{"id":89374,"date":"2019-01-15T11:31:23","date_gmt":"2019-01-15T11:31:23","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/psyche-und-ihr-geliebter\/"},"modified":"2019-01-15T11:31:23","modified_gmt":"2019-01-15T11:31:23","slug":"psyche-und-ihr-geliebter","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/psyche-und-ihr-geliebter\/","title":{"rendered":"Psyche und ihr Geliebter"},"content":{"rendered":"<p>In den Anfangszeiten unserer Kultur sah man die Physiologie als eine nat\u00fcrliche Folge der Psychologie an. Man suchte die Ursache k\u00f6rperlicher Leiden in der Psyche. Sp\u00e4ter kehrte sich das um und das K\u00f6rperliche, das Physische trat an die erste Stelle. Die Psyche wurde zu einem \u00e4u\u00dferen Konzept. Heute beschreiben wir innere Prozesse mit Hilfe der \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c mentalen Logik. Und konsequenterweise behandelt man psychische Leiden mit chemischen Stoffen. Das hat zweifellos seinen Nutzen, doch bleiben die Ursachen der Symptomatik dabei ungel\u00f6st. In unseren Jahren erweitert sich das Feld der Psychologie etwas, indem Psychotherapeuten auch die Neuro-linguistische Programmierung ( NLP) anwenden oder ein \u201eMindfulness-Training\u201c empfehlen bzw. Ideen aus der Karma- und Chakra-Psychologie in die Behandlung einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p><strong>Psyche-Logos<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort <em>Psychologie<\/em> besteht aus den Begriffen Psyche und Logik bzw. Logos. Das Wort <em>Psyche<\/em> stammt aus dem Griechischen und bedeutet dort Seele oder Lebensatem. Man sah die Psyche als Tr\u00e4ger des g\u00f6ttlichen Geistes an. <em>Logik<\/em> stammt vom griechischen Wort Logos ab. Die Logik ist heute eine Wissenschaftsdisziplin, die sich mit den formalen Regeln des Denkens befasst und nach der folgerichtigen Begr\u00fcndung sucht. Eine der Bedeutungen des Wortes <em>Logos<\/em> ist Wort, und zwar im Sinne eines \u201egeheimen\u201c, verborgenen Wortes, das auf ein sch\u00f6pferisches Prinzip hinweist.<\/p>\n<p>Die alte Weisheit sagt: Wird die Seele vom Logos inspiriert, so gibt sie dies an die Pers\u00f6nlichkeit weiter. Die Seele steht also zwischen den beiden, sie ist eine Wirklichkeit zwischen dem abstrakten G\u00f6ttlichen und der konkreten Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Eine mythische Erz\u00e4hlung, die von zahllosen K\u00fcnstlern aufgegriffen worden ist, geht auf die Eigenart der Seele ein. Sie stammt von dem r\u00f6mischen Schriftsteller Apuleius (2. Jh. n. Chr.) und ist in seinem Werk <em>Metamorphosen<\/em> enthalten.<\/p>\n<p>Wenn wir ihren Sinngehalt erforschen, erkennen wir, wie weit sich unsere heutige Sicht von der urspr\u00fcnglichen Sichtweise entfernt hat.<\/p>\n<p><strong>Die Mythe<\/strong><\/p>\n<p>Ein K\u00f6nig hatte drei T\u00f6chter, von denen eine den Namen Psyche trug. Sie war so sch\u00f6n, dass die J\u00fcnglinge von weither kamen, um sie zu bestaunen. Niemand wagte, um ihre Hand anzuhalten. Man verga\u00df sogar, der Venus zu dienen und setzte Psyche an ihre Stelle. Dar\u00fcber war Venus sehr ver\u00e4rgert und lie\u00df sich von ihrem Sohn Amor (Cupido) versprechen, Psyche mit einem seiner Liebespfeile zu verwunden, so dass sie sich in ein Wesen von niederem Wert verliebt. Psyche war von Unruhe erf\u00fcllt. Ihr Vater befragte das Orakel \u00fcber ihr k\u00fcnftiges Schicksal und vernahm, er habe Psyche auf den Gipfel eines Berges zu bringen, wo ein grausamer D\u00e4mon sich mit ihr verm\u00e4hlen werde.<\/p>\n<p>In gro\u00dfem Kummer wurde dies ausgef\u00fchrt. Doch dann geschah es, dass Zephyr, der Diener Amors, sie auf seine Schwingen nahm und in einen Park trug, in dem sich ein wunderbares Schloss befand. Unsichtbare Diener umgaben Psyche und erf\u00fcllten ihre W\u00fcnsche. Des Nachts kam ein Geliebter zu ihr und sie verm\u00e4hlte sich mit ihm. Jeden Morgen verschwand er jedoch, ehe es hell wurde, so dass Psyche ihn nie zu Gesicht bekam. Auch seinen Namen erfuhr sie nicht.<\/p>\n<p>Auf ihr Bitten hin erlaubte er ihr den Besuch ihrer beiden Schwestern. Diese erkl\u00e4rten, ihr Geliebter sei ein Monster und erinnerten sie an den Spruch des Orakels. Aber im Innern waren sie nur voller Neid. Die ver\u00e4ngstigte Psyche flehte nun ihren Geliebten an, bis zum Morgengrauen zu bleiben, sodass sie ihn bei Licht sehen k\u00f6nne. Als er darauf nicht einging, beschloss sie, eine \u00d6llampe zu Hilfe zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Lampe enth\u00fcllte ihr, dass der Sch\u00f6nste der G\u00f6tter, Amor, neben ihr lag. Es fiel aber ein Tropfen siedendes \u00d6l auf die Schulter des Geliebten. Er erwachte davon und flog weg. Psyche hatte ihn verloren. &nbsp;<\/p>\n<p>Sie erkannte, dass sie von den Schwestern get\u00e4uscht worden war und suchte sie einzeln auf, um jeder von ihnen zu erkl\u00e4ren, Amor wolle sich mit ihr verm\u00e4hlen. Die Schwestern machten sich beide unverz\u00fcglich auf den Weg und kamen dabei elendiglich um.<\/p>\n<p>Psyche, vom Zorn der Venus verfolgt, wanderte auf der Suche nach ihrem Geliebten von Land zu Land. Amor befand sich derweil im Palast seiner Mutter und litt an seiner Brandwunde. Schlie\u00dflich beschloss Psyche, sich der Venus zu unterwerfen und suchte sie auf. Diese stellte ihr Aufgaben, die so schwer waren, dass niemand sie nicht erf\u00fcllen konnte. Doch Kr\u00e4fte und Wesen der Natur (Ameisen, das Schilf am Strom, der k\u00f6nigliche Vogel des Jupiter, der ein Freund Amors war) halfen ihr; auch eine vierte Aufgabe, die sie in das Totenreich f\u00fchrte, hatte sie fast erf\u00fcllt; doch sie scheiterte an ihrer Neugierde. Psyche versank in Nacht und Bet\u00e4ubung. Amor, der inzwischen wieder genesen und voller Sehnsucht nach ihr war, rettete sie, indem er sie mit einem seiner Pfeile ber\u00fchrte. Er flehte den G\u00f6ttervater Zeus an, ihm zu helfen. Dieser lie\u00df Psyche durch Merkur (Hermes) in den Himmel entf\u00fchren, reichte ihr eine Schale Ambrosia und sprach: \u201eKoste, Psyche, und sei unsterblich. Nie wird sich Amor von dir scheiden, ihr seid verm\u00e4hlt in alle Ewigkeit.\u201c<\/p>\n<p><strong>Unruhe<\/strong><\/p>\n<p>Die Mythe, hier in verk\u00fcrzter Form wiedergegeben, macht deutlich, dass die von der Erde stammende Psyche f\u00fcr den g\u00f6ttlichen Geliebten bestimmt ist. Der Logos (Amor) ist ihr nahe und erf\u00fcllt sie mit Unruhe. Letztlich wird sie nur in ihm Ruhe finden k\u00f6nnen. Doch sie kennt das Spiel der unsterblichen Liebe noch nicht. Durch den Versuch, Amor mit dem Ich, dem Ego, kennen zu lernen, verliert sie ihn. Dabei hat sie sich nach der Erfahrungswirklichkeit ihrer Schwestern gerichtet, und so gelangt sie in eine scheinbar aussichtslose Situation.<\/p>\n<p>Die Mythe weist auf eine Psychologie hin, die nur in den Gesetzen der Seele ihren Grund findet. Die Erz\u00e4hlung geht der Unruhe der Seele nach. Wenn Heilung stattfinden soll, muss dies im Seelischen selbst geschehen; die Folgen davon kommen der Pers\u00f6nlichkeit zugute, die in ihrem Ich befangen ist.<\/p>\n<p><strong>Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Der erl\u00f6sende, heilende Weg besteht in der Eins-Werdung der Psyche mit Amor. Hierdurch gelangt der Mensch zu seiner Ganzheit. Es ist eine Psycho-logie, bei der nicht das Selbstbewusstsein der ma\u00dfgebende Faktor ist. Veranlasst durch ihre Schwestern, versucht Psyche das zwar. Doch bei diesem \u201eLampenlicht\u201c verschwindet der Logos. Nur Symptome k\u00f6nnen so geheilt werden, w\u00e4hrend die psychische Krankheit in der Tiefe weiter existiert, die \u201eUnruhe der Seele\u201c also fortbesteht. Der unsterbliche Geliebte bleibt f\u00fcr das Selbstbewusstsein im Dunkeln. Die Schwestern symbolisieren das aktuelle irdische Selbst und seine Methoden.<\/p>\n<p>Durch ihr Scheitern gelangt Psyche vom Berg in die unfruchtbare Steppe, wo sie hungert und d\u00fcrstet. Allein der unsichtbare g\u00f6ttliche Geliebte kann ihr Unverm\u00f6gen beseitigen und den Hunger und Durst stillen. Die Eins-Werdung mit ihm l\u00e4sst sich aber nicht forcieren. Psyches Schwestern sterben bei dem Versuch, den inneren Berg zu besteigen.<\/p>\n<p>Bereits in den Wurzeln unserer Kultur finden sich also Hinweise auf eine heilende und verwandelnde Psychologie. Sie beruht auf der Beziehung zu Amor, dem G\u00f6ttlichen in der Tiefe der Seele. Es ist die Beziehung zum Unkennbaren, die den Menschen auszeichnet. Als Amor der Seele begegnet, flammt Liebe auf, losgel\u00f6st vom Ich. In dieser Begegnung findet die Seele Genesung.<\/p>\n<p><strong>Hedonismus<\/strong><\/p>\n<p>Das griechische Wort Logos hat auch noch die Bedeutung \u201everlorenes Wort\u201c.<\/p>\n<p>Im \u201ewiedergefundenen Wort\u201c des Geliebten erf\u00e4hrt Psyche unbegrenzte Inspiration. Sie bekommt ein Kind von ihm, das den Namen \u201eLust\u201c tr\u00e4gt; auf Griechisch: Hedone. Sie ist eine G\u00f6ttin.<\/p>\n<p>Hedone bedeutet Freude und Vergn\u00fcgen. Man hat hieraus, in einem ganz weltlichen Verst\u00e4ndnis, den Begriff Hedonismus gepr\u00e4gt, um dasjenige zu kennzeichnen, was am meisten Genuss erzeugt.<\/p>\n<p>Bei Psyche geht es aber, wenn sie mit Amor vereint ist, um grenzenlose Freude. Ihre Ehe ist ewig. Hedone, die Frucht aus dieser Eins-Werdung, verweist nicht auf einen relativen Genuss und wirft auch keine Fragen der Ethik auf.<\/p>\n<p>Zu jedem Menschen geh\u00f6rt in der Tiefe das Nicht-Ich. Es ist nicht konditioniert, ist \u201estille Freude\u201c, nicht Emotion, die an jemanden gebunden ist, sondern freies Sein, ohne Ursache oder Begr\u00fcndung. Im Sanskrit wird es Ananda genannt.<\/p>\n<p>Das Bild von Amor, Psyche und Lust (Hedone) finden wir in Variationen und unterschiedlichen Gew\u00e4ndern in den verschiedensten Kulturen. Es taucht im indischen Sat-Chit-Ananda auf, im alt\u00e4gyptischen Osiris-Isis-Horus, im lateinischen Animus-Anima-Persona und im christlichen Vater-Sohn-Heiliger Geist.<\/p>\n<p>Es ist ein universelles Bild, das auf den wahrhaftigen, den vollst\u00e4ndigen Mensch hinweist, der Geist, Seele und K\u00f6rper in einem ist.<\/p>\n","protected":false},"author":923,"featured_media":3994,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89374","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3994"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89374"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89374"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}