{"id":88485,"date":"2017-10-22T12:17:35","date_gmt":"2017-10-22T12:17:35","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/die-suche\/"},"modified":"2017-10-22T12:17:35","modified_gmt":"2017-10-22T12:17:35","slug":"die-suche","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-suche\/","title":{"rendered":"Die Suche"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine Eigenschaft des Menschen, unabl\u00e4ssig nach etwas zu suchen. Fortw\u00e4hrend wartet er auf irgendetwas. Findet er das Gesuchte oder scheint das von ihm Erwartete sich zu erf\u00fcllen, so stellt sich in der Regel bald heraus, dass das, was er gefunden hat, nicht ann\u00e4hernd dem entspricht, wonach er suchte. Wenn sich das im Laufe des Lebens mehrfach wiederholt, so kann sich die \u00dcberzeugung bilden, dass sich das Leben um das \u201eSuchen\u201c und nicht um das \u201eFinden\u201c dreht. Allerdings steht das im Widerspruch zu dem bekannten Vers aus dem Evangelium nach Matth\u00e4us: \u201eSuchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan.\u201c<\/p>\n<p>Mit der Liebe zu einer Person verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich. Wir suchen einen Menschen, verlieben uns in ihn, und mit der Zeit zeigt die geliebte Person uns eine Seite, die wir vorher nicht kannten. Oftmals wird dann die Liebe getr\u00fcbt oder erlischt g\u00e4nzlich. Und die Suche geht \u201evon vorne los\u201c. Aber: Muss es immer so sein?<\/p>\n<p>Innerer Schmerz ist Ausdruck f\u00fcr die Sehnsucht nach etwas Wesentlichem, das fehlt. Dieses schmerzliche Gef\u00fchl entspringt letztlich aus der \u201eErinnerung\u201c an eine verloren gegangene Vollkommenheit, die aus der Tiefe des Herzens zu uns spricht. Ein unsterblicher Wesenskern macht sich bemerkbar. In jedem sterblichen Menschen wirkt ein g\u00f6ttliches Element, das sich nach der Welt der Ewigkeit sehnt. Deswegen k\u00f6nnen in unserer Welt kein Ruhm, kein Erfolg, keine Errungenschaften uns g\u00e4nzlich zufrieden stellen. Es gibt nur ein einzig Notwendiges zu tun: den verlorenen Zustand der Vollkommenheit wieder herzustellen.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr die Liebe. Keine sterbliche Person kann unser Ideal erf\u00fcllen, weil das Herz nach etwas H\u00f6herem sucht. Tief in seinem Inneren wei\u00df das Herz, dass die ewige Liebe existiert und irgendwo zu finden ist. Aber sie kann sich nicht in der \u00e4u\u00dferen Welt, der Welt der Erscheinungen manifestieren, in der fr\u00fcher oder sp\u00e4ter alles dem Gesetz der Verg\u00e4nglichkeit unterliegt. Es muss also eine vollkommene, eine g\u00f6ttliche Welt geben. Unbewusst richtet sich die Suche auf sie; sie ist Quelle und Ziel der tiefsten Sehnsucht.<\/p>\n<p>Jan Amos Comenius (1592-1670), der der Gemeinschaft der B\u00f6hmischen Br\u00fcder angeh\u00f6rte, schrieb in dem Werk <em>Das einzig Notwendige<\/em>: \u201eWenn uns Sterblichen das Verlangen nach etwas Besserem und das fortw\u00e4hrende Streben, es zu erreichen, angeboten ist, warum zweifeln wir dann daran, einmal doch am Ziel zu stehen? Wenn Gott und die Natur nichts vergeblich tun \u2013 und das ist ein auf Erfahrung beruhender Lehrsatz \u2013, warum sollte Gott Gefallen daran haben, in das Menschenherz eine so tief wurzelnde Sehnsucht zu pflanzen, wenn er sie nie stillen will? Das w\u00e4re widersinnig! Dann m\u00fcsste man annehmen, dass Gott entweder unsere Sehnsucht und ihr Ziel nicht kennt oder weder Macht und Einsicht noch den Willen hat, uns an dieses Ziel zu bringen. Das ist jedoch undenkbar, es sei denn, man m\u00fcsste Gott die Allmacht, Allwissenheit und Allg\u00fcte absprechen. Oder trauen wir dem ewigen Gott nicht zu, was wir einem verg\u00e4nglichen Menschen zutrauen?\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Es ist eine Zusicherung an das sehnende Herz, die Comenius ausspricht, um es zu beruhigen, zu tr\u00f6sten und zur Suche zu ermutigen, in der richtigen Richtung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; J.A. Comenius: Unum Necessarium \u2013 Das einzig Notwendige, 2., \u00fcberarb. Druck, modernisiert nach der 1. Ausgabe 1904, Rosekruiz Pers, Haarlem; Kapitel 1, Vers 21, Zeile 1-14, Seite 45,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a name=\"_ftn1\"><\/a><a href=\"http:\/\/E:\/LOGON\/Poszukiwanie.docx#_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> Jan Amos Comenius, \u201eUnum necessarium\u201d, translated by Vernon H. Nelson, Moravian Archives, <a href=\"http:\/\/moravianarchives.org\/images\/pdfs\/Unum%20Necessarium.pdf\">http:\/\/moravianarchives.org\/images\/pdfs\/Unum%20Necessarium.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":2143,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-88485","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88485"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88485"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}