{"id":88660,"date":"2017-11-21T09:10:05","date_gmt":"2017-11-21T09:10:05","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/logon-und-der-weg-des-einen-teil-1\/"},"modified":"2017-11-21T09:10:05","modified_gmt":"2017-11-21T09:10:05","slug":"logon-und-der-weg-des-einen-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/logon-und-der-weg-des-einen-teil-1\/","title":{"rendered":"Logon und der Weg des Einen Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Der Logos geht einen Weg. Er vollzieht den Weg des Einen. Die Zeitschrift LOGON beleuchtet die Aspekte dieses Weges.<\/p>\n<p>Was ist der Logos? Er ist das sch\u00f6pferische Wort, das sich in der Welt als Sinn, Vernunft und Kraft ausdr\u00fccken will. Der Logos ist die Kraft des Werdens in der Natur und im geistigen Kern des Menschen. Als Ursprung aller Dinge bringt der Logos das Wesen des Einen zum Ausdruck. Er ist h\u00f6chste Inspirationsquelle; ihn zu erleben \u2013 und sei es auch nur f\u00fcr einen Moment \u2013 bedeutet ein Auflodern des tiefsten\/h\u00f6chsten Selbst des Menschen.<\/p>\n<p>Von dem urspr\u00fcnglichen Einen leitet sich alles ab, von ihm bleibt alles umfangen. In LOGON soll deutlich werden, dass die Zwei in der Eins bleibt, die Zwietracht in der Einheit, die F\u00fclle im Einen. Das Eine besitzt vollkommene Freiheit, und es \u00fcbertr\u00e4gt von seiner Freiheit so viel an die Gesch\u00f6pfe, wie sie tragen k\u00f6nnen. Niemand kann das Eine begreifen. Es ist transzendent, unbenennbar, unsagbar, unfassbar. Und doch m\u00fcssen wir dar\u00fcber sprechen. Denn da alles aus ihm stammt, strebt alles zu ihm zur\u00fcck. Einssein ist das Ziel, in dem sich alle Lebensziele treffen.<\/p>\n<p>Der Logos erm\u00f6glicht es uns. Er hat dem Menschen das Denken geschenkt. Und das Denken kann sich \u00f6ffnen f\u00fcr seinen Ursprung, kann durch ihn inspiriert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Mythen berichten<\/h3>\n<p>Aus den bildhaften Beschreibungen der Mythen k\u00f6nnen wir erfahren, wie sich das Eine als m\u00e4nnlich-weiblich zeigt. Ein Philosoph des Altertums (Philo von Alexandrien) sagte: Dem Logos wurde ein g\u00f6ttliches und reinstes Elternpaar zuteil: Gott selbst als Vater, der auch der Vater des Alls ist, und die Sophia als Mutter, durch die das All zur Entstehung kam<sup>. <\/sup><fn value=\"[1]\">Zit. bei Wilhelm Kelber, Die Logoslehre, Frankfurt am Main 1986, S. 90<\/fn><\/p>\n<p>Inmitten der heiligen ersten Polarit\u00e4t erwacht das erste Bewusstsein: der Logos. Er nutzt die sch\u00f6pferische Bewegung der beiden Ursprungspole, um in ihrem Namen die Impulse zu geben, die das eine Leben in immer h\u00f6here Formen kleiden.<\/p>\n<p>In vielfachen Kreisen erzeugt er Wirklichkeit, bis hin zum Menschen. Dem ist es vorbehalten, die Ursprungsharmonie der Pole zu st\u00f6ren und sie zu Gegens\u00e4tzen zu entz\u00fcnden.<\/p>\n<p>Und das tun wir: Sein und Nichtsein, Aufbauen und Abbauen, Leben und Tod, m\u00e4nnlich und weiblich, Ruhe und Bewegung sind heute nicht mehr die harmonischen Pole der Einheit und des sch\u00f6pferischen Logos: wir machen sie zu widerstreitenden Gegens\u00e4tzen. Der Weg des Menschen ist lang, verworren, dunkel, auch wenn er im Einen verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>\u00dcber die Tiere sagt Goethe, dass sie in einem \u201eheiligen Kreis lebendiger Bildung\u201c lebten (in: Metamorphose der Tiere). Sie r\u00fchren nicht an die Einheit. Anders ist es beim Menschen. Sein Dasein steht unter dem Zeichen des Aufbruchs. Er ist Zerbrecher und zerbricht dabei selbst. Lukrez, ein r\u00f6mischer Dichter im 1. Jahrhundert v. Chr., stimmte einen Lobgesang darauf an, dass \u201ezuerst sich ein Grieche erk\u00fchnte, das sterbliche Auge\u201c gegen den g\u00f6tterverh\u00e4ngten Himmel zu richten und als Erster es wagte, \u201edie verschlossenen Pforten der Mutter Natur im gewaltigen Sturm zu erbrechen. &#8230; Also geschah\u2019s. Sein mutiger Geist blieb Sieger, und k\u00fchnlich setzt er den Fu\u00df weit \u00fcber des Weltalls flammende Mauern.\u201c <fn value=\"[2]\">Zit. nach Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart, 1. Teil, Band 2, Schaffhausen 1986, S. 350<\/fn>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Was tat der Grieche?<strong> <\/strong><\/h3>\n<p>Er ergriff das Denken. Gedanken geh\u00f6ren zum sch\u00f6pferischen Bewusstsein. Der Mensch begann, sie auf Einzelnes zu richten. Er versuchte, die Erscheinungen der Natur zu begreifen, um sie in den Griff zu bekommen. So trennte er sie voneinander, unterschied sie voneinander und brach auf diese Weise die Einheit auf. \u201eMutter Natur\u201c trat ihm nun nicht mehr ausschlie\u00dflich als Ganzes gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Lange Zeit hatten die Mythen dem Menschen den Grund f\u00fcr sein Dasein geboten. In ihnen erkannte er seinen Ursprung und seine Bestimmung, in ihnen fand er seinen Ort in der Welt. Doch dann kam die Zeit, in der sie ihre Kraft verloren. Die Vielfalt der Welt wurde lebendiger, das Spiel der Kr\u00e4fte, die der Mensch als G\u00f6tter erlebte, verwirrender. Ein psychisches Chaos entstand in seinem Innern, das er durch die Mythen nicht mehr b\u00e4ndigen konnte. <fn value=\"[3]\">S. auch Gebser a.a.O., S. 373<\/fn><\/p>\n<p>So ergriff der Mensch das Schwert des Denkens. Mit ihm begann er, die ihn verunsichernden Gewalten der Natur zu bannen, indem er sie definierte. Es war ein Befreiungsschlag.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst war das Denken \u201evertikal\u201c gerichtet, dem Ursprung der Dinge zugewandt. Die ersten Philosophen Griechenlands erkl\u00e4rten die Ph\u00e4nomene aus dem, was sich dar\u00fcber befand, den Urph\u00e4nomenen. Diese reichten ins Seelische und von dort bis in den Logos. Das Denken war, in unserem heutigen Licht gesehen, geheimnisvoll, dunkel. Viele<\/p>\n<p>Ausspr\u00fcche des fr\u00fchen griechischen Philosophen Heraklit bleiben voller R\u00e4tsel. Sie beruhen auf Impressionen aus seelischen Welten, in denen der sch\u00f6pferische Geist erlebbar ist.<\/p>\n<p>Dann kam eine Zeit, in der sich der Gedanke zum Horizontalen wandte. Auch das war ein Befreiungskampf. Er fand statt, als das Eine sich aus dem Bewusstsein weiter zur\u00fcckzog. Religi\u00f6se Instanzen versuchten, dem entgegenzuwirken und den Erkenntnisdrang des Menschen den Schriften der Religion zu unterwerfen. Dazu formulierten sie Dogmen. Doch diese konnten im Laufe der Zeit immer weniger nachempfunden werden. So wurden sie zu Zwangsjacken, aus denen der Mensch ebenfalls ausbrach.<\/p>\n<p>Forschende Geister drangen tiefer in die Erscheinungen der Natur ein und etablierten das Denken in der horizontalen Richtung. Es kam zum sog. \u201eGalileischen Verzicht\u201c. Mit ihm rettete der italienische Astronom Galileo Galilei Anfang des 17. Jahrhunderts seinen Kopf vor der Inquisition. Er war neben Johannes Kepler, Francis Bacon und Ren\u00e9 Descartes einer der Begr\u00fcnder der modernen Naturwissenschaft. Galilei bekannte sich gegen\u00fcber den kirchlichen Richtern zum katholischen Glauben und erkl\u00e4rte, er werde seine Forschungen auf die Frage nach dem \u201eWie\u201c beschr\u00e4nken und die Frage nach dem \u201eWarum\u201c den religi\u00f6sen Instanzen \u00fcberlassen. Das Horizontale wurde zur Dom\u00e4ne des Denkens, das Vertikale verblieb dem Glauben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Der Siegeszug der Naturwissenschaft begann<\/h3>\n<p>Forscher r\u00fcsteten sich, die Natur zu erobern. War sie zuvor \u201eMutter Natur\u201c, geliebt und gef\u00fcrchtet, so wurde sie nun zu einer Sache, derer man sich bedient und die man zerlegt. \u201eDie Natur der Dinge offenbart sich, wenn man ihr mit der menschlichen Kunst zusetzt\u201c, schrieb Francis Bacon 1620. <fn value=\"[4]\">Zit. nach Roland van Vliet in: Mensch und Erde, Wege zu einem inneren Klimawandel, Band 2, Stiftung Rosenkreuz 2010, S. 51<\/fn><sup> <\/sup><\/p>\n<p>Der gewaltige Erkenntnisdrang, nach au\u00dfen gerichtet, f\u00fchrte im Innern des Menschen zu einem Ich, wie wir es heute haben. Descartes sah im Denken den Beweis daf\u00fcr, dass er existiert. Das Ich, auf diese Weise errungen \u2013 ist es nicht ein schillernder Abglanz des Einen? Und die stets unerf\u00fcllt bleibende Suche des Menschen nach dem, der er wirklich ist, ist sie nicht ein Abglanz der Suche nach dem Einen?<\/p>\n<p>Die Folgen unseres Forschens sind weitreichend. Wissenschaftler richten den Blick in die Unendlichkeit des Alls \u2013 und reduzieren uns dabei zu einem Winzling. Sie begrenzen sich in ihrem Bem\u00fchen auf die Naturph\u00e4nomene \u2013 und reduzieren uns zu einem Naturph\u00e4nomen. Das wissenschaftliche Denken bindet sich an die Zeit \u2013 und so sehen wir uns als Eintagsfliege in einem Weltenprozess, der mit einem Urknall beginnt und uns in einer Folge zuf\u00e4lliger Mutationen hervorbringt.<\/p>\n<p>Zwar kann auch das horizontale Denken nicht umhin, sich zu erheben. Es f\u00fchrt zur Abstraktion und zur Mathematik. In Formeln und Begriffen erkennen wir Zusammenh\u00e4nge. Auch hierbei leuchtet das Eine auf. Seelisch kommen wir ihm dadurch indes nicht n\u00e4her. Nur wenige verm\u00f6gen in der Harmonie mathematischer Formeln die Dimensionen von Seele und sch\u00f6pferischem Geist zu erleben.<\/p>\n<p>Naturwissenschaftler beanspruchen eine Deutungshoheit f\u00fcr das Dasein des Menschen. Damit f\u00fchren sie ihre Wissenschaft in die Krise, vielleicht \u00e4hnlich der, in die einstmals der Mythos und das Dogma gelangten. Denn der Mensch will weiter gehen. Rein naturwissenschaftliches Denken kann den Sinn des Lebens nicht erschlie\u00dfen. So stehen wir erneut davor, aus einem Kreis auszubrechen.<\/p>\n<p>(Fortsetzung folgt)<\/p>\n","protected":false},"author":922,"featured_media":2407,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-88660","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88660"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88660"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}