{"id":89046,"date":"2018-05-29T09:57:37","date_gmt":"2018-05-29T09:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/hilma-af-klint-mogliche-welten\/"},"modified":"2018-05-29T09:57:37","modified_gmt":"2018-05-29T09:57:37","slug":"hilma-af-klint-mogliche-welten","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/hilma-af-klint-mogliche-welten\/","title":{"rendered":"Hilma af Klint: M\u00f6gliche Welten"},"content":{"rendered":"<p>Die Pinakothek von S\u00e3o Paulo kuratierte von M\u00e4rz bis Juli 2018, erstmalig in S\u00fcdamerika, eine Einzelausstellung der schwedischen Malerin Hilma af Klint (1862-1944). Sie wurde als Pionierin der abstrakten Malerei anerkannt, obwohl sie den gr\u00f6\u00dften Teil des zwanzigsten Jahrhunderts weithin unbekannt geblieben war.<\/p>\n<p>1907 arbeitete Hilma af Klint an der Serie \u201eBilder f\u00fcr den Tempel\u201c, die&nbsp; aus 193 klassifizierten Werken aus den Jahren 1906 bis 1915 besteht. Gleichzeitig malte Picasso seine \u201eDemoiselles d&#8217;Avignon\u201c, Gustav Klimt seinen ber\u00fchmten \u201eKuss\u201c und Frida Kahlo \u201eMexico City\u201c. Kurz darauf traten Namen wie Kandinsky, Munch und Mondrian in das Licht der \u00d6ffentlichkeit \u2013K\u00fcnstler, die der Kunstgeschichte ihren Stempel aufdr\u00fcckten. Nur Hilma af Klint tauchte in dieser Geschichte noch nicht auf, denn ihr abstraktes Werk wurde erst zwanzig Jahre nach ihrem Tod ver\u00f6ffentlicht \u2013 auf ihren eigenen Wunsch. Wie auch immer, es dauerte bis 1986, dass&nbsp; ihr Werk erstmals in der Ausstellung \u201eThe Spiritual In Art: Abstract Painting 1890-1985\u201c am LACMA (Los Angeles County Museum of Art) dem interessierten Publikum zug\u00e4nglich gemacht wurde.<\/p>\n<p>Ihr Werk erforscht Wege zu einem h\u00f6heren Sein. Hilma af Klint wusste damals, dass die \u00d6ffentlichkeit noch nicht in der Lage war, ihre Arbeit zu verstehen, und das ist bis heute nicht vollst\u00e4ndig der Fall. Sie schl\u00e4gt einen Weg der Selbsterkenntnis vor, der uns alle betrifft. Schrittweise \u00f6ffnet sich die Menschheit daf\u00fcr. Die beginnende Aquarius-\u00c4ra bringt eine wachsende Offenheit f\u00fcr neue Ideen mit sich. Jedoch sind die Ideen, die die Malerin aufgegriffen hat, nicht neu \u2013 sie sind zeitlos.<\/p>\n<p>Hilma af Klint war nicht nur eine K\u00fcnstlerin, sie war ein Mensch auf der Suche nach spiritueller Entwicklung. Zu Beginn war sie ein Instrument, um Immaterielles ins Materielle und Unsichtbares ins Sichtbare zu \u00fcbersetzen. Laut Johan af Klint, dem Neffen und Erben der K\u00fcnstlerin sowie Vorsitzenden der Hilma af Klint-Stiftung<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a>, \u201eist ihr Werk eine stoffliche Entsprechung der geistigen Welt.\u201c Sp\u00e4ter enth\u00fcllte sie die Entwicklung ihres eigenen Bewusstseins.<\/p>\n<p>Zwei LOGON-Autoren hatten die Ausstellung in S\u00e3o Paulo besucht. Hier sind ihre Eindr\u00fccke:<\/p>\n<p>Wenn wir das Werk von Hilma af Klint betrachten, nehmen wir seine Gr\u00f6\u00dfe wahr \u2013 und etwas, das sich nicht in Worte fassen l\u00e4sst. Die K\u00fcnstlerin dr\u00fcckt sie sich oft mithilfe von geometrischen, und dann auch wieder mithilfe von organischen Formen aus. Gewisserma\u00dfen ist ihr Werk abstrakt, denn es ber\u00fchrt uns in einer Weise, die f\u00fcr den konkreten Verstand allein ziemlich unverst\u00e4ndlich ist. Um diese Kunst zu verstehen, muss man sie mit dem ungeteilten Sein erfahren und sie in das innerste Selbst, das Herz, eindringen lassen, so dass dort eine Saite erklingen kann, die mit ihr in Resonanz ist. Hilma af Klints Kunst ist nicht allein f\u00fcr den Verstand gemacht; man kann sie f\u00fchlen, sobald man sich den Leinw\u00e4nden n\u00e4hert, und das gilt besonders f\u00fcr diejenigen, die speziell f\u00fcr den Tempel gemalt wurden. F\u00fcr welchen Tempel hat Hilma af Klint gemalt? Sie malte nicht F\u00dcR einen Tempel \u2013 sie zeigte den Weg, einen inneren Tempel zu bauen.<\/p>\n<p>Ihr Werk l\u00e4sst alles, was wir davon mit unseren Augen wahrnehmen, in uns nachhallen, es ist selbst Erkenntnis. Es offenbart einen spirituellen Weg, und zwar den, den die K\u00fcnstlerin geht; er existiert, und jeder Mensch, der ihn sucht, kann ihn finden. Er ist ein Geschenk an die Gegenwart, denn jetzt wird er der Menschheit gezeigt, ihrem gegenw\u00e4rtigen Bewusstsein, im jetzigen kosmischen Moment, der durch innere Ruhelosigkeit, Durst nach neuen Erfahrungen und Unzufriedenheit mit den aktuellen Zust\u00e4nden gekennzeichnet ist. Wir beobachten, wie magnetisch ihre Gem\u00e4lde sind und wie stark Besucher der Ausstellung von ihnen ber\u00fchrt werden, viele davon Kinder unter 10 Jahren. Kann es einen besseren Beweis daf\u00fcr geben, wie innerlich vertraut und allgemeing\u00fcltig ihre Kunst ist?<\/p>\n<p><strong><em>Das Interesse am Unsichtbaren<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Beeinflusst durch Bewegungen wie die der Rosenkreuzer, der Theosophie und der Anthroposophie, zeichnete Hilma af Klint Dimensionen auf, die sich den blo\u00dfen Verst\u00e4ndnism\u00f6glichkeiten der Sinne entziehen. Es sind die unsichtbaren Kr\u00e4fte der Welt, die die K\u00fcnstlerin auch in unz\u00e4hligen schriftlichen Aufzeichnungen darstellt und katalogisiert. In ihrer Zeit flammte das Interesse am Unsichtbaren neu auf, wie man auch an wissenschaftlichen Entdeckungen wie den R\u00f6ntgenstrahlen und elektromagnetischen Wellen sehen kann. Und es wurde deutlich, dass Trennung in Wirklichkeit nicht existiert, dass alle Dinge miteinander verbunden sind, sich aber jedem Menschen unterschiedlich darstellen. Hilma af Klint entdeckte dies auf k\u00fcnstlerischem Weg. Auf der okkulten Ebene waren es spiritistische Sitzungen, die an Bekanntheit gewannen. Die K\u00fcnstlerin machte ihre spiritistischen Erfahrungen mit dem \u201eKreis der F\u00fcnf\u201c, einer Gruppe, die aus ihr und vier anderen Freundinnen bestand und die auch channelten und <em>ecriture automatique<\/em> betrieben.<\/p>\n<p>Es ist anzumerken, dass die schwedische Malerin mit einem h\u00f6heren magnetischen Feld in Kontakt kam, einem reinen und erhabenen Feld, \u00fcber das sie mit Rudolf Steiner sprach. Dieses Feld geh\u00f6rte nicht zu der Welt der Gegens\u00e4tze wie Licht und Finsternis oder Gut und B\u00f6se: es ist das Feld des Geistes.<\/p>\n<p><strong><em>Heilige Geometrie und Wege der Entwicklung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hilma af Klint verdiente ihren Lebensunterhalt als Portr\u00e4t- und Landschaftsmalerin. Sie war sehr gr\u00fcndlich. In ihrem spirituellen Werk, das die Botanik behandelt, machte sie in Skizzenb\u00fcchern zahlreiche (philosophische) Aufzeichnungen \u00fcber die Anordnung von Atomen und magnetischen Feldern sowie \u00fcber Heilige Geometrie. Jesus Zaton schreibt in seinem Buch \u201eHeilige Geometrie: Nat\u00fcrliche, wissenschaftliche und pythagor\u00e4ische Grundlagen\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a>: \u201eHeilige Geometrie beschr\u00e4nkt sich nicht auf Ma\u00dfe, sondern versucht, die Energiemuster zu erforschen, durch die alle Dinge aus der Einheit oder dem metaphysischen All erschaffen wurden: Von der Entwicklung eines Embryos bis zu den Mustern, denen die Entstehung und Ordnung von Planetensystemen und Galaxien folgen, zu Punkten und Linien auf Tierh\u00e4uten oder zu der Weise, in der DNA-Molek\u00fcle strukturiert sind; vom Kleinsten zum Gr\u00f6\u00dften wird alles durch die Heilige Geometrie beherrscht.\u201c<\/p>\n<p>Hilma af Klints Werke erz\u00e4hlen die gesamte Sch\u00f6pfungsgeschichte, vom Chaos zum Anfang, dem Wort. Die Bilderserie \u201eThe Ten Largest\u201c zeigt die Entwicklung des Bewusstseins in Spiralen anhand der menschlichen Entwicklung von der Kindheit bis zum hohen Alter. Die \u201ePaintings For The Temple\u201c gipfeln in der \u201eAltar Piece\u201c-Serie, die den eigenen spirituellen Pfad der K\u00fcnstlerin aufzeigt, als alchimischen Prozess, der Blei zu Gold transmutiert. Eine andere sch\u00f6ne Serie ist \u201eThe Tree of Knowledge\u201c; in Nummer 1 platziert die Malerin ein Herz&nbsp; (das Zentrum des menschlichen Wesens) am Fu\u00df eines Baumstamms. Das Herz ist es, das die T\u00fcr zu den anderen Dimensionen beherbergt, welche zum Heiligen Gral (in der Krone des Baumes) f\u00fchren, welcher zw\u00f6lf Strahlen aussendet. Je weiter sich die Strahlen vom Gralsbecher entfernen, desto tiefergehend die Trennung. Dies wird durch schwarze und wei\u00dfe Tauben symbolisiert, die sich, obwohl miteinander verbunden, immer mehr aus ihrem urspr\u00fcnglichen Einssein entfernen. Nur in der obersten Dimension sind sie eins. Weiter unten streben sie immer weiter auseinander.<\/p>\n<p>Der Pfad der Selbsterkenntnis, den Hilma af Klint ging, f\u00e4llt zusammen mit ihrer Kunst: einer Kunst, die f\u00e4hig ist, das spirituelle Leben derer zu transformieren, die damit in Kontakt kommen. Ein Leben, das aus dem Herzen flie\u00dft, das Ewigkeit um sich her verbreiten m\u00f6chte \u2013 nicht als Bild, sondern als Kraft, als unendliches Geschehen, hier, in der Gegenwart.<\/p>\n<p>Derzeit ist im M\u00fcnchner Lenbachhaus (noch bis zum 10.03.2019) das Werk Hilma af Klints in der Ausstellung \u201eWeltempf\u00e4nger\u201c, gemeinsam mit Werken von Emma Kunz und Georgiana Houghton, zu sehen. Die drei ausgestellten K\u00fcnstlerinnen eint, dass sie versuchten, feinstoffliche Wahrnehmungen und spirituelle Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten malerisch auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; im schwedischen Original: <em>Stiftelsen Hilma af Klints Verk<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; im portugiesischen Original: <em>Geometria sagrada: Bases naturais, cientificas e pitagoricas <\/em>(bislang nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3076,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-89046","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89046"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89046"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}