{"id":88449,"date":"2017-10-09T14:23:36","date_gmt":"2017-10-09T14:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/nasiketas-und-die-kunst-des-sterbens\/"},"modified":"2017-10-09T14:23:36","modified_gmt":"2017-10-09T14:23:36","slug":"nasiketas-und-die-kunst-des-sterbens","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/nasiketas-und-die-kunst-des-sterbens\/","title":{"rendered":"Nasiketas und die Kunst des Sterbens"},"content":{"rendered":"<p><em>Wenn es einen Punkt der endg\u00fcltigen Trennung gibt, dann ist es der Moment des Todes.&nbsp; Diese Fragen stellt sich der junge <\/em>Nasiketas<em> in den Upanischaden. Seine Suche f\u00fchrt zur Wirklichkeit<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts des Todes scheint unser Leben mit einem Mal unwirklich zu sein. K\u00f6nnen wir denn etwas, das sich fortw\u00e4hrend ver\u00e4ndert, als Wirklichkeit bezeichnen? Zwar erfahren wir uns selbst und unser Leben zuverl\u00e4ssig als Realit\u00e4t, aber wir erfahren es als relatives Bestehen. In diesem Bestehen beruht die Angst vor dem Tod oft auf der Furcht, dass all das Bekannte des relativen Bestehens wegfallen wird. Wenn aus einer tieferen Perspektive unseres nicht relativen Kernwesens gesehen unser relatives Leben eine Illusion ist, wo ist denn da der Zusammenhang?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ist der Tod die Trennungslinie?<\/strong><\/p>\n<p>Hermes stellt fest: \u201cNiemals war oder ist oder wird es etwas in der Welt geben, das den Tod gekannt hat. Der Vater hat gewollt, dass die Welt lebendig sei, solange sie besteht: Daher ist die Welt notwendigerweise Gott.\u201d<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat unser Sterben von diesem hermetischen Standpunkt aus gesehen? Jan van Rijckenborgh schreibt: \u201cAlles ist Leben, ein lebendiger Ozean aus Atomen. Jeder K\u00f6rper ist daher Leben. Jedes Leben besitzt auch Bewusstsein. Und jedes Bewusstsein besitzt eine unermessliche und nat\u00fcrliche g\u00f6ttliche Kraft. Denn das Atom ist Leben. Und Leben ist allein aus dem Urquell zu erkl\u00e4ren, da Ihr k\u00f6rperlicher Zustand, Ihr Pers\u00f6nlichkeitszustand, eine Zusammenf\u00fcgung von Atomen ist. Daher ist Gott das Fundamentale Ihrer Wesenheit. Gott geoffenbart im Fleisch.\u201d<\/p>\n<p>Die klassische Definition des klinischen Todes wurde 1864 von Bouchot wie folgt formuliert: \u201cDer Mensch ist tot, wenn das Herz nicht mehr klopft.\u201d Zur Zeit wei\u00df man, dass beim Tod die Blutzirkulation nach ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten aufh\u00f6rt. Aber trotz aller neuer Techniken wissen die Mediziner nicht genau, wann der Tod endg\u00fcltig eintritt.<\/p>\n<p>Einige experimentieren mit dem Gedanken, dass man bereits tot ist, wenn man die Pers\u00f6nlichkeit verliert und keine bewussten Gedanken mehr hat. Wenn Sie nur bewusstlos sind, wird Ihre Gehirnaktivit\u00e4t trotzdem gemessen.<\/p>\n<p>Aber was sollen wir von dem Ph\u00e4nomen halten, dass das Herz noch selbstst\u00e4ndig weiterklopfen kann, obwohl eine Atmung und eine Aktivit\u00e4t des Gehirns einschlie\u00dflich des Gehirnstamms nicht festgestellt werden kann?<\/p>\n<p>Das ist ein Komazustand, und dennoch kann es sein, dass das System noch wochenlang lebt. Das gilt besonders f\u00fcr unsere Gene. Viele davon leben noch eine Zeit lang oder sind wieder zum Leben zu bringen. Kurz gesagt: es gibt aus biologischer Sicht keinen bestimmten Augenblick des Todes, sondern man spricht von einer Anzahl kleiner Sterbemomente. Mit anderen Worten: man stirbt stets ein bisschen. Die Feststellung des Todeszeitpunkts h\u00e4ngt somit von unserer philosophischen oder religi\u00f6sen \u00dcberzeugung ab. Es ist kein einmaliges Geschehen, sondern ein Prozess. Daher ist es augenblicklich eine der gro\u00dfen Fragen, welches der rechte Moment f\u00fcr eine eventuelle Organentnahme f\u00fcr Transplantationszwecke ist. M\u00fcssen wir dann den Verstorbenen vor solchen Operationen nicht Schmerzmittel verabreichen?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Dass es mehrere Momente des Todes gibt, wird keinem, der sich geistig-esoterisch orientiert, fremd erscheinen. Denn sowohl unser Stoffk\u00f6rper als auch unser \u00c4ther-, Astral- und Mentalk\u00f6rper sind unterschiedlich zusammengesetzt.<\/p>\n<p>Jan van Rijckenborgh sah das jedoch aus einer breiteren Perspektive. In dem Buch \u201eDie \u00e4gyptische Urgnosis\u201c sagt er:<\/p>\n<p>\u201cDer Mensch, von dem die universelle Lehre und die Heilige Schrift sprechen, ist eine ganz andere Gestalt als die des stofflichen K\u00f6rpers, der allgemein und irrt\u00fcmlich f\u00fcr den Menschen gehalten wird. Wir sind Wesen der Zweifachheit. In uns sehnt sich der wahre Mensch nach Befreiung, der in seiner Naturgestalt gefangen gehalten wird.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich das jeden Tag vorhalten, dann dienen Sie sich selbst sehr! Der wahre Mensch, gefangen in der Naturgestalt, ist Leben und Licht. Er ist Gott.\u201d<\/p>\n<p>Auch die Upanischaden zeugen von einer besonderen Perspektive. Es hei\u00dft darin: \u201cDie Sinnesorgane sind nach au\u00dfen gewandt. Darum blickt der Mensch nach au\u00dfen und nicht in das innere Selbst. Nur ein einziger Weiser sah in das innere Selbst und hielt den Blick nach innen gerichtet. Die Unsterblichkeit w\u00fcnschend, wandte er sich vom Sinnesorganischen ab.\u201d<\/p>\n<p>Jede Befreiungslehre vermittelt die Vorstellung, dass wir dem relativen, illusorischen Bestehen nach sterben k\u00f6nnen, w\u00e4hrend wir leben, ohne darauf zu warten, bis der K\u00f6rper stirbt. Aus diesem Grund lehrt man uns gleichzeitig, unsere Aufmerksamkeit auf das Kernwesen zu richten und uns dar\u00fcber klar zu werden, dass wir in unserem relativen Dasein die Dinge und Ereignisse nicht bewegen. Die Kraft dazu, uns auf das Kernwesen zu richten, kommt n\u00e4mlich aus dem Kernwesen selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nasiketas<\/strong><\/p>\n<p>In den Upanischaden steht auch die Geschichte von Nasiketas, der schon sehr jung vom Mysterium des Todes ergriffen wurde. Er fragte sich: \u201cWer bin ich? Wohin f\u00fchrt mich dieses Leben? Ist alles verg\u00e4nglich oder gibt es etwas in mir, das bleibt?\u201d Nasiketas\u2019 Vater, so hei\u00dft es in der Geschichte, brachte den G\u00f6ttern Opfer, weil er nach himmlischer Belohnung verlangte. Aber er opferte vor allem alte K\u00fche, die nicht mehr fressen, trinken, K\u00e4lber geb\u00e4ren oder Milch geben konnten. Und Nasiketas war sehr betr\u00fcbt \u00fcber die Armseligkeit dieser Gaben. Daher fragte er seinen Vater eines Tages: \u201cWas soll das n\u00fctzen?\u201d Der Vater \u00e4rgerte sich \u00fcber diese kritische Frage seines Sohnes.<\/p>\n<p>Und er rief aus: \u201eWieso darf er so etwas fragen?\u201c Da stellte Nasiketas seinem Vater die folgende Frage: \u201cVater, an wen w\u00fcrdet ihr mich weggeben?\u201d So fragte er einmal und noch einmal. Nachdem er das dritte Mal gefragt hatte, antwortete ihm sein Vater erbost: \u201cDich gebe ich Yama, dem Gott des Todes!\u201d Und so zog Nasiketas in das Haus des Yama, des Herrn des Todes.<\/p>\n<p>Wenn wir davon ausgehen, dass sich diese ganze Geschichte in uns selbst abspielt, erkennen wir im Vater den traditionellen Menschen in uns, der die \u00e4u\u00dferen Formen beachtet, jedoch den Kontakt mit dem Quell der geistigen Inspiration verloren hat.<\/p>\n<p>Dieser \u00e4u\u00dfere Mensch hat nur \u201calte K\u00fche\u201d anzubieten, aus denen das Leben verschwunden ist. In seinem koordinierten sinnesorganischen Zustand und verwirrt von all der Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Dinge in Raum und Zeit, kann er das Innere nicht wahrnehmen.<\/p>\n<p>Der Name Nasiketas bedeutet \u201cnicht wahrgenommen\u201d. Er ist das Symbol f\u00fcr den inneren, geistigen Menschen. Wenn der Mensch die Frage des innerlich Wahrgenommenen vernimmt, das hei\u00dft, wenn er auf den dreifachen Impuls reagiert, dann ist das wie die Geburt eines inneren Sohnes, in dem das Wissen \u00fcber Leben und Tod offenbar wird.<\/p>\n<p>Diese Geschichte beschreibt, wie der Sohn schlie\u00dflich vorl\u00e4ufig bei Yama, dem Gott des Todes blieb, der in diesem Moment nicht anwesend war. Daher musste er als Gast drei Tage ohne Essen und Trinken warten. Als Yama endlich heimkam, rief er Nasiketas schuldbewusst zu: \u201cO Brahman, weil du, ehrenwerter Gast, drei N\u00e4chte ohne Nahrung in meinem Haus geblieben bist, darfst du drei W\u00fcnsche \u00e4u\u00dfern.\u201d<\/p>\n<p>Denn Nasiketas enthielt sich drei N\u00e4chte seiner alten Konditionierungen wie Jesus w\u00e4hrend der Versuchung in der W\u00fcste. Die drei Impulse wurden durch Offenheit des Nasiketas zu Ideation, Meditation und Realisation. Wir erkennen, dass Yama mit dem ersten Wunsch des Nasiketas keine M\u00fche hatte. Er w\u00fcnschte sich, dass sein Vater, zur Ruhe gekommen, ihn bei seiner R\u00fcckkehr erfreut begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrde! Der alte Mensch wird \u2013 au\u00dferhalb des Ego-Bewusstseins \u2013 ber\u00fchrt und \u00f6ffnet sich f\u00fcr den inneren Impuls. Er erkennt das Innere. Auch den zweiten Wunsch konnte Yama ohne Z\u00f6gern erf\u00fcllen, n\u00e4mlich Nasiketas den Weg zum Himmel weisen und ihm zeigen, wie er das heilige Feuer entflammen k\u00f6nne. Das ist ein Weg der Anbetung und \u00dcbergabe, auf dem Alter und Tod \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Das ist bewusste Verbindung mit dem Licht des Kernwesens. \u201cDas ist es, was ich wirklich bin\u201d, so sagt er sich in jedem Moment seines Lebens erneut. Diese erleuchtende Einsicht reicht jedoch nicht aus, um definitiv die Grenze zu passieren. Darum stellte Nasiketas seine dritte Frage:<\/p>\n<p>\u201cWenn ein sichtbarer Mensch stirbt, entstehen unter den Menschen gro\u00dfe Zweifel. Einige meinen, dass er noch da sei. Andere sagen, dass er zu bestehen aufgeh\u00f6rt habe. Sage mir: Was geschieht danach? Das w\u00fcrde ich gern wissen. Das ist mein dritter Wunsch!\u201d<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stellt Nasiketas hier eine unm\u00f6gliche Frage. Denn er fragt doch, ob im Menschen etwas anwesend ist, das bleibt, das ewig ist oder ob der Mensch nur eine zeitliche Erscheinung ist und nichts von ihm \u00fcbrig bleibt! Er fragt nach seinem wirklichen Wesen jenseits von Leben und Tod, jenseits von Zeit und Raum, also au\u00dferhalb von Yamas Wirken. Darum antwortet Yama ihm auf diese dritte Frage: \u201cDie G\u00f6tter selbst hatten von jeher Zweifel in dieser Hinsicht. Denn das ist wahrlich sehr schwer zu verstehen. W\u00e4hle eine andere Frage, o Nasiketas, w\u00e4hle! Frage nicht weiter danach! Lass mich damit zufrieden!\u201d<\/p>\n<p>Der relative Zustand muss definitiv losgelassen werden. Und die Rollen des Lebens und des Todes sind vollkommen klar. Yama bietet ihm nun alle weltlichen Freuden und Gen\u00fcsse an und so viele Jahre auf Erden, wie er w\u00fcnscht, wenn er nur nicht diese eine Frage beantworten muss.<\/p>\n<p>\u201cW\u00e4hle S\u00f6hne und Enkel, werde hundertj\u00e4hrig, habe viel Vieh und Elefanten, Gold und Pferde. W\u00e4hle gro\u00dfe L\u00e4ndereien und f\u00fcr dich selbst so viele Herbste, wie du m\u00f6chtest. W\u00e4hle Luxus und ein langes Leben. Sei gro\u00df auf Erden, Nasiketas. Ich schenke dir den Genuss all deiner L\u00fcste. Fordere ruhig, was in dieser Welt schwer zu erhalten ist. Sieh hier: Wagen, sch\u00f6ne Nymphen, nach denen kein Sterblicher zu verlangen wagt. Lass sie dich \u2013 von mir geschenkt \u2013 bedienen. Aber, Nasiketas, frage mich nicht nach dem Sterben.\u201d<\/p>\n<p>Nichts, aber auch gar nichts konnte Nasiketas von seiner tiefsten Frage abhalten, denn sie reicht weiter als alles Erscheinende. \u201cEnth\u00fclle mir das Mysterium der Unsterblichkeit\u201d, so forderte Nasiketas. \u201cDenn alles, was du vorschl\u00e4gst, o Yama, sind Gen\u00fcsse,die es morgen nicht mehr gibt. Sie rauben den Sinnesorganen alle Sch\u00e4rfe. Kurz ist unser ganzes Leben. Du kannst deine Wagen, deinen Tanz und Gesang behalten. EinemMenschen reicht Besitz nicht aus, denn sobald wir dich anschauen, besitzen wir nichts mehr. Wir leben solange, wie du es uns zugestehst. Der Wunsch, den ich so gern erf\u00fcllt sehen w\u00fcrde, bleibt derselbe.\u201c Dieser Wunsch, dieser sehnlichste Wunsch Nasiketas\u2019 bleibt bestehen, denn er hat keine andere Wahl.<\/p>\n<p>Als Nasiketas seinen dritten Wunsch dreimal ausgesprochen hatte, musste der Herr des Todes wohl nachgeben. Er bewunderte die zielbewusste Hinwendung dieses seltsamen Jungen zur Wahrheit. Aber er wollte sicher sein, dass der Wunsch ehrlich gemeint und nicht angelernt oder aus \u00dcbermut entstanden war. Nun war er sicher, dass Nasiketas gen\u00fcgend vorbereitet war, dieses Wissen zu empfangen. Und er sagte:<\/p>\n<p>\u201cDu, o Nasiketas, hast nach sorgf\u00e4ltiger \u00dcberlegung all die teuren und verlockenden Reize des Begehrens, die in deinem Bereich lagen, aufgegeben. Du hast dich nicht auf diesen Weg der b\u00f6sen Vorliebe f\u00fcr Reichtum begeben, in dem so viele ertrinken. Oh, m\u00f6chten wir immer Fragende wie dich finden.\u201d Daraufhin unterrichtete er Nasiketas ausf\u00fchrlich mit den Worten: \u201cWer durch Selbstbesinnung Ihn als Gott erkennt, der kaum sichtbar im Verborgenen herrscht, der im Geheimen ist, der in der Tiefe wohnt, dieser Weise l\u00e4sst Leid und Freude hinter sich. Kleiner als klein, gr\u00f6\u00dfer als gro\u00df ist die g\u00f6ttliche Essenz, die im Herzen des Gesch\u00f6pfs wohnt. Wer frei von Begierde und Kummer ist, sieht durch die Gnade des Sch\u00f6pfers Seine Herrlichkeit.\u201d<\/p>\n<p>Und es blieb nicht aus, dass Yama sich gen\u00f6tigt sah, Nasiketas die h\u00f6chste Kenntnis zu offenbaren:<\/p>\n<p>\u201cDas unsterbliche Selbst wird nicht durch Studien oder tiefes Denken allein gefunden, auch nicht durch Sprechen oder H\u00f6ren. Ihm, der nichts anderes kennt als das Verlangen nach dem Selbst, zeigt sich das g\u00f6ttliche Selbst in seiner erhabenen Art. Dieses Selbst zu finden, fordert vom Wahrheitssucher absolute Hinwendung zum Ziel und Ausrichtung auf dieses Ziel. Wer sich selbst vollkommen hingibt, wei\u00df mit vollkommener Sicherheit, dass das unsterbliche Selbst tief in ihm lebt. Wer das g\u00f6ttliche Selbst im eigenen Herzen findet, erf\u00e4hrt in sich selbst das, was er sucht: Ruhe und Frieden. Er sieht das h\u00f6chste Selbst in allem, was lebt und sich bewegt. Ein solcher Diener des Selbstes geht im g\u00f6ttlichen All auf.\u201d<\/p>\n<p>Das Ziel ist das Selbst, das f\u00fcr das Ich unbegreifliche innere Wesen. Wenn das Menschenherz zur Ruhe kommt, findet das Wesen sich selbst und zwar quer zu unserer relativen Erscheinung. Das kann auch nicht anders sein, denn Pfeil und Ziel sind nicht getrennt. So zeigt sich, dass der Herr des Todes der gro\u00dfe, innere Weise ist, ein Pr\u00fcfstein und gleichzeitig auch ein Freund auf dem Pfad. Er ist Sch\u00f6pfer und Vernichter. Das Sch\u00f6pferische und Vernichtende deutet darauf hin, dass in der Welt alles stets neu ist. Das ist es, wor\u00fcber Hermes in dem vorhergehenden Zitat spricht. Das ist in dem uns bekannten Dasein nicht so. Wir sind gleichsam kristallisierte Zwischenf\u00e4lle in der ewigen Aufl\u00f6sbarkeit. Das ist auch der Grund daf\u00fcr, dass im Mikrokosmos das Vernichtende und Offenbarende dem geistigen Wesen in uns immer wieder eine neue Chance schenkt, damit der gro\u00dfe Transfigurationsprozess tats\u00e4chlich stattfinden kann.<\/p>\n<p>Hermes sagt: \u201cTod weist auf Untergang und Vernichtung hin. Aber nichts von allem, was im Universum ist, wird vernichtet.\u201d<\/p>\n<p>Nur das Zusammengesetzte zerf\u00e4llt wieder in das nicht Zusammengesetzte. Unser wirkliches Wesen ist nicht zusammengesetzt. Es ist trotz Tod stets neu.<\/p>\n<p>Wenn wir nun noch einmal zu unserem k\u00f6rperlichen Tod zur\u00fcckkehren, k\u00f6nnte die Frage auftauchen: \u201cBedeutet das alles nun, dass wir keinen Kummer mehr haben, wenn uns ein geliebter Mensch verl\u00e4sst?\u201d<\/p>\n<p>Wenn wir jemanden verlieren, den wir gern hatten, erfahren wir nat\u00fcrlich Kummer. Die energetischen Bindungen, die zwischen uns und dem Dahingegangenen bestanden, werden zerrissen, und wir erleben den Moment der Aufl\u00f6sung. Das zerrissene Band ist wie eine Wunde, die Zeit zum Heilen braucht.<\/p>\n<p>Jemanden m\u00f6gen und der Kummer des Verlusts sind reale Prozesse, die im Relativen stattfinden. Unser wahres Wesen steht jedoch au\u00dferhalb des Relativen und Zusammengesetzten. Es blickt in Liebe auf alles Erscheinende und wieder Verschwindende. Die Seele wei\u00df, dass der gro\u00dfe Verlust nicht durch einen anderen, sondern nur durch Den Anderen, das nicht relative Kernwesen, gestillt werden kann. Diese Entdeckung wirkt heilend und belebend.<\/p>\n<p>Und so endet die Geschichte von Yama und Nasiketas, die in der Katha Upanischad aufgezeichnet ist.<\/p>\n<p>\u201cDieser Andere in uns, ein Wesen wie ein Feuer ohne Rauch, wohnt verborgen in jedem Menschen und zwar tief in der H\u00f6hle des Herzens. Es herrscht \u00fcber die Zeit, \u00fcber das Heute, \u00fcber Zukunft und Vergangenheit. Es ist unver\u00e4nderlich, immer gleich. Und alles, was ist, ist DAS.\u201d<\/p>\n<p>In dem \u201cNichtwissen\u201d, in der \u201cBereitschaft zu sterben\u201d fand Nasiketas in sich selbst Brahma, das Eine, und wurde von Leidenschaften und Tod befreit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":936,"featured_media":2091,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-88449","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/88449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/936"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88449"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=88449"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=88449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}