{"id":113769,"date":"2025-11-16T06:00:22","date_gmt":"2025-11-16T06:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=113769"},"modified":"2025-11-16T12:39:22","modified_gmt":"2025-11-16T12:39:22","slug":"kairos-oder-die-kunst-des-richtigen-moments-in-den-vielen-falten-der-zeit","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kairos-oder-die-kunst-des-richtigen-moments-in-den-vielen-falten-der-zeit\/","title":{"rendered":"Kairos \u2013 oder die Kunst des richtigen Moments in den vielen Falten der Zeit"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Vielfalt der M\u00f6glichkeiten das Eine, Stimmige, Sch\u00f6ne, Gerechte und Gute zu denken und zu tun und zu f\u00fchlen, ist eine Kunst, in der wir uns wohl alle \u00fcben.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht darum, den richtigen Moment der Ewigkeit beim Schopf zu packen \u2013 in einem tanzenden Universum. Mit Kairos entsteigen wir, hinaus aus der gema\u00dfregelten Zeit in die unermessliche Zeitenf\u00fclle des Universums.<\/p>\n<p>Jedoch steht Chronos-Saturn an der Schwelle, der uns verschlingt, wenn wir seine Chronologie nicht beachten und zur falschen Zeit, am falschen Ort das Falsche tun, oder das Richtige am falschen Ort, oder am richtigen Ort das Falsche. Falsch erscheint mir schon der Begriff \u201efalsch\u201c. Das kann ich aber nicht mal denken, ohne den Begriff selbst zu benutzen. Kann man sich den G\u00f6ttern durch Denken n\u00e4hern? K\u00f6nnen Denken und Sprache, k\u00f6nnen Worte Lebenswirksamkeit erzeugen? Welches Wort war am Anfang? Wir sind immer noch auf dem Weg in die Zeit, in die Vielfalt, wohl mit etlichen Zwischenaufhenthalten auf dem Turm von Babel.<\/p>\n<p>Kairos und Chronos sind die G\u00f6tter der Zeit. Chronos ist die Zeit, die wir messen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sie vergeht. Dabei wird unsere ganze Chronologie der Inkarnationen in unseren K\u00f6rper, in unsere Gene, in unser Blut und Hirn gepr\u00e4gt. Da\u00a0 wir das meiste davon vergessen, erscheint es uns als Schicksal oder H\u00fcter der Schwellen. Kairos ist die urspr\u00fcngliche Zeit, die ewig ist. Er wird zum Tor in unserem Herzen, wenn wir mit der hingebungs- und machtvollen und liebevollen Tat das \u201eSesam \u00f6ffne dich\u201c sprechen.<\/p>\n<p>So n\u00e4here ich mich an diesem strahlenden Morgen, im Fr\u00fchverkehr, unaufhaltsam meinem Schicksal, was momentan Zahnarzt bedeutet. Es k\u00f6nnte etwas anderes sein, mein Schicksal. Ich denke an die vielen Schicksale, die sich im selben Moment auf der Welt erf\u00fcllen: der Beginn eines entscheidenden Arbeitstages, die Begegnung mit lieben Kollegen oder gestressten Kollegen, eine OP in einem Krankenhaus, die Geburt eines Kindes, der Beginn einer neuen Liebe, die Explosion einer Bombe, der erste Schultag, die Angst vor anderen Kindern. Ich sp\u00fcre gerade ein bisschen Angst um meine Z\u00e4hne. Dann \u00f6ffnet sich wie in einem Korridor mein Blick auf meine eigenen Schicksalsschl\u00e4ge und Problemchen. Einige knirschen wie Sand auf den Z\u00e4hnen, einige pochen dunkel irgendwo im K\u00f6rper, andere lassen mich err\u00f6ten, andere leuchten wie Sterne am Himmel, wie strahlende Blumenwiesen oder kleine unendlich hei\u00dfe Sonnenk\u00fcgelchen in meinem Herzen.<\/p>\n<p>Schicksalsschl\u00e4ge? Den Zahnarzt habe ich mir selbst eingebrockt. Gibt es etwas, das ich mir nicht selbst eingebrockt h\u00e4tte? Bei der Wahl meines Geburtsortes oder den steuerlichen Verpflichtungen bin ich nicht so sicher. Au\u00dferdem habe ich gewisse Ungerechtigkeiten erlebt. Oder mein K\u00f6rper \u2013 bin ich das?<\/p>\n<p>In der Vielfalt der M\u00f6glichkeiten das Eine, Stimmige, Sch\u00f6ne, Gerechte und Gute zu denken und zu tun und zu f\u00fchlen ist eine Kunst, in der wir uns wohl alle \u00fcben. Vielf\u00e4ltig sind die Aspekte, die wir einbeziehen m\u00fcssen. Eine optimale Strategie habe ich daf\u00fcr noch nicht gefunden. Um einen \u00dcberblick zu bekommen, scheint mir das Abhaken erfolgloser Strategien immerhin sinnvoll, weshalb ich hier einige anspreche, darunter auch Erfolg versprechende:<\/p>\n<p>Das <em>Hamsterrad<\/em>: es bedeutet mehr zu haben, zu sehen, zu wollen und zu tun, und zu diesem Zweck sich auf einen bestimmten Bereich zu beschr\u00e4nken, zu spezialisieren. Als Lohn daf\u00fcr winken Lob und Anerkennung einer Leistungsgesellschaft, eventuell Wohlstand und Selbstbest\u00e4tigung.<\/p>\n<p>Das <em>Uhrwerk<\/em>: Kontrolle und Perfektionismus. Im Bestreben, gut zu sein, \u00fcberpr\u00fcfe ich und plane ich mein Leben und das meiner Angeh\u00f6rigen. Als Belohnung erhalte ich dasselbe wie mit dem Hamsterrad und noch eventuell Macht dazu.<\/p>\n<p><em>K\u00e4mpfen<\/em>: F\u00fcr etwas oder gegen etwas. Daraus entstehen zum Beispiel Kunst, Krieg oder Selbstbeherrschung. Wir k\u00f6nnen Hindernisse \u00fcberwinden, unsere Familie materiell und geistig ern\u00e4hren, die Welt fruchtbar und strahlend werden lassen, wenn wir achtsam mit dem Leben umgehen.<\/p>\n<p><em>Das F\u00e4hnchen im Wind<\/em>: Vielleicht will ich es allen recht machen, Konflikte und Schmerz vermeiden. Vielleicht die Menschen, lieben, Wahrheit und Liebe suchen, alles ausprobieren, um diese zu verwirklichen. Vielleicht ist es Flucht. Der Lohn ist Flexibilit\u00e4t, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr andere Menschen, Toleranz, eventuell Vielseitigkeit, eventuell Fl\u00fcchtigkeit.<\/p>\n<p><em>Die Auster<\/em>: Sie umf\u00e4ngt das st\u00f6rende Sandkorn mit Liebe und F\u00fcrsorge, bis es eine Perle wird. Sie hat eine harte Schale und ein sanftes Herz. Wer kennt ihren Lohn? Vielleicht Sanftmut, Sch\u00f6nheit, oder etwas Verborgenes.<\/p>\n<p><em>Transhumanismus, Sch\u00f6nheits-OP, Kultur, Konsum und Technik<\/em>, etc.: Ich will \u00fcber das Menschliche hinaus, denn ich kann mir Sch\u00f6neres vorstellen als das, was ich im Moment bin und was die anderen sind. Das Absolute, Sch\u00f6pferische, Wunderbare erscheint mir, oder meiner verborgenen Seele, als Wirklichkeit. Ich bin Mann und Frau, wunderbar wie ein Engel und dies versuche ich mit allen Mitteln im Leben zu manifestieren.<\/p>\n<p><em>Wanja<\/em>: Der Held des russischen M\u00e4rchens schl\u00e4ft sieben Jahre lang hinter dem Ofen, w\u00e4hrend seine Br\u00fcder die ganze Arbeit erledigen. Es bleibt seiner Wirklichkeit treu und nach sieben Jahren, als sein Moment, sein Kairos erscheint, rettet er die Situation f\u00fcr alle. Hier hei\u00dft es, nicht einzuschlafen oder einzurosten, die Hitze und an den Einzelg\u00e4nger gerichtete Kritik zu ertragen, und wachsam von jedem Augenblick zu lernen.<\/p>\n<p><em>Der Derwisch<\/em> ist in seinem Ich gestorben, leer und offen f\u00fcr das Leben geworden, gleichzeitig Zentrum und Vielfalt. Sterne, Welten, Menschen und Farben, Musik und Gedanken, strahlende, bunte, liebevolle Universen sieht er mit seinen offenen Augen kreisen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen in uns einen Schalter umlegen, um von der einen in die andere Zeit zu gelangen. Der Schalter ist, wie bei einem komplexen Roboter, in unseren Hirnzellen, im Blut, in den Genen verkabelt. Die Gebrauchsanweisung besitzen wir, jeder f\u00fcr sich selbst und sie ist so geschrieben, dass wir sie verstehen k\u00f6nnen. Im System liegt auch ein mehr oder weniger gro\u00dfes Qu\u00e4ntchen absoluter Freiheit verborgen. Sieben Welten m\u00fcssen wir bereisen, sieben Br\u00fccken \u00fcberqueren und sieben Fesseln entbinden, bevor wir frei den Weg der Sterne gehen k\u00f6nnen, so steht es geschrieben.<\/p>\n<p>Annehmen, erkennen was ist und in Freiheit lieben w\u00e4re ein gutes Rezept. Wenn ich etwas annehme, erkenne ich es, liebe ich es. Oft jedoch will ich das Geliebte behalten, dann lehne ich das Gegenteil ab, dann bremse ich den Lauf der Zeit, das Zirkulieren der Gegens\u00e4tze und der Sterne, es entsteht so etwas wie ein Sandkorn im Getriebe, im Uhrwerk des Chronos. Es gibt keine L\u00f6sung, meine Augen sind vorne am Kopf, ich sehe immer nur eine Seite der M\u00fcnze, oder gar nur die Kante, falls ich versuche, gerecht zu sein.<\/p>\n<p>Die Frage ist, wie ich mit der Vielfalt, in den vielen Falten der Zeit, umgehe. Ich brauche Zeit dazu. Chronos und Kairos sind unsere H\u00fcter. Die Zeit wurde uns geschenkt, damit wir die Vielfalt zum Bl\u00fchen bringen.<\/p>\n<p>Chronos schreibt in mir, in der Welt, in der Zeit, unz\u00e4hlige Geschichten. Was wollen sie? Was will ich damit? Hinaus ins Leben, in die Freiheit, in die F\u00fclle, mit dem Herzen, mit den Fl\u00fcgeln des Herzens und der Lunge, den F\u00fc\u00dfen und in den H\u00e4nden halte ich die Waage, meine Augen sehen die Polarit\u00e4ten und begleiten sie achtsam und wachsam. W\u00e4hrend mein Geist den richtigen Moment der Ewigkeit beim Schopf packt, im tanzenden Universum.<\/p>\n<p>Kairos sei mit uns.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":113807,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101,110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-113769","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/113769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/113807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113769"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=113769"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=113769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}