{"id":89166,"date":"2018-09-21T11:30:28","date_gmt":"2018-09-21T11:30:28","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/der-mythos-der-pistis-sophia-kehrt-wieder\/"},"modified":"2018-09-21T11:30:28","modified_gmt":"2018-09-21T11:30:28","slug":"der-mythos-der-pistis-sophia-kehrt-wieder","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-mythos-der-pistis-sophia-kehrt-wieder\/","title":{"rendered":"Der Mythos der Pistis Sophia kehrt wieder"},"content":{"rendered":"<p>Das <em>Evangelium der Pistis Sophia<\/em> geh\u00f6rt zu den wenigen gnostischen Schriften, die schon im 18. Jahrhundert erneut zum Vorschein gekommen waren. Eine englische \u00dcbersetzung erschien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Carl Gustav Jung besa\u00df ein Exemplar davon. Die Schriftfunde von Nag Hammadi aus dem Jahre 1945 werfen ein neues Licht auf die Pistis Sophia. Sie erscheint als die Vergegenw\u00e4rtigung einer Geistkraft, die sich in unserem Leben im 21. Jahrhundert offenbaren kann.<\/p>\n<p>Das spirituelle Leben in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war vor allem auf die Lichtwelt gerichtet, die man <em>Pleroma<\/em> nannte. Dort wird der Lichtmensch geboren. Der Mensch, der wir sind, so lehren uns die Schriften, tr\u00e4gt einen Funken des urspr\u00fcnglichen Lichtes des Pleroma in seinem Herzen. Hier liegt der Beginn eines Einweihungsweges, der ins Pleroma zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Jahrhunderte nach Christus etablierte man ein Dogma, durch das die freie Entfaltung der Lehren des Lichts verhindert wurde. Das Licht schien zwar immer noch in die Dunkelheit hinein, aber die F\u00e4higkeit, seine Botschaft innerlich zu verstehen, schwand allm\u00e4hlich. So wurden die Schriften der fr\u00fchen Tage umgeschrieben. Sie wurden den Verst\u00e4ndnism\u00f6glichkeiten angepasst und etwas, was immer m\u00f6glich war, wurde auf ein einmaliges historisches Geschehen bezogen: auf einen Heiland, der au\u00dferhalb der anderen Menschen gelebt hatte.<\/p>\n<p>Der Weg der Einweihung aus der Dunkelheit zum Licht wurde nur noch innerhalb der etablierten religi\u00f6sen Ordnung als gangbar angesehen.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Forscher erkl\u00e4ren uns, wie im Verlauf der ersten Jahrhunderte viele mythische Bilder verschwanden und vergessen wurden. Und <em>den<\/em> Mythos, dessen Lichtkraft damals in vielen Menschen aufgeleuchtet war, machte man zu einem einmaligen historischen Ereignis \u2013 so geschehen bei Jesus. Durch Vernichtung vieler Schriften geriet auch die Pistis Sophia in Vergessenheit. Sie trat zur\u00fcck ins kollektive Unbewusste der Menschheit.<\/p>\n<p>Durch die Funde k\u00f6nnen wir heute einen Teil der alten Schriften wieder studieren. Und wir k\u00f6nnen nun den Mythos der Pistis Sophia auf unsere Weise verstehen. In den Nag Hammadi Schriften wird diese Gestalt an verschiedenen Stellen als eine kreative spirituelle Kraft im Pleroma beschrieben, als Tr\u00e4gerin und Bewahrerin der Weisheit des Lichtmenschen.<\/p>\n<p>Allerdings erschuf sie, wie die Schriften sagen, in einem bestimmten Moment ein Universum au\u00dferhalb der Lichtwelt des Pleroma. In ihm treten die Schatten auf und schlie\u00dflich die Dunkelheit. In ihm entfaltete sich das Leben der Menschheit und wurde zu dem, was es heute ist.<\/p>\n<p>Der <em>Askew Codex, <\/em>der das Evangelium der Pistis Sophia enth\u00e4lt, zeichnet von dieser mythischen Gestalt ein Bild, das eine Reaktion auf die entstandene Entwicklung darstellt. Das Evangelium berichtet von einer Seele, die sich von den Triebkr\u00e4ften des Lebens in der materiellen Welt befreit. Sie gelangt zu einem tiefen Verstehen, dass diese Welt vom Willen, Bewusstsein und von den W\u00fcnschen eines niederen Instinktes beherrscht wird. Die Pistis Sophia richtet sich auf das \u201eLicht der Lichter\u201c und es gelingt ihr, sich von der Dunkelheit zu befreien und sich mit Jesus, dem Heiland, zu vereinen.<\/p>\n<p>Der unter vielen Aspekten beschriebene Weg macht deutlich, welche M\u00f6glichkeiten in uns stecken. Wir k\u00f6nnen eine geistige Kraft in uns aktivieren nach einer Methode, die in der Sprache des Mythos dargestellt wird. Wichtig dabei ist, dass wir von dem ausgehen, was uns bereits bewusst geworden ist. Und immer, wenn wir ins Schwanken geraten, k\u00f6nnen wir die Pistis Sophia anrufen, die Quelle der Weisheit und des Vertrauens in unserer eigenen Tiefe. Das Wort <em>Pistis<\/em> verstehen wir als \u201eGlauben\u201c, das Wort <em>Sophia<\/em> als \u201eWeisheit des Herzens\u201c.<\/p>\n<p>Im 21. Jahrhundert, in dem wir dynamisch mit den Energien arbeiten, die uns zur Verf\u00fcgung stehen, messen wir unser Bewusstsein an den Realit\u00e4ten. Sie f\u00fchren uns vor Augen, was notwendig ist, um zur Vertiefung zu gelangen. Dazu geh\u00f6rt nicht nur Besinnung, sondern auch, dass wir uns dem, was uns entgegentritt,&nbsp; mit einem empf\u00e4nglichen, weisheitsvollen und auch staunenden Herzen n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Das Leben so zu f\u00fchren, wie es unserer wahren Natur entspricht, bedeutet, zu glauben, zu vertrauen, zu entdecken, ber\u00fchrt zu werden, zu staunen. Und einher geht damit, dass wir Dinge vergessen, erleiden, annehmen, Dinge aufs Neue entdecken, dass wir hinfallen und wieder aufstehen.<\/p>\n<p>Wenn wir den ewigen Werten des Pleroma Einlass geben und versuchen, sie anzuwenden, entwickelt sich ein Bewusstsein, bei dem sich Grenzen aufl\u00f6sen und eine alles umfassende Liebe zum Grundton des Lebens wird. Der Mythos bleibt dann nicht im Mythischen, er wandelt sich zu einer aktiven geistigen Kraft, die Inspiration, Freude und Vertrauen in den inneren Lebensquell verleiht, der freigelegt ist.<\/p>\n<p>So kehrt die Pistis Sophia wieder, im 21. Jahrhundert.<\/p>\n","protected":false},"author":923,"featured_media":3436,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89166","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3436"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89166"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89166"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}