{"id":88690,"date":"2017-11-21T12:16:17","date_gmt":"2017-11-21T12:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/die-ruckkehr-zum-wahren-selbst\/"},"modified":"2017-11-21T12:16:17","modified_gmt":"2017-11-21T12:16:17","slug":"die-ruckkehr-zum-wahren-selbst","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-ruckkehr-zum-wahren-selbst\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr zum wahren Selbst"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff des Selbst taucht immer wieder in unserem Sprachgebrauch auf. Wir reden zum Beispiel vom Selbstbewusstsein, Selbstwert und vom Selbstvertrauen. Und doch ist nicht ganz klar, was genau unter dem Selbst verstanden wird und wie es sich gegen\u00fcber dem Ich abgrenzt. Bei dem Begriff des \u201eSelbst\u201c denkt man zuerst an ein Synonym zu dem Begriff des \u201eIch\u201c, setzt Selbstbewusstsein mit Ichbewusstsein gleich oder hat die Vorstellung, dass das Selbst mehr beinhaltet als das Ich, dass das Ich sozusagen im Selbst enthalten ist.<\/p>\n<p>In der Tat verstehen der Selbstpsychologe Heinz Kohut und der Psychoanalytiker Donald Winnicott unter dem Selbst eine \u00fcbergeordnete Instanz, die \u00fcber das Ich-Bewusstsein hinausgeht. Beide sehen im Mittelpunkt die Interaktion des S\u00e4uglings und des Kleinkindes mit der prim\u00e4ren Bezugsperson, sp\u00e4ter mit der sozialen Umwelt, aus dessen Erfahrungen das Kind seine Selbstbilder, auch Selbstrepr\u00e4sentanzen genannt, entwickelt. Durch eine liebevolle empathische Beziehung des Kindes mit den Eltern kann sich nach Kohut im Kind ein gesunder \u201eNarzissmus\u201c, was gleichbedeutend ist mit einer gesunden Selbstliebe und dadurch ein gesundes Selbstbewusstsein und nach Winnicott ein \u201eWahres Selbst\u201c im Gegensatz zum \u201eFalschen Selbst\u201c entwickeln. Das Selbst beinhaltet f\u00fcr beide das Es, Ich und \u00dcber-Ich nach Freunds Instanzenmodell und somit auch das gesamte Unbewusste des Menschen. Im Gegensatz dazu ist das Ich die Instanz der bewussten Wahrnehmung aller Gef\u00fchle, Triebe, Gedanken, W\u00fcnsche sowie der \u00e4u\u00dferen Realit\u00e4t. Zum Selbst an sich gibt Kohut eher eine verschwommene Definition und sagt&nbsp; \u201edas Selbst&#8230; ist, wie alle Realit\u00e4t\u2026in seiner Essenz nicht erkennbar\u201c. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> (1976, S.299)<\/p>\n<p>Auch der Psychoanalytiker C. G. Jung bezeichnet das Selbst als die Seele des Menschen, verbindet jedoch den Selbstbegriff mit spirituellen Aspekten und transpersonalen Erfahrungen. F\u00fcr ihn umfasst das Selbst nicht nur die pers\u00f6nliche Psyche mit dem Ich-Bewusstsein und dem Unbewussten, sondern auch das kollektive Unbewusste sowie das h\u00f6here \u00dcberbewusstsein. \u201eDas Selbst als der umf\u00e4nglichere und ins Zeitlose ragende Mensch entspricht der Idee des Urmenschen, der vollkommen rund und zwiegeschlechtig ist, verm\u00f6ge der Tatsache, dass er eine wechselseitige Integration von Bewu\u00dftem und Unbewu\u00dftem darstellt<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a>\u201c. \u201eSie k\u00f6nnte ebensowohl als der \u201eGott in-uns\u201c bezeichnet werden. &#8230;Die Anf\u00e4nge unseres ganzen seelischen Lebens scheinen unentwirrbar aus diesem Punkt zu entspringen und alle h\u00f6chsten und letzten Ziele scheinen auf ihn hinzulaufen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a>\u201c. Jung nennt als Lebensziel den Individuationsprozess, was so viel bedeutet wie ein Bewusstsein f\u00fcr sein eigenes Selbst zu bekommen beziehungsweise zum eigenen Selbst zu werden, indem das Ich in dem Selbst aufgeht. \u201eMit der Empfindung des Selbst \u2026 ist das Ziel der Individuation erreicht.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Auch in der spirituellen Literatur k\u00f6nnen wir vom Selbst und vom h\u00f6heren oder wahren Selbst lesen, jedoch hat dieses Selbst mit der psychischen Struktur, wie es die meisten Psychoanalytiker sehen, nicht viel zu tun, sondern ist \u00e4hnlich wie bei Jung der Ausdruck des eigentlichen g\u00f6ttlichen Menschen, der wir einmal waren und zu dem sich der Mensch wieder hin entwickeln muss.<\/p>\n<p>Jan van Rijckenborgh beschreibt diesen urspr\u00fcnglichen g\u00f6ttlichen Menschen als einen Mikrokosmos mit einer siebenfachen Pers\u00f6nlichkeit, bestehend aus dem Stoffk\u00f6rper, dem \u00c4therk\u00f6rper, dem Astralk\u00f6rper, dem Mentalk\u00f6rper, dem h\u00f6heren Verstandes-Ich, dem h\u00f6heren Gef\u00fchls-Ich und dem h\u00f6heren Bewusstseins-Ich. Die ersten vier K\u00f6rper bilden unsere sterbliche Pers\u00f6nlichkeit. Die drei letzten K\u00f6rper sind zwar potentiell vorhanden, jedoch kann die Pers\u00f6nlichkeit sie noch nicht bewusst wahrnehmen, beziehungsweise sich darin ausdr\u00fccken. Sie sind das Wahre Selbst des Menschen beziehungsweise seine Geistseele, die sich erst in die niedere Vierheit einsenken und sich mit ihr vereinen muss. Diese drei h\u00f6heren K\u00f6rper werden bei H.P. Blavatsky die h\u00f6here Triade: Manas \u2013 Buddhi \u2013 Atma&nbsp; genannt. Sie bezeichnet diese h\u00f6here Dreiheit als das h\u00f6here Selbst oder die Seele des Menschen. In der Stimme der Stille schreibt sie: \u201eBevor du das allererste Tor durchschreitest, musst du die zwei zu dem Einen verschmelzen, das pers\u00f6nliche dem unpers\u00f6nlichen SELBST opfern.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\" title=\"\">[5]<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Auch Catharose de Petri schreibt in dem Buch \u201eDas Siegel der Erneuerung\u201c, dass sich die niedere Vierheit durch Selbst\u00fcbergabe der h\u00f6heren Dreiheit opfern muss. Weiter schreibt sie: \u201eDann wird die h\u00f6here Dreiheit erwachen, und die niedere Vierheit wird dann einem Prozess der Transmutation und Transfiguration unterworfen und so im wahren Menschen aufgehen und zusammen mit der h\u00f6heren Dreiheit den urspr\u00fcnglichen Gottmenschen vom Anbeginn zum Leben erwecken.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\" title=\"\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die Vereinigung zwischen dem pers\u00f6nlichen und dem unpers\u00f6nlichen Selbst ist m\u00f6glich, da eine Verbindung von der h\u00f6heren Bewusstseinstriade zum Haupt und zum Herzen des Menschen besteht. Durch diese beiden Punkte kann die Geistseele ihre \u00c4therkraft, die mit einer h\u00f6heren Vibration schwingt als die niederen K\u00f6rper, in die niedriger schwingenden Pers\u00f6nlichkeitsk\u00f6rper des Menschen ausgie\u00dfen. Je mehr der Mensch vom emotionalen Trubel dieser Welt Abstand nimmt, desto mehr kann er diese Kraft im Herzen wahrnehmen und auf sie reagieren. Diese Seelenkraft treibt ihn zu allererst zur Reinigung seines Astral- und Mentalk\u00f6rpers an, bis sich durch die Seelengeburt im Herzen diese Seelenkraft fest im Herzen verankert. Mit Hilfe der Geistkraft, die sich im Haupt einsenkt, kann der Mensch an der bewussten Verwirklichung der Geistseele arbeiten und dieser immer mehr die F\u00fchrung \u00fcberlassen.&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Prozess unterscheidet Jan van Rijckenborgh noch das &#8222;h\u00f6here&#8220; Selbst von der Monade. Das &#8222;h\u00f6here&#8220; Selbst charakterisiert er als eine \u00e4u\u00dfere H\u00fclle unseres Mikrokosmos, die die Erfahrungen all unserer irdischen Inkarnationen speichert. Hiermit ist das Karma gemeint, das im Laufe der Inkarnationen ein eigenes Bewusstsein und ein eigenes Beharrungsverm\u00f6gen entwickelt hat und somit zu einem h\u00f6heren Selbst geworden ist. All die Erfahrungen aus den vergangenen Leben k\u00f6nnen zwar als ungeheurer Erfahrungsschatz angesehen werden, jedoch muss auch dieser genauso wie die niedere Pers\u00f6nlichkeit mit Hilfe der Geistseele \u00fcberwunden werden. \u201eDann wird die Gestalt des alten h\u00f6heren Selbst vergehen, und die alten, schon so lange gel\u00f6schten Lichter des Pr\u00e4menschen erstrahlen im Morgenrot des neuen Tagesanbruchs.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\" title=\"\">[7]<\/a> So gewinnt der Mensch als Mikrokosmos die Geistseele, sein wahres Selbst.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Kohut, Heinz: Narzi\u00dfmus, Suhrkamp Taschenbuchverlag, Frankfurt a.M., 1976, S. 299<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> Jung, Carl Gustav: Grundwerk C.G. Jung, Bd. 3, Olten, 1984, S. 250<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a> Ebd., S. 121<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> Ebd., S. 123<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\">[5]<\/a> Blavatsky, Helena Petrovna: Die Stimme der Stille, Adyar, 1998, S. 75<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\">[6]<\/a> De Petri, Catharose: Das Siegel der Erneuerung, Haarlem, 1985, S. 26 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\">[7]<\/a> Van Rijckenborgh, Jan: Der kommende Neue Mensch, Haarlem, 1985, S. 151<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p class=\"footnote\">Blavatsky, Helena Petrovna: Die Stimme der Stille, Theosophische Verlagsgesellschaft, Adyar, 1998<\/p>\n<p class=\"footnote\">De Petri, Catharose: Das Siegel der Erneuerung, Rozekruis Pers, Haarlem, 1985<\/p>\n<p class=\"footnote\">Jung, Carl Gustav: Grundwerk C.G. Jung, Bd. 3, Walter-Verlag AG, Olten, 1984<\/p>\n<p class=\"footnote\">Kohut, Heinz: Narzi\u00dfmus, Suhrkamp Taschenbuchverlag, Frankfurt a.M., 1976<\/p>\n<p class=\"footnote\">Van Rijckenborgh, Jan: Der kommende Neue Mensch, Rozekruis Pers, Haarlem, 1985<\/p>\n<p class=\"footnote\">Winnicott, D. W.: Reifungsprozesse und f\u00f6rdernde Umwelt, Psychosozial-Verlag, Gie\u00dfen, 2006&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":922,"featured_media":2446,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-88690","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88690"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88690"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}