{"id":88983,"date":"2018-03-20T09:14:10","date_gmt":"2018-03-20T09:14:10","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/beruhrt-vom-geist\/"},"modified":"2018-03-20T09:14:10","modified_gmt":"2018-03-20T09:14:10","slug":"beruhrt-vom-geist","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/beruhrt-vom-geist\/","title":{"rendered":"Ber\u00fchrt vom Geist?"},"content":{"rendered":"<p>Wir lebten auf dem Land. Ich war vielleicht 5 oder 6 Jahre alt. Meine Eltern betrieben eine der drei Dorfkneipen. Sie hatten kaum Zeit f\u00fcr mich. Ich war ein vertr\u00e4umtes Kind und oft sehr ungl\u00fccklich \u2013 alles andere, als meine Eltern es sich gew\u00fcnscht hatten.<\/p>\n<p>Einmal im Winter wachte ich sehr fr\u00fch auf, und beim Blick aus dem Fenster sah ich begl\u00fcckt, dass es geschneit hatte. Ich konnte es kaum abwarten, nach drau\u00dfen zu laufen. In der ersten Morgend\u00e4mmerung zog es mich in den Garten, bis ganz zum Ende, dorthin, wo ich weit \u00fcber die wei\u00dfen Felder und W\u00e4lder schauen konnte. Unber\u00fchrt, wie verzaubert, lag die verschneite Landschaft vor mir. Es war unglaublich still. Ehrfurchtsvoll nahm ich meine kleine Mundharmonika zur Hand und spielte ein paar T\u00f6ne darauf. Gl\u00e4nzend und harmonisch, wie eine wundersch\u00f6ne silberne Skulptur, stand die kleine Melodie inmitten der Stille der klaren schneebedeckten Winterlandschaft. Alles erschien mir \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n. Mein Herz h\u00e4tte zerspringen k\u00f6nnen. Dann war es wieder still.<\/p>\n<p>Ich war gl\u00fccklich, f\u00fchlte mich eingeh\u00fcllt vom ganzen Weltall, das, erhaben und wie von allem menschlichen Treiben entr\u00fcckt, vor mir lag. Etwas in mir sehnte sich danach, bis in die Unendlichkeit hinein zu schauen und ich f\u00fchlte, dass etwas ganz Entscheidendes im Geheimnis der Ewigkeit verborgen lag, das ich aber nicht sehen konnte. Was bedeutete das? Mein Gehirn wollte fast explodieren.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kam ein Gedanke in mein Kinder-Bewusstsein: Die Menschen, so dachte ich (zu denen ich mich nat\u00fcrlich auch z\u00e4hlte), sind nur deshalb so ungl\u00fccklich, und das viele Leid in der Welt besteht nur deswegen, weil sie, die Menschen (so wie ich), nicht wissen, was hinter allem steht. Weil sie das Geheimnis der Ewigkeit nicht kennen. Und ich verstand pl\u00f6tzlich und f\u00fchlte tiefes Mitleid mit allen, die so gerne gl\u00fccklich sein wollten, aber an der falschen Stelle danach suchten, weil sie das Wichtigste nicht kannten \u2013 und noch nicht mal etwas davon wussten.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, dass ich versuchte, meinen Eltern von meiner Entdeckung zu erz\u00e4hlen; aber sie konnten nichts damit anfangen, und es war auch nicht wichtig f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>In den sp\u00e4teren Jahren meiner Kindheit und Jugend zog sich die Erfahrung von damals weit zur\u00fcck in eine dunkle Unbewusstheit. Heute denke ich, dass mich damals etwas rief, um mir einen Weg zu zeigen. Irgendwann, viel sp\u00e4ter als Erwachsene, ber\u00fchrte mich wieder etwas \u2013 und diesmal begann ich, nach dem Geheimnis des Lebens zu suchen.<\/p>\n<p>Fast alles aus meiner fr\u00fchen Kindheit habe ich vergessen, vielleicht auch verdr\u00e4ngt. Doch die Heiligkeit dieses einen Augenblicks sp\u00fcre ich noch heute ganz deutlich, wenn ich daran zur\u00fcckdenke.<\/p>\n<p>Ich gelangte zu der \u00dcberzeugung, dass die Menschen ungeheure Kr\u00e4fte in Bewegung setzen, viel M\u00fche und Sorgen auf sich nehmen, viel Hoffnung, Liebe und Hingabe darauf verwenden, um etwas Gutes zu schaffen, um Erf\u00fcllung zu finden \u2013 und dass sie doch immer wieder scheitern und dabei oft genug Ungl\u00fcck, Zerst\u00f6rung, Leid und Verzweiflung verursachen. Nur weil sie von dem Einen nichts wissen, dem Einen, dem alles Entscheidenden, das nicht von dieser Welt ist, sondern in der Stille der Ewigkeit wartet.<\/p>\n<p>Deshalb glaube ich, dass der Ruf des Geistes an alle Menschen ergeht.<\/p>\n","protected":false},"author":922,"featured_media":2886,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-88983","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88983"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88983"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}