{"id":89070,"date":"2018-06-19T19:42:36","date_gmt":"2018-06-19T19:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/wissenschaft-und-religion-feinde-oder-verbundete\/"},"modified":"2018-06-19T19:42:36","modified_gmt":"2018-06-19T19:42:36","slug":"wissenschaft-und-religion-feinde-oder-verbundete","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wissenschaft-und-religion-feinde-oder-verbundete\/","title":{"rendered":"Wissenschaft und Religion: Feinde oder Verb\u00fcndete?"},"content":{"rendered":"<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Wissenschaft und Religion kann nicht mehr als freundschaftlich bezeichnet werden. Im Mittelalter f\u00fchrte die Vorherrschaft der Religion \u00fcber die Wissenschaft zu Obskurantismus und R\u00fcckschritt. Das Aufbl\u00fchen der Wissenschaften hat die Grundmauern der Religionen jedoch ersch\u00fcttert und Glauben und Dogmen bei vielen Menschen in Misskredit gebracht.<\/p>\n<p>Durch wissenschaftliches Denken wurden nach und nach mythologische Figuren zerst\u00f6rt, die oft nur erschaffen worden waren, um Wissensl\u00fccken zu f\u00fcllen. Naturph\u00e4nomene erkl\u00e4ren wir heute durch materielle Prozesse und nicht mehr durch das Wirken von G\u00f6ttern und Geistern.<\/p>\n<p>Unsere mentalen F\u00e4higkeiten haben sich seit der Zeit unserer primitiven Vorfahren betr\u00e4chtlich entwickelt. W\u00e4hrend in der Vergangenheit Mythen als vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rungen zum Beispiel f\u00fcr einen Wandel des Klimas angesehen wurden, st\u00fctzen wir uns heute auf unsere Kenntnisse \u00fcber Atome, Elemente und Schwingungsfelder.<\/p>\n<p>Die Bewusstseinsentwicklung des Menschen kann sich nicht mehr religi\u00f6sen Dogmen und Zw\u00e4ngen unterwerfen. Bei vielen f\u00fchrt sie dazu, jegliches religi\u00f6se Wissen abzulehnen und generell die Haltung des Skeptizismus einzunehmen.<\/p>\n<p>So gibt es also einen Konflikt zwischen wissenschaftlicher und religi\u00f6ser Denkweise. Dennoch weisen beide Richtungen \u00e4hnliche Motivationen auf, sofern das Religi\u00f6se von einem spirituellen Suchen begleitet ist.<\/p>\n<p>Die Wissenschaften versuchen, die Rolle des Menschen im Universum und alle seine Lebensumst\u00e4nde zu entschleiern, w\u00e4hrend die Religionen eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz suchen. Auf der einen Seite ist da das Religi\u00f6se, das von einem Verlangen nach Transzendenz getragen wird, aber oft in Dogmen verwurzelt ist, die das Weltverst\u00e4ndnis begrenzen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist da die Wissenschaft, die rationales Denken ohne Dogmen verwendet, jedoch zum Skeptizismus tendiert; sie nimmt in der heutigen Zeit eine dominante Vormachtstellung ein, die alternative Herangehensweisen unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber Religion<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir den Begriff Religion etymologisch: Eine seiner Bedeutungen kommt von dem lateinischen Wort <em>religio<\/em> und verweist auf einen festgelegten Glauben an etwas H\u00f6heres oder auf Anbetung und Verehrung von etwas Heiligem. Diese Bedeutung spiegelt den dogmatischen Charakter von Religion wider. Es gibt jedoch noch eine tiefere Bedeutung des Wortes Religion, welche sich auf das lateinische <em>religare<\/em> bezieht. Man kann es am ehesten \u00fcbersetzen mit \u201esich wiederverbinden\u201c, \u201esich fest verbinden\u201c, \u201esich vereinigen\u201c. Gemeint ist die Wiederverbindung des Menschlichen mit seiner tieferen Essenz, dem G\u00f6ttlichen. Diese zweite Bedeutung legt nahe, dass der Mensch von etwas getrennt ist und es die M\u00f6glichkeit einer erneuten Vereinigung gibt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wollen Religionen und auch einige philosophische Bestrebungen den Menschen dazu ansto\u00dfen, die M\u00f6glichkeit der Wiederverbindung mit dem G\u00f6ttlichen zu erkennen. Die Suche nach dem G\u00f6ttlichen hat im Laufe langer Zeitr\u00e4ume eine universelle Weisheit hervorgebracht, die bestrebt ist, die tiefgr\u00fcndigsten Fragen nach unserem Ursprung zu beantworten, wobei sie Reflektionen \u00fcber existenzielle Konflikte und besonders \u00fcber den Sinn des Lebens generiert.<\/p>\n<p>Das Forschen nach dem Wesentlichen, dem G\u00f6ttlichen, nach Transzendenz hat zur Folge, dass viele Religionen der Menschheit im Grunde dieselbe Botschaft \u00fcberbracht haben. Allerdings macht es jede auf eine spezielle Art, die ihrer Zeit, ihrem Bewusstheitszustand und den jeweiligen historischen und geographischen Umst\u00e4nden entspricht. So ist es n\u00f6tig, hinter die Oberfl\u00e4che zu schauen. Die unterschiedlichen Religionen strahlen wie ein Kristall verschiedene Facetten einer einzigen Essenz aus.<\/p>\n<p>Sobald religi\u00f6se Bewegungen ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschreiten, verlieren sie oft ihren urspr\u00fcnglichen Charakter: sei es durch Machtk\u00e4mpfe, Uneinigkeiten \u00fcber Interpretationen ihrer Lehre oder durch Abweichung von ihrem eigentlichen Ziel. Was dann \u00fcbrig bleibt, ist nur noch eine kulturelle und intellektuelle Bewegung, die sich mit Hilfe von Doktrinen aufrecht erh\u00e4lt, die nicht mehr die Kraft ihrer urspr\u00fcnglichen Essenz \u00fcbermitteln und von blindem Glauben gepaart sind. Sie gleichen dann leeren Gef\u00e4\u00dfen.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Wissenschaft<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Wissenschaften brechen mit den religi\u00f6sen Dogmen, indem sie den Menschen mit empirisch nachweisbaren Fakten konfrontieren, die er verstehen und analysieren kann. Sie repr\u00e4sentieren auf diese Weise die Freiheit des Menschen, nur das f\u00fcr wahr zu halten, was auch beweisbar ist. Der Mensch muss sich keinen \u00e4u\u00dferen Autorit\u00e4ten mehr unterwerfen, weder einem Meister, noch einem Priester, noch einer Institution.<\/p>\n<p>Allerdings haben die Wissenschaften im Laufe ihrer Entwicklung ebenfalls dogmatische Z\u00fcge angenommen. Die Wissenschaftsgemeinde hat eine Machtsstruktur geschaffen, die dazu tendiert, ihre Paradigmen festzuschreiben und die den Anspruch erhebt, als einzige das Recht zu haben, die Wirklichkeit zu erkl\u00e4ren. Die Menschen werden dazu gebracht, nur das f\u00fcr wahr zu halten, was ihre f\u00fcnf Sinne (durch Technologie erweitert) wahrnehmen k\u00f6nnen. Dieser Skeptizismus verschlie\u00dft die Augen davor, dass es in Vergangenheit und Gegenwart viele verl\u00e4ssliche Zeugnisse von der Existenz feinerer Schichten der Realit\u00e4t gibt.<\/p>\n<p>Die Menschen unserer Zeit neigen dazu, den Wissenschaftlern alles zu glauben; kaum jemand hat die M\u00f6glichkeit, ihre Aussagen zu \u00fcberpr\u00fcfen. Gleichzeitig k\u00f6nnen wir beobachten, wie schnell sich wissenschaftliche Paradigmen und Theorien \u00e4ndern. Der Philosoph Karl Popper betonte, dass wissenschaftliche Theorien niemals bewiesen, sondern nur durch weitere Experimente falsifiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wissenschaften haben nicht das Wissen vom praktischen und inneren Leben des Menschen zum Inhalt; das war schon immer die Dom\u00e4ne von Philosophie, Religion und Spiritualit\u00e4t. Deswegen ist wissenschaftliches Denken allein unvollst\u00e4ndig, es eignet sich nicht dazu, die existenziellen menschlichen Fragen zu beantworten.<\/p>\n<p><strong><em>Beide Herangehensweisen sind notwendig<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass jeder, der solche existenziellen Fragen verstehen m\u00f6chte, Wissenschaft und Religion miteinander vers\u00f6hnen muss, indem beide sich nicht an Dogmen klammern, innere Autonomie erlangen und rationales Denken benutzen, um Erkenntnisse in der religi\u00f6sen Dom\u00e4ne zu suchen. Religion wird hierbei zu Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen sogar sagen, dass die Wissenschaft eine Verb\u00fcndete von Religion bzw. Spiritualit\u00e4t ist. Sie dokumentiert die Gro\u00dfartigkeit, Perfektion und Organisation sowie die Entwicklung von Kosmos und Natur. Dabei bleibt Raum, das Wirken einer h\u00f6heren Intelligenz, die allem sowohl Impulse gibt als auch Freiheit l\u00e4sst, anzunehmen.<\/p>\n<p>Einstein sagte: \u201eOhne Gott ist das Universum nicht zufriedenstellend zu erkl\u00e4ren\u201c, und: \u201eDie Religion der Zukunft wird kosmisch sein und wird einen pers\u00f6nlichen Gott transzendieren und dadurch Dogmen und Theologie \u00fcberwinden\u201c.<\/p>\n<p>Von dem Gesagten ausgehend, k\u00f6nnen wir die M\u00f6glichkeit erkennen, religi\u00f6s-spirituelles und wissenschaftliches Denken in der gemeinsamen Suche nach Wahrheit miteinander zu vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Ein ber\u00fchmter Ausspruch, der Helena Blavatsky zugesprochen wird und sp\u00e4ter das Motto der Theosophie wurde, lautet: \u201eKeine Religion ist h\u00f6her als die Wahrheit.\u201c Der russische Philosoph Nikolai Berdiaiev brachte das Gleiche zum Ausdruck, indem er sagte: \u201eEs gibt nichts, das der Suche nach Wahrheit und der Liebe zu ihr \u00fcberlegen w\u00e4re. Die einzige und alles umfassende Wahrheit ist Gott, und das Wissen von der Wahrheit bedeutet ein Eindringen in das g\u00f6ttliche Leben.\u201c<\/p>\n<p>Die Suche nach Wahrheit scheint im Menschen verwurzelt zu sein. In beinahe allen Kulturen findet sich die Lehre, dass es im Menschen ein verborgenes Element der Wahrheit gibt. Von den Urchristen wurde es \u201eSenfkorn\u201c genannt, Buddhisten sprechen von der \u201eLotusblume\u201c, Taoisten von \u201eTao\u201c und Hindus kennen den \u201eAtman\u201c. Die Geistesschule des Rosenkreuzes spricht vom \u201eGeistfunkenatom\u201c im Menschen.<\/p>\n<p>Mit diesen Begriffen wird auf ein g\u00f6ttlich-geistiges Element hingedeutet, das einem Spiegel gleich etwas von einer absoluten, unver\u00e4nderlichen Realit\u00e4t abbildet. Wenn wir uns mit diesem g\u00f6ttlichen Prinzip in unserem Herzen wieder verbinden, finden wir Wahrheit als lebendigen Besitz und nicht als intellektuelles Verm\u00f6gen. Es entsteht Weisheit, die zu innerer Transformation f\u00fchrt, es entwickelt sich eine innerliche Religion. Eine solche Wiederverbindung bef\u00e4higt zur Autonomie und befreit von \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen. Ahnungen vom Vorhandensein eines allumfassenden g\u00f6ttlichen Bewusstseins werden erlebt.<\/p>\n<p>Wer Erfahrungen dieser Art gemacht hat, wird zum Wahrheitssucher und nimmt die gro\u00dfe Aufgabe auf sich, sein biologisches, egozentrisches Bewusstsein in ein neues, aus der g\u00f6ttlichen Weisheit stammendes Bewusstsein zu transformieren. Dazu gilt es, Unzul\u00e4nglichkeiten und Getrenntsein zu durchleben und sich dem anzuvertrauen, was als Intuition erfahren wird. Es ist ein Prozess, der schmerzvoll sein kann, weil Anhaftung und Selbsterhaltungstrieb strukturelle Wesensmerkmale des nat\u00fcrlichen Menschen sind.<\/p>\n<p>Der Wahrheitssucher wird die wissenschaftliche Denkweise mit der intuitiven Erkenntnis vereinen. Gleichzeitig wird er alles religi\u00f6se Denken hinterfragen und pr\u00fcfen, ob es aus der g\u00f6ttlichen Wahrheit kommen kann und wie es mit wissenschaftlicher Erkenntnis vereinbar ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3153,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-89070","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89070"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89070"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}