{"id":116124,"date":"2026-02-08T06:00:32","date_gmt":"2026-02-08T06:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=116124"},"modified":"2026-02-16T20:35:50","modified_gmt":"2026-02-16T20:35:50","slug":"schoenheit-eine-offenbarung","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/schoenheit-eine-offenbarung\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheit \u2013 eine Offenbarung"},"content":{"rendered":"<p><em>Wenn wir wahrer Sch\u00f6nheit begegnen, wird etwas von unserem inneren Adel sichtbar. Eine Sehnsucht erwacht in uns, dieser Sch\u00f6nheit und Vollkommenheit entgegenzuwachsen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein mit glitzernden Eiskristallen besetzter Grashalm, ein mit Sternen \u00fcbers\u00e4ter Nachthimmel, ein bl\u00fchender Apfelbaum vor dem hellblauen Fr\u00fchlingshimmel, ein blutroter Sonnenuntergang \u2013 was ist es, das unser Herz mit staunender Bewunderung erf\u00fcllt angesichts solch gro\u00dfartiger Sch\u00f6nheit?<\/p>\n<p>Es scheint etwas dem Menschen Eigenes zu sein, denn kein Tier w\u00e4re zu solcher Empfindung f\u00e4hig. W\u00e4hrend das Gl\u00fcck des Tieres vor allem davon abh\u00e4ngt, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen, scheint es im Menschen eine Instanz zu geben, die sich von Sch\u00f6nheit ern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Mit dem Denken, das den Menschen ja \u00fcber das Tier hinaushebt, hat diese Instanz sehr wenig zu tun. Vielmehr ist es etwas, das weit dar\u00fcber hinaus geht, etwas Unmittelbares, fast Best\u00fcrzendes, das uns j\u00e4h in unserem innersten Wesen ergreift und uns mit etwas Hohem und Wahrhaftigen verbindet, das unserem sterblichen Wesen nicht eigen ist.<\/p>\n<p>Alle gro\u00dfen Kunstwerke in Malerei, Bildhauerei, Literatur und Musik sind aus diesem Prinzip entstanden. Wenn wir uns in ein solches Werk vertiefen, ahnen wir etwas davon, was Vollkommenheit und Ewigkeit bedeuten. Es r\u00fchrt eine Erinnerung in uns an, die diese Vollkommenheit kennt.\u00a0 Etwas Heiliges trifft uns dann, das uns verstummen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Was ist dieses Etwas? Vielleicht das, von dem Plotin sagt:<\/p>\n<blockquote><p><em>Es gibt etwas im Menschen, das sich selbst im eigentlichen Sinne erkennt.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist der geistige Teil der Seele, dem innewird, dass er ist und wer er ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Indem er das Seiende <strong>schaut<\/strong>, schaut er sich selbst in seiner ganzen F\u00fclle.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn wir der wahren Sch\u00f6nheit im \u00c4u\u00dferen begegnen, wird uns pl\u00f6tzlich bewusst, wer wir im Innersten sind: ein Gott in Lumpen, ein Edelstein, im grauen groben Stein verborgen, der ausgegraben und geschliffen werden will.<\/p>\n<p>Etwas von unserem inneren Adel wird sichtbar. Eine Sehnsucht erwacht in uns, dieser Sch\u00f6nheit und Vollkommenheit entgegenzuwachsen, wie eine Blume, die von Gestr\u00fcpp bedeckt war und nun das erste Mal die Macht des Lichtes erf\u00e4hrt, die sie emporzieht und sich entfalten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nheit ist sehr eng mit Liebe verbunden. Alles was ich mit den\u00a0 Augen der Liebe betrachte, wird zu Sch\u00f6nheit. Der Mensch, den ich liebe, ist der sch\u00f6nste Mensch f\u00fcr mich auf der ganzen Welt. Je mehr ich von Liebe erf\u00fcllt bin, umso sch\u00f6ner wird die Welt um mich herum.<\/p>\n<p>Je mehr ich den Edelstein aus dem Mantel des groben Stoffes l\u00f6se und ihn beschleife, umso mehr leuchtet die Sch\u00f6nheit seines strahlenden Innenlebens nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Je mehr ich den Gott in mir von seinen Lumpen befreien kann, damit seine Liebe in mir bewusst werden kann, umso mehr erkenne ich die Herrlichkeit des Lebens.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nheit ist also nichts Objektives, sondern sie entsteht im Geist des Betrachters. Das, was der eine als sch\u00f6n empfindet, l\u00e4sst den anderen v\u00f6llig unber\u00fchrt. Entscheidend ist, was der Betrachter mit dem Wahrgenommenen anf\u00e4ngt. Auf welche Resonanz in seinem Inneren trifft das \u00e4u\u00dfere Bild? Hat er schon ein Bewusstsein f\u00fcr die geistige Welt entwickelt?<\/p>\n<blockquote><p><em>Sch\u00f6nheit ist die vollkommene \u00dcbereinstimmung des Sinnlichen mit dem Geistigen<\/em>,<\/p><\/blockquote>\n<p>sagt der Dichter Franz Grillparzer.<\/p>\n<p>Aber um diese \u00dcbereinstimmung wahrzunehmen, braucht es sowohl ein Sinnesorgan, das das Geistige erkennen kann, als auch die nat\u00fcrlichen Sinnesorgane, die wach genug sein m\u00fcssen, um die Impulse im \u00c4u\u00dferen aufzufangen. Ein Mensch, der nur in seinen \u00dcberlebenskampf verstrickt ist, wird wenig Sinn f\u00fcr das Wunderbare haben, das ihn umgibt. Je mehr wir von der geistigen Welt entdecken, umso mehr Sch\u00f6nheit werden wir im \u00c4u\u00dferen finden.<\/p>\n<p>Alles Irdische ist ein Gleichnis und wenn wir die Wirklichkeit hinter diesem Gleichnis erkennen, erschlie\u00dft sich uns auch die Sch\u00f6nheit ihres Symbols.<\/p>\n<p>Nur im Hier und Jetzt kann so etwas geschehen. Es ist ein absolutes Wachsein in diesem Augenblick n\u00f6tig, um die aus der geistigen Welt einfallenden Lichtstrahlen im Gewirr des Alltags nicht zu verpassen. Die Sch\u00f6nheit, die wir in der Vergangenheit erlebt haben, verblasst mit jeder Erinnerung daran, die wir\u00a0 aufrufen. Das Wunderbare, das wir von der Zukunft erwarten, ist nur erst eine Vorstellung davon und kommt nicht \u00fcber das hinaus, was wir schon kennen. Aber im Hier und Jetzt ist das Leben, und es hat \u00fcberall seinen Zauber verstreut, wir m\u00fcssen ihn nur sehen.<\/p>\n<p>Eine solche zeitlose Sch\u00f6nheit kann auch nicht mit Worten beschrieben werden. Wir k\u00f6nnen sie niemandem erz\u00e4hlen. Jedes Wort schn\u00fcrt sie in ein Korsett, das ihr ihre Einzigartigkeit nimmt und ihr den Glanz raubt. Wenn wir es trotzdem versuchen, werden wir feststellen, dass wir nur ein fahles Abbild dessen weitergeben k\u00f6nnen, was sich in unserem Inneren als ein Wunder offenbart hat.\u00a0 Zur\u00fcck bleibt ein Gef\u00fchl von Entt\u00e4uschung und Verlust.<\/p>\n<p>So ist es mit allen Dingen, die wir aus der geistigen Welt in der Welt des Stoffes manifestieren wollen. Sie sind nur f\u00fcr den jetzigen Augenblick erkennbar und wirksam. Jeder Versuch, dieses Gl\u00fcck festzuhalten, muss scheitern.<\/p>\n<p>Rainer Maria Rilke beschreibt das wunderbar in einem seiner Gedichte:<\/p>\n<blockquote><p><em>Du musst das Leben nicht verstehen<\/em><\/p>\n<p><em>dann wird es werden wie ein Fest.<\/em><\/p>\n<p><em>Und lass dir jeden Tag geschehen<\/em><\/p>\n<p><em>so wie ein Kind im Weitergehen<\/em><\/p>\n<p><em>von jedem Wehen<\/em><\/p>\n<p><em>sich viele Bl\u00fcten schenken l\u00e4sst.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Art von Sch\u00f6nheit, von der hier die Rede ist, \u00fcberw\u00e4ltigt uns, macht uns fassungslos und stumm. Wir k\u00f6nnen sie nicht begreifen, und es fehlt auch jeder Wunsch danach, sie zu erkl\u00e4ren. Es gen\u00fcgt vollkommen, dieses Mysterium zu erleben. Wir fallen in das Wunder hinein und verschwinden darin.<\/p>\n<p>Es ist ein Vorgeschmack der geistigen Welt, wo wir mit der Sch\u00f6nheit verschmelzen, wo unser Ich bedeutungslos wird, wo wir zeitlos, raumlos und grenzenlos ein Teil dieses Wunders sind.<\/p>\n<p>Solche Momente rauben uns den Atem und erf\u00fcllen uns mit namenloser Freude. Sie sind Geschenke aus der Ewigkeit,\u00a0 nur f\u00fcr uns und nur f\u00fcr diesen Augenblick.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":116259,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-116124","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/116124","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/116259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=116124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=116124"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=116124"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=116124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}