{"id":115921,"date":"2026-01-29T06:00:09","date_gmt":"2026-01-29T06:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=115921"},"modified":"2026-02-16T20:34:00","modified_gmt":"2026-02-16T20:34:00","slug":"zurueck-zum-ursprung-der-schoenheit","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/zurueck-zum-ursprung-der-schoenheit\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck zum Ursprung der Sch\u00f6nheit?"},"content":{"rendered":"<p><em>Was ist Sch\u00f6nheit? Gibt es eine objektive Definition? Welche Bedeutung hat der \u201eGoldene Schnitt?\u201c Gibt es eine tiefere Dimension der Sch\u00f6nheit, die zu ihrem Ursprung f\u00fchrt?<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Kann wahre Sch\u00f6nheit nur durch Verzicht auf ihren Besitz und auf die Anhaftung an das Sch\u00f6ne erlebbar werden?<\/em><\/p>\n<p>Es war kalt und regnerisch. Die imposanten Tiroler Berge waren hinter einem Schleier tiefh\u00e4ngender Wolken verborgen, so, als ob sie nie dagewesen w\u00e4ren. Der Urlaub in den Bergen schien ins Wasser gefallen zu sein.<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n, dass eine Exkursion mit bekannten Architekten auf dem Programm stand. Das Thema war: \u201eDie moderne alpine Architektur.\u201c<\/p>\n<p>Wir trafen uns in einem kleinen Dorf in Vorarlberg und diskutierten \u00fcber den Begriff der Sch\u00f6nheit in der Architektur. Die Meinungen dar\u00fcber, was denn \u201esch\u00f6n\u201c sei, lagen weit auseinander, als ein Teilnehmer den \u201eGoldenen Schnitt\u201c ansprach. Dieser war in fr\u00fcheren Zeiten untrennbar mit der Architektur verbunden und war bis weit zur\u00fcck in die Antike das Grundma\u00df der Baukunst. Auch in der St\u00e4dteplanung benutzte man Grundrisse, die von einem h\u00f6heren Wissen zeugten, welches sich im Einklang mit der Seele befand.<\/p>\n<p>Es wurde jedoch von anderen Teilnehmern eingewendet, dass man heute so nicht mehr bauen w\u00fcrde. Der Begriff der Sch\u00f6nheit sei ohnehin subjektiv.<\/p>\n<p>Kaum ausgesprochen, erreichten wir den Dorfplatz, die Sonne trat f\u00fcr kurze Zeit aus den dicht geschlossenen Wolkenmassen hervor und beleuchtete die Szenerie. Wundersch\u00f6ne historische Geb\u00e4ude traditioneller alpiner Baukunst ums\u00e4umten eine Linden-Gruppe, mit einem Kirchlein in der Mitte. Der Platz war mit Natursteinen kunstvoll gepflastert.<\/p>\n<p>Alle Teilnehmer waren zun\u00e4chst sprachlos und \u00e4u\u00dferten sich dann einstimmig \u00fcber das sch\u00f6ne harmonische Ensemble dieses Dorfplatzes, an dem alles am rechten Fleck und wohl proportioniert war. Die Sprache der Architektur hatte unmittelbar die Herzen ber\u00fchrt. Doch was war es genau, was zu diesem Stimmungswandel gef\u00fchrt hatte?<\/p>\n<p>Die Gruppe \u00f6ffnete sich jetzt spontan dem Wesen des einzigartigen Goldenen Schnittes und es entspann sich ein lebhaftes Gespr\u00e4ch. Der Goldene Schnitt kann als das Grundma\u00df der Heiligen Geometrie<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> bezeichnet werden: Er besteht aus harmonischen Proportionen, welche auch der \u201eArchitektur\u201c des Menschen und des \u201eMikrokosmos\u201c, als Abbild des Kosmos, zu Grunde liegen.\u00a0 Vielen wohl bekannt ist der vitruvianische Mensch, dargestellt in der ber\u00fchmten Zeichnung von Leonardo da Vinci. Die von ihm ermittelten durchschnittlichen Proportionen des Menschen weichen nur geringf\u00fcgig vom Goldenen Schnitt ab.<\/p>\n<p>Der Goldene Schnitt ist die einzigartige Teilung, bei der das Verh\u00e4ltnis zwischen Ganzem und Teil erhalten bleibt. Das Ganze verh\u00e4lt sich zum gr\u00f6\u00dferen Teil wie dieser zum kleineren. Eine andere, fr\u00fcher verwendete Bezeichnung lautete: G\u00f6ttliche Proportion. Mit ihr wollte man die Verbundenheit der Sch\u00f6pfung \u2013 des Geteilten &#8211; mit ihrem g\u00f6ttlichen Ursprung \u2013 dem Ganzen &#8211; zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125056\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001-260x300.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001-260x300.jpg 260w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001-21x24.jpg 21w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001-31x36.jpg 31w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001-42x48.jpg 42w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0001.jpg 298w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Abb. 1: Leonardo da Vinci, Der Vitruvianische Mensch<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Man stellte den Mensch auch in einem Pentagramm dar. Der F\u00fcnfstern weist ebenfalls die Geometrie des Goldenen Schnittes auf. Das hei\u00dft, der Mensch ist nach dem Ma\u00df g\u00f6ttlicher Proportionen geschaffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125042\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-295x300.jpg\" alt=\"\" width=\"295\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-295x300.jpg 295w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-768x780.jpg 768w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-24x24.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-36x36.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa-48x48.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/899px-Pentagram_and_human_body_Agrippa.jpg 899w\" sizes=\"(max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Abb. 2: Der Mensch im Pentagramm dargestellt. Nach Agrippa von Nettesheim (1486 \u2013 1535).(Wikipedia gemein frei)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Dieses Ma\u00df findet sich im Gro\u00dfen in der Geometrie des Universums \u2013 zum Beispiel in der Gestalt von Galaxien \u2013 und im Kleinen in der Gestalt des Mineral-, des Pflanzen- und des Tierreiches wieder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125070\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003-300x214.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003-300x214.jpg 300w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003-24x17.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003-36x26.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003-48x34.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0003.jpg 409w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Abb. 3: Die Bl\u00fctenbl\u00e4tter von Rosen und anderen Pflanzen wachsen im goldenen Winkel (Foto: iStock, bearbeitet von Uwe D\u00f6pel)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wo taucht der Goldene Schnitt in der Zivilisation der Menschheit auf?<\/p>\n<p>Im Orient noch heute zu bestaunen \u2013 und fr\u00fcher in fast allen Kulturen vorhanden &#8211; ist die Synthese aus Handwerk und Kunst. Es gab keine Trennung zwischen den beiden. Und schaut man das Wort \u201eArchitektur\u201c an, so bedeutet es etymologisch: \u201eErste Kunst,\u201c bzw. \u201eUrspr\u00fcngliche Kunst\u201c. Der Begriff: \u201eKunsthandwerk\u201c zeugt bereits von einem Bruch im Verh\u00e4ltnis von Kunst und \u201enormalem\u201c Handwerk; Gestalt und Funktion l\u00f6sten sich voneinander, das Funktionale trat in den Vordergrund.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125084\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004-300x197.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004-300x197.jpg 300w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004-24x16.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004-36x24.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004-48x32.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0004.jpg 392w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Abb. 4: Ein klassisches Beispiel f\u00fcr den Goldenen Schnitt in der Architektur ist der Parthenontempel in Athen (Foto: iStock, bearbeitet von Uwe D\u00f6pel)<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125098\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005-300x184.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005-300x184.jpg 300w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005-24x15.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005-36x22.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005-48x29.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_19_Bild_0005.jpg 395w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Abb. 5: Marokkanische Arabesken. Perfekte Geometrie nach Goldenem Schnitt (Foto: Uwe D\u00f6pel)<\/em><\/p>\n<p>Mit der industriellen Revolution im 18. Jh. kam es, beginnend in Europa und inzwischen sich weltweit ausdehnend, zu einer immer schnelleren Entfaltung des mentalen Bewusstseins und einem gleichzeitig zunehmenden Materialismus. \u00dcbertragen auf das Verh\u00e4ltnis von K\u00f6rper, Gef\u00fchl und Verstand, hat sich tendenziell ein kopflastiger Mensch entwickelt, der vom logisch-rationalen Verstand gepr\u00e4gt ist und mehr und mehr die Verbindung mit seinem Herzen und der Gef\u00fchlswelt zu verlieren droht.<\/p>\n<p>Die Stimme des Herzens, als Inbegriff von Sch\u00f6nheit und Liebe, wird von der Intelligenz des Verstandes immer \u00f6fter \u00fcberh\u00f6rt; und dies dr\u00fcckt sich unter anderem auch in einer \u00fcberwiegend funktional ausgerichteten Architektur aus. Sie ist dabei, die Verbindung zu Ihrem Ursprung in der \u201eG\u00f6ttlichen Kunst\u201c zu verlieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-125110 alignnone\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001-300x166.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001-300x166.jpg 300w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001-24x13.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001-36x20.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001-48x26.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0001.jpg 395w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-125125\" src=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003-300x160.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003-300x160.jpg 300w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003-24x13.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003-36x19.jpg 36w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003-48x26.jpg 48w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Logon_22-fin_Seite_20_Bild_0003.jpg 411w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><em>Abb. 6: Funktionale moderne Architektur im Kontrast mit traditioneller Architektur (Fotos: Uwe D\u00f6pel )<\/em><\/p>\n<p>Ist Sch\u00f6nheit nur eine Frage der Proportionen? \u2013 Gibt es noch andere, tiefere Aspekte und Dimensionen? Sind es jene Zust\u00e4nde, in denen das Bewusstsein der Einfachheit die ichbezogene Perspektive verlassen hat? Einfachheit hat kein Ziel, sie will nicht besitzen, ist selbstlos.<\/p>\n<p>Sie kann sich auf eine geschaffene Form beziehen \u2013 oder auch nicht. Wenn wir das Sch\u00f6ne suchen und uns daran bereichern und das H\u00e4ssliche meiden, verlieren wir einen wichtigen Aspekt wahrer Sch\u00f6nheit. In den Worten von Jiddu Krishnamurti<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Wenn wir ohne Liebe sind, schaffen wir eine Zivilisation, in der die Sch\u00f6nheit der <\/em>Form<em> gesucht wird.<\/em>\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>So kann die Sucht nach \u00e4u\u00dferer Sch\u00f6nheit eine Folge inneren Mangels sein. Andererseits kann Sch\u00f6nheit in der Au\u00dfenwelt auch Ausdruck <em>innerer<\/em> Sch\u00f6nheit sein; sie ist jedoch immer eine Projektion der urspr\u00fcnglich g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit in die duale Au\u00dfenwelt.<\/p>\n<p>Was erleben wir denn als Realit\u00e4t?<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t ist eine Wirkung unseres nach au\u00dfen gest\u00fclpten Bewusstseins. Die Bausteine sind unsere Gedanken, unsere Gef\u00fchle und unser Wollen, die erst durch die Projektion nach Au\u00dfen unsere Realit\u00e4t erschaffen, und dadurch erlebt und reflektiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn das <em>Ich<\/em> das Sch\u00f6ne besitzen will, so ist das wie ein roter Wirbel des Verlangens, der die Einheit mit dem innereigenen Urkern tr\u00fcbt und eine Dualit\u00e4t schafft: das \u201eH\u00e4ssliche\u201c.<\/p>\n<p>Brauchen wir nicht den Kontrast von Sch\u00f6nem und H\u00e4sslichem, von Licht und Schatten, um die Sehnsucht nach dem wahrhaft Sch\u00f6nen zu n\u00e4hren? Wird das wahrhaft Sch\u00f6ne nicht erst durch das H\u00e4ssliche erkennbar?<\/p>\n<p>Es ist ein Unterschied, das Sch\u00f6ne nur wahrzunehmen und es nicht verschlingen zu wollen, es nicht wieder und wieder besitzen und erleben zu wollen. Wenn es gelingt \u2013 ohne Wollen, ohne Anstrengung &#8211; das Sch\u00f6ne nur zu betrachten, dann sind da auch kein Schmerz und keine Angst, es zu verlieren. Das Sch\u00f6ne hat dann seine Aufgabe erf\u00fcllt: Es hat den Betrachter zum stillen Staunen gebracht. Das Sch\u00f6ne im Au\u00dfen spiegelt sich dann in der unbeschreiblichen Sch\u00f6nheit des Inneren; die Seele verschmilzt mit dem Sch\u00f6nen, es ist nicht mehr au\u00dfen. Beobachter und Beobachtetes werden zu einer Einheit, erleben sich in ihrer Essenz als wesenseins. Die Seele verl\u00e4sst die Trennung und flie\u00dft zur\u00fcck in die Einheit. Da ist Heilung \u2013 da ist Liebe.<\/p>\n<p>Wenn man den Sinn des Begehrens, des unerf\u00fcllbaren Verlangens, versteht, entfaltet sich eine unglaubliche Freude am Leben: Die Freude des \u201esch\u00f6nen G\u00f6tterfunkens.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Diese Freude liegt jenseits des Denkens, sie ist eine Eigenschaft der wahren Liebe, sie ist nur im Jetzt, im Unmittelbaren wahrnehmbar.<\/p>\n<p>Und wie formuliert es Krishnamurti (ebd.):<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Sie k\u00f6nnen keine Liebe ohne Sch\u00f6nheit haben. Sch\u00f6nheit ist nicht etwas, das Sie sehen \u2013 ein sch\u00f6ner Baum, ein sch\u00f6nes Bild, ein sch\u00f6nes Bauwerk oder eine sch\u00f6ne Frau. Sch\u00f6nheit existiert nur, wenn Ihr Herz und Ihr Verstand wissen, was Liebe ist. Ohne Liebe und dieses Gef\u00fchl f\u00fcr Sch\u00f6nheit gibt es keine Tugend<\/em>.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Erinnere ich mich zur\u00fcck an die Exkursion mit den Architekten und den Moment, als wir auf dem Dorfplatz alle im gemeinsamen Empfinden der Sch\u00f6nheit vereint waren, so scheint es doch zumindest f\u00fcr viele Menschen eine alles Individuelle und Subjektive vereinende Schnittmenge zu geben: den Goldenen Schnitt und die heilige Geometrie, als eine Signatur der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit, die uns wie ein Ariadnefaden aus dem Labyrinth der Dualit\u00e4t von Gut und B\u00f6se, von Sch\u00f6nheit und Disharmonie hinausleiten m\u00f6chte zur wahren Sch\u00f6nheit des g\u00f6ttlichen Seins. Je mehr wir uns ihm zuwenden, umso mehr l\u00f6st sich das Labyrinth auf.<\/p>\n<p>Die Dualit\u00e4t hat den Sinn, dass der Mensch sein wahres Selbst erkennt: Es ist eins mit dem Wesen Gottes. Die Vergeblichkeit, in einer dualistischen Welt ungeteilte Sch\u00f6nheit und wahre Zufriedenheit zu finden, geh\u00f6rt zur essenziellen Selbsterkenntnis des Menschen.<\/p>\n<p>So lie\u00df Goethe Faust aussprechen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Werd\u00b4 ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so sch\u00f6n! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!<\/em>\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Alles, was Faust erlebt hatte, vermochte ihn nicht wirklich gl\u00fccklich zu machen. Er war zutiefst durchdrungen von der Erkenntnis der Verg\u00e4nglichkeit der irdischen Sch\u00f6nheit. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Tragik mit Gretchen und die Begegnung mit Helena, mit der er Gl\u00fcck und Sch\u00f6nheit vereinen wollte. Durch dieses Feuer der L\u00e4uterung wird Faust schlie\u00dflich unempf\u00e4nglich f\u00fcr \u00e4u\u00dfere Sinnesreize &#8211; dargestellt durch seine Erblindung<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> &#8211; und offen f\u00fcr die Sch\u00f6nheit des inneren Lichtes.<\/p>\n<p>Goethe l\u00e4sst Ihn aussprechen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen,<br \/>\nallein im Innern leuchtet helles Licht<\/em>.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitat nach Friedrich Schiller.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Vgl. K\u00fckelhaus, H. (2001): Urzahl und Geb\u00e4rde. Grundz\u00fcge eines kommenden Ma\u00dfbewusstseins, Klett und Balmer Verlag Zug.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Krishnamurti, Jiddu (2021): Vollkommene Freiheit. 11. Auflage. Fischer Taschenbuch.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Johann Wolfgang Goethe, Faust. Der Trag\u00f6die Zweiter Teil. Reclam.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":116092,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-115921","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/115921","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/116092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115921"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115921"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=115921"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=115921"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}