{"id":117532,"date":"2026-07-16T06:00:05","date_gmt":"2026-07-16T06:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=117532"},"modified":"2026-07-15T18:40:10","modified_gmt":"2026-07-15T18:40:10","slug":"mut-als-wendepunkt-des-bewusstseins","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/mut-als-wendepunkt-des-bewusstseins\/","title":{"rendered":"Mut als Wendepunkt des Bewusstseins"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sp\u00fcrt jeder Mensch den Riss im eigenen Wesen. Durch ihn vermag er den Ruf zu vernehmen, der von seiner vollst\u00e4ndigen, wahren Individualit\u00e4t ausgeht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p><em>There is a crack in everything, that\u2019s how the light get`s in.<br \/>\n<\/em>(Leonard Cohen)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer sich mit dem Thema \u201eMut\u201c besch\u00e4ftigt, kann auf den amerikanischen Psychologen und Autor Dr. David R. Hawkins sto\u00dfen. Er ver\u00f6ffentlichte 1995 das Konzept einer Bewusstseinsskala, die in einer Stufenfolge von 0 bis 1000 verschiedene Bewusstseinszust\u00e4nde und Emotionen einander zuordnet. Dabei gibt er dem Mut eine ganz besondere Stellung, und zwar die eines Wendepunkts in der Bewusstseinsentwicklung. Hawkins sieht seine \u201eKalibrierung&#8220; als allgemeing\u00fcltig an. Die Abstufungen seien in unz\u00e4hligen kinesiologischen Muskeltests best\u00e4tigt worden und k\u00f6nnten zu jeder Zeit \u00fcberpr\u00fcft werden. Man kann von seelischen Schwingungszust\u00e4nden sprechen, die sich an der Skala menschlicher Verhaltensweisen und Zust\u00e4nde ablesen lassen.<\/p>\n<p>Die folgenden Betrachtungen kn\u00fcpfen zun\u00e4chst an die Sicht von Hawkins an. 0 steht bei ihm f\u00fcr den Tod und 1000 f\u00fcr die h\u00f6chste Stufe, die Erleuchtung. Die niedrigste Emotion ist f\u00fcr ihn <em>Scham\/ Selbstablehnung<\/em> (20), danach kommen <em>Schuld<\/em> (30), <em>Apathie\/ Hoffnungslosigkeit<\/em> (50), <em>Trauer<\/em> (75), <em>Angst<\/em> (100), <em>Verlangen\/ Gier<\/em> (125), <em>\u00c4rger<\/em> (150) und <em>Stolz<\/em> (175). Alle Zust\u00e4nde unter dem Wert <em>200<\/em> sind, so Hawkins, energieraubend, einschr\u00e4nkend und ungesund. Diese w\u00fcrden uns wie Sands\u00e4cke an einem Hei\u00dfluftballon nach unten ziehen. Menschen mit diesen Emotionen seien in einem defizit\u00e4ren Zustand und k\u00f6nnen die Tendenz haben, Energie von anderen Menschen abzuziehen.<\/p>\n<p>Erst ab einem Wert von 200 h\u00f6re der Mangel auf, und der Mensch komme in eine positive energetische Bilanz. Dies ist der Wert von <em>Mut.<\/em> Er ist f\u00fcr Hawkins der Umkehrpunkt, der Wendepunkt, an dem der \u201eBallon&#8220; anf\u00e4ngt zu steigen. Emotionale Reaktionen werden von nun an mehr und mehr abgebaut. Es folgen in der Skala die <em>Neutralit\u00e4t<\/em> (250), <em>Bereitwilligkeit<\/em> (310), <em>Akzeptanz<\/em> (350), <em>Vernunft<\/em> (400), <em>Liebe<\/em> (500), <em>bedingungslose Liebe\/ Daseinsfreude<\/em> (540), <em>Frieden\/ innere Stille<\/em> (600) und <em>Erleuchtung\/ g\u00f6ttl. Bewusstsein<\/em> (700-1000). Man wird sagen k\u00f6nnen, dass ab einer bestimmten Bewusstseinsebene der seelische Schwingungszustand nur noch aus einem h\u00f6heren Energiefeld zu erkl\u00e4ren ist, dem Anteilbekommen an einer \u201eWelt der bedingungslosen Liebe und des Friedens\u201c.<\/p>\n<p>Interessant ist auch, dass laut Hawkins jede Bewusstseinsebene reflexhaft ein bestimmtes Selbstbild und Gottesbild bzw. eine g\u00f6ttliche Idee mit sich bringt.<\/p>\n<p>Mut (200) = Ich kann \u00fcber mich hinauswachsen = Gott steht hinter mir.<\/p>\n<p>Stolz (175) = Ich bin besser als die anderen = Ich brauche Gott nicht.<\/p>\n<p>\u00c4rger (150) = Ich muss k\u00e4mpfen gegen etwas oder jemanden = Gott ist ungerecht.<\/p>\n<p>Verlangen (125) = Ich habe nicht genug = Gott enth\u00e4lt mir das Gute vor, g\u00f6nnt es mir nicht.<\/p>\n<p>Angst (100) = Ich bin in Gefahr = Gott bestraft mich.<\/p>\n<p>Trauer (75) = Ich verliere was mir wichtig ist = Gott l\u00e4sst mich im Stich.<\/p>\n<p>Apathie (50) = Es gibt keinen Ausweg f\u00fcr mich. Es ist hoffnungslos = Gott verdammt mich.<\/p>\n<p>Schuld (30) = ich habe Strafe verdient = Gott ist nachtragend.<\/p>\n<p>Scham (20) = ich bin es nicht wert, geliebt zu werden = Gott verachtet mich.<\/p>\n<p>So weit das von Dr. Hawkins entwickelte Bewusstseinskonzept.<\/p>\n<p><em>Was kann dies nun f\u00fcr einen Menschen bedeuten, der nach innerer Verwirklichung, nach tiefer Transformation sucht?<\/em><\/p>\n<p>Der Motor, der Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr eine innere Entwicklung ist der Mut. Mut ist im eigentlichen Sinne keine Emotion. Es ist vielmehr eine Eigenschaft, die verwandt ist mit dem klassischen Tugendbegriff der alten Griechen: Tapferkeit.<\/p>\n<p>Wenn wir Mut genauer betrachten, k\u00f6nnen wir feststellen, dass er ja oft gar nicht da ist, wenn er am meisten gebraucht wird. Daher hei\u00dft es im apokryphen <em>Evangelium nach Maria<\/em>: \u201eHabt Mut! Und wenn ihr jetzt mutlos seid, habt dennoch Mut!\u201c<\/p>\n<p>Mut ist etwas, das oft latent ist und bewusst \u201ebelebt&#8220; werden kann. Ja, es geht dabei immer \u00fcber ein \u00dcberwinden von etwas, vor dem wir mit einem gro\u00dfen Teil unseres Wesens zur\u00fcckweichen.<\/p>\n<p>Doch wovor weichen wir zur\u00fcck, und wo wollen wir hin? Wozu denn Mut haben?<\/p>\n<p>Wenn wir an dieser Stelle ganz gro\u00df denken und unsere allt\u00e4glichen \u00dcberwindungen im Alltag au\u00dfer Acht lassen, die nat\u00fcrlich auch ihre angemessene Bedeutung haben \u2013 <em>was ist das, wovor wir die gr\u00f6\u00dfte Angst haben und wof\u00fcr ein Maximum an Mut n\u00f6tig ist?<\/em><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Angst, die wir haben (auch wenn wir uns dies nur selten bewusst machen), ist wohl die Angst vor dem Tod. Sie begleitet uns die meiste Zeit unseres Lebens. F\u00fcrchten wir uns vor einem Nicht-Sein, einem Nicht-mehr-Vorhandensein? Oder haben wir, wenn wir von einer Verwandlung ausgehen, Angst vor dem, was uns erwartet?<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte und tiefste Sehnsucht, die in uns lebt (auch wenn sie meist im Unbewussten bleibt), ist die Sehnsucht nach der Wiederverbindung mit dem G\u00f6ttlichen, mit der g\u00f6ttlichen Einheit. Aber \u00e4hnlich wie beim Tod k\u00f6nnen wir nicht begreifen, was da wirklich auf uns zukommt. wenn sich die Sehnsucht erf\u00fcllen sollte. W\u00e4re es hier ebenfalls ein Nicht-mehr-Sein? Oder erwartet uns eine weitreichende Verwandlung, in der sich unser bisheriges Sein aufl\u00f6st? Das G\u00f6ttliche kann nicht gekannt werden. Wir k\u00f6nnen es nicht integrieren in unser altes Wahrnehmungs- und Verarbeitungssystem. <em>Genauso wenig wie ein Fluss das Meer aufnehmen kann. <\/em><\/p>\n<p><em>Es kann nur umgekehrt sein:<\/em> <em>Unser Ich-Bewusstsein muss integriert werden, muss gekannt und verarbeitet werden vom g\u00f6ttlichen Geist. Das Meer kann den Fluss mit Leichtigkeit aufnehmen.<\/em><\/p>\n<p>Krishnamurti sagte: <em>\u201eMan hat nie Angst vor dem Unbekannten; man hat Angst davor, dass das Bekannte zu Ende geht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>So regt sich also in unserer Tiefe auch eine Angst vor dem, was wir uns als Erf\u00fcllung ersehnen. Denn wird es \u201euns\u201c dann \u00fcberhaupt noch geben?<\/p>\n<p><em>Nur der Mut kann uns weiterf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p>Der Mut zum Loslassen des uns Bekannten, um das Unbekannte in unser Leben zu lassen. Wir m\u00fcssen uns selbst loslassen, um eine neue Stufe des Werdens zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Jesus sagte: <em>\u201eDenn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden&#8220;<\/em> (Matth. 16,25).<\/p>\n<p>Wie viel Prozent unserer Lebenszeit sind wir mit Emotionen besch\u00e4ftigt, die uns einschr\u00e4nken und niederdr\u00fccken? Und den ihnen entsprechenden Denkmustern, K\u00f6rperempfindungen und den damit einhergehenden, meist unbewussten negativen Selbstbildern und Gottesbildern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gibt es in jedem Moment die M\u00f6glichkeit, sich den inneren Ruck zu geben, sich vom Geschlossenen, in dem wir verhaftet sind, hin zum Offenen zu wenden, das Freiheit und Verwandlung bedeutet. Wir haben also die Wahl zwischen zwei v\u00f6llig verschiedenen Zust\u00e4nden unseres Herzens.<\/p>\n<p><em>In der Regel leben wir in einem geschlossenen Wahrnehmungsraum \u2013<\/em> einem geschlossenen System, das sich selbst best\u00e4tigt. Unsere \u00dcberzeugungen, Erfahrungen und Gedanken kreisen in bekannten Bahnen, verst\u00e4rken sich gegenseitig und schaffen eine scheinbare Gewissheit: So ist die Welt. So bin ich.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen die energieraubenden, uns knechtenden Bewusstseinsstufen von Hawkins als kleinere Einheiten, als wechselbare Wahrnehmungskabinen innerhalb eines Wahrnehmungsraums gesehen werden, die jeweils ihre in sich plausiblen Narrative haben. Doch sie k\u00f6nnen, gerade wegen ihres leidvollen und begrenzenden Charakters, auch hilfreich sein. Sie k\u00f6nnen die Sehnsucht nach dem Offenen stimulieren, so dass wir nach einem Ausweg suchen \u2013 nicht nur aus einer negativen Gem\u00fctsverfassung, sondern aus unserem grundlegenden existenziellen Dilemma.<\/p>\n<p>All diese R\u00e4ume sind wie ein Gef\u00e4ngnis f\u00fcr unsere Seele. Sie filtern das Neue, das Fremde, das Unbekannte weitgehend heraus. Sie sch\u00fctzen, aber engen auch ein und halten fest. <em>Das Geschlossene bewahrt Stabilit\u00e4t, doch es verhindert Wandel.<\/em><\/p>\n<p><em>Dem gegen\u00fcber steht<\/em><em> das Offene<\/em> \u2013 das Wagnis, sich von Gewohnheiten zu l\u00f6sen, neue Perspektiven zuzulassen, Unsicherheit zu ertragen, Anhaftungen als Fesseln wahrzunehmen. Es ist der Schritt ins Unbekannte, der die alten Mauern durchdringt und sich f\u00fcr das unbegrenzte, ganze Leben, die Ewigkeit \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Leonard Cohen brachte in seiner Hymne <em>Anthem<\/em> eine tiefe Wahrheit \u00fcber das menschliche Dasein zum Ausdruck:<\/p>\n<blockquote><p><em>There is a crack in everything, that\u2019s how the light get`s in.<br \/>\n<\/em><em>(Es ist ein Riss in allen Dingen, so kommt das Licht herein.)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sp\u00fcrt jeder Mensch diesen Riss in sich \u2013 eine Br\u00fcchigkeit, die beunruhigt. Es kann ein Verlust sein, eine innere Ersch\u00fctterung, das pl\u00f6tzliche Gef\u00fchl, dass das gewohnte Leben nicht mehr tr\u00e4gt. Der Riss rei\u00dft Sicherheiten auf, l\u00e4sst die Plausibilit\u00e4t des geschlossenen Systems zerbrechen.<\/p>\n<p>Doch Cohen zeigt: Gerade darin liegt eine Chance. Erst wenn das Alte bricht, kann etwas Neues hindurch scheinen. Der Riss ist nicht das Ende \u2013 er kann der Anfang einer gro\u00dfartigen Entwicklung sein. Hin zu dem, wonach wir uns in der Tiefe unseres Herzens sehnen. Zu dem, was uns wirkliche Erf\u00fcllung, Frieden und Lebendigkeit unmittelbar in Aussicht stellt.<\/p>\n<p>Viele Bem\u00fchungen der Menschen, individuell wie im Kollektiv, zielen allerdings darauf ab, die entstehenden Risse mit allen Tricks und Raffinessen wieder zu kitten, unsichtbar zu machen oder dar\u00fcber hinwegzut\u00e4uschen. St\u00e4ndiges Besch\u00e4ftigtsein, mediale Ablenkungen, Suchtmittel aller Art, Medikamente, der Glaube an die Rettung von au\u00dfen durch technischen Fortschritt, Politiker oder gro\u00dfe Helden auf der Weltenb\u00fchne, vielleicht auch manche Therapien oder esoterische Praktiken erf\u00fcllen mehr oder weniger unbewusst diesen Zweck. Global gesehen spielt hier die Zunahme von Kontrolle und \u00dcberwachung eine bedeutende Rolle.<\/p>\n<p>Gerade in Anbetracht des aktuellen Weltgeschehens ist es \u00fcberaus erstaunlich, wie gro\u00df solche Risse werden k\u00f6nnen, ohne dass sich im Kollektiv der Menschheit tiefere Erkenntnisse und ein Infragestellen vorgegebener Narrative und Weltbilder einstellt.<\/p>\n<p><em>Und nun nochmals die Frage: Wozu braucht es Mut in diesem Zusammenhang?<\/em><\/p>\n<p>Sicherlich muss sich im Menschen zuallererst ein aufgewachtes, sich sehnendes Herz entwickelt haben. Und dann ist da ein Riss in der eigenen vertrauten Lebenswelt sichtbar geworden, und er ist un\u00fcbersehbar. Nun kann sich daraus eine <em>Einsicht<\/em> entwickeln, dass nicht nur eine kleine \u00c4nderung oder Anpassung im Lebensverhalten, sondern eine tiefe Lebensumkehr notwendig ist. Das Bisherige wird unter einem v\u00f6llig neuen Licht betrachtet und prinzipiell hinterfragt. Das alte Lebenskonzept tr\u00e4gt nicht mehr. Die Erkenntnis entsteht, dass eine neue Kraft wirksam werden muss, die \u00fcber unsere eigenen Verm\u00f6gen hinaus geht und unsere M\u00f6glichkeiten \u00fcbersteigt. Hier braucht es den Mut, sich das eigene strukturelle Unverm\u00f6gen einzugestehen und die Bereitschaft zu entwickeln, sich an eine h\u00f6here Kraft zu wenden. Letztendlich geht es auch darum, prinzipiell dazu bereit zu sein, sich einer h\u00f6heren Seins-Ordnung zu f\u00fcgen und seinen Platz darin einzunehmen.<\/p>\n<p><em>Es ist Demut.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Es ist die Einsicht:<em> \u201e&#8230; denn ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun&#8220; <\/em>(Joh. 15,5).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Einsicht \u00f6ffnet uns f\u00fcr den <em>Glauben.<\/em> Glaube hat hier nichts mit F\u00fcrwahrhalten von Glaubenss\u00e4tzen zu tun. Der Glaube ist das Verm\u00f6gen des Menschen, durch die Ausrichtung seines Herzens eine Verbindung herzustellen hin zu h\u00f6heren Entwicklungsfeldern, die er weder greifen noch begreifen kann. Es braucht einen Glaubensakt, das Voraussetzen von ETWAS au\u00dferhalb unseres Verstandesbewusstseins, das viel mehr wir selbst sind, als wir es mit unserem alten Wesen je sein k\u00f6nnten. Ein ETWAS, das uns jederzeit empf\u00e4ngt und annimmt, wie und wo wir gerade sind. Ein ETWAS, von dem Hilfe und F\u00fchrung ausgeht. Dieses ETWAS ist f\u00fcr uns NICHTS. Und es braucht Mut, sich diesem NICHTS v\u00f6llig anzuvertrauen und das, was wir besitzen, loszulassen. Der Glaube entz\u00fcndet die Potenzialit\u00e4t Gottes in uns. Sonst ist da nichts, wo wir unser Herz hinwenden k\u00f6nnten. Es entsteht die Ahnung und immer mehr die Gewissheit, dass der Riss in der eigenen Welt ein Weg in die Freiheit ist, dass sich dahinter das \u201ewahre Leben&#8220; und unser \u201ewirkliches Selbst&#8220; verbergen. Die Verbindung mit dem offenen Raum verleiht uns neue Kr\u00e4fte und neuen Mut, um wiederum den n\u00e4chsten Schritt gehen zu k\u00f6nnen. Es entsteht eine immer st\u00e4rkere Sehnsucht nach dem, was hinter dem Riss zum Vorschein kommen will.<\/p>\n<p><em>Es ist der Mut zum Glauben.<\/em><\/p>\n<p>Die Verhei\u00dfung erklingt: <em>\u201eBittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan&#8220;<\/em> (Matth. 7,7).<\/p>\n<p>Nach der Einsicht und dem Glauben folgt die <em>Tat.<\/em> Die Tat ist ein NICHT-TUN den alten Ego-Strategien und -Mustern nach. Es ist ein <em>Kapitulieren des Ich-Bewusstseins<\/em> vor der gebrochenen Realit\u00e4t, wie sie sich jetzt gerade zeigt und ein Hingeben an den Strom des Lebens, ein Sich-Wegschenken an das Numinose, an den namenlos Unbekannten.<\/p>\n<p>Es ist die radikale Akzeptanz von dem, was gerade in diesem Moment ist. Es ist gleichzeitig ein Vertrauen und das konkrete Erleben, dass dieses NICHTS tragf\u00e4hig ist, dass es uns einen unersch\u00fctterlichen Halt gibt. Der Welt nach ist das keine nennenswerte Tat. Im geistigen Sinne ist dies das Gr\u00f6\u00dfte, das ein Mensch tun kann. Es ist das v\u00f6llige und bewusste Einverstanden-Sein mit dem Lebensriss. Und noch viel mehr: Daraus wird ein Verbinden, ein Einswerden mit ihm \u2013 und der Lichtkraft, die durch ihn leuchtet. Der Riss kann uns dann tiefgreifend und strukturell ver\u00e4ndern. Durch ihn kommt eine Wirksamkeit in Gang, die uns nach und nach wieder mit unserem g\u00f6ttlichen Ursprung, mit unserer geistig-seelischen Heimat verbindet. Der Riss darf sich nun prozessm\u00e4\u00dfig ausdehnen und ein neues Licht in die alte Welt bringen. Wie Johannes\u00a0 von Patmos sehen wir einen neuen Himmel und eine neue Erde sich auftun. Wir werden dabei ein anderer. Ja, wir werden zu dem Menschen, der in unserem Herzensgrund angelegt ist und der wir von Anbeginn sein sollen.<\/p>\n<p><em>Es ist der Mut zur Tat.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Es ist die Selbst\u00fcbergabe:<em> \u201eEr muss wachsen, ich aber muss weniger werden&#8220; <\/em>(Joh. 3,30)<em>.<\/em><\/p>\n<p>Dieser Prozess m\u00fcndet letztendlich in der aus dem Herzen aufsteigenden Bitte:<\/p>\n<blockquote><p><em>Dein Wille geschehe!<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mut ist der Wendepunkt unseres Bewusstseins. Wir haben diese Betrachtung nicht mit dem Ziel verbunden, eine Reihe von Punkten auf der Bewusstseinsskala aufzusteigen. Wir haben ein gr\u00f6\u00dferes Panorama er\u00f6ffnet. Es geht hier um den Wendepunkt von einer horizontalen hin zu einer vertikalen Ausrichtung, vom Geschlossenen hin zum Offenen. Es geht um eine tiefgreifende Lebensrevolte, die wir in jedem Moment, wo auch immer wir bewusstseinsm\u00e4\u00dfig gerade stehen, immer wieder neu durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich wirkt sich diese Umwendung vom Geschlossenen zum Offenen auch auf unsere Gem\u00fctsverfassung aus. Durch den sicheren Halt, den wir immer st\u00e4rker in der neuen Lebenswirklichkeit erfahren, der \u201enicht von dieser Welt&#8220; ist, k\u00f6nnen wir innerlich auch gegen\u00fcber Emotionen wie Schuld, Trauer, Angst und \u00c4rger kapitulieren. Wir bringen ihnen keinen Widerstand mehr entgegen. Unbewusste Schattenanteile k\u00f6nnen sich so zeigen und mit Hilfe der neuen Lichtkr\u00e4fte in unser Bewusstsein integriert werden. Dadurch k\u00f6nnen sie ihren Schrecken verlieren und sich allm\u00e4hlich &#8222;ausschwingen&#8220;. C.G. Jungs Entwurf von der Individuation des Menschen kann so seine spirituelle Verwirklichung in uns finden.<\/p>\n<p>Jeder Riss, der in unserer Lebensrealit\u00e4t sichtbar wird, ist ein Rufen unserer vollst\u00e4ndigen wahren Individualit\u00e4t <em>nach uns<\/em>. Wie ein Vogel, der sich, wenn er in seiner Entwicklung so weit ist, sich der sch\u00fctzenden Schale seines Eis entledigt, indem er die Schale von innen heraus aufpickt, wird auch jeder Mensch zu seiner Zeit den Mut entwickeln, seiner eigentlichen Bestimmung zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":117564,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-117532","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/117532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117532"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=117532"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=117532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}