{"id":88651,"date":"2017-11-21T08:31:58","date_gmt":"2017-11-21T08:31:58","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/bedrangnisse-sind-teppiche-voller-gnaden\/"},"modified":"2017-11-21T08:31:58","modified_gmt":"2017-11-21T08:31:58","slug":"bedrangnisse-sind-teppiche-voller-gnaden","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/bedrangnisse-sind-teppiche-voller-gnaden\/","title":{"rendered":"&#8222;Bedr\u00e4ngnisse sind Teppiche voller Gnaden&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleines B\u00fcchlein, verfasst von Ibn \u2019Ata\u2019 Allah und unter dem Titel <em>Hikam<\/em>, \u201eWeisheitsworte\u201c, ver\u00f6ffentlicht, erlangte Ber\u00fchmtheit \u00fcber den islamischen Raum hinaus. Es enth\u00e4lt die Quintessenz, wie der Sufi-Meister al-Mursi sagte, des gr\u00f6\u00dften gem\u00e4\u00dfigten Sufi-Werkes des arabischen Mittelalters, das Abu Hamid Muhammad al-Ghazzali (gest. 1111) geschaffen hatte. Unter den arabischen <em>Hikam<\/em>-Sammlungen ist die von Ibn \u2019Ata\u2019 Allah am weitesten verbreitet und bildet bis heute eine Quelle der Inspiration f\u00fcr jeden, der nach einem Weg zu tiefer Glaubensgewissheit sucht.<\/p>\n<p>Ibn \u2019Ata\u2019 Allah wurde 1252 in Alexandria in \u00c4gypten geboren. Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie und geh\u00f6rte zun\u00e4chst zu den Gegnern des mystischen Pfades. Als er etwa 20 bis 25 Jahre alt war, besuchte er einen der Meister des Sufismus, Abu\u2019l\u2019-\u2019Abbas al-Mursi. Das Gespr\u00e4ch mit ihm verwandelte Ibn \u2019Ata\u2019 Allah. Er schloss sich den Sch\u00fclern Mursis an und wurde schlie\u00dflich sein Nachfolger, als Mursi 1288 starb.<\/p>\n<p>Das B\u00fcchlein beginnt mit einer herben Kritik an denen, die ihren eigenen Werken noch Wichtigkeit beimessen und deshalb entt\u00e4uscht sind, wenn sie keinen Erfolg haben. Immer wieder betont Ibn \u2019Ata\u2019 Allah: Gott ist der eigentlich Handelnde.<\/p>\n<p><em>Erwarte keinen Lohn f\u00fcr ein Werk, das du ja nicht selber getan hast.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist Belohnung genug, dass Er dein Werk annimmt.<\/em> (Vers 114)<\/p>\n<p>In der dunklen Nacht der Seele erf\u00e4hrt der Mensch, wenn er keinerlei Hilfe anderer mehr empf\u00e4ngt, dass er nur noch Gott hat, zu dem er sich wenden kann. Aus dieser Erfahrung heraus kann es geschehen, dass die Bedr\u00fcckung ihm gr\u00f6\u00dfere geistige Fr\u00fcchte schenkt als ein noch so gro\u00dfer Erfolg in der Welt.<\/p>\n<p><em>Nichts heischt in deinem Namen so sehr wie die Not,<\/em><\/p>\n<p><em>und nichts bringt dir Gnadengeschenke so rasch wie Erniedrigung und Mangel.<\/em><\/p>\n<p>(Vers 121)<\/p>\n<p><em>Es kann sein, dass Finsternis \u00fcber dich kommt,<\/em><\/p>\n<p><em>damit Er dich erkennen l\u00e4sst den Wert dessen, was Er dir schenkt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer den Wert Seiner Gnaden nicht erkennt, wenn sie vorhanden sind,<\/em><\/p>\n<p><em>erkennt ihn, wenn sie ihm fehlen.<\/em> (Vers 185)<\/p>\n<p>F\u00fcr Ibn \u2019Ata\u2019 Allah bleibt Gott immer transzendent, selbst in dem Augenblick, in dem der Mensch f\u00fchlt, dass Er ihm n\u00e4her ist \u201eals die Halsschlagader\u201c, wie der Koran sagt (Sura 50:16).<\/p>\n<p>Viele Sufimeister sprechen vom \u201eperfekten Menschen\u201c und meinen damit, dass die Attribute Gottes sich im Menschen entfalten k\u00f6nnen, wenn er sich Gott v\u00f6llig hingibt. Dann kann die \u201eeine Wirklichkeit\u201c in ihm erwachen. Der perfekte Mensch handelt nicht aus sich heraus, er hat sein Selbst in Gott verloren. Was immer er tut, tut Gott durch ihn.<\/p>\n<p>Die persischen Mystiker sagen: Aus der dunklen Nacht erscheint die \u201eSonne um Mitternacht\u201c. Ibn \u2019Ata\u2019 Allah kn\u00fcpft viele Gedanken an den \u201eLichtvers\u201c des Korans (Sura 24:35), in dem Gott als \u201edas Licht des Himmels und der Erde\u201c bezeichnet wird, das durch eine in einer Nische stehende Lampe scheint.<\/p>\n<p>Gott sprach das erste Wort, als ER die noch nicht geschaffenen Menschen in der Ur-Ewigkeit anredete: \u201eBin ich nicht euer Herr?\u201c Die Menschen, noch im Unerschaffenen, im Geistigen, antworteten: \u201eJa, wir bezeugen es.\u201c (Sura 7:171) Das war der sogenannte Urvertrag. Und Gott ist es auch weiterhin, der die Initiativen ergreift.<\/p>\n<p><em>Der Achtlose fragt sich am Morgen: \u201eWas werde ich tun?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Der Vern\u00fcnftige schaut: \u201eWas wird nun Gott mit mir tun?\u201c<\/em> (Vers 106)<\/p>\n<p>Der beste Weg, Gott n\u00e4herzukommen und Ihm gegen\u00fcber Liebe und Dankbarkeit auszudr\u00fccken, ist f\u00fcr Ibn \u2019Ata\u2019 Allah, wie f\u00fcr seine Vorg\u00e4nger und Nachfolger, das Gottgedenken (<em>Dhikr<\/em>). Er verfasste ein B\u00fcchlein \u00fcber den Gebrauch der 99 sch\u00f6nsten Namen Gottes auf den verschiedenen Stufen der geistigen Entwicklung (<em>Der Schl\u00fcssel zum Heil<\/em>). Ibn \u2019Ata\u2019 Allah ermahnt seinen Leser, nicht zu glauben, dass in einem speziellen Augenblick etwas anderes geschehen k\u00f6nnte, als was gerade geschieht. Der Gl\u00e4ubige wird in allem, was ihm begegnet oder ihn trifft, einen Sinn finden. Selbst Bedr\u00e4ngnisse werden f\u00fcr ihn zu einem \u201eTeppich voller Gnaden\u201c.<\/p>\n<p><em>Der Kosmos ist ganz Finsternis.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur das Aufscheinen des Wahren Gottes in ihm erleuchtet ihn.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer nun den Kosmos ansieht und sieht nicht Ihn <\/em><\/p>\n<p><em>in ihm oder bei ihm oder vor ihm oder nach ihm,<\/em><\/p>\n<p><em>der ermangelt der Lichter,<\/em><\/p>\n<p><em>und der Erkenntnisse Sonnen werden verdeckt vor ihm<\/em><\/p>\n<p><em>durch die Wolken geschaffener Zeichen.<\/em> (Vers 14)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S. <em>Ibn \u2019Ata\u2019 Allah,<\/em> <em>Bedr\u00e4ngnisse sind Teppiche voller Gnaden<\/em>, \u00fcbersetzt und eingeleitet von Annemarie Schimmel, Freiburg 1987<\/p>\n","protected":false},"author":922,"featured_media":1922,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-88651","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88651","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88651"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88651"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}