{"id":89021,"date":"2018-04-21T14:28:23","date_gmt":"2018-04-21T14:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/wer-bin-ich\/"},"modified":"2018-04-21T14:28:23","modified_gmt":"2018-04-21T14:28:23","slug":"wer-bin-ich","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wer-bin-ich\/","title":{"rendered":"Wer bin ich?"},"content":{"rendered":"<p>Wer bin ich? Mein Antlitz im Spiegel verr\u00e4t es mir nicht. Bin ich mir vertraut &#8211; oder habe ich mich nur an diesen Anblick gew\u00f6hnt? Fotos von mir als junges M\u00e4dchen. Darauf erkenne ich mich nicht. Ich wei\u00df nur, dass ich so wohl einmal ausgesehen habe. Im Moment blicke ich um mich herum in asiatische Gesichter. Dann spiegelt sich mein \u00c4u\u00dferes in einer Fensterscheibe: Ich sehe eine wei\u00dfe Frau mit hellem Haar und blauen Augen. Bin ich das? Wer bin ich?<\/p>\n<p>Selten wurde dem K\u00f6rper so gehuldigt wie in unseren Zeiten. Dabei brauchen wir ihn gar nicht mehr so n\u00f6tig wie fr\u00fcher. Jedenfalls nicht, um unsere Existenz zu sichern. Er ist in dieser Hinsicht oft fast \u00fcberfl\u00fcssig geworden. Der K\u00f6rper pfl\u00fcgt kein Feld mehr um, bewegt keine schweren Lasten, ist nicht einmal f\u00fcr die Fortpflanzung unabdingbar. Doch trotz dieser Bedeutungslosigkeit beten wir ihn an. Fitness, Ern\u00e4hrung, Wellness, Mode, Style. Kaum ein Tag, ohne dass wir etwas f\u00fcr unseren K\u00f6rper tun.<\/p>\n<p>Denn wir verf\u00fcgen nur \u00fcber eine einzige echte Verbindung mit der Au\u00dfenwelt: unseren K\u00f6rper. Er ist der Link, das Relais, von dem aus wir mit anderen in Kontakt treten k\u00f6nnen. Wir k\u00fcmmern uns um ihn, wollen unsere Pers\u00f6nlichkeit ausdr\u00fccken. Von der Haarfarbe \u00fcber die Figur bis zu den Socken. Schau mich an, was ich aus mir gemacht habe. Schau mich an, wer ich bin. Wir brauchen diesen K\u00f6rper, um anderen zu begegnen. Daf\u00fcr machen wir ihn &#8211; sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Denn in unserem Bewusstsein sind wir allein, wissen nicht ohne Weiteres, was ein anderer wirklich f\u00fchlt oder denkt. Im tiefsten Innern bin ich nur Ich. Da sind die Gef\u00fchle, die sich tummeln. Die Gedanken, die umherschwirren. Wenn es eine Seele gibt, m\u00fcsste sie da irgendwo wohnen. Es scheint dort drinnen wenig aufger\u00e4umt zu sein. Beim Sortieren dieses Durcheinanders sch\u00e4len sich drei Instanzen an die Oberfl\u00e4che, die Ich zu sein scheinen \u2013 aber die selten in Verbindung miteinander stehen. Dabei ist deren Einheit zu suchen recht popul\u00e4r: K\u00f6rper, Seele, Geist.<\/p>\n<p>Um den K\u00f6rper k\u00fcmmern wir uns &#8211; um Nahrung, Muskeln, Haut. Aber die Seele &#8211; was ist sie nur? In den Augen soll sich ihr Ausdruck widerspiegeln, doch aus was sich die Seele zusammensetzt, ist h\u00f6chst diskussionsw\u00fcrdig. Es gibt etliche Beschreibungen &#8211; mal sind es feinstoffliche Substanzen, mal ein Energiefeld, dann wieder \u00fcberirdische Kr\u00e4fte. Jeder hat seine eigene Definition. Die Seele scheint etwas zu sein, das unsere Gef\u00fchle, unser Gem\u00fct, unsere Psyche umschreibt. Und dennoch erscheint sie wandelbar, formbar wie unser K\u00f6rper. Das Training der Seele wird heute zelebriert in Achtsamkeits-Seminaren, in Schweige-Retreats oder im Yoga-Studio. Dort k\u00fcmmern wir uns um sie &#8211; je nachdem, ob wir Zeit daf\u00fcr haben.<\/p>\n<p>Und der Geist? Da wird es noch verwirrender. Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen \u201emind\u201c und \u201espirit\u201c. Den Verstand und den Geist. Bleiben wir beim Verstand, dann haben wir&nbsp; zumindest eine mentale Ebene. Mit Hilfe des Gehirns wird gedacht, reflektiert und werden Ideen geboren. Es gibt eine Speicherkapazit\u00e4t f\u00fcr unsere Erfahrungen und Vorstellungen. Dort entsteht Bewusstsein. Wir f\u00fcttern unser Gehirn mit Wissen und versuchen zu verstehen, zu sortieren. Wir besuchen Schulen, Universit\u00e4ten, bilden uns fort und verbringen Zeit auf Seminaren. Kopfarbeit ist das, was uns heute ausmacht. Damit verdienen die meisten ihr Geld in unserer Informationsgesellschaft. Der Geist indes nimmt sich anders aus. Er scheint vielleicht mehr von au\u00dfen zu kommen, als dem inneren Chaos des Ichs zu entspringen, was ich jetzt erlebe. Von ganz woanders.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man den Menschen als ein Haus zeichnen, k\u00f6nnte man vielleicht das Erdgeschoss als den K\u00f6rper, das erste Stockwerk als die Seele und das zweite Stockwerk als den Verstand ansehen. Das Haus h\u00e4tte die ungew\u00f6hnlichsten Formen. Manchmal w\u00e4re es unten schmal und oben riesengro\u00df &#8211; manchmal unten breit und oben winzig klein. Bei dem einen gibt es Treppen, die die Stockwerke verbinden &#8211; bei dem anderen wurden sie vergessen oder sind eingest\u00fcrzt. Einer hat sein Haus so gut errichtet, wie er konnte &#8211; und l\u00e4sst andere darin wohnen. Ein weiterer hat das Haus ebenm\u00e4\u00dfig erstellt&nbsp; und wei\u00df es nicht mit Inhalt zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Hat mein Haus wohlgeformte, harmonische Proportionen &#8211; und wer wohnt darin?<\/p>\n<p>Ich stelle mir nun vor, dass ich nach und nach die T\u00fcren des Hauses \u00f6ffne: die T\u00fcren des Verstandes, der Seele, des K\u00f6rpers. Eine gro\u00dfe Weite, \u201efrische Luft\u201c kommt hinein \u2013 Geistiges, Geist.<\/p>\n<p>Wer bin Ich? Ich schaue mich im Spiegel an. Bin ich der trainierte K\u00f6rper, die bek\u00fcmmerte Seele, meine Gedankenwelt? Oder doch auch ein wenig Geist, vor\u00fcbergehender Bewohner meines Hauses? Oder bin ich nur ein Anblick, an den ich mich gew\u00f6hnt habe; ein junges M\u00e4dchen auf einem Foto, das ich zu kennen glaube &#8211; oder eine wei\u00dfe Frau mit blauen Augen zwischen all den asiatischen Gesichtern?<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":2946,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89021","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89021"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89021"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}