{"id":126899,"date":"2026-05-04T06:00:34","date_gmt":"2026-05-04T06:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=126899"},"modified":"2026-05-03T17:35:31","modified_gmt":"2026-05-03T17:35:31","slug":"das-labyrinth","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/das-labyrinth\/","title":{"rendered":"Das Labyrinth"},"content":{"rendered":"<p><em>Es mag Menschen geben, die einen Weg der Befreiung anstreben als einen Gang weit, weit von der Erde weg in die Tiefen des Alls. <!--more-->Das Labyrinth als christliches Einweihungssymbol zeigt dagegen ein anderes Ziel: Der Weg durch das Labyrinth f\u00fchrt die Pilger nicht weg, nicht irgendwohin, sondern sie bleiben ihren Mitpilgern immer sehr nahe, es gibt immer Ber\u00fchrungspunkte mit den anderen Pilgern aller Stufen. Durch das Gehen dieses Mysterienweges machen die Pilger bei jedem Schritt und vor allem bei jeder Umwendung Licht der Erkenntnis frei.<\/em><\/p>\n<p>Auf einer Reise in den hohen Norden Schwedens kam ich in einen kleinen Ort, wo ich rasten wollte. Da es noch fr\u00fch am Nachmittag war, wanderte ich durch den Ort, um die durchsichtig-hellblaue Sommeratmosph\u00e4re Nordschwedens einzutrinken. Als ich vor dem letzten Haus der Stra\u00dfe stehen blieb und eine \u00fcbermannshohe, prachtvolle Sonnenblume bewunderte, die \u00fcber den Zaun ragte, gr\u00fc\u00dfte mich der Hausbesitzer, und ich antwortete so gut ich konnte auf Schwedisch. Er antwortete direkt auf Deutsch und sagte, dass er deutsche Vorfahren habe. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch und schlie\u00dflich lud er mich zu einem Kaffee auf seiner Terrasse ein. Dabei tauschten wir uns \u00fcber unser Woher und Wohin aus. Schlie\u00dflich sagte er: &#8222;Ich m\u00f6chte Ihnen etwas Besonderes zeigen. Kommen Sie in den hinteren Garten.&#8220; Ich folgte ihm durch die Terrassent\u00fcr.<\/p>\n<p>Im Garten gingen wir auf eine Str\u00e4ucherwand zu und er f\u00fchrte mich durch eine verwunschene L\u00fccke hindurch, hinter der sich der Blick auf ein ziemlich weitl\u00e4ufiges Gel\u00e4nde \u00f6ffnete. Ich sah ein gro\u00dfes Rondell, das mit sehr vielen konzentrischen Reihen aus gl\u00e4nzend wei\u00dfen, gro\u00dfen und kleinen Steinen belegt war, ein Labyrinth. In der Mitte erhob sich eine mannshohe Rosenhecke, die das im Innersten Liegende verbarg.<\/p>\n<p>&#8222;Mein Lebenswerk&#8220;, sagte er. Die Gr\u00f6\u00dfe der Anlage war enorm, ich sch\u00e4tzte den Durchmesser auf etwa drei\u00dfig Meter. Langsam erkannte ich die Struktur des Labyrinths: es war in vier Sektoren aufgeteilt, durch die der Weg in konzentrischen Kreisabschnitten m\u00e4andernd verlief. &#8222;Es sind zw\u00f6lf Kreise&#8220;, sagte mein Gastgeber.<\/p>\n<p>&#8222;Dieses Labyrinth\u201c, so fuhr er fort, \u201eist ein Mysterium. Es hat nichts mit einem Irrgarten oder dem kretischen Labyrinth zu tun, aus dem Theseus ja hinausfinden sollte, wobei ihm der Faden der Ariadne ja bekanntlich geholfen hat.<\/p>\n<p>In dieses Labyrinth geht man jedoch freiwillig hinein. Es symbolisiert den Einweihungsweg in die Mysterien, und enth\u00e4lt dabei auch viele Hinweise f\u00fcr das Gehen des Mysterienwegs und die Gefahren und m\u00f6glichen Ablenkungen.<\/p>\n<p>Nachdem man eingetreten ist, die ersten Schritte gemacht und die ersten drei Wendungen vollzogen hat, ist man bereits am innersten Kreis angekommen. Der Pilger mag da denken: &#8218;Ich bin schon angekommen&#8216;! Und verwundert stellt er fest: &#8218;Das war ja einfach; ich bin eben ein Auserw\u00e4hlter, bei mir geht es so einfach.&#8216; Aber man ist noch nicht wirklich <u>im<\/u> Innersten Kreis angekommen, sondern darf erst nur die Au\u00dfenmauer<\/p>\n<p>ber\u00fchren. Aber auch an der Au\u00dfenmauer wirkt bereits eine starke Ausstrahlung aus dem Innersten, so dass dort viele Menschen verweilen. Es ist gewisserma\u00dfen ein Ort, wo Milch und Honig flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich wandte ein: &#8222;Die Wege sind ja nur durch Steinreihen markiert, man k\u00f6nnte sie einfach \u00fcbersteigen und den Weg abk\u00fcrzen.&#8220; \u2013 &#8222;In der Tat, das ist m\u00f6glich, denn der Weg ist ja nicht fest gemauert, sondern nur markiert. Das entspricht dem Prinzip des christlichen Einweihungswegs, der ein Weg der Erkenntnis in Freiheit ist. Das Labyrinth symbolisiert einen Seelenweg, der zur vollkommenen Reife f\u00fchrt, daher macht das \u00dcbersteigen der Begrenzungen keinen Sinn, sondern verletzt kosmische Gesetze. Wer dem Symbol nicht ernsthaft folgt, kann die Seelenentwicklung nicht richtig vollenden. Aber tats\u00e4chlich kommt dieses \u00dcbersteigen nicht selten vor, h\u00e4ufiger als man denkt, durch okkulte Praktiken, durch Drogen und \u00c4hnliches. Oder einfach durch Unreife.&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Weile sagte ich &#8222;Wenn man mitten auf dem Weg bleibt, scheint das Gehen ganz einfach zu sein. Aber wenn man tr\u00e4umt und nicht wachsam ist, vor allem an den Umkehrpunkten, st\u00f6\u00dft man sich an einem Stein, und man wird wieder aufgeweckt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Genau, dieses Stolpern kann sich im Leben als Unfall, als Verlust, als Krankheit zeigen, aber kann dadurch zu einer Ersch\u00fctterung, zum Erwachen und schlie\u00dflich zu einer Erkenntnis f\u00fchren, wenn es gut ist. Diese wei\u00dfen Steine stehen symbolisch f\u00fcr die fundamentalen Gesetze des Lebens und des Seins, die im ganzen Kosmos gelten, und das Stolpern an ihnen f\u00fchrt zu immer weiteren Erfahrungen, so dass der Mensch irgendwann die g\u00f6ttliche Ordnung bewusst verinnerlicht hat.&#8220;<\/p>\n<p>Ich fragte weiter: &#8222;Wir begegnen auf unserem Lebensweg ja sehr vielen Menschen, die von uns aus gesehen in eine andere Richtung gehen \u2013 was bedeutet das?&#8220; \u2013 &#8222;Sie sind auch auf ihrem Weg, aber an einer anderen Stelle der Windung und bewegen sich daher nur scheinbar in einer anderen Richtung. Es k\u00f6nnen Menschen sein, mit denen wir Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen, was hilfreich und sehr begl\u00fcckend ist. Oder es k\u00f6nnen Menschen sein, die in Not sind und Rat, Verst\u00e4ndnis oder tatkr\u00e4ftige Hilfe brauchen. Oder drittens k\u00f6nnen es auch Menschen sein, die bereits mehr Einsichten haben und mir Hilfe geben k\u00f6nnen; aber dazu muss ich reif sein.&#8220; \u2013 &#8222;Wie kann ich an einem Menschen erkennen, ob er weiter ist und mir Hilfe geben kann?&#8220; fragte ich. \u2013 &#8222;Ob jemand &#8218;weiter&#8216; auf dem Weg ist, k\u00f6nnen wir nicht feststellen; denn wir haben kein Sensorium f\u00fcr etwas, was wir noch nicht entwickelt haben. Zu Anfang neigt man oft dazu, \u00fcber solche Menschen zu l\u00e4cheln. Achte vor allem auf die Stillen &#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Pause fuhr er fort:<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind gedanklich noch erst an der Au\u00dfenmauer des Innersten angekommen. Aber der Strom des Lebens dr\u00e4ngt den Pilger irgendwann, weiter zu gehen, weg von diesem Ort, wo Milch und Honig flie\u00dfen, und er f\u00fchrt uns durch acht weitere Umwendungspunkte.<\/p>\n<blockquote><p><em>Schnell ist das M\u00e4rchen erz\u00e4hlt, aber lange braucht es zur Tat,<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>sagte man im alten Russland so treffend. Denn jede einzelne Umwendung bedeutet nicht nur einen Perspektivwechsel, sondern ist auch das Ende eines Entwicklungsabschnitts und der Anfang eines neuen.<\/p>\n<p>Nach dem erfolgreichen Durchwandern der acht Umwendungspunkte \u2013 wieviele Leben braucht es dazu, wer wei\u00df es? \u2013 kommt der Pilger zum zweiten Mal an der Au\u00dfenseite des Innersten Kreises an, diesmal auf der gegen\u00fcberliegenden Seite. Dort ist es schon exklusiver; dort haben sich nur wenige eingefunden, aber im Ergebnis ist es noch dasselbe: die Pilger stehen erst noch auf der Au\u00dfenseite des Innersten.&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Weile des Besinnens wandte ich ein: &#8222;Die Pilger werden aber nach den vielen und sicher auch dramatischen Erfahrungen sicher nicht dieselben geblieben sein?&#8220; \u2013<\/p>\n<p>&#8222;Genau das ist das Entscheidende. Aber in Bezug zu dem Innersten bleibt es dennoch dasselbe. Zu deinem Verst\u00e4ndnis will ich ein Gleichnis erz\u00e4hlen: Wenn jemand plant, in ein Land auszuwandern, beginnt er die Sprache zu lernen und interessiert sich f\u00fcr die Sitten, Gebr\u00e4uche und auch f\u00fcr das ganze Land. Damit kann er eine Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr einen Fortgeschrittenen-Kursus bestehen und in diesem weiter die Anwendung und die Feinheiten der Sprache, der Historie, der Gebr\u00e4uche sowie der F\u00fchrung und der Ordnung des neuen Landes lernen. Aber er ist ja definitiv noch nicht in das neue Land eingezogen. Dazu muss er sich, wenn er denn alle Pr\u00fcfungen und auch das Abschluss-Examen bestanden hat, in Geduld fassen, bis er \u2013 zusammen mit seinen Gef\u00e4hrten \u2013 ins neue Land eingeladen wird.<\/p>\n<p>Wenn also die Einladung dann tats\u00e4chlich unerwartet erfolgt, geht es um ein vollst\u00e4ndiges Abschiednehmen vom alten Land und die Bereitschaft f\u00fcr einen absoluten Neubeginn, denn das letzte Drittel ist lang, es gibt weitere zweiundzwanzig Wendungen. Aber die Pilger sind ja alle gut vorbereitet durch ihre gereifte Seele und sind dabei auch nicht mehr allein, sondern sind mit ihrer Auswander-Gruppe seelisch-geistig verbunden, wodurch die \u00dcberfahrt auch kurzweilig werden kann.<\/p>\n<p>Die Gruppe als Seelengemeinschaft erkennt gemeinsam die Wege, &#8222;beleuchtet&#8220; sie. Das Gehen wird dadurch einfach, es ist nicht mehr n\u00f6tig, an Steine zu sto\u00dfen. Im Gegenteil: durch das gemeinsame Beleuchten wird die Ordnung des Ganzen erkennbar und die Pilger d\u00fcrfen sich an der Sch\u00f6nheit und Weisheit des ganzen Kosmos erfreuen. Sie d\u00fcrfen zum ersten Mal die Glorie Gottes wirklich erkennen und den Sch\u00f6pfer preisen.<\/p>\n<p>Es mag Menschen geben, die einen Weg der Befreiung anstreben als einen Gang weit, weit von der Erde weg in die Tiefen des Alls.<\/p>\n<p>Das Labyrinth als christliches Einweihungssymbol zeigt dagegen ein anderes Ziel:<\/p>\n<p>der Weg durch das Labyrinth f\u00fchrt die Pilger nicht weg, nicht irgendwohin, sondern sie bleiben ihren Mitpilgern immer sehr nahe, es gibt immer Ber\u00fchrungspunkte mit den anderen Pilgern aller Stufen.<\/p>\n<p>Durch das Gehen dieses Mysterienweges machen die Pilger bei jedem Schritt und vor allem bei jeder Umwendung Licht der Erkenntnis frei. Die ersten Pioniere mussten noch jeden einzelnen Schritt m\u00fchsam durch das Dunkel bahnen. Durch das Gehen von immer mehr Pilgern wird dieses Licht heller und klarer, das Gehen wird einfacher und schlie\u00dflich strahlt das ganze Labyrinth in einem hellen Schein der Erkenntnis.<\/p>\n<p>Die Form des Labyrinths enth\u00e4lt alle Ansichten eines Mysterienwegs und ist daher ein wunderbares und sch\u00f6nes Kunstwerk, das nur durch eine Geistseele oder eine Geist-Seelen-Bruderschaft erdacht werden konnte. Mir scheint das Labyrinth ein Symbol zu sein f\u00fcr die seelische Verbundenheit der ganzen Menschheit, oder noch besser: ein Plan f\u00fcr die Entwicklung der Menschheitsseele. Oder auch einfach: eine Arche f\u00fcr alle suchenden Seelen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sind Sie den Weg zuende gegangen?&#8220; h\u00f6rte ich mich fragen \u2013 und w\u00e4hrend ich noch sprach, sp\u00fcrte ich, wie dumm diese Frage ist.<\/p>\n<p>&#8222;Mit dem Labyrinth scheint es eine besondere Bewandtnis zu haben&#8220;, antwortete er. &#8222;Ich habe es so empfunden, als ich den ersten Schritt hinein getan habe, mit festem Entschluss, als ob mich eine unsichtbare Kraft immer weiter dazu anh\u00e4lt, den Weg bis zum Ende zu gehen. Ob ich den Weg zuende gegangen bin? Von au\u00dfen gesehen scheint es so, als ob das verborgene Innerste im Labyrinth ein Ende, ein konkretes Ziel sei. Aber was w\u00e4re dann dieses Ziel, woraus best\u00fcnde es?&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Pause fuhr er fort: &#8222;Der Weg durch das Labyrinth ist der Gang durch das Leben, durch viele Leben, getragen und geleitet von einer tiefen Sehnsucht. Am Ende des Weges steht die Erf\u00fcllung der Sehnsucht. Daher ist es wichtig, bevor man definitiv in das Labyrinths eintritt, sich seines Lebenszieles bewusst zu werden.&#8220;<\/p>\n<p>In mir stieg die Frage hoch: &#8222;Wohin zielt meine Sehnsucht? Was ist mein Lebensziel?&#8220;<\/p>\n<p>Wir schwiegen eine lange Zeit.<\/p>\n<p>Da raschelte es hinter uns in den Str\u00e4uchern \u2013 ein gro\u00dfer Hund kam zu ihm gelaufen und stupste ihn mit der Schnauze an. Er streichelte ihn.<\/p>\n<p>&#8222;Danke, Hanno&#8220;, sagte er und wandte sich zu mir: &#8222;Ich habe ganz vergessen, dass ich noch einen Besuch machen muss. Entschuldigen Sie, aber wir m\u00fcssen uns verabschieden. Kommen Sie wieder gut in Ihre Heimat zur\u00fcck; wer wei\u00df, vielleicht sehen wir uns einmal wieder.&#8220;<\/p>\n<p>Wir dr\u00fcckten uns herzlich die Hand und verabschiedeten uns.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":126920,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-126899","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/126899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/126920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=126899"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=126899"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=126899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}