4tselhafte Geschichten in der Bibel oder f\u00fcr vergangene Ereignisse erdacht, um die R\u00e4tsell\u00fccken zu schlie\u00dfen. Aber aus dem einen oder anderen Grund beseitigen sie die Unklarheiten nicht. Als l\u00e4ge ein Deckel \u00fcber den weiterhin existierenden L\u00fccken.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt ist: hilft es eigentlich, wenn man anderen Fragen stellt? Bestimmt dann nicht, wenn sie w\u00fctend werden, und vielleicht ist es nicht einmal notwendig, anderen solche Fragen zu stellen. Der Impuls, dass man sich mit etwas besch\u00e4ftigt, kommt aus dem eigenen Innern, aus dem eigenen Herzen. Immer wieder klopft dieser Impuls an unsere T\u00fcr. Und eine gro\u00dfe Entdeckung besteht darin: In der Frage ist die Antwort irgendwie enthalten, auch wenn sie dann sp\u00e4ter scheinbar von au\u00dfen kommt. Da taucht pl\u00f6tzlich ein Buch auf, in dem dieser eine Satz steht, auf den man schon lange gewartet hat, oder jemand sagt etwas Besonderes, worauf es im Innern \u201eKlick\u201c macht.<\/p>\n<p>\u201eWes das Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber\u201c, so sagt der Volksmund. Durch Fragen kommt man letztendlich in Kontakt mit Menschen, die dieselben oder \u00e4hnliche Gedanken hegen. Die Schlussfolgerung hieraus kann nur sein: es gibt zwei verschiedene Arten zu denken. Ein konkretes, praktisches Denken, das dazu bestimmt ist, zu regeln und zu organisieren. Dieses Denken dient unserem t\u00e4glichen Leben und ist nicht geeignet, sich mit Fragen \u00fcber das Wesentliche zu befassen. Und es gibt ein Denken, das \u00fcber die irdische Logik hinaus reicht. Das empf\u00e4ngt seine Impulse aus dem Bronn in uns, der uns seine Strahlen aufdr\u00e4ngt, m\u00e4chtig und verst\u00f6rend, \u2026 solange wir nach der Quelle suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":923,"featured_media":4059,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89396","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89396"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89396"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}