{"id":88459,"date":"2017-10-10T17:52:33","date_gmt":"2017-10-10T17:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/weniger-ware-mehr\/"},"modified":"2017-10-10T17:52:33","modified_gmt":"2017-10-10T17:52:33","slug":"weniger-ware-mehr","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/weniger-ware-mehr\/","title":{"rendered":"Weniger w\u00e4re mehr"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs ist genug f\u00fcr alle da. Niemand muss im Elend leben. Die Leute m\u00fcssten sich nicht so abrackern, wie sie es tun. K\u00f6nnten mehr Zeit f\u00fcr Wissenserwerb haben, beispielsweise. Oder f\u00fcr andere sch\u00f6ne Sachen. Schlie\u00dflich herrscht schon jetzt \u00dcberproduktion, und die macht den Planeten kaputt.\u201c <a href=\"#1\">[1]<\/a> Dieses Zitat aus der ZEIT weist auf ein B\u00fcndel ungel\u00f6ster Fragen und Probleme hin, von den pers\u00f6nlichen Motiven unserer Lebensgestaltung bis hin zur Globalisierung. Wenn man die Fragen des globalen Handels und der Gerechtigkeit einmal beiseite l\u00e4sst, kann man sich \u2013 als Angeh\u00f6riger des sogenannten Mittelstands \u2013 in Ruhe fragen, ob man nicht k\u00fcrzer treten k\u00f6nnte. Weniger arbeiten, weniger konsumieren, mehr Zeit haben f\u00fcr \u2026 ja, wof\u00fcr eigentlich?<\/p>\n<p>Die fortschreitende Ausbeutung des Planeten und der Klimawandel verlangen eine Antwort von jedem. Ein Teil der L\u00f6sung besteht in einer Lebenshaltung des Verzichts, vor allem des Weniger-Konsumierens. Nicht alle f\u00fcnf Jahre ein neues Auto kaufen, nicht immer sofort das neueste Smartphone, keine Berge von Kleidern, \u00fcberhaupt das Auto \u00f6fter stehen lassen, vielleicht auch weniger reisen, bescheidener wohnen. Die Fakten sind bekannt, doch es bewegt sich recht wenig. Kann es sein, dass die Utopie des Weniger sich mit dem Expansionsdrang des Ichs schlecht vertr\u00e4gt? Kann es au\u00dferdem sein, dass wir mit der Freiheit, die durch das Weniger entsteht, nur in der Theorie etwas anfangen k\u00f6nnen? Weniger arbeiten \u2013 mehr Freizeit, weniger Stress, Zeit f\u00fcr mich, endlich all die B\u00fccher lesen, mehr Zeit f\u00fcr Familie und Freunde, f\u00fcr Sport, f\u00fcr die wesentlichen Dinge. Im Prinzip m\u00f6chte das jeder. Doch in uns lebt ein Hunger nach Mehr, nach Gr\u00f6\u00dfe, nach Grenz\u00fcberschreitung, der sich meist v\u00f6llig im Materiellen verortet. Eine Haltung, in der der Mensch sich dahingehend als Krone der Sch\u00f6pfung versteht, dass er tats\u00e4chlich alles auf diesem Planeten nach seinen W\u00fcnschen gebraucht, verbraucht, zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es gesund, sich als Kind dieser Welt zu sehen, aus der gleichen Materie gemacht wie alles andere auch, abh\u00e4ngig von all den komplexen Kreisl\u00e4ufen dieser Natur. Es geht darum, der Natur als Lebensgrundlage den erforderlichen Respekt entgegenzubringen. Und darum, mit der Leerstelle umgehen zu lernen, die entsteht, wenn wir die Natur nicht vor allem in Unmengen von Waren verwandeln. Wenn die W\u00fcnsche, die wir sonst so schnell in Konsum und Verbrauch umsetzen, sich lichten k\u00f6nnen. Doch was dann? Was jetzt gefragt ist, geht hinaus \u00fcber ein \u201eWeiter so, nur ein bisschen \u00f6kologischer\u201c. Die Menschheit steht vor einer Aufgabe, die sich nur spirituell l\u00f6sen l\u00e4sst, denn das Problem liegt in unserem Selbst.<\/p>\n<p>Nicht umsonst haben viele spirituelle Lehren den Menschen zun\u00e4chst vor eine gro\u00dfe Verneinung gestellt. Der Buddhismus ist eine dieser Lehren. Er betrachtet das, was wir unser Selbst nennen, im Wesentlichen als Zusammenspiel von Form (K\u00f6rper), Sinneswahrnehmungen, Wille, Denken und Bewusstsein. Dieses hegen und pflegen wir irrt\u00fcmlich wie ein ewiges Selbst und f\u00fcttern es dabei mit verg\u00e4nglichem Besitz. Buddha fordert den Menschen auf, sich von diesem Selbst zu befreien, damit die Wahrheit im Innern aufscheinen kann. Das wird nur m\u00f6glich, wenn man in sich die Leere zul\u00e4sst, die dann entsteht, wenn das Hamsterrad des Geldverdienens, der Sorgen und W\u00fcnsche sowie der Expansion des Ichs (wenigstens ab und zu) einmal zur Ruhe kommt. Nichts zu w\u00fcnschen, nichts zu wissen, aber: wach zu sein und die Tiefen des innereigensten Dr\u00e4ngens zu erforschen. Dazu sagt Buddha: \u201eDie Wahrheit ist der unsterbliche Teil eures Geistes. Die Wahrheit gew\u00e4hrt Sterblichen die Gnade der Unsterblichkeit.\u201c <a href=\"#2\">[2]<\/a> Worin besteht diese Wahrheit? Mit Worten l\u00e4sst sie sich nicht einfangen. Doch es gibt ein Leben aus ihr, das frei macht vom \u00e4u\u00dferen W\u00fcnschen und Brauchen. Wer etwas davon gefunden hat, schmeckt die Freiheit. Und diese Freiheit w\u00e4chst, wenn man Gebrauch von ihr macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>_______________________________<\/p>\n<p><a id=\"1\" name=\"1\">[1]&nbsp;&nbsp;<\/a> DIE ZEIT Nr. 52\/2016, Seite 46, \u201eSehnsucht ohne Ort? Von wegen!\u201c von Mohamed Amjahid und Gero von Randow. Die oben zitierte Textstelle stammt von der Politikstudentin Laura Meschede<\/p>\n<p><a id=\"2\" name=\"2\">[2]&nbsp;<\/a>&nbsp;&nbsp;Das Evangelium des Buddha, Reprint der Originalausgabe von 1894, o.O., o.J., Seite 3<\/p>\n","protected":false},"author":921,"featured_media":2104,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-88459","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88459","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/921"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88459"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88459"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}