{"id":117589,"date":"2026-11-03T06:00:58","date_gmt":"2026-11-03T06:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=117589"},"modified":"2026-11-03T08:31:27","modified_gmt":"2026-11-03T08:31:27","slug":"die-demut-des-herzens","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-demut-des-herzens\/","title":{"rendered":"Die Demut des Herzens"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Mut, der Sch\u00f6pfung zu begegnen, entwickelte sich lange bevor wir geboren wurden.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe title=\"Spotify Embed: Mut und Demut des Herzens\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/2RSuChLFW3VuVXicM7nPWr?si=Jk8FBB31TDK4qsSGDwLNYA&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese besondere Zeit die Zeit des Paradieses nennen. Es war sicherlich eine gl\u00fcckliche Zeit, in der aber der Mensch gleichzeitig in einem Zustand kindlicher Undifferenziertheit lebte. Er lebte in einem Milieu, das aus Licht und Liebe bestand, in dem er, als Gottes Ebenbild geschaffen, vollkommen aus einer kindlichen Unwissenheit lebte.<\/p>\n<p>Dieser Zustand konnte nicht ewig w\u00e4hren, wenn der Mensch wirklich zu diesem Ebenbild Gottes werden sollte. Der Anspruch Gottes an den Menschen lie\u00df den \u201eBaum der Erkenntnis\u201c im Paradies wachsen.<\/p>\n<p>Es erfordert sehr viel Mut, von diesem Baum zu essen. Kati W\u00fcthrich, eine Schweizer Puppenspieltherapeutin, pr\u00e4gte in ihrem langen Arbeitsleben den Satz:<\/p>\n<blockquote><p>Der Mut zum Erlebnis kommt vor dem Ergebnis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diesen Weg des Erlebens gehen die Menschen immer, irgendwann. In dem Moment, in dem sie den Mut besitzen, von den Fr\u00fcchten zu essen, um den undifferenzierten Zustand des Paradieses zu \u00fcberwinden, werden sie im Wechselspiel von Licht und Dunkelheit, von Tag und Nacht, von Teilung und Ganzheit geboren.<\/p>\n<p>In der Nacht \u00f6ffneten sich die Tore nach innen und so, wie ein vergessenes Bewusstsein hervortrat, erkannte der Mensch die Tiefe und Vielgestaltigkeit seines Universums. Am Tage dagegen wurde er nach au\u00dfen gezogen in die lichte Welt der festen Formen.<\/p>\n<p>Die Nacht, sich immer wieder neue R\u00e4ume erschlie\u00dfend, war f\u00fcr die Furchtlosen, die mutig Wand um Wand durchstie\u00dfen und Raum um Raum durchschritten. Das taten sie und sie tun es bis heute.<\/p>\n<p>Am Tag sind es die Mutigen, die sich in der Welt der scheinbar festen Formen verlieren, um ihre Polarit\u00e4ten und Strukturen zu erforschen. Was am Tage ein sicheres Zugreifen und Vermessen ist, wird in der Nacht zu einem vorsichtigen Vorw\u00e4rtstasten im D\u00e4mmerlicht schemenhafter Konturen, voll neugieriger Angst und sehnsuchtsvoller Unruhe &#8211; mutig nach dem nicht Vorhersehbaren greifend.<\/p>\n<p>Das Tageslicht macht die Dinge fest und flach, gibt ihnen eine konkrete Kontur mit einem wissenschaftlichen Sinn. In der Nacht verwandeln sie sich in Schemen, l\u00f6sen sich auf, und alles bekommt einen anderen Sinn.<\/p>\n<p>Der Himmel zeigt sich am Tage als eine feste blaue Kuppel, w\u00e4hrend in der Nacht mit nachlassendem Licht sein sehnsuchtserf\u00fclltes Wesen von grenzenloser Tiefe sichtbar wird, mit den zahllosen Formen und Farben des Lichtes in der Dunkelheit spielend.<\/p>\n<p>Die Nacht gibt so dem tastenden Sinn best\u00e4ndig eine neue Erfahrung, die in dem Erahnbaren \u00fcber die Sinnenwelt hinausw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Der Tag geh\u00f6rt der exakten Wissenschaft, die Nacht der Religion. Die Wissenschaft tr\u00e4gt in sich einen dunklen Keim einer schemenhaften Bedeutungstiefe mit einer hellen Aura der festen Formen, um deren Bedeutung st\u00e4ndig gerungen wird.<\/p>\n<p>Die Religion hat einen festen lichtvollen Kern g\u00f6ttlicher Offenbarungsmacht, deren Aura dunkel und schemenhaft bleibt, dem sehnsuchtsvollen Tasten zugetan, um der wahrnehmbaren Sehnsucht Tiefe zu verleihen.<\/p>\n<p>Beide Reiche sind von hohen Mauern umschlossen, mit einem Tor versehen, das immer offen steht. \u00dcber beiden Toren steht in goldenen Buchstaben:<\/p>\n<blockquote><p>Tretet ein, die ihr mutig seid!<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kunst des Menschen, aus Schmerz und Mut zur Weisheit geboren, besteht darin, diese beiden Welten, diese beiden Wesensteile des Menschen wieder zu einem Ganzen zu verschmelzen, damit jede Undifferenziertheit und Unwissenheit aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht es den Mut, in das Herz hinabzusteigen, um in den Spiegel zu schauen. Der Spiegel im Herzen ist eines der geheimnisvollsten Organe des Menschen. Wer ihn schaut, erf\u00e4hrt eine Verwandlung, die alles bisher f\u00fcr m\u00f6glich Gehaltene \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Der Blick in diesen Spiegel ist wie eine Reinigung. Alles, was Geschichte ist, zieht in schemenhaften und festen Formen vor\u00fcber. Alles zeigt sich im Licht seiner wahren Zusammenh\u00e4nge. Wer in den Spiegel schaut, l\u00f6st sich langsam aus der Bindung an die Geschichte und l\u00e4sst den Spiegel zu einem stillen Beobachter werden. Eine Stille durchzieht das Wesen, die den Spiegel langsam leert.<\/p>\n<p>Das Wesen, das zu einem leeren Spiegel f\u00fchrt, beschreibt der chinesische Dichter und Philosoph Zhuang Zi wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p><em>Er geht den Dingen nicht nach, und er geht ihnen nicht entgegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Er spiegelt sie wider, aber h\u00e4lt sie nicht fest.<\/em><\/p>\n<p><em>Er kann die Welt \u00fcberwinden, aber wird nicht verwundet.<\/em><\/p>\n<p><em>Er ist nicht der Sklave seines Ruhms.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hegt keine Pl\u00e4ne.<\/em><\/p>\n<p><em>Er gibt sich nicht ab mit den Gesch\u00e4ften.<\/em><\/p>\n<p><em>Er ist nicht der Herr des Erkennens.<\/em><\/p>\n<p><em>Er beachtet das Kleinste und ist doch unersch\u00f6pflich.<\/em><\/p>\n<p><em>Er weilt jenseits des Ichs.<\/em><\/p>\n<p><em>Bist aufs Letzte nimmt er entgegen, was der Himmel ihm spendet, <\/em><\/p>\n<p><em>und hat doch, als h\u00e4tte er nichts.<\/em><\/p>\n<p><em>Seine Haltung bleibt dem\u00fctig.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese innere Einstellung f\u00fchrt \u00fcber den Mut zur Demut. Wir leben in einer Zeit, in der Mut und Demut nicht besonders popul\u00e4r sind. Aber es k\u00fcndigt sich bereits jetzt eine Zeit an, in der die Menschen wieder mehr Mut brauchen werden. Mut zum Erlebnis, der im Ergebnis zu einer Transformation der Seele f\u00fchrt, wie sie Zhuang Zi beschreibt.<\/p>\n<p>Der Mut zum Erlebnis kommt vor dem Ergebnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":117736,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-117589","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/117589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117589"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=117589"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=117589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}