{"id":89316,"date":"2019-01-02T12:08:20","date_gmt":"2019-01-02T12:08:20","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/luzifer-das-bose-in-uns\/"},"modified":"2019-01-02T12:08:20","modified_gmt":"2019-01-02T12:08:20","slug":"luzifer-das-bose-in-uns","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/luzifer-das-bose-in-uns\/","title":{"rendered":"Luzifer \u2013 das B\u00f6se in uns?"},"content":{"rendered":"<p>Das Wort Luzifer kommt aus dem Lateinischen und bedeutet \u201eLichtbringer\u201c (<em>lux<\/em> = Licht und <em>ferre<\/em> = bringen). In der r\u00f6mischen und griechischen Mythologie war er die Bezeichnung f\u00fcr den Morgenstern. In der Odyssee von Homer oder der Theogonie von Hesiod wurde der \u201eLichtbringer\u201c, <em>phosph\u00f3ros<\/em> (griechisch <em>phos<\/em> = Licht, <em>phoros<\/em> = bringen), mit der G\u00f6ttin Venus in Verbindung gebracht. Auch in der Vulgata, der lateinischen \u00dcbersetzung der Bibel, steht im Alten Testament und im 2. Petrusbrief der Begriff Luzifer f\u00fcr den Morgenstern und somit f\u00fcr Christus, den Lichtbringer. \u201eUm so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, da\u00df ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.\u201c&nbsp; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/2._Brief_des_Petrus\" title=\"2. Brief des Petrus\">2. Petrusbrief<\/a> 1, 19)<\/p>\n<p>In der Offenbarung des Johannes erf\u00e4hrt man, dass Satan, symbolisiert durch den Drachen, gegen die Engel k\u00e4mpft und anschlie\u00dfend von diesen besiegt, gest\u00fcrzt und auf die Erde hinabgeworfen wird. \u201eUnd es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel k\u00e4mpften gegen den Drachen. Und der Drache k\u00e4mpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre St\u00e4tte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der gro\u00dfe Drache, die alte Schlange, die da hei\u00dft: Teufel oder Satan, der die ganze Welt verf\u00fchrt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.\u201c (Off. 12, 7 ff)<\/p>\n<p><strong><em>Vom Lichttr\u00e4ger zum Satan<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Erst im Mittelalter wurde allm\u00e4hlich durch verschiedene Kirchenv\u00e4ter Luzifer mit dem gefallenen Engel und mit Satan in Verbindung gebracht. Ausschlaggebend waren daf\u00fcr vor allem die Aussagen bei Jesaja und Lukas. \u201eWie bist du vom Himmel gefallen, du sch\u00f6ner Morgenstern! Wie wurdest du zu Boden geschlagen, der du alle V\u00f6lker niederschlugst! Du aber gedachtest in deinem Herzen: \u201aIch will in den Himmel steigen und meinen Thron \u00fcber die Sterne Gottes erh\u00f6hen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren \u00fcber die hohen Wolken und gleich sein dem Allerh\u00f6chsten\u00b4. Ja, hinunter zu den Toten fuhrest du, zur tiefsten Grube.\u201c (Jesaja 14, 12 ff) \u201eEr sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.\u201c (Lukas 10, 18)&nbsp;<\/p>\n<p>So kann man zusammenfassend sagen, Luzifer, einst auf der Bewusstseinsstufe der Engel, widersetzte sich mit seinem eigenen Willen dem g\u00f6ttlichen Willen, wollte sich nicht mehr dem g\u00f6ttlichen Willen unterordnen und sich diesem f\u00fcgen. Durch diesen Einsatz des Eigenwillens fiel er aus der g\u00f6ttlichen Ordnung heraus, wurde sozusagen versto\u00dfen: \u201eIch sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.\u201c<\/p>\n<p>Zugleich erfahren wir im Alten Testament von dem S\u00fcndenfall, da Eva vom Baum der Erkenntnis beziehungsweise vom Baum von Gut und B\u00f6se a\u00df. Luzifer ist somit wie der Mensch aus dem g\u00f6ttlichen Paradies vertrieben worden. Wir k\u00f6nnen uns das so vorstellen, dass Luzifer mit seinem Fall einen eigenen Kosmos nach seinem Willen schuf, sein eigenes Reich innerhalb der g\u00f6ttlichen Ordnung, jedoch abgeschottet von dieser. Der Mensch, der mit ihm aus der g\u00f6ttlichen Ordnung fiel, musste sich in diesem neugeschaffenen Reich unterordnen.<\/p>\n<p>Im g\u00f6ttlichen Paradies war der Mensch eine Wesenheit mit weitaus mehr F\u00e4higkeiten. Er lebte in einer g\u00f6ttlichen Einheit, die keine Trennung in Gut und B\u00f6se, in m\u00e4nnlich und weiblich, keinen Tod, keine Gef\u00fchle von Leere, Deprimiertheit und Traurigkeit kannte. Er f\u00fchlte sich eins mit seinem Sch\u00f6pfer und seiner Sch\u00f6pfung und f\u00fchlte sich deshalb erf\u00fcllt. Er war mit mehr F\u00e4higkeiten ausgestattet, was jedoch nicht hei\u00dft, dass er intelligenter war, sondern dass er st\u00e4rker mit dem g\u00f6ttlichen Geist verbunden war, so dass er dadurch ein h\u00f6heres Wissen besa\u00df und selbstsch\u00f6pferisch t\u00e4tig war. Jetzt ist es die Aufgabe des Menschen, wieder zu dieser g\u00f6ttlichen Ordnung zur\u00fcckzukehren, mit all seiner inzwischen gesammelten Erfahrung. Um dies zu schaffen, muss er Luzifer, den Sch\u00f6pfer des hiesigen Weltalls, \u00fcberwinden. Er tut dies, indem er weise wird. Er hat vom Baum der Erkenntnis eine Frucht gepfl\u00fcckt und mit dem Biss in die bittere Erkenntnis hat er die M\u00f6glichkeit erhalten, unsere Dualit\u00e4t mit den Kr\u00e4ften von Gut und B\u00f6se zu erkennen und sich dar\u00fcber zu erheben, um jenseits von Gut und B\u00f6se zu gelangen.<\/p>\n<p><strong><em>Luzifer \u00fcberwinden <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Was hei\u00dft es, Luzifer zu \u00fcberwinden? Es ist damit kein \u00e4u\u00dferer Kampf gegen das B\u00f6se in der Welt gemeint, denn ein Streben nach dem Guten zieht die Gegenseite, das B\u00f6se, wieder nach sich. Es ist wie ein Pendel, das zwischen Gut und B\u00f6se hin- und herschwingt; neigen wir uns der einen Seite zu, zieht es uns unweigerlich zur\u00fcck zur Gegenseite \u2013 oder man k\u00f6nnte auch sagen, wir ziehen mit unserem verst\u00e4rkten Favorisieren der einen Seite den Gegenpol der anderen Seite an.<\/p>\n<p>Nie stellt sich dabei ein Gef\u00fchl von dauerhafter Zufriedenheit ein. Da es sich beim Guten um das Sch\u00f6ne und Angenehme dieser Welt handelt, um das, was der Mensch gut nennt, was er sich ertr\u00e4umt, was ihm Freude, Leichtigkeit und Gl\u00fcck verhei\u00dft, merkt er bereits selbst, dass im Genie\u00dfen dieses Gl\u00fccks schon der n\u00e4chste Schicksalsschlag, die n\u00e4chste Entt\u00e4uschung lauert.<\/p>\n<p>Ist er ehrlich zu sich selbst, sp\u00fcrt er, dass er das, was ihn gl\u00fccklich stimmt, zwar vor\u00fcbergehend genie\u00dfen kann, jedoch, dass dies kein anhaltendes Gl\u00fcck ist, was ihn tief im Innersten dauerhaft erf\u00fcllt. Es ist das Gute, gebunden an gesellschaftliche Normen und Werte, nicht jedoch DAS GUTE, das sich \u00fcber diese Gegensatzschaukel erhebt und \u00fcber den gesellschaftlichen Normen, \u00fcber Erfolg und Misserfolg und den menschlichen Gef\u00fchlen von Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck steht. DAS GUTE, damit ist der urspr\u00fcngliche g\u00f6ttliche Zustand vor dem Fall gemeint, der eine Erf\u00fcllung in der Einheit mit&nbsp; Gott beinhaltet, ein Zustand, in dem sich der Mensch den urspr\u00fcnglichen g\u00f6ttlichen Kr\u00e4ften \u00f6ffnet, die das Ewige in ihm wiedererschaffen und in dem er frei von Angst und Begehren ist.<\/p>\n<p>Wie gelangt man zu diesem Zustand, dem inneren Frieden jenseits von Gut und B\u00f6se?<\/p>\n<p>Wir sprachen von dem \u00e4u\u00dferen Luzifer, dem gefallenen Engel. Aber gibt es eventuell auch einen inneren Luzifer, den gefallenen Engel in uns? Der Mensch an sich ist im Kern nicht b\u00f6se, sondern er ist unwissend. Bestenfalls ist er, wenn er sich seelisch reinigt, der \u201e<em>fal parsi<\/em>\u201c, der \u201ereine Tor\u201c in Richards Wagners Parsifal. Er hat mit dem Essen vom Baum der Erkenntnis, mit der Vertreibung aus dem Paradies die Verbindung zum GUTEN an sich, zu seinem Sch\u00f6pfer, verloren. Seitdem irrt er \u00fcber Inkarnationen hinweg durch die Welt als irrender Sucher nach dem Juwel. Er macht seine Erfahrungen, er erwirbt Erkenntnis, und so kann er sich vom dummen Tor zum weisen Erleuchteten entwickeln. Wie erh\u00e4lt er dabei wieder Anschluss an das G\u00f6ttliche?<\/p>\n<p>Der gefallene Engel, der in Eigenwilligkeit die Welt schuf, m\u00f6chte Untertanen nach seinem Willen, er versucht, den Willen des Menschen zu beeinflussen, versucht, durch seine Gedankenkraft in die Psyche des Menschen einzudringen, ihn f\u00fcr seine Werte zu gewinnen. Man sieht die Verf\u00fchrungen allerorts, in der Macht des Geldes, in dem Streben nach dem menschlichen Gl\u00fcck, das Wohlstand und Macht hei\u00dft. Und der Mensch l\u00e4sst sich verf\u00fchren. Durch sein starkes Bed\u00fcrfnis nach Triebbefriedigung und seine Sehnsucht nach Gl\u00fcck und die \u00dcberzeugung, es mit dem eigenen Willen erreichen zu k\u00f6nnen, lebt er seinen luziferischen Anteil aus. Er kann sich sogar bewusst f\u00fcr die luziferische Verf\u00fchrung entscheiden, das hei\u00dft sich mit dem B\u00f6sen identifizieren; oder er erlangt durch sein Hin- und Hergerissen-Sein zwischen dem Streben nach den Werten dieser Welt einerseits und der Ern\u00fcchterung und Entt\u00e4uschung andererseits die Reife, die ihn erahnen l\u00e4sst, wo der Ausweg zu finden ist.<\/p>\n<p>In einem gegebenen Moment sp\u00fcrt er in seinem Innersten die Antwort und wei\u00df, dass er zu einem Stillstehen, einem Einhalten im Treiben dieser Welt gerufen ist, einem Neutralisieren der Gegens\u00e4tze durch Nicht-Beachtung, dem Aushalten der dadurch aufkommenden Spannung und der Hinwendung zu seinem Innersten, das noch die Verbindung zur urspr\u00fcnglichen, nicht gefallenen, g\u00f6ttlichen Welt besitzt, in der die Gegens\u00e4tze im Allein-Guten aufgehoben sind. Kein Kampf ist erforderlich, sondern das H\u00f6ren auf die innere Stimme, auf das innere Licht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p><sup><em>Die Bibel<\/em>, nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 1985<\/sup><\/p>\n<p><sup>Flasch, Kurt: <em>Der Teufel und seine Engel: Die neue Biographie<\/em>, C.H. Beck Verlag, 2. Auflage 2016.<\/sup><\/p>\n<p><sup><em>Novum Testamentum Latine<\/em>, &nbsp;Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 3. Aufl. 2014.<\/sup><\/p>\n<p><sup>Rijckenborgh, Jan van: <em>Die \u00c4gyptische Urgnosis Bd. 1<\/em>, Rozekruis Pers, Haarlem, 2. Aufl. 1982.<\/sup><\/p>\n<p><sup>Wagner, Richard: <em>Parsifal<\/em>, Reclam Verlag, Ditzingen, 1983.<\/sup><\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":3825,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89316","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89316"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89316"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}