{"id":89134,"date":"2018-08-14T11:54:29","date_gmt":"2018-08-14T11:54:29","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/platon-und-das-erinnerungsvermogen-der-seele\/"},"modified":"2018-08-14T11:54:29","modified_gmt":"2018-08-14T11:54:29","slug":"platon-und-das-erinnerungsvermogen-der-seele","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/platon-und-das-erinnerungsvermogen-der-seele\/","title":{"rendered":"Platon und das Erinnerungsverm\u00f6gen der Seele"},"content":{"rendered":"<p>Der griechische Philosoph Platon, dessen Lebensspanne Teile des 5. und 4. Jahrhunderts vor Christus umfasste, wird als einer der Begr\u00fcnder des westlichen Denkens angesehen. Seine Theorie von den \u201eIdeen\u201c und seine Reflexionen \u00fcber die Seele und das Zusammenleben der Menschen werden oft sowohl mit dem Christentum als auch mit dem Sozialismus in Verbindung gebracht. Platons Philosophie enth\u00e4lt au\u00dferdem offenkundige \u00dcberschneidungen mit den sogenannten \u00f6stlichen Traditionen. Als das auff\u00e4lligste Beispiel daf\u00fcr kann man seine Ausf\u00fchrungen zur Unsterblichkeit und zur Seelenwanderung nennen. Unmittelbar damit h\u00e4ngt Platons Idee vom Erinnerungsverm\u00f6gen der Seele zusammen. Zum einen ist das Ged\u00e4chtnis der Seele gemeint im Bezug auf all das, was sie in ihren vielen Inkarnationen erlebt hat, aber haupts\u00e4chlich bezieht sich dieses Erinnerungsverm\u00f6gen auf das Leben der Seele in ihrem urspr\u00fcnglichen Zustand, bevor sie in die jetzige Welt kam.<\/p>\n<p>Platons Philosophie besagt, dass tiefer gehendes Wissen ein Erinnern ist und dass das Kultivieren des \u201eaktiven Erinnerns\u201c den Weg darstellt, um zu der Essenz alles Seienden zu gelangen und so zur\u00fcckzukehren zum urspr\u00fcnglichen Leben. Ohne auf die vielen Einzelheiten dieser Lehre einzugehen, soll hier die Bedeutung des Ged\u00e4chtnisses f\u00fcr den Weg des Wahrheitssuchers hervorgehoben werden. Es handelt sich hierbei um eine besondere Art von Ged\u00e4chtnis, weil es sich auch auf Dinge bezieht, die die Sinnenwelt transzendieren. Unsere begrenzte F\u00e4higkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit zu erkennen, ist, so gesehen, nur ein \u00dcberbleibsel unseres einstmaligen Verm\u00f6gens, mit Werten dieser Art in Einklang zu leben. Wir vermochten dies, bevor wir einen materiellen Khttp:\/\/www.securpharm.de\/nmvo\/\u00f6rper erwarben. Daraus folgt, dass unser Zustand in dieser Welt unnat\u00fcrlich und f\u00fcr die Seele leidvoll ist.<\/p>\n<p><strong>Vom Bewusstsein unserer Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Fest mit unserem Ged\u00e4chtnis verbunden ist das Bewusstsein unserer Identit\u00e4t. Zum Beispiel ist es leicht zu erkennen, dass die Geschichte eines Landes es seiner Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glicht, ein kollektives Nationalbewusstsein zu formen, so wie unsere pers\u00f6nlichen Erinnerungen unsere Individualit\u00e4t festigen. Nicht ohne Grund erkl\u00e4rt der Verfasser des \u201eKleinen Prinzen\u201c (St. Exup\u00e9ry) durch die Gestalt des Fuchses, dass man jemanden nur f\u00fcr sich einnehmen kann, wenn man eine gemeinsame Geschichte mit ihm\/ihr kreiert.<\/p>\n<p>Auch deshalb kann der Ged\u00e4chtnisverlust sehr unangenehme Folgen haben. Das Schlimmste von allem ist wohl, auf Grund einer Krankheit zu vergessen, wer man ist. Es f\u00fchrt zu Bedeutungsverlust, zu dem Gef\u00fchl, deplatziert zu sein, zu innerer Leere. Andererseits weisen intensive Erinnerungen auf Dinge hin, die f\u00fcr das eigene Selbstverst\u00e4ndnis wichtig sind. Gott selbst wollte seine F\u00fcrsorge und Liebe f\u00fcr sein Volk zum Ausdruck bringen, wenn er betonte, wie sehr seine Gedanken mit ihm besch\u00e4ftigt sind: \u201eKann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme \u00fcber den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben verg\u00e4\u00dfe, so will ich doch dein nicht vergessen.\u201c ( Jesaja 49:15)<\/p>\n<p>Wenn das gew\u00f6hnliche Ged\u00e4chtnis des Menschen so fest mit seiner Identit\u00e4t verbunden ist, dann ist das Ged\u00e4chtnis, das Platon beschreibt, also das Ged\u00e4chtnis der Seele, in der Lage, die Essenz der Seele zu offenbaren. Obwohl man die eigene spirituelle Identit\u00e4t nicht so ohne weiteres ins Bewusstsein heben kann, weist die \u201eErinnerung\u201c der Seele doch auf sie hin. Unsere \u201ewahre Identit\u00e4t\u201c zeigt sich in der Sehnsucht nach einem erf\u00fcllten Leben, nach der Ewigkeit, nach Liebe. Die Kontemplation dieses Sehnens, das aus einer unvordenklichen Vergangenheit stammt, ist die Ursache daf\u00fcr, dass wir \u00fcberhaupt nach Erf\u00fcllung verlangen.<\/p>\n<p>Plato beschreibt im Dialog \u201ePhaidros\u201c, warum wir die Wahrheit so sehr lieben: \u201eDer Grund aber f\u00fcr den gro\u00dfen Eifer, das Gefilde der Wahrheit zu finden, ist der, dass auf den Auen dort die dem edelsten Teile der Seele geb\u00fchrende Weide sprie\u00dft, durch die der Wuchs der Fl\u00fcgel, mit denen die Seele sich erhebt, gen\u00e4hrt wird.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Von der Schwere und dem Sturz zur Erde<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Wissen um die Essenz der Dinge ist der Triumph der Seele. Wie war es dann aber m\u00f6glich, dass die Seele von ihrem gl\u00fcckseligen Zustand abwich? Platon f\u00fchrt aus, dass es zw\u00f6lf G\u00f6tter gibt, die den Himmelsraum auf unterschiedliche Weise durchkreisen, je nach der Aufgabe, die ihnen zugeteilt ist. Die Seelen folgen dem einen oder dem anderen von ihnen. Wenn die Seele es vermag, ihrem Gott in den Kreisl\u00e4ufen zu folgen, wird sie die Gerechtigkeit, die Besonnenheit, die Erkenntnis immer besser \u201eerblicken\u201c und kein Leid erfahren. \u201eWenn sie aber zu schwach war, mitzukommen und nichts erblickte und sie, von einem Unfall betroffen, schwer wird durch die Last von Vergesslichkeit und Schlechtigkeit\u201c, zerst\u00f6rt ihre Schwere die Schwungfedern und sie st\u00fcrzt zur Erde. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Das mag erkl\u00e4ren, warum Menschen mit ihrem Leben immer unzufrieden sind, unabh\u00e4ngig davon, wie viel sie erreicht haben. Wir sind aus Geist und Materie zusammengesetzt, wobei der Geist unsere wahre Essenz enth\u00e4lt. Das Unverm\u00f6gen, sich tiefer gehend zu erinnern, f\u00fchrt dazu, Erf\u00fcllung in der Materie zu suchen, zumindest solange, bis wir erkennen, dass sie hier nicht zu finden ist.<\/p>\n<p>Die Wiedergewinnung eines \u201espirituellen Ged\u00e4chtnisses\u201c ist gleichzusetzen mit dem Wissen, wer man ist und welche Aufgabe man auf der Welt hat. Solch ein Gewahrwerden ist nur m\u00f6glich, wenn die spirituellen Impulse, die man in sich tr\u00e4gt, bewusst bearbeitet werden. Das wird zu einem Freilegen der \u201ePr\u00e4erinnerung\u201c. Das Verlangen nach Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit und Gleichheit sind Widerspiegelungen des \u201eHermetisch Guten\u201c, das jenseits aller Dualit\u00e4t ist. Wir verst\u00e4rken und reinigen es von Illusionen, wenn wir \u201eden Pfad gehen\u201c. Es geht dabei um das Kreieren einer neuen Geschichte, bei der wir ein Wesen an uns binden, in dem wir mehr und mehr aufgehen: n\u00e4mlich das Wesen, das wir schon immer waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Platon, Phaidros, Reclam Verlag, S. 43 (Abs. 28)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> A.a.O, S. 42 f. (Abs. 27 und 28)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3347,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89134","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89134"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89134"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}