{"id":89090,"date":"2018-06-29T08:17:13","date_gmt":"2018-06-29T08:17:13","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/star-trek-die-sehnsucht-nach-dem-anderen-teil-1\/"},"modified":"2018-06-29T08:17:13","modified_gmt":"2018-06-29T08:17:13","slug":"star-trek-die-sehnsucht-nach-dem-anderen-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/star-trek-die-sehnsucht-nach-dem-anderen-teil-1\/","title":{"rendered":"Star Trek: Die Sehnsucht nach dem Anderen &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p><em>Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen.<\/em><\/p>\n<p>&#8211;&nbsp; aus dem Vorspann von \u201eStar Trek: The Next Generation\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<p><em>Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.<\/em><\/p>\n<p>&#8211;&nbsp; aus der Offenbarung des Johannes<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Das Ph\u00e4nomen<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Science-Fiction-Saga <em>Star Trek<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> (deutscher Titel: \u201eRaumschiff Enterprise\u201c) feierte Ende 2016 ihr 50-j\u00e4hriges Bestehen. Von ihrem Sch\u00f6pfer und Produzenten Gene Roddenberry<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a> urspr\u00fcnglich mit deutlichen Anleihen an die Western-Serien der 1950er und 60er Jahre konzipiert<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a> und inzwischen weit mehr als eine Sammlung utopisch-idealistischer Fernsehserien und Kinofilme, stellt <em>Star Trek<\/em> einen der mit Abstand wirkm\u00e4chtigsten kulturellen Impulse der letzten Jahrzehnte dar. Der raubeinig-leidenschaftliche Captain James T. Kirk, der rational-analytische Erste Offizier Spock, der aufbrausende Bordarzt Leonard \u201ePille\u201c McCoy und viele mehr sind Ikonen der Popkultur. Millionen von Fans auf der ganzen Welt (mittlerweile in dritter Generation) und T-Shirts mit Thesen wie \u201eAlles, was ich \u00fcber das Leben wissen muss, habe ich aus <em>Star Trek<\/em> gelernt\u201c sprechen eine eindeutige Sprache.<\/p>\n<p>Dabei war anfangs nicht abzusehen, dass die originale Serie eine solche Dynamik entwickeln w\u00fcrde. 1966 mit begrenztem Budget gestartet (das man Kulissen, Maske und Effekten auch deutlich ansieht), gewann die Serie recht schnell eine \u00fcberschaubare, aber \u00fcberaus loyale Fangemeinde. Als wegen schlechter Quoten beschlossen wurde, <em>Star Trek<\/em> nach drei Staffeln einzustellen, wurde die Serie durch wiederholte Ausstrahlung, Conventions und private Auff\u00fchrungen zum Kult. Die hartn\u00e4ckige Treue der Fans zahlte sich aus: Nach einer 1972\/73 ausgestrahlten Zeichentrickserie wurden von 1979-1991 sechs Kinofilme produziert, an die sich von 1987-2005 vier weitere Serien sowie bis 2002 weitere vier Kinofilme anschlossen. Seit 2009 wurde mit bisher drei Filmen eine komplette Neuauflage gestartet, die in einer alternativen Zeitlinie spielt und die Abenteuer der ersten Generation mit jungen Schauspielern neu erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die originale Serie wurde und wird oft wegen ihrer billigen Kulissen und des rudiment\u00e4ren Make-Ups bel\u00e4chelt, das aus kaum verfremdeten Schauspielern exotische Aliens machen soll. Diese Kritik geht jedoch, sich an ihrer eigenen, vermeintlichen Schl\u00e4ue erg\u00f6tzend, am Thema vorbei. Der Anspruch von <em>Star Trek<\/em> war nie die m\u00f6glichst \u201erealistische\u201c Pr\u00e4sentation einer technologisch fortgeschrittenen Zukunftsgesellschaft, sondern Kulissen, Maske und Kost\u00fcme skizzieren lediglich den Rahmen f\u00fcr die thematisierten Fragestellungen.<\/p>\n<p>Obwohl <em>Star Trek<\/em> eindeutig in der \u201eharten\u201c, naturwissenschaftlich plausiblen Science-Fiction verankert ist (anders als z.B. die klar m\u00e4rchenhafte <em>Star-Wars<\/em>-Saga), richtet sich <em>Star Trek<\/em> mindestens so sehr an Herz, Idealismus und Empathie des Publikums wie an den Verstand. Dem Zuschauer wird \u201ezugemutet\u201c, sich auf Emotion, Sehnsucht und Hoffnung einzulassen und Logikl\u00f6cher, fantastische Ereignisverkettungen sowie teils unfreiwillig (?) komische Masken zu verzeihen. Der seit 50 Jahren anhaltende Erfolg der Saga beweist nicht, wie Zyniker behaupten, die \u201eNaivit\u00e4t\u201c des Publikums, sondern die tiefe, menschliche Ursehnsucht nach einem Lebenszustand, der frei von den Unvollkommenheiten unserer Alltagsrealit\u00e4t ist. Hier geht es nicht um Realit\u00e4tsflucht, sondern um die Vision einer lebenswerteren Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Gestartet auf dem H\u00f6hepunkt des kalten Krieges, ist <em>Star Trek<\/em> urspr\u00fcnglich von der Ambivalenz zwischen angespannter (damaliger) Gegenwart und hoffnungsbeladener (damaliger) Zukunft gepr\u00e4gt. Schon das Design des titelgebenden Raumschiffs Enterprise spiegelt dies wider: Die in <em>Star Trek<\/em> von den Menschen geflogenen Raumschiffe kommen in einer riesigen Vielfalt von Gr\u00f6\u00dfen, Typen und Varianten daher, aber eine Grundform ist ihnen allen praktisch ausnahmslos gemeinsam: Aus einem relativ kleinen \u201eSekund\u00e4rrumpf\u201c w\u00e4chst vorn auf der Oberseite ein kurzer Hals, auf dem die \u201eUntertassensektion\u201c sitzt. Dieser das Design dominierende, scheibenf\u00f6rmige Schiffsteil beherbergt u.a. die Br\u00fccke (Gehirnbewusstsein), Quartiere (Beseelung), Sensorik (Wahrnehmung) und Bewaffnung (Wille). Seine Form greift die \u201efliegenden Untertassen\u201c auf, deren (angebliche?) Sichtungen sich seit den 1950er Jahren mit der Hoffnung auf au\u00dferirdisches Leben und friedliche, gedeihliche Koexistenz verbanden, mit der nach au\u00dfen projizierten Sehnsucht nach dem Anderen, der die eigene Unvollkommenheit aufhebt.<\/p>\n<p>Der Sekund\u00e4rrumpf hat nicht nur die Aufgabe, die Untertassensektion mit dem Rest des Schiffs zu verbinden, sondern au\u00dfer dem Maschinenraum (Bauchbewusstsein) beherbergt er das \u201eHerz\u201c: Den \u201eWarpkern\u201c genannten Hauptreaktor, in dem eine Materie\/Antimaterie-Reaktion abl\u00e4uft, vermittelt und reguliert durch Kristalle des fiktiven Elements \u201eDilithium\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a> In dieser Reaktion neutralisieren sich Materie und Antimaterie gegenseitig vollst\u00e4ndig; dabei werden die unvorstellbaren Energiemengen freigesetzt, die f\u00fcr den Antrieb und weitere zentrale Technologien n\u00f6tig sind. Ganz im Sinne von Isaac Asimovs Bemerkung, dass \u201ejede gen\u00fcgend fortgeschrittene Technologie nicht mehr von Magie zu unterscheiden\u201c sei, setzen diese Technologien alle wesentlichen Begrenzungen im Alltag des 23. und 24. Jahrhunderts au\u00dfer Kraft. Der fantastischen Technologien sind drei: Warp-Antrieb, Transporter und Replikatoren. Mehr dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>An der Vorderseite des Sekund\u00e4rrumpfs, gewisserma\u00dfen auf H\u00f6he des Solarplexus, befindet sich der \u201eNavigationsdeflektor\u201c. Dieser erzeugt ein Kraftfeld, das vor dem Schiff befindliche Hindernisse aus der Flugbahn bef\u00f6rdert. Und selbstverst\u00e4ndlich verf\u00fcgt das Schiff \u00fcber Schutzschilde, die es als unsichtbares Energiefeld umgeben und jeden \u00e4u\u00dferlichen Angriff abhalten \u2013 es sei denn, die Energie geht zur Neige, oder dem Angreifer ist die Signatur des Kraftfeldes bekannt, sodass er sich anpassen kann.<\/p>\n<p>Richtung Heck ragen zwei m\u00e4chtige, nach au\u00dfen strebende Ausleger aus dem Sekund\u00e4rrumpf, an deren Ende die \u201eWarpgondeln\u201c sitzen. Sie stellen den Hauptantrieb dar, der das Schiff bef\u00e4higt, binnen Stunden oder Tagen interstellare Entfernungen zu \u00fcberbr\u00fccken, und sind ihrer Grundform nach zylindrisch. Darin zitieren sie die Raketen der damaligen Zeit, die als ballistische Mittelstreckenwaffen die gewaltigste Zerst\u00f6rungskraft ihrer Epoche darstellten, aber auch als m\u00e4chtige Frachtraketen im Rahmen der Mercury-, Gemini- und Apollo-Programme Menschen und technisches Ger\u00e4t bis zum Mond brachten.<\/p>\n<p>Im Design der Enterprise (und des Gro\u00dfteils der von Menschen geflogenen Schiffe im <em>Star-Trek<\/em>-Universum) vereint sich ein Symbol der Ursehnsucht nach dem Anderen mit dem damals ultimativen technologischen Inbegriff menschlicher Schaffenskraft und Zerst\u00f6rungsmacht, Kreativit\u00e4t und Unerschrockenheit. Die beiden Seiten der menschlichen Existenz (animalisch und spirituell) sind in diesem Entwurf kombiniert, und das Grundprinzip des stofflichen Kosmos schlechthin \u2013 das Wechselspiel der Gegens\u00e4tze \u2013 ist ihre Energiequelle. Wie der Mensch besitzen die Schiffe jeweils drei Bewusstseinszentren in Herz (Reaktor), Haupt (Br\u00fccke) und Becken (Maschinenraum). Der Aufbau des Schiffs veranschaulicht den \u201eMikrokosmos Mensch\u201c vollst\u00e4ndig \u2013 mit einer Ausnahme, dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Die Enterprise ist also das perfekte Vehikel, um dem Motto von <em>Star Trek<\/em> zu folgen: \u201eTo boldly go where no one has gone before\u201c. Dabei entspricht das englische \u201ebold\u201c dem deutschen \u201emutig\u201c nur fast; es bedeutet dar\u00fcber hinaus \u201ekeck\u201c, \u201edreist\u201c oder \u201eunverfroren\u201c.<\/p>\n<p>(Wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><sup><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/de.memory-alpha.wikia.com\/wiki\/Star_Trek\">http:\/\/de.memory-alpha.wikia.com\/wiki\/Star_Trek<\/a>, zuletzt aufgerufen 11.03.2017<\/sup><\/p>\n<p><sup><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/de.memory-alpha.wikia.com\/wiki\/Gene_Roddenberry\">http:\/\/de.memory-alpha.wikia.com\/wiki\/Gene_Roddenberry<\/a>, zuletzt aufgerufen 11.03.2017<\/sup><\/p>\n<p><sup><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a> <cite>Alexander, David:<\/cite><cite> Star Trek Creator: The Authorized Biography of Gene Roddenberry<\/cite><cite>. New York: Roc, 1995, S. 211\/212<\/cite><\/sup><\/p>\n<p><sup><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> In unserer Realit\u00e4t existiert Dilithium als gasf\u00f6rmig vorkommendes Molek\u00fcl aus zwei Lithium-Atomen.<\/sup><\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":3222,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89090","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89090"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89090"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}