{"id":116386,"date":"2026-06-08T20:55:50","date_gmt":"2026-06-08T20:55:50","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=116386"},"modified":"2026-06-08T19:30:13","modified_gmt":"2026-06-08T19:30:13","slug":"schoenheit-des-haesslichen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/schoenheit-des-haesslichen\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheit des H\u00e4sslichen"},"content":{"rendered":"<p><em>Sch\u00f6nheit ist ein Gef\u00fchl, vielleicht eine Empfindung, der wir spontan unsere Aufmerksamkeit schenken. Ihr Wesen zu begreifen, f\u00fchrt in die Tiefen seelischer Erfahrung.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Es sind Tiefen, in denen sich Licht und Dunkelheit mischen.<\/em><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eOhne schwarze Erde wird keine sch\u00f6ne wohlriechende Blume offenbar \/ Kein Gold ohne finstern harten Stein und giftigen Dampf \/\u00a0 also auch kein Licht ohne Finsternis. Denn das ist nur der einige Weg und Weise der Offenbarung aller Geheimnis Gottes. <\/em><\/p>\n<p><em>Also hat dich liebe Seele auch Gott zu einem Gott geformet \/ dass du sein Gleichnis \/\u00a0 sein Bild und Erbe w\u00e4rest \/ und die Wunder seines Reiches er\u00f6ffnetest.\u201c<\/em><\/p>\n<p>(aus der Einleitung zu<em> Vierzig Fragen von der Seele <\/em>\u00a0von Jacob B\u00f6hme)<\/p><\/blockquote>\n<p>Blumen, Gold oder Licht empfinden wir als sch\u00f6n oder anziehend oder nutzen sie als Ausgangsmaterial, um sch\u00f6ne Dinge herzustellen. In der Kultur ist die Sch\u00f6nheit sehr vielgestaltig, wenig greifbar, oft an individuelle Empfindungen gebunden. In einem Gespr\u00e4ch mit einem Illustrator, der in der Werbebranche arbeitete, ging es um das Thema Sch\u00f6nheitsideale und Werte, die sich rund um das Thema Sch\u00f6nheit entwickeln. Nach seiner Ansicht wurde in den antiken Kulturen die Sch\u00f6nheit durch die Religionen gepr\u00e4gt. Diese Rolle wird heute von der Werbung \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Im religi\u00f6sen Kontext hat Sch\u00f6nheit etwas mit einem harmonischen Seelenwachstum oder mit dem Durchschimmern des G\u00f6ttlichen durch einen sch\u00f6nen Menschen, ein Wesen oder eine Erscheinung der Natur, ein Kunstwerk oder ein Bauwerk zu tun. An dieser Stelle spielt es vielleicht unter anderem eine Rolle, inwieweit der K\u00fcnstler die Proportionen des Goldenen Schnittes verwirklicht hat, der in der Natur allgegenw\u00e4rtig ist. Die Sch\u00f6nheitsideale in der Werbung entwickeln sich nach den gleichen Gesetzen, um Menschen zu einer bestimmten materiell gepr\u00e4gten Handlung zu bewegen.<\/p>\n<p>In der philosophischen Tradition haben sich viele Denker mit Sch\u00f6nheit befasst. Im <em>Phaidron<\/em> und im <em>Gastmahl<\/em> l\u00e4sst Platon die Anwesenden das Thema Sch\u00f6nheit diskutieren. Wollte man in den Dialogen einen roten Faden erkennen, so verl\u00e4uft er von der \u00e4u\u00dferlichen Sch\u00f6nheit zu einer Sch\u00f6nheit \u201ean sich\u201c als \u00fcberindividuellem Merkmal hin zu der Idee der Sch\u00f6nheit als einer Kraft oder Faszination, die von dem \u201eEinen\u201c aus der Welt der Ideen in diese Welt einstrahlt. Diese Sch\u00f6nheit kann man nach Platon nur im Denken und durch die Vernunft erfassen.<\/p>\n<p>Ein interessantes Bild der Sch\u00f6nheit findet man bei Jacob B\u00f6hme.<\/p>\n<p>Er sagt in der Einleitung zu der Schrift <em>Vierzig Fragen von der Seele<\/em>:<\/p>\n<p><em>Ohne schwarze Erde wird keine sch\u00f6ne wohlriechende Blume offenbar,[&#8230;] also auch kein Licht ohne Finsternis<\/em>. In der buddhistischen Tradition gibt es den Spruch: Ohne Sumpf keinen Lotos.<\/p>\n<p>Nach B\u00f6hme ist Sch\u00f6nheit das Produkt einer dualen Welt, der Lichtwelt und der Finsterwelt. Die Sch\u00f6nheit zeigt sich in ihnen auf unterschiedliche Weise. Die Finsterwelt bildete sich, als der Engel Luzifer, den Jacob B\u00f6hme als das sch\u00f6nste Ebenbild Gottes bezeichnet, begann, sich aus der g\u00f6ttlichen Ideenwelt zu l\u00f6sen. Er fiel durch seine Verweigerung, der g\u00f6ttlichen Offenbarung zu dienen, aus der Einheit. Dadurch trat in seinem Wesen eine Verdunklung ein. Nach dem Verlust seiner g\u00f6ttlichen Mitte spaltete sich wie in einem Blitz, einem \u201eUrknall\u201c, ein Teil der g\u00f6ttlichen Welt ab und wurde zu einer Finsterwelt, in der Licht und Dunkelheit, Sch\u00f6nheit und H\u00e4sslichkeit ineinander \u00fcbergehen. Luzifer fiel wie ein brennender Stern vom Himmel. Er wird mit seinen Getreuen zum Kern bzw. zum Herzen der finsteren Welt. Die urspr\u00fcngliche g\u00f6ttliche Sch\u00f6nheit ist keine Eigenschaft sondern das Wesen der Sch\u00f6pfung. Die Sch\u00f6nheit in der sich nun bildenden Menschenwelt wurde ein Gegenpol zum H\u00e4sslichen; Der Archetyp dieser Polarit\u00e4t ist Luzifer.<\/p>\n<p>Im Spannungsfeld zwischen der Finsterwelt und der Lichtwelt entstand schlie\u00dflich die Menschenwelt, deren Entwicklungsweg darauf abzielt, das wieder zusammenzuf\u00fchren, was zu Beginn durch den Blitz getrennt wurde. Die Blume in der schwarzen Erde symbolisiert die Seele, die in ihrer gottfernen Gedankenwelt die Dunkelheit in sich tr\u00e4gt. Erst durch die Verbindung mit dem g\u00f6ttlichen Licht des Herzens kann sie ihre urspr\u00fcngliche Sch\u00f6nheit wieder zur Entfaltung bringen. Aus dieser Spannung w\u00e4chst durch Erfahrung und Hingabe ein neues Wesen, das, wie die Blume, dem Licht entgegenstrebt und zu seiner Zeit im Sonnenlicht der g\u00f6ttlichen Welt erbl\u00fcht. Die Finsterwelt dient dabei als Matrix, die die Sch\u00f6nheit der Seele ans Licht bringt.<\/p>\n<p>Jacob B\u00f6hme schreibt dazu:<\/p>\n<blockquote><p><em>Dem Menschen ist in diesem Jammerthal auf Erden nichts n\u00f6thiger und n\u00fctzlicher, als da\u00df er sich lerne selber kennen, was er sey, von wannen er sey, oder wohin er wolle. Was er werde, und wo er hinfahre wenn er stirbet. Einem ieden ist das am n\u00fctzlichsten zu wissen. Denn der \u00e4ussere Wandel bleibet in dieser Welt; aber was das Hertze fasset, nimmt der Mensch mit. <\/em>(Jacob B\u00f6hme<em>, Vom dreyfachen Leben des Menschen, <\/em>12; 1)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch den Fall Luzifers ist seine Sch\u00f6nheit, die zur H\u00e4sslichkeit mutiert, zum Kern der Finsterwelt geworden und dr\u00e4ngt ihre unsichtbare Sch\u00f6nheit durch die Sehnsucht alles Lebenden nach Sch\u00f6nheit wieder dem Licht entgegen. Auf diesem Weg entwickelt sich eine neue Sch\u00f6nheit des Christus, die auf ihrem Erfahrungsweg durch eine immer tiefer werdende Verbindung in ihrem Ursprung aufgeht.<\/p>\n<p>Die Essenz dieser Sch\u00f6nheit ist:<\/p>\n<p>\u201eIch und der Vater sind eins\u201c<\/p>\n<p>Sie ist vor dem Fall gesch\u00fctzt, wie ihn Luzifer erlebt hat.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit als Deckmantel des H\u00e4sslichen wirkt mit als T\u00fcr\u00f6ffner. Simone Weil sagt dazu:<\/p>\n<p><em>Sch\u00f6nheit verzaubert das Fleisch, um die Erlaubnis zu erhalten, direkt zur Seele durchzudringen.<\/em><\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit offenbart sich in unserer Welt auf vielf\u00e4ltige Weise. Wir alle kennen ihre Anziehungskraft und die stillen Momente, die sie hervorrufen kann. Wir erleben sie im Spannungsfeld zwischen Sch\u00f6nheit und H\u00e4sslichkeit, wobei das H\u00e4ssliche einen Aspekt des Sch\u00f6nen und Anziehenden in B\u00f6hmes Finsterwelt darstellt, der die Seele aufgrund ihrer mangelnden Reinheit immer wieder erliegt. Im Kern ist die Finsterwelt g\u00f6ttlich. Auch das Wesen des Sch\u00f6nen und des H\u00e4sslichen in ihr ist g\u00f6ttlicher Natur, doch die Verschiedenheit vom Ursprung wird offenbar, wenn die Seele wieder mit ihrem Ursprung eins wird.<\/p>\n<p>Ein Sinnbild urspr\u00fcnglicher Sch\u00f6nheit ist das \u201eGl\u00e4serne Meer\u201c (Off. 15, 2). Es ist die Matrix, aus der in Verbindung mit dem Geist das Wunder der absoluten Sch\u00f6nheit entsteht. Das Symbol f\u00fcr dieses Gl\u00e4serne Meer ist das Wasser, das unserem Planeten seine so besondere Sch\u00f6nheit verleiht, wenn man ihn aus dem Weltall betrachtet. Das Wasser ist ein Symbol f\u00fcr die Reinigungskraft, die das Gl\u00e4serne Meer, auf die Seele aus\u00fcbt. In diesem Reinigungsprozess wird die Seele selber ihrem Wesen nach zu einem Gl\u00e4sernen Meer und durch ihre Wiedergeburt aus Wasser und Geist l\u00f6st sich die Sch\u00f6nheit des H\u00e4sslichen auf, w\u00e4hrend das Sch\u00f6ne im Allein-Sch\u00f6nen Bestand hat.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":116490,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-116386","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/116386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/116490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=116386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=116386"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=116386"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=116386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}