{"id":88626,"date":"2017-11-21T00:37:26","date_gmt":"2017-11-21T00:37:26","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/losung-eines-ratsels\/"},"modified":"2017-11-21T00:37:26","modified_gmt":"2017-11-21T00:37:26","slug":"losung-eines-ratsels","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/losung-eines-ratsels\/","title":{"rendered":"L\u00f6sung eines R\u00e4tsels"},"content":{"rendered":"<p>Viele Jahrhunderte lang zeigten K\u00fcnstler besonders bei sakralen Bauten ihre Hingabe an das G\u00f6ttliche. Sie nutzten Szenen und Bilder aus heiligen Texten zur Gestaltung der Gem\u00e4lde, der Skulpturen und der Architektur. Die Kunstszene war so eng mit der Religion verflochten, dass es etwas Besonderes war, als sich in der Renaissance im 16. Jahrhundert eine Phase entwickelte, in der eher weltliche Motive und Personen Gegenstand k\u00fcnstlerischer Betrachtung waren. Einige K\u00fcnstler begannen, sich selbst oder ihren M\u00e4zen abzubilden.<\/p>\n<p><strong>Vielen Werken der Renaissance liegt ein Geheimnis zu Grunde<\/strong><br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden in den Werken oft geheime Wahrheiten, in einer Art Code oder Symbolik, versteckt. So hat zum Beispiel Michelangelo in sein Kunstwerk &#8222;Das J\u00fcngste Gericht&#8220; eine Symbolik eingef\u00fcgt, die an die j\u00fcdische Kabbala erinnert. Der italienische Maler Parmigianino stellte in seinem &#8222;Portr\u00e4t von Galeazzo Sanvitale&#8220; in einem Detail die Zahl 72 dar, die als die Zahl Gottes gilt. Es gibt einige Experten, die mit der Behauptung f\u00fcr Kontroversen sorgen, dass Leonardo da Vinci in seinem Gem\u00e4lde &#8222;Das letzte Abendmahl&#8220; die Person Jesu und die Figur zu seiner Rechten spiegelbildlich mit symmetrisch passender Kleidung so angeordnet habe, dass ihre K\u00f6rperhaltungen zueinander ein \u201eV\u201c bildeten und dies an die Geb\u00e4rmutter erinnern solle, als ein Symbol f\u00fcr das Weibliche in der Religion.<\/p>\n<p>Die Liste der K\u00fcnstler, die geheime Codes in ihren Werken versteckt haben k\u00f6nnten, lie\u00dfe sich beliebig verl\u00e4ngern. Wir wollen uns in diesem Artikel einem Gem\u00e4lde aus der Zeit der italienischen Renaissance zuwenden, der Epoche, die ganz Europa durch ihre Impulse in Kunst, Philosophie, Literatur, Wissenschaft und Musik beeinflusst hat.<\/p>\n<p><strong>Die Suche nach neuen Horizonten<\/strong><br \/>\nIn der Zeit des Mittelalters war das kulturelle Leben ganz vom Religi\u00f6sen beherrscht. Demgegen\u00fcber war die Renaissance wie eine Wiedergeburt, bei der, wie einst in der Antike, die Suche nach dem Sch\u00f6nen in den Vordergrund trat. Durch eine gewisse Abkehr vom G\u00f6ttlichen r\u00fcckte der Mensch selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Humanisten sahen in ihm den Mittelpunkt der Welt. Im Zuge der R\u00fcckbesinnung auf die griechisch-r\u00f6mische Klassik wurde das Corpus Hermeticum an den Hof von Cosimo de&#8216; Medici in Florenz gebracht und von Marsilio Ficino ins Lateinische \u00fcbersetzt. In diesem Werk, das eine Essenz \u00e4gyptisch-griechisch-j\u00fcdischer Weisheitslehren enth\u00e4lt, ist der &#8222;dreimal gro\u00dfe&#8220; Hermes Trismegistos die zentrale Figur. Er war, der Idee der Renaissance entsprechend, ein Mensch mit g\u00f6ttlichen Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Piero della Francesca und sein Werk &#8222;Die Gei\u00dfelung Christi&#8220;<\/strong><br \/>\nDas Kunstwerk, das wir hier vorstellen m\u00f6chten, ist ein Gem\u00e4lde von Piero della Francesca, einem italienischen Maler der fr\u00fchen Renaissance. Man wei\u00df weder \u00fcber ihn noch \u00fcber seine Kunstwerke besonders viel. Bekannt wurde er durch seine Darstellung &#8222;St. Sigismund und Sigismondo Pandolfo Malatesta&#8220; im Malatesta-Tempel in Rimini.<\/p>\n<p>Der Gedanke, in der Kirchenkunst Bilder mit vordergr\u00fcndig leicht verst\u00e4ndlichen Motiven zu malen, wurde schon mehr als 1000 Jahre vorher von Papst Gregor dem Gro\u00dfen ausgesprochen. In einem seiner Briefe f\u00fchrt er aus: &#8222;Die Malerei wird in den Kirchen verwendet, damit die Analphabeten wenigstens, wenn sie auf die W\u00e4nde schauen, das entziffern, was sie in den Texten nicht lesen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Das Gem\u00e4lde &#8222;Die Gei\u00dfelung Christi&#8220; ist, wie viele andere Werke aus dieser Zeit, ein &#8222;Gef\u00e4\u00df&#8220;, angef\u00fcllt mit geheimen Botschaften. Das wird in dem Buch &#8222;Soluzione di un enigma&#8220; (L\u00f6sung eines R\u00e4tsels) von dem italienischen K\u00fcnstler Giancarlo Iacomucci Litofino n\u00e4her dargelegt (in Italien im Verlag Edizioni Lectorium Rosicrucianum erschienen).<\/p>\n<p>Es gibt nur wenig Bilder, die die Betrachter zu mehr Interpretationen inspiriert haben, als dieses Gem\u00e4lde. Es h\u00e4ngt in der Nationalgalerie in Urbino. Auf dem eigent\u00fcmlich schlichten Holzrahmen war urspr\u00fcnglich die lateinische Inschrift \u201eIn unum convenerunt\u201c zu lesen. Das bedeutet so viel wie \u201eSie sind in Einem (oder in Einheit) zusammengekommen\u201c. Der Satz deutet auf einen tieferen Sinn hin, der sich der Darstellung im Bild nicht unmittelbar entnehmen l\u00e4sst. Betrachten wir die &#8222;Gei\u00dfelung&#8220; einmal genauer.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-60322\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S.jpg\" alt=\"Die Gei\u00dfelung Christi\" title=\"\" width=\"307\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S.jpg 307w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S-238x300.jpg 238w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S-19x24.jpg 19w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S-29x36.jpg 29w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_flagellazione_3_S-38x48.jpg 38w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/p>\n<p>Das Bild hat zwei Teile. Im Vordergrund sehen wir auf der rechten Seite eine Gruppe von drei Personen, die miteinander sprechen. Eine der Theorien besagt, dass einer von ihnen Giovanni Bacci sei &#8211; ein Humanist aus einer wohlhabenden Familie, die eventuell das Gem\u00e4lde in Auftrag gegeben hat. Ihm gegen\u00fcber steht der byzantinische Theologe und Humanist Kardinal Bessarion, hier in griechischer Kleidung. Er war ein bekannter Experte f\u00fcr die \u00dcbersetzung alter Schriften. Ihm ist es zu verdanken, dass gnostische Schriften \u00e4gyptischen Ursprungs ins Griechische \u00fcbertragen wurden. Unter anderem kann sein Wirken dazu gef\u00fchrt haben, dass das Corpus Hermeticum von Marsilio Ficino \u00fcbersetzt und damit f\u00fcr die westliche gelehrte Welt zug\u00e4nglich gemacht wurde. Manche Interpreten bezeichnen den hier abgebildeten Kardinal als den &#8222;Ratgeber&#8220;.<\/p>\n<p>Wer ist aber die Person in der Mitte, zwischen den beiden? Vielleicht der K\u00fcnstler selbst? In Rot gekleidet, barfu\u00df und mit diesem Gesichtsausdruck k\u00f6nnte sie eher einen Engel darstellen, k\u00f6nnte auf den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, den &#8222;Parakleten&#8220; oder &#8222;Tr\u00f6ster\u201c hindeuten. Insgesamt gesehen k\u00f6nnten die drei Gestalten ein Symbol f\u00fcr das Wirken der heiligen Dreifaltigkeit sein. Auch in anderen Werken wie in dem Gem\u00e4lde &#8222;Die Taufe Christi&#8220; (in der London National Gallery) hat der K\u00fcnstler diese Dreiheit als Stilmittel verwendet.<\/p>\n<p><strong>Der linke Teil des Bildes ist vordergr\u00fcndig klarer in seiner Aussage<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-60336\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0.jpg\" alt=\"Die Gei\u00dfelung Christi\" title=\"\" width=\"307\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0.jpg 307w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0-236x300.jpg 236w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0-19x24.jpg 19w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0-28x36.jpg 28w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Piero_della_Francesca_042_Ls_0-38x48.jpg 38w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/p>\n<p>In der Gei\u00dfelungsszene sehen wir Pontius Pilatus auf einem kleinen Thron sitzen. Hier gibt es auf der zweiten Stufe eine Inschrift, die nicht gel\u00f6scht wurde. Es ist die Unterschrift des K\u00fcnstlers: Opus Petri Deburgo Sci Sepulcri.&nbsp; In der \u00dcbersetzung hei\u00dft das: &#8222;Arbeit von Pietro aus Borgo San Sepolcro&#8220; (seinem Heimatdorf).&nbsp;<\/p>\n<p>Das italienische Wort \u201esepulcre\u201c bedeutet im Deutschen \u201edas Grab\u201c. Das Grab ist ein zentrales Bild in der christlichen Mythologie. Es ist nach der Kreuzigung der Ort tiefgehender Verwandlung des menschlichen Wesens: das G\u00f6ttliche tritt zutage. Die Rosenkreuzer kennen das Grab des Christian Rosenkreuz, der dort das Testament der Verwandlung in H\u00e4nden h\u00e4lt. Pontius Pilatus sitzt auf einem zweistufigen Thron. Die Zahl Zwei erinnert an den Dualismus, an die Welt, in der wir leben, in der alles zwei Seiten hat. Es gibt den Wechsel zwischen Gut und B\u00f6se, Schwarz und Wei\u00df &#8211; wie auch bei dem Muster des Bodens, auf dem Jesus bei der Gei\u00dfelung steht. Er befindet sich nahe der S\u00e4ule mit der goldenen Skulptur.<\/p>\n<p>Dann ist da noch ein Mensch, mit dem R\u00fccken zum Betrachter, der offensichtlich an der Gei\u00dfelung nicht beteiligt ist. Barfu\u00df wie die mittlere Person im Vordergrund, steht er &#8222;auf dem Boden des Dualismus&#8220; und verbindet die \u201e\u00e4u\u00dfere\u201c Dreiergruppe mit der Gei\u00dfelungsszene. Er k\u00f6nnte die Liebe repr\u00e4sentieren, die das \u00c4u\u00dfere mit dem Inneren vereint. Wei\u00df gekleidet, mit dem Turban auf dem Kopf, k\u00f6nnte er als Bindeglied zwischen Zeit und Ewigkeit gedacht sein, als Symbol f\u00fcr eine neue Sicht, eventuell f\u00fcr ein neues Bewusstsein. Wenn die alte Pers\u00f6nlichkeit, das materielle Wesen, &#8222;gegei\u00dfelt&#8220; und damit gereinigt wird, kommt im Prozess der Verwandlung ein neues Wesen zum Vorschein, das den unsterblichen Seelenk\u00f6rper besitzt.<\/p>\n<p><strong>Die goldene Statue als ein Mensch, der \u00fcberwunden hat<\/strong><br \/>\nDie goldene Statue auf der S\u00e4ule, an der Christus gegei\u00dfelt wird, kann Symbol f\u00fcr diesen neuen Menschen sein. In der einen Hand h\u00e4lt er eine transparente Kugel in die Richtung eines hellen, lichtvollen Bereichs der Decke: die Seele tritt ins Reich der Ewigkeit ein.<\/p>\n<p>Man kann noch mehr Details entdecken und Botschaften erahnen. Das aufmerksame Auge dringt dabei nicht nur in das Kunstwerk ein, sondern auch in die eigenen Seelentiefen. Es weckt etwas darin und so arbeitet die Bildbetrachtung auch an der L\u00f6sung der eigenen Lebensr\u00e4tsel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":919,"featured_media":2364,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062,110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-88626","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/919"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88626"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88626"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}