{"id":89144,"date":"2018-08-16T11:43:05","date_gmt":"2018-08-16T11:43:05","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/onhemonkandire-und-endura-das-ewige-leben-in-der-sicht-der-guarinis-und-katharer\/"},"modified":"2018-08-16T11:43:05","modified_gmt":"2018-08-16T11:43:05","slug":"onhemonkandire-und-endura-das-ewige-leben-in-der-sicht-der-guarinis-und-katharer","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/onhemonkandire-und-endura-das-ewige-leben-in-der-sicht-der-guarinis-und-katharer\/","title":{"rendered":"Onhemonkandire und Endura: Das ewige Leben in der Sicht der Guarinis und Katharer"},"content":{"rendered":"<p>Religionen versuchen am Ehesten, eine Antwort auf die Frage zu finden, was nach dem Tod kommt. Allerdings unterscheiden sich die Antworten, wie sich auch die religi\u00f6sen Richtungen voneinander unterscheiden. Einige Antworten sind vorherrschend dank der gr\u00f6\u00dferen Verbreitung einzelner Religionen. Zu einer kleinen Minderheit geh\u00f6ren die Sichtweisen des <em>Onhemonkandire<\/em> der Gurarini-Indianer S\u00fcdamerikas und des <em>Endura<\/em> der Katharer im mittelalterlichen S\u00fcdfrankreich. Beide thematisieren die Auferstehung des Menschen und den Tod des illusion\u00e4ren Ich. Trotz der geographischen Entfernung und des zeitlichen Unterschieds haben die beiden Gemeinschaften \u00e4hnliche Anschauungen entwickelt.<\/p>\n<p>Eine unter den Guarinis weit verbreitete Auffassung besagt, dass das ewige Leben bereits w\u00e4hrend des verg\u00e4nglichen irdischen Daseins erlangt werden kann. Das geschieht auf einem Weg, der <em>Apecatu Ava-por\u00e3 <\/em>genannt wird: heiliger Weg des Menschen. Er f\u00fchrt zum <em>Araguij\u00e9 kandire<\/em>, einer Auferstehung, die \u00c4hnlichkeiten hat mit der christlichen, aber die Besonderheit, dass sie nicht nach dem k\u00f6rperlichen Tod stattfindet, sondern w\u00e4hrend des Lebens.<\/p>\n<p>Die Idee einer Auferstehung bereits w\u00e4hrend des Lebens mag manchen paradox erscheinen, aber sie war auch die \u00dcberzeugung einzelner christlicher Str\u00f6mungen. Zu ihnen geh\u00f6rten die Katharer, auch Albigenser genannt, eine in S\u00fcdfrankreich entstandene Gemeinschaft, die im 12. Jahrhundert ihre gr\u00f6\u00dfte Ausbreitung hatte. Sie fu\u00dfte auf den Regeln eines inneren Christentums.<\/p>\n<p>Die Katharer nannten den inneren Weg, den sie beschritten, <em>Endura<\/em>. Er f\u00fchrte zum Tod des irdischen Ich und zur Wiedergeburt\/Auferstehung des G\u00f6ttlich-Geistigen im Menschen. In der Vollendung des <em>Endura<\/em> entstand die Verbindung des inneren, neuen Menschen mit dem g\u00f6ttlichen Geist, eine Verbindung, die den \u201cWeg des Perfekten\u201d er\u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Es ist kein Wunder, dass die offizielle Kirche die Katharer als Ketzer ansah, bekannten sie sich doch zur M\u00f6glichkeit einer intimen und unmittelbaren Beziehung zu Christus, durch die die Kirche als Vermittlerin zwischen Gott und Mensch ihrer Bedeutung weitgehend beraubt wurde. Die Katharer lehnten die Hierarchie der katholischen Kirche ab und begr\u00fcndeten eine eigene Art von Hierarchie, die vom Sympathisanten bis zum Perfekten reichte. F\u00fcr das Machtgef\u00fcge der damaligen Zeit, das auf der engen Verflechtungen von Kirche und K\u00f6nigtum beruhte, war das nicht hinnehmbar.<\/p>\n<p>Das <em>Onhemonkandire<\/em> in der mystischen Sicht der Guarinis h\u00e4ngt zusammen mit ihrem Glauben an ein Land ohne \u00dcbel, an <em>Iwi Mara\u00ea. <\/em>Noch unl\u00e4ngst brachen die Guarinis auf der Grundlage dieses Glaubens zu einer Migration auf, die sie in verschiedene Regionen S\u00fcdamerikas f\u00fchrte. Sie suchten<em> Iwi Mara\u00ea<\/em>, das irgendwo sein musste, in einer Gegend, die sie noch nicht erreicht hatten. Ihre Vorstellung erinnert an das Gelobte Land des j\u00fcdischen Volkes.<\/p>\n<p>Viele Guarinis sahen die Unsterblichkeit, die es innerhalb des physischen K\u00f6rpers zu erringen galt, als Unsterblichkeit des physischen K\u00f6rpers selbst an, \u00e4hnlich wie viele Christen daran glauben, dass die Erw\u00e4hlten nach dem J\u00fcngsten Gericht in ihren gegenw\u00e4rtigen irdischen K\u00f6rpern ewig leben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zur Auferstehung und zum ewigen Leben gab und gibt es innerhalb des Christentums sehr unterschiedliche Sichtweisen. Die Katharer befanden sich in \u00dcbereinstimmung mit gnostischen Richtungen des fr\u00fchen Christentums, wenn sie die Berichte \u00fcber das Leben Jesu als Symbole f\u00fcr den inneren Prozess ansahen, den jeder, der das ewige Leben anstrebt, zu durchleben hat.<\/p>\n<p>Nach dem Brasilianischen Forscher Joene Saraiva lehrten die Perfekten (die Eingeweihten) der Katharer, dass \u201cdie geweihte Hostie nicht als der K\u00f6rper Christi anzusehen sei und die Toten nicht in ihren irdischen K\u00f6rpern auferst\u00fcnden; dass Taufe und Heirat nicht zur Erl\u00f6sung f\u00fchrten, und sie bekannten, dass ihr Glaube sich auf einen neuen Himmel und eine neue Erde beziehe\u201d.<\/p>\n<p>Auf Grund des Werkes von Kak\u00e1 Wer\u00e1, das die Weisheit der Guarinis bekannt machte, wurde deutlich, dass die Lehren \u00fcber das <em>Onhemonkandire <\/em>auch symbolischen Charakter haben. Die Suche nach <em>Iwi Mara\u00ea<\/em>, der Erde ohne \u00dcbel, ist Sinnbild f\u00fcr den spirituellen Weg des Einzelnen zu seinem g\u00f6ttlichen Ursprung.<\/p>\n<p>Es ist ein Weg, an dessen Ende die k\u00f6rperliche Form, <em>arandu<\/em>, zur\u00fcckgelassen wird. Auferstehung bedeutet f\u00fcr die Guarinis ebenso wie f\u00fcr die Katharer das Erwachen eines neuen Bewusstseins, oder, anders gesagt, das Bewusstsein eines neuen, inneren Menschen, das nicht an die Grenzen des physischen K\u00f6rpers gebunden ist. Es wird w\u00e4hrend des Lebens errungen, geht aber \u00fcber die Horizonte des jetzigen Lebens weit hinaus.<\/p>\n<p>Den Glauben, dass ein ewiges Leben bereits w\u00e4hrend des irdischen Daseins zu erringen ist, gibt es auch heute noch in unserem Kulturkreis: er lebt in den gnostischen Christen der Schule des Goldenen Rosenkreuzes fort, die in gewisser Hinsicht spirituelle Erben der Katharer sind. Die Suche nach dem Gelobten Land, dem Land ohne \u00dcbel, ist viel mehr als die Erwartung, dass eine Verhei\u00dfung nach langer Zeit erf\u00fcllt werden wird. Es ist das Annehmen der Aufgabe der Wiedergeburt. Denn: \u201cWenn man nicht zuerst, noch bei Lebzeiten, die Auferstehung gewinnt, wird man im Tode nichts gewinnen\u201d, hei\u00dft es im gnostischen <em>Evangelium nach Philippus.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3373,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89144","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89144"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89144"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}