{"id":126132,"date":"2026-03-18T06:00:37","date_gmt":"2026-03-18T06:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=126132"},"modified":"2026-03-18T21:13:05","modified_gmt":"2026-03-18T21:13:05","slug":"der-weg-zum-ganzen-ein-weg-der-freiheit","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-weg-zum-ganzen-ein-weg-der-freiheit\/","title":{"rendered":"Der Weg zum Ganzen \u2013 Ein Weg der Freiheit"},"content":{"rendered":"<p><em>Der g\u00f6ttliche Geist ist nichts Fertiges, sondern etwas T\u00e4tiges. Hegel sagt: \u201eEr ist [&#8230;] die T\u00e4tigkeit, zu sich zu kommen und so sich hervorzubringen, sich zu dem zu machen, was er an sich ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Im Denken des Menschen findet die Selbstwerdung des Absoluten statt.<\/em><\/p>\n<p><iframe title=\"Spotify Embed: Der Weg zum Ganzen \u2013 Ein Weg der Freiheit Wie G.W.F. Hegel G\u00f6ttliches und Menschliches zusammenf\u00fchrt\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/6DQgrvBtl7EaVt6U5YHL3P?si=ME6wP5cFRd6udKj16Hmobw&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<h3>Wie G.W.F. Hegel G\u00f6ttliches und Menschliches zusammenf\u00fchrt<\/h3>\n<p>Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwarf G.W.F. Hegel (1770-1831) seine Philosophie des Geistes, die zur Grundlage seines reifen Denkens wurde. Er gestaltete ein umfassendes philosophisches System aus, das einen hohen Anspruch erhebt. Denn im Denken des Menschen findet, so Hegel, die Selbstwerdung des Absoluten statt, bildet sich das Selbstbewusstsein Gottes heran.<\/p>\n<p>Hegels System besteht aus drei Teilen; sie beziehen sich auf<\/p>\n<ul>\n<li>das Sein Gottes vor der Erschaffung der Welt,<\/li>\n<li>Gottes Ent\u00e4u\u00dferung in die dem Geist entgegengesetzte, andere, vielf\u00e4ltige Natur (die Materie),<\/li>\n<li>die R\u00fcckkehr Gottes aus seiner Sch\u00f6pfung zu sich selbst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir k\u00f6nnen in diesen drei Stufen unschwer Hegels ber\u00fchmtes Schema von These, Antithese und Synthese erkennen. Auf der zweiten Stufe stehen sich der Geist und die Natur (Materie) antithetisch in einem ungeheuren Widerspruch gegen\u00fcber. F\u00fcr Hegel vollzieht sich hier das Prinzip der dialektischen Entwicklung: die aus dem Widerspruch resultierende Bewegung. Sie ist der Motor f\u00fcr den sich dynamisch entwickelnden Prozess der Selbstfindung Gottes im Menschen.<\/p>\n<h3>Die Struktur der Vernunft<\/h3>\n<p>Der Gedankengang Hegels vollzieht sich in einem dialektischen Dreischritt in der geistigen Vernunft des Menschen. Er wird gebildet durch zwei gegens\u00e4tzliche Pole: das Sein des Absoluten und ihm gegen\u00fcber die fremde, vielf\u00e4ltige Natur bzw. Materie und drittens, sie beide verbindend, das g\u00f6ttliche Selbstbewusstsein im Menschen. Das Subjekt (der Geist)und das Objekt (die Natur, die Materie) stehen einander gegen\u00fcber und werden von einem dritten Pol, dem Bewusstsein, zueinander in Beziehung gesetzt.<\/p>\n<p>Darin liegt die Entwicklung des Erkenntnisprozesses:<\/p>\n<p>Das menschliche Bewusstsein erwacht, indem es sich in Beziehung setzt zu den gegens\u00e4tzlichen Polen und sie miteinander verbindet. So bildet sich das Selbstbewusstsein heran, so erlebt der Mensch sich immer tiefergehend.<\/p>\n<blockquote><p>Hiermit ist der Sinn der hegelschen Dialektik beschrieben: Sie will die Scheidung von Ich und Gegenstand, die die Quelle jeder distinkten [klaren und deutlichen] Erkenntnis ist und zugleich st\u00e4ndig neu die Einheit des wachsenden Bewusstseins stiftet [&#8230;]. In diesem dialektischen Prozess muss das Bewusstsein sich schlie\u00dflich nach Hegel als Vernunft ganz inne werden und sich in seinem eigenen Wesen erleuchten, ins Helle des geistigen Scheinens bringen. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h3>Geschichte als Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit<\/h3>\n<p>Das Wesen des Geistes ist Freiheit, und alle seine Eigenschaften bestehen nur durch seine Freiheit, sie ist das Wahrhafte des Geistes. Die Substanz der Materie dagegen ist die Schwere, da sie keinen Mittelpunkt hat. Sie ist wesentlich zusammengesetzt, besteht aus vielen einzelnen Teilen und treibt nach einem Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Der Geist dagegen ist bei sich, und dieses Bewusstsein ist sein Selbstbewusstsein. Es ist dies seine Empfindung von Freiheit, die ihn frei macht. Der Geist ist auch nichts Fertiges, sondern etwas T\u00e4tiges.<\/p>\n<blockquote><p>Er ist [&#8230;] die T\u00e4tigkeit, zu sich zu kommen und so sich hervorzubringen, sich zu dem zu machen, was er an sich ist. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Von der Weltgeschichte wird gesagt,<\/p>\n<blockquote><p>dass sie die Darstellung des Geistes sei, wie er sich das Wissen dessen, was er an sich ist, erarbeitet; und wie der Keim die ganze Natur des Baumes, den Geschmack, die Form der Fr\u00fcchte in sich tr\u00e4gt, so enthalten auch schon die ersten Spuren des Geistes virtualiter die ganze Geschichte.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Anwendung des Prinzips der Freiheit auf den jeweils weltlichen materiellen Zustand bestimmt den langen Verlauf der Geschichte der Menschheit. Der Motor, der diesen Prozess antreibt, ist das den dialektischen Gegensatz zwischen Geist und Materie \u00fcberwindende und die beiden immer neu integrierende geistige Selbst-Bewusstsein des Menschen.<\/p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel, um diesen Entwicklungsprozess zu illustrieren, die Franz\u00f6sische Revolution.<\/p>\n<p>Jean Jacques Rousseau gilt als ihr fr\u00fcher Wegbereiter. Seine Kulturkritik geht von dem zentralen Gedanken einer nat\u00fcrlichen Entwicklung des Menschen aus. Die dadurch resultierenden kulturbedingten Ungleichheiten unter den Menschen bilden eines der wesentlichen Probleme: \u201eDer Mensch ist frei geboren, geht aber \u00fcberall in Ketten\u201c, stellte Rousseau fest. Er erarbeitete einen Gesellschaftsvertrag (Contrat social), der die \u201eWillen\u201c der Menschen in einem \u201eGesamtwillen\u201c vereinigt. Dieser Gedanke Rousseaus von der grunds\u00e4tzlichen Freiheit des Menschen hatte wesentlichen Einfluss auf den Ruf des franz\u00f6sischen Volkes (und nachfolgender V\u00f6lker) nach \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c und f\u00fchrte zur Franz\u00f6sischen Revolution.<\/p>\n<p>Von ihr war Immanuel Kant zun\u00e4chst so begeistert, dass er betonte, dass es noch nie in der Geschichte der Menschheit geschehen sei, dass ein ganzes Volk seine Regierung gest\u00fcrzt habe.<\/p>\n<p>Die Revolution endete tragisch; die Menschen waren ihrer Forderung nach Freiheit noch nicht gewachsen.<\/p>\n<p>Albert Camus erinnerte den Menschen im 20. Jh. mit folgenden Worten an seine innere Gr\u00f6\u00dfe:<\/p>\n<blockquote><p>Nichts wird den Menschen geschenkt, und das Wenige, das sie erobern k\u00f6nnen, muss mit ungerechtem Sterben bezahlt werden. Aber nicht darin liegt die Gr\u00f6\u00dfe des Menschen, sondern in seinem Willen, st\u00e4rker zu sein als die conditio humana. Und wenn die conditio humana ungerecht ist, hat er nur die M\u00f6glichkeit, sie zu \u00fcberwinden, indem er selber gerecht ist. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>H\u00f6lderlin, ein Freund Hegels und, wie dieser, zun\u00e4chst selbst ein begeisterter Anh\u00e4nger der Franz\u00f6sischen Revolution, hatte in dieser M\u00f6glichkeit das innere g\u00f6ttliche Feuer der Freiheit im Menschen erkannt:<\/p>\n<blockquote><p>Freilich ist das Leben arm und einsam. Wir wohnen hier unten, wie der Diamant im Schacht. Wir fragen umsonst, wie wir herabgekommen, um wieder den Weg hinauf zu finden. Wir sind wie Feuer, das im d\u00fcrren Aste oder im Kiesel schl\u00e4ft, und ringen und suchen in jedem Moment das Ende der engen Gefangenschaft. Aber sie kommen, sie w\u00e4gen \u00c4onen des Kampfes auf, die Augenblicke der Befreiung, wo das G\u00f6ttliche den Kerker sprengt, wo die Flamme vom Holze sich l\u00f6st und siegend emporwallt \u00fcber die Asche, wo uns ist, als kehrte der entfesselte Geist, vergessen der Leiden, der Knechtsgestalt, im Triumphe zur\u00fcck in die Hallen der Sonne. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eDie Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit [&#8230;]\u201c, sagte Hegel, \u201esie ist [&#8230;] der einzige Zweck des Geistes. Dieser Endzweck ist das, worauf in der Weltgeschichte hingearbeitet worden, dem alle Opfer auf dem weiten Altar der Erde und in dem Verlauf der langen Zeit gebracht worden.\u201c <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Was ist nun unsere Freiheit? so k\u00f6nnen wir fragen. Wie kann sie zusammenkommen mit der Freiheit Gottes? Es ist m\u00f6glich, weil wir in der Tiefe einen g\u00f6ttlichen Aspekt besitzen, ein G\u00f6ttliches \u201eim Kerker\u201c, wie H\u00f6lderlin sagt. Es regt sich, kann aufbrechen, und wir k\u00f6nnen seinen Impulsen folgen. Dies zu erleben und sich dieser inneren Stimme anzuvertrauen, die ein Aspekt des Weltenwillens ist, darin liegt der \u201espirituelle Weg\u201c, der dem Menschen aufgegeben ist. Im Zusammenwirken mit seinem wahren Selbst vereint der Mensch die eigene mit der g\u00f6ttlichen Freiheit. Er entfaltet und befreit in sich selbst das G\u00f6ttliche und verwandelt sich damit einhergehend. Gleichzeitig verwirklicht und offenbart sich dabei das Selbstbewusstsein des Absoluten durch und im Menschen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> G.W.F. Hegel, Die Struktur der Vernunft, in: Texte der Philosophie , M\u00fcnchen 1972, S. 36<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hegels Bestimmung des t\u00e4tigen Geistes, in: Die letzte Epoche der Philosophie, Stuttgart 1974, S. 15<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> A.a.O. (Fu\u00dfn. 2)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Albert Camus, Verteidigung der Freiheit, Hamburg 1968<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Friedrich H\u00f6lderlin, Des Lebens Bogen, Ein H\u00f6lderlin Brevier, M\u00fcnchen 1970, S. 14<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> S. Fu\u00dfn. 2, S. 16<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":114025,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[111042],"tags_english_":[],"class_list":["post-126132","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/126132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/114025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=126132"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=126132"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=126132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}