{"id":117751,"date":"2026-08-22T06:00:29","date_gmt":"2026-08-22T06:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=117751"},"modified":"2026-08-21T19:39:13","modified_gmt":"2026-08-21T19:39:13","slug":"ich-habe-keine-angst-eine-kindergeschichte","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/ich-habe-keine-angst-eine-kindergeschichte\/","title":{"rendered":"Ich habe keine Angst. Eine Kindergeschichte?"},"content":{"rendered":"<p><em>Wir wagen uns in unbekannte R\u00e4ume unseres so lange vernachl\u00e4ssigten Herzens hinein. Wir entdecken, dass in ihnen das Kostbarste verborgen liegt, was wir besitzen. <\/em><\/p>\n<p><em><!--more--><\/em><\/p>\n<p><em>Und dass es von Kr\u00e4ften bewacht wird, die uns Furcht einjagen.<\/em><\/p>\n<p>Wir Menschen erz\u00e4hlen uns Geschichten, und oft sprechen wir darin von Dingen , die sich direkt kaum sagen lassen \u2013 weil es zu kompliziert werden w\u00fcrde und weil uns die Worte daf\u00fcr fehlen.<\/p>\n<p>Manchmal kommt es vor, dass sich unter den vielen Storys, Plots, Erz\u00e4hlungen, Romanen und Berichten etwas findet, das uns auf besondere Weise ber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir haben das Empfinden, dass hier eine Wahrheit ausgesprochen wird, die uns angeht. Mag das Geschehen auch weit von unserem eigenen Leben entfernt sein: Die Metapher trifft uns, und wir sind betroffen.<\/p>\n<p>\u201eIo non ho paura\u201c ist der Titel eines Buches von Niccol\u00f2 Ammaniti und des daraus hervorgegangenen Filmes von Gabriele Salvatores: \u201eIch habe keine Angst\u201c.<\/p>\n<p>Die Geschichte: Es sind die Siebzigerjahre, in einer der \u00e4rmsten Gegenden Italiens. Dort gibt es nichts als endlose H\u00fcgel voller Weizen, und zwischendurch mal ein paar H\u00e4user, die teilweise zu dieser Zeit noch nicht einmal elektrischen Strom haben.<\/p>\n<p>Die Sommersonne brennt gnadenlos von einem knallblauen Himmel und bet\u00e4ubt alles. Kein vern\u00fcnftiger Erwachsener geht vor sechs Uhr abends aus dem Hause. Nur eine Gruppe Kinder ist zwischen den Feldern unterwegs. Wir k\u00f6nnen uns vorstellen, eines dieser Kinder zu sein, ein Junge von etwa 10 Jahren.<\/p>\n<p>Es ist sehr hei\u00df, es gibt nichts zu tun und du hast 3 Monate Sommerferien (so ist das in Italien n\u00e4mlich). Du hast eine kleine Schwester, die unheimlich clever ist, aber leider auch unheimlich kurzsichtig, so dass du den ganzen Tag mit einem Auge auf sie achten musst.<\/p>\n<p>Du und deine Freunde, ihr verbringt die langen, trockenen Tage ab und zu in einem leeren Haus, das einmal viel pr\u00e4chtiger gewesen sein muss als die H\u00e4user eurer Eltern. Nun steht es leer und verf\u00e4llt, und ihr klettert auf den Dachboden, versteckt euch in den Kammern und erkundet die R\u00e4ume.<\/p>\n<p>An dem Tag, an dem diese Geschichte beginnt, vollbringst du eine doppelte Heldentat:<\/p>\n<p>Denn das Ende eurer Spiele in dem fremden Haus bildet immer eine Mutprobe. Und du? Du hast \u2013 erstens \u2013 ein dickes, unbeholfenes M\u00e4dchen, das sich eurer Gruppe angeschlossen hat davor bewahrt, diese Mutprobe machen zu m\u00fcssen, weil du dich freiwillig daf\u00fcr gemeldet hast, und du bist \u2013 zweitens \u2013 mit verbundenen Augen die ganze Strecke \u00fcber den einen gro\u00dfen Dachbalken balanciert. Wenn du da runtergefallen w\u00e4rest, h\u00e4ttest du dir alle Knochen gebrochen.<\/p>\n<p>Die dritte Heldentat verlangst du von dir dann am Abend: Irgendwo hat deine kleine Schwester ihre Brille verloren und du gehst noch einmal zu dem leeren Haus zur\u00fcck \u2013 alleine! \u2013 und suchst sie. Das kostet dich sehr viel \u00dcberwindung. Denn es ist etwas ganz anderes, \u00fcber einen Balken zu balancieren, wenn die Freunde dabei sind, als ganz alleine in der Abendd\u00e4mmerung zu dem alten Haus mit seinen Ger\u00e4uschen und Ger\u00fcchen, seinen Treppen und T\u00fcren und mit dem rostigen Stacheldraht drum herum zu gehen. Aber du bist f\u00fcr deine Schwester verantwortlich, also tust du es. Die Brille findet sich bald.<\/p>\n<p>Doch dann findet sich noch etwas anderes.<\/p>\n<p>Du entdeckst etwas, das viel erschreckender ist, als du es dir in deiner Angst je h\u00e4ttest vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn die Brille liegt auf einem Wellblech, und mit diesem Wellblech ist ein Erdloch abgedeckt, eine Art unterirdische H\u00f6hle.<\/p>\n<p>Das siehst du, als du das Blech, \u00e4ngstlich, aber doch eben auch neugierig, anhebst. Dort unten, im Halbdunkel, erkennst du Erde, eine Wasserpf\u00fctze, ein paar alte Konservendosen, schmutzige, l\u00f6chrige Decken und &#8211; ein wei\u00dfes, ziemlich kleines Bein, das aus einer der Decken heraussteht.<\/p>\n<p>Du l\u00e4sst das Blech fallen, es knallt auf die \u00d6ffnung. Da unten liegt etwas. Da unten liegt jemand.<\/p>\n<p>Du willst weglaufen, doch dann versuchst du mutig zu sein, wie du es den anderen gezeigt hast und hebst, langsam, als w\u00e4re er sehr schwer, den Deckel noch einmal hoch. Und dein Herz f\u00e4ngt an, wie verr\u00fcckt zu schlagen. Denn du wei\u00dft ganz genau, dass du eben noch dieses Bein gesehen hast. Und jetzt ist es weg.<\/p>\n<p>Das gen\u00fcgt. Du greifst nach der Brille, springst auf und rennst, so schnell die F\u00fc\u00dfe tragen, davon.<br \/>\nIrgendetwas stimmt da unten nicht und du willst nichts damit zu tun haben.<\/p>\n<p>Am Abend, zuhause, wartet noch eine \u00dcberraschung. Dein Vater, der seit Wochen \u201egesch\u00e4ftlich\u201c, wie er sagt, unterwegs war, ist heimgekommen. Er hat einen unangenehmen Herren aus dem Norden dabei, der angeblich sein Freund ist, aber dir kann man nichts vormachen: Dieser Herr muss irgendwie der Chef deines Vaters sein. Bei was f\u00fcr einer Unternehmung eigentlich?<\/p>\n<p>Doch dein Vater ist in bester Laune. Er macht Armdr\u00fccken mit dir, verteidigt dich, als es darum geht, warum die Brille deiner Schwester kaputt ist und schlie\u00dflich will er sogar mit dir singen!<\/p>\n<p>Du schl\u00e4fst schlecht in dieser Nacht, nicht nur, weil du wegen des angeblichen Bekannten aus deinem winzigen Zimmer ausquartiert wurdest, sondern auch, weil du immer wieder von diesem Loch tr\u00e4umst, diesem Loch im Boden, in dem irgendetwas liegt, tot oder lebendig, auf jeden Fall aber menschen\u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Das bringt uns zu deiner vierten Heldentat (es werden noch mehr!). Denn am n\u00e4chsten Tag bist du, alleine, und ohne es den anderen zu erz\u00e4hlen, wieder bei dem sch\u00f6nen, einsamen, unheimlichen Haus.<\/p>\n<p>Du kniest dich hin, du atmest tief durch und hebst den blechernen Deckel \u00fcber dem geheimnisvollen Loch. Es ist nichts zu sehen, au\u00dfer dem nassen Boden, den alten Decken, den rostigen Dosen.<\/p>\n<p>Woher nimmst du den Mut, alleine vor dem Unbekannten zu knien und es zu rufen? Hallo!, rufst du in das Erdloch.<\/p>\n<p>Und dann lauschst du, um nicht das leiseste Ger\u00e4usch zu verpassen, nicht den Hauch einer Antwort, bist ganz und gar Ohr \u2013 und direkt vor dir taucht ohne Ger\u00e4usch ein Gesicht auf, wie du noch nie eines gesehen hast:<br \/>\nEs ist wei\u00df, als h\u00e4tte es noch nie Sonne abbekommen, umgeben von einem Wust goldfarbener Stacheln, die nach vielem, vielem Waschen vielleicht einmal blonde Haare sein k\u00f6nnten und mit geschlossenen, verklebten Augen, als h\u00e4tte das Wesen vor dir Jahre hindurch geweint.<\/p>\n<p>In blankem Entsetzen l\u00e4sst du das Blech fallen, springst direkt aus der Hocke nach hinten los, weg von dem Haus, raus aus seinem Bannkreis, durch die Felder unter der sengenden Sonne hindurch, \u00fcber Stock und Stein nach Hause, nur nach Hause!<\/p>\n<p>Aber auch dort findest du keinen Frieden. Der Fremde, der Vater, die Mutter, sie alle sitzen in merkw\u00fcrdiger Stimmung in der K\u00fcche und schicken dich unwillig weg. Und durch die angelehnte T\u00fcr h\u00f6rst du, wie in den Nachrichten von einem entf\u00fchrten Kind die Rede ist, einem besonderen Kind, einem Kind reicher Eltern, die die Entf\u00fchrer anflehen, ihm nichts zu tun und es frei zu lassen.<\/p>\n<p>Und auf einmal verstehst du, was du gesehen hast und es trifft dich wie ein Blitz.<\/p>\n<p>Es gibt Bilder, Symbole und Hinweise, die sind so alt, dass jeder Mensch sie verstehen kann. Wenn wir an das gefangene Kind von edler Herkunft denken, dann f\u00e4llt uns vielleicht der im Herzen schlummernde Keim des neuen, des urspr\u00fcnglichen Menschen ein. Und, das vorausgesetzt, finden wir in dieser Geschichte ein Abbild f\u00fcr den Weg der Heldentaten, den jeder Mensch gehen kann. Wir finden in dem sch\u00f6nen, aber verfallenen Haus den Ort des Herzens wieder, den Ort, an dem die Gef\u00fchle regieren. Hier ist der Mut zuhause \u2013 und die Angst. Hier finden sich Freundschaft und das Gef\u00fchl von Freiheit \u2013 und von beidem auch das Gegenteil. Hier werden wir im Laufe der Geschichte auch noch der Liebe begegnen, und feststellen, dass sie eine Kraft sein kann, die alles andere \u00fcberwindet. Und die Eltern sind in dieser Geschichte die Verk\u00f6rperungen der Vergangenheit. In ihnen \u2013 und das hei\u00dft, in den Atomen, den Zellen und Organen unseres K\u00f6rpers \u2013 lebt die Menschheitsgeschichte fort, mit all den Tricks und Strategien, die sich Menschen in ihrem Kampf ums Dasein ausgedacht haben. Wir haben sie geerbt, sie sind Teil von uns, und sie wachsen und entwickeln und verfestigen sich in uns weiter und weiter \u2013 bis eines Tages der \u201eHeld\u201c auftritt.<\/p>\n<p>Versetzen wir uns zur\u00fcck in diesen Helden unserer einfachen Geschichte:<\/p>\n<p>Du hast erkannt, dass das Wesen in der Grube nichts Unheimliches ist, nichts Bedrohliches, auch wenn es dir erst sehr fremd erschien.<\/p>\n<p>Du begreifst, dass es gefangen ist. Du f\u00e4ngst an, dir Gedanken zu machen, ob es wohl zu essen oder zu trinken bekommt, ob es sterben muss, wenn du ihm nicht hilfst.<\/p>\n<p>Und es ist f\u00fcr dich selbstverst\u00e4ndlich, dass du am n\u00e4chsten Tag die Vorratskammer besuchst und heimlich \u2013 denn ihr seid arm und k\u00f6nnt eigentlich auf nichts verzichten \u2013, etwas herausnimmst und damit zu dem Verlies am alten Haus gehst.<\/p>\n<p>Doch nun, wo du etwas f\u00fcr das gefangene Kind tun willst, musst du feststellen, dass es sich nicht helfen l\u00e4sst. Es zieht sich zur\u00fcck, versteckt sich unter den Decken, antwortet nicht (es hat bisher \u00fcberhaupt noch nichts gesagt). An einem Seil l\u00e4sst du dein Fresspaket hinunter, im Haus f\u00fcllst du Wasser in eine alte Dose und l\u00e4sst auch sie in die Tiefe. Es bleibt dir nichts anderes \u00fcbrig, als darauf zu vertrauen, dass deine Hilfe richtig ist und angenommen wird.<\/p>\n<p>Was nun folgt, wollen wir nur in kurzen Worten beschreiben und verlassen uns ganz auf euer Vorstellungsverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Denn du kommst von jetzt an nat\u00fcrlich jeden Tag.<\/p>\n<p>Du bringst zu Essen, und es gelingt dir, mit dem Gefangenen zu sprechen.<\/p>\n<p>Du wirst beim Pl\u00fcndern der Vorratskammer erwischt und entscheidest dich, deine wenigen Ersparnisse zu opfern und Brot und Schokolade zu kaufen.<br \/>\nDas Kind ist \u00fcberzeugt, tot zu sein und h\u00e4lt dich f\u00fcr einen Engel. Aber es f\u00e4ngt an, dir zu vertrauen. Ihr stellt fest, dass ihr gleich alt seid.<\/p>\n<p>Und, ohne zu merken, hast du dein ganzes Leben danach eingerichtet, ihm zu helfen.<\/p>\n<p>Mit einem Seil steigst du in die Grube herab und k\u00fcmmerst dich um das Gefangene.<\/p>\n<p>Und wenn du dann, gegen Abend wieder heraussteigst, nach Hause gehst zu einem doch besseren Abendbrot, in ein doch weicheres Bett, dann zerrei\u00dft es dir fast das Herz, weil du das helle Wesen in der dunklen Grube zur\u00fcck lassen musst.<\/p>\n<p>Du hast nat\u00fcrlich dar\u00fcber nachgedacht, es zu befreien?<\/p>\n<p>Aber das geht nicht.<\/p>\n<p>Nicht nur, dass das Gefangene an den F\u00fc\u00dfen gefesselt ist, das lie\u00dfe sich l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Nein, es gibt noch einen viel schlimmeren Grund.<br \/>\nDer angebliche Freund deines Vaters ist\u2026 der Entf\u00fchrer des Kindes.<br \/>\nUnd dein eigener Vater hat die Aufgabe, es gefangen zu halten und so gut wie n\u00f6tig zu versorgen. Du hast das geh\u00f6rt, als du ein Gespr\u00e4ch der Erwachsenen belauscht hast. Und nun hast du richtig Angst.<\/p>\n<p>Trotzdem bist du am n\u00e4chsten Tag bist du wieder in der Grube.<br \/>\nDas Kind hat gelernt, wieder in die Sonne zu schauen, es hat akzeptiert, dass es nicht tot ist und h\u00e4lt dich auch nicht mehr f\u00fcr einen guten Geist, sondern f\u00fcr einen Jungen in seinem Alter \u2013 was ja auch stimmt.<\/p>\n<p>Du m\u00f6chtest ihm einen Tag in der Freiheit schenken, wenigstens das.<br \/>\nDu nimmst das Kind auf den R\u00fccken, denn Laufen kann es nach so langer Zeit, die es in der Grube gehockt ist, nicht gut.<br \/>\nUnd du tr\u00e4gst das fremde, nahe, geheimnisvolle Wesen durch die Felder, \u00fcber die H\u00fcgel und ihr lacht zusammen und freut euch \u00fcber das Licht der Sonne, das dir sonst so feindlich vorkam.<br \/>\nUnd ihr vergesst alles: Wer ihr seid, was euch geschehen ist, wie es weiter gehen soll. Und erst am Ende, als die Frage kommt: Was machen wir jetzt?, da erkennt ihr, dass jeder von euch wieder an seinen Platz muss \u2013 das fremde Kind in sein Gef\u00e4ngnis und du zur\u00fcck zu deinen Eltern, die helfen, es gefangen zu halten.<\/p>\n<p>Du kannst nichts dagegen tun.<\/p>\n<p>Bald kommt noch etwas F\u00fcrchterliches dazu: Die Erwachsenen haben bemerkt, dass ihr Gefangenes besucht wurde. Sie haben es woanders hin gebracht.<\/p>\n<p>Du hasst diesen Ort. Es ist ein kleiner Bauernhof mit riesigen, schreienden Schweinen und einem scharfen, schwarzen Hund, der sofort bellt, wenn du nur in die N\u00e4he kommst.<\/p>\n<p>Aber gleichzeitig erf\u00e4hrst du auch, dass die Situation immer bedrohlicher wird. Die Erwachsenen planen tats\u00e4chlich, ihre Geisel \u201ezu beseitigen\u201c, wie sie sagen! Denn anscheinend ist die Polizei dem Entf\u00fchrer auf der Spur.<br \/>\nUnd das rei\u00dft dich aus deinem verzweifelten Nichtstun.<br \/>\nDu musst das Gefangene befreien, ehe sie ihm etwas tun.<br \/>\nDu musst alle Bequemlichkeit, alle Angst und alle Vorbehalte \u00fcberwinden und das einzig N\u00f6tige tun.<\/p>\n<p>So gibt es also eine Nacht, in der du los ziehst. Im Haus herrscht eine nerv\u00f6se Stimmung.<\/p>\n<p>Du kannst unbemerkt verschwinden und dich, alle Angst hinter dich lassend, durch die Dunkelheit zu dem kleinen Hof schleichen.<\/p>\n<p>Du wagst die Begegnung mit dem Hund und stellst fest, dass er zwar scharf, aber auch ziemlich dumm ist. Den tags\u00fcber so lauten Schweinen bist du herzlich egal, denn sie schlafen. Und so stehst du, bevor noch die Erwachsenen das Gef\u00e4ngnis des fremden Kindes erreicht haben, vor einem gr\u00fcndlich verrammelten Tor und rufst mit ged\u00e4mpfter Stimme.<\/p>\n<p>Auch als keine Antwort kommt, zweifelst du keine Sekunde.<br \/>\nDu \u00fcberkletterst das Tor, nichts anderes im Kopf, als dem Gefangenen zu helfen.<\/p>\n<p>Du findest das Kind in dem Verschlag, schwach, still und ohne Hoffnung.<br \/>\nDu redest ihm zu, \u00fcberredest es, seinen Beinen zu vertrauen und ein paar Schritte zu laufen.<\/p>\n<p>Und dann steht ihr innen an dem hohen Tor, und es gibt keine andere M\u00f6glichkeit, das Kind aus diesem Gef\u00e4ngnis zu befreien, als dass du es halb hebst, halb mit einer R\u00e4uberleiter st\u00fctzt, und unter deinem Zureden \u00fcberklettert es schlie\u00dflich das Tor, l\u00e4sst sich auf der anderen Seite herunter und ist frei!<br \/>\nDu hast es geschafft!<\/p>\n<p>Es dauert nur einen Augenblick, bis du verstehst, dass du nun gefangen bist. Ohne Hilfe kannst du dieses Tor nicht \u00fcberklettern. Du sitzt in der Falle.<br \/>\nDie Erwachsenen werden kommen, um das Kind zu \u201ebeseitigen\u201c, das sie vorfinden. Stell dir vor! Dein eigener Vater!<\/p>\n<p>Diese Geschichte wird gut ausgehen. F\u00fcr uns ist sie hier zu Ende. Das Wesentliche ist geschehen. Gegen die Kr\u00e4fte der eigenen Herkunft, gegen die alte Angst und gegen alle Wahrscheinlichkeit wurde dieses gefangene, geschw\u00e4chte und so besondere Kind befreit. Das gelang, weil der Held in keiner Weise mehr an sich selbst gedacht hat. Die Liebe und die Erkenntnis, dass niemand sonst helfen kann waren st\u00e4rker als alles andere. Sie waren so stark, dass aus ihnen der Mut hervorging, sich auch in den zweiten Ort der finsteren Innenwelt vorzuwagen, eine Ort , der noch furchteinfl\u00f6\u00dfender war als der erste.<\/p>\n<p>Das wird auch unser Heldenweg sein. Wir wagen uns in unbekannte R\u00e4ume unseres so lange vernachl\u00e4ssigten Herzens hinein. Wir entdecken, dass in ihnen das Kostbarste verborgen liegt, was wir besitzen. Und dass es von Kr\u00e4ften bewacht wird, die uns Furcht einjagen. Diese Kr\u00e4fte haben unsere Identit\u00e4t bestimmt. Wie sollen wir die \u00fcberwinden? Doch wir erkennen, was leidet.<\/p>\n<p>Wir tun, was zu tun ist.<\/p>\n<p>So steht am Ende das Kind, wir, der neue Mensch, vor seinem Kerkermeister, dem Gesicht seiner irdischen Wirklichkeit. Im Licht und in der Kraft des Mutes hat er ihn \u00fcberwunden \u2013 sich selbst. Und es kann sagen:<\/p>\n<p>Ich habe keine Angst.<br \/>\nIch bin geheiligt.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":117861,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-117751","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/117751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117751"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=117751"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=117751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}