{"id":89153,"date":"2018-09-04T07:28:25","date_gmt":"2018-09-04T07:28:25","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/gott-denken\/"},"modified":"2018-09-04T07:28:25","modified_gmt":"2018-09-04T07:28:25","slug":"gott-denken","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/gott-denken\/","title":{"rendered":"Gott denken?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage \u201eWie kann man Gott denken?\u201c beinhaltet zwei Themen. Das erste lautet: Wie m\u00fcsste ein Denken beschaffen sein, das in der Lage ist, Gott zu erfassen? Und das zweite: Von welcher Art G\u00f6ttlichkeit ist Gott?<\/p>\n<p>Die Fragen m\u00f6gen gewagt erscheinen, doch \u2013 sind sie es wirklich f\u00fcr Menschen, denen es darum geht, die anscheinend unverr\u00fcckbaren Mauern des allt\u00e4glichen Lebens und der Wahrnehmung niederzurei\u00dfen? F\u00fcr sie sind Fragen dieser Art vielleicht sogar wesentlich, denn sie betreffen den Kern des menschlichen Lebens und seiner Bedeutung.<\/p>\n<p>Im Heute des 21. Jahrhunderts, mit seinem individualisierten und rationalen Bewusstsein und seinem postmodernen Skeptizismus, ist an die Stelle der Allmacht Gottes unsere planetare Techno-Wissenschaft getreten \u2013 und wir haben die Bedeutung des G\u00f6ttlichen von diesem Ausgangspunkt aus neu zu erforschen.<\/p>\n<p>Was geblieben ist, ist der Hintergrund des Absoluten. Und wie schon manche gro\u00dfe Lehrer in der Vergangenheit kommen auch wir heute zu dem Ergebnis, dass wir nicht sagen k\u00f6nnen, was das G\u00f6ttliche ist, sondern allenfalls, was es nicht ist. Nach 2000 Jahren religi\u00f6ser und kirchlicher Kultur sp\u00fcren mehr Menschen als je zuvor, dass Gott nicht anthropomorph sein und man sich deshalb auch kein festes Bild von ihm machen kann. Immer weniger Menschen glauben an einen personifizierten Gott, der autorit\u00e4r wirkt und nur \u00fcber Vermittler erreichbar ist. Immer mehr suchen jedoch einen direkten Zugang zum G\u00f6ttlichen. Sie sehnen sich danach, den Archetyp wiederzubeleben, das Spiegelbild Gottes, das im innersten Kern eines jeden Menschen vorhanden ist.<\/p>\n<p>Diese Menschen sind nicht zufrieden mit blo\u00dfen Erkl\u00e4rungen, Predigten, Vortr\u00e4gen oder Kursen; sie erstreben auch keine Initiation durch ein \u00e4u\u00dferes Geschehen. Sie sehnen sich vielmehr nach dem \u201eGeist\u201c, ihre Seelen verlangen nach Erneuerung. Die Gesundung einzelner Aspekte der Seele ist ihnen nicht genug; sie w\u00fcnschen sich eine fundamentale Ver\u00e4nderung, eine Transformation ihres essentiellen Wesens, eine Transfiguration, etwas wirklich Neues. Sie sp\u00fcren, dass das G\u00f6ttliche eine Kraft ist, eine Energie, ein Strom der Erneuerung, ein Licht, etwas, das sie zu sich zieht.<\/p>\n<p>Sie gelangen sie zu der Erfahrung, dass das, was sie sich anfangs als eine h\u00f6chste Abstraktion vorgestellt hatten, allm\u00e4hlich zu einer Wirklichkeit wird. Der unbestimmte, namenlose Gott erhebt sich. Es kommt zu einer inneren, lebendigen Beziehung zu der \u201eIdee\u201c, die am Anbeginn der Sch\u00f6pfung steht.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eAbstraktion\u201d erweckt die Vorstellung eines Abstands zwischen uns selbst und der Idee. So verhielt es sich auch zun\u00e4chst mit der Idee des Vater-Mutter-Sch\u00f6pfers. Doch die immer neue Vertiefung in sie hat etwas ver\u00e4ndert. Sie hat einen Sinn f\u00fcr das G\u00f6ttliche in uns heranwachsen lassen; und er erm\u00f6glicht es, sich dem G\u00f6ttlichen zu \u00f6ffnen, es f\u00fcr gegeben anzunehmen und es schlie\u00dflich sogar zu empfinden, zu erkennen, zu denken. Es wird in uns zur Wirklichkeit.<\/p>\n<p><strong><em>Ein Schritt im Bewusstsein<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wirklich ist f\u00fcr einen Menschen das, was bis in sein pers\u00f6nliches Bewusstsein gelangt und dort als etwas Reales erfahren wird. Wir wollen daher unsere Anfangsfrage etwas umformulieren: \u201eK\u00f6nnen wir uns Gott als wirklich und konkret vorstellen?\u201c Das Bewusstsein ist Teil des menschlichen Wesens. Kann sich Gott in ihm und damit im Wesen des Menschen manifestieren?\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort lautet: Ja, das G\u00f6ttliche kann sich hier manifestieren. Das ist sogar eine Notwendigkeit, sagen die Rosenkreuzer. Wenn die Zeit daf\u00fcr reif ist, kann und wird dies jeder Mensch erfahren, doch es geschieht nicht von selbst. Es bedarf bewusster Vorbereitung und innerer Arbeit.<\/p>\n<p>In unserer Zeit ist das G\u00f6ttliche f\u00fcr die meisten Menschen ein abstraktes Konzept. Viele Kirchen verschieben die Auferstehung des Menschen und die Erfahrung des G\u00f6ttlichen auf einen unbekannten Augenblick in der Zukunft, auf ein Irgendwann nach dem k\u00f6rperlichen Tod.<\/p>\n<p>Diese Sicht schlie\u00dft eine aktuelle \u201eFleischwerdung des Wortes\u201d aus, eine \u201eManifestation Jesu\u201c als seelische Entwicklungsstufe im menschlichen System, eine strukturelle, fundamentale Erneuerung und eine Auferstehung im eigenen K\u00f6rper<em>. <\/em>Das Suchen nach dem G\u00f6ttlichen kann zu einem blinden Umherirren um einen Berg werden, in dem eine Schatzkammer verborgen liegt, deren Eingang verschlossen bleibt. Demgegen\u00fcber f\u00fchrt die innere Erfahrung des G\u00f6ttlichen zu dem \u201et\u00e4glichen Wandel mit Gott\u201c, von dem in den Schriften die Rede ist.<\/p>\n<p>Bis zu einem gewissen Grad geh\u00f6rt die verschlossene T\u00fcr zu dem Zustand, in dem wir uns alle befinden. Jedenfalls so lange, wie wir uns weigern \u201ezu lauschen\u201c und stattdessen an einer vagen Vorstellung oder einem abstrakten Ideal festhalten. Wir \u00fcberspielen dann den Ruf, der uns zu notwendigen Schritten nach innen dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Unser Denken kann sich aber wandeln. Wir k\u00f6nnen alte Gedankengeb\u00e4ude, lang gehegte \u201eTempel von Gef\u00fchlen\u201c und einge\u00fcbte Verhaltensmuster Schritt f\u00fcr Schritt aufl\u00f6sen. Neue \u201eTempel\u201c k\u00f6nnen entstehen, die offen und weit genug sind, um geeignete Gef\u00e4\u00dfe f\u00fcr das G\u00f6ttliche zu sein. Die Impulse des Logos folgen ihrem eigenen Gesetz. Wir k\u00f6nnen lernen, uns f\u00fcr sie zu \u00f6ffnen und <em>ihnen gem\u00e4\u00df<\/em> zu handeln. Wir k\u00f6nnen Gott denken, sobald es m\u00f6glich wird, dass <em>er<\/em> unser Denken erf\u00fcllt, sobald das G\u00f6ttliche also in uns aufersteht.<\/p>\n<p><strong><em>Der Lobgesang des Hermes<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Damit kommen wir zur zweiten der oben aufgeworfenen Fragen: Von welcher Art G\u00f6ttlichkeit sprechen wir? Wo ist Gott? Innen oder au\u00dfen? Die Antwort finden wir im <em>Lobgesang des Hermes Trismegistos<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><em>:<\/em><\/p>\n<p><em>Wer k\u00f6nnte Dich Deiner W\u00fcrde gem\u00e4\u00df preisen?<\/em><\/p>\n<p><em>Wohin sollte ich mich wenden mit meinem Lob?<\/em><\/p>\n<p><em>Nach oben? Nach unten? Nach innen? Nach au\u00dfen?<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt keinen Weg, keinen Ort, kein einziges Gesch\u00f6pf au\u00dferhalb von Dir.<\/em><\/p>\n<p><em>Alles ist in Dir, alles ist aus Dir.<\/em><\/p>\n<p><em>Du gibst alles und nimmst nichts,<\/em><\/p>\n<p><em>denn Du besitzt alles und es gibt nichts, was Dir nicht geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wann sollte ich Dich loben, o Vater?<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist unm\u00f6glich, Deine Stunde und Deine Zeit zu erfassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Warum sollte ich Dein Lob singen?<\/em><\/p>\n<p><em>Wegen der Dinge, die Du gemacht hast?<\/em><\/p>\n<p><em>Oder wegen der Dinge, die Du noch nicht gemacht hast?<\/em><\/p>\n<p><em>Wegen der Dinge, die Du geoffenbart hast?<\/em><\/p>\n<p><em>Oder wegen derer, die Du noch verborgen h\u00e4ltst?<\/em><\/p>\n<p><em>Warum sollte ich Dich denn loben,<\/em><\/p>\n<p><em>als ob ich mir selber geh\u00f6rte<\/em><\/p>\n<p><em>oder etwas Eigenes h\u00e4tte,<\/em><\/p>\n<p><em>das au\u00dfer Dir besteht?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Denn Du bist alles, was ich bin.<\/em><\/p>\n<p><em>Du bist alles, was ich tue.<\/em><\/p>\n<p><em>Du bist alles, was ich spreche.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt nichts, was Du nicht bist.<\/em><\/p>\n<p><em>Du bist alles, was geworden ist,<\/em><\/p>\n<p><em>und alles, was nicht geworden ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der vern\u00fcnftige nous (Geist),<\/em><\/p>\n<p><em>der erschaffende Vater,<\/em><\/p>\n<p><em>der wirkende Gott und<\/em><\/p>\n<p><em>das Allgute, das alles erschafft.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der feinste Teil der Luft ist die Seele.<\/em><\/p>\n<p><em>Der feinste Teil der Seele ist der nous (Geist).<\/em><\/p>\n<p><em>Der feinste Teil des nous ist Gott. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> <em>Corpus Hermeticum<\/em>, aus dem Altgriechischen von Beate Krzyzan, DRP Rosenkreuz Verlag, Birnbach 2014, S. 72; Jan van Rijckenborgh, <em>Die \u00c4gyptische Ur-Gnosis und ihr Ruf im Ewigen Jetzt<\/em>, 2. Teil, Rozekruis Pers, Haarlem, Kap. 33<\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":3394,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89153","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89153"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89153"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}