{"id":113194,"date":"2025-09-20T06:00:43","date_gmt":"2025-09-20T06:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=113194"},"modified":"2025-09-20T09:02:41","modified_gmt":"2025-09-20T09:02:41","slug":"und-ewig-reise-ich-durch-fremdes-land","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/und-ewig-reise-ich-durch-fremdes-land\/","title":{"rendered":"Und ewig reise ich durch fremdes Land"},"content":{"rendered":"<p><em>Denn das Selbst, das, was ich in Wahrheit ureigentlich selber bin, ist voll und erf\u00fcllt, weil es <\/em>ist: <em>alles andere vergeht, ist ein einziges Kommen und Gehen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><!--more--><em>Wo aber ist dieses schwer fassbare Selbst zu finden?<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p>Ich bin ahnungslos gewesen, als ich mir zumutete, dieses Land zu betreten. Es war nicht vorhersehbar, dass dieser eine Ausflug zu einer unendlichen Geschichte wird. Dieses Ein\u2013 und Ausreisen in ein fremdes Land ist anstrengender und m\u00fchseliger als mein ganzes Leben davor. Jeder Reisende, der einmal durch eine Zollkontrolle gegangen ist, will diesen zeitraubenden und nervigen Durchgang so schnell wie m\u00f6glich hinter sich lassen. Doch ich m\u00f6chte weder klagen, noch bereue ich meinen Entschluss, diese langwierige Geschichte angefangen zu haben. Letztendlich hat es sich gelohnt, meine Aufenthalte werden l\u00e4nger, und das fremde Land wandelt sich allm\u00e4hlich in ein vertrautes Gebiet. Ich darf hier bleiben, weil sich das Bewusstsein einiger mit mir vertraut gemacht hat.<\/p>\n<p>Ich habe diese Reise freiwillig angetreten, ohne Absicht, ohne Vorkenntnisse, ohne Vorstellungen. Ich konnte schon allein deshalb keine Vorkenntnisse von den allgemeinen Gebr\u00e4uchen und anderem haben, weil dort, wo ich herkomme, nichts davon existiert.<\/p>\n<p>Was habe ich nicht alles durchmachen m\u00fcssen, ehe ich diesem fremden, in sich abgeschlossenen Land mein Vertrauen schenken konnte! Meine Entschiedenheit, das Ganze zu unternehmen, entstand aus Liebe zu den Menschen, die verzweifelt nach Erf\u00fcllung suchen. Sie sind <em>Wesen voller Defizite, schmerzvoller L\u00f6cher und innerer Leere, die nach Erf\u00fcllung heischen, sich aber nie erf\u00fcllen lassen, denn kaum ist eines [der L\u00f6cher] gef\u00fcllt, kommt ein anderes zum Vorschein.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a> <\/em>Diese Menschen sind in den Grenzen ihres Landes gefangen, das sie f\u00e4lschlicherweise als ihre Heimat ansehen. Ich allein wei\u00df, wo sie ihre wahre Heimat haben und wo sie Erf\u00fcllung finden. Ununterbrochen sende ich ihnen meine Botschaft und bin bereit, sie auf dem Heimweg zu begleiten. Sie m\u00fcssen nicht einmal ausreisen dazu oder ihren Wohnsitz verlassen.<\/p>\n<p>Sobald jemand meinem Ruf Geh\u00f6r schenkt, eile ich ihm entgegen, nehme ihn ernst. Er \u00f6ffnet sich mir, l\u00e4sst mich eintreten. Doch ziemlich bald empfindet er mich als Fremdling und schickt mich wieder weg. Wie oft schon bin ich dann umhergewandert und habe mich gefragt, ob mich jemals einer aus diesem Land wirklich lieben wird.<\/p>\n<p>Ich bem\u00fche mich immer, fremde H\u00e4user ordentlich zu betreten, um niemanden zu schockieren. Deshalb werde ich anfangs meist geduldet. Doch von einem Moment auf den anderen bin ich pl\u00f6tzlich wieder drau\u00dfen. Etwas stimmt nicht, sage ich mir. Und obwohl es mich viel Energie kostet, fange ich geduldig von vorn an und suche nach offenen T\u00fcren. Ich will die F\u00fclle des Lebens \u00fcberbringen. Ich wei\u00df, wie sehr die Menschen danach verlangen, sich vom Leben erf\u00fcllen zu lassen. Aber ich kann bei ihnen nicht verweilen, wenn sie mir keine Nahrung und keine volle Aufmerksamkeit schenken, sondern nur mit sich selbst besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n<p>Anfangs habe ich mich dar\u00fcber gewundert, dass meine Lebensf\u00fclle f\u00fcr die Menschen nicht ohne Weiteres zug\u00e4nglich ist. Dann habe ich verstanden, dass sie aus einem Stoff gebaut sind, der sie blind und schwach macht. Jetzt wei\u00df ich, warum sie mich weder sehen, noch h\u00f6ren und weder verstehen, noch mir folgen k\u00f6nnen. Sie identifizieren sich mit ihrem K\u00f6rper, ihren Gef\u00fchlen und Gedanken,\u00a0 ohne sich dessen bewusst zu sein,\u00a0 wie sehr diese sich ver\u00e4ndern. Sie sind Sklaven ihrer Sinneseindr\u00fccke.<\/p>\n<p>So habe ich angefangen, mich bemerkbar zu machen. Was habe ich nicht alles unternommen, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Wesentliche zu richten! Farben, Bilder und Sprachen habe ich zur Verf\u00fcgung gestellt, Naturerscheinungen und Werke der Kunst habe ich entstehen lassen, Philosophie und Literatur sind durch mich in die Welt gekommen \u2013 alles, um zwischen den zwei Ufern, die einander so unendlich fremd gegen\u00fcberliegen, eine Br\u00fccke zu bauen.<\/p>\n<p>Einem Lotsen gleich, der die Schiffe auf sicheren Wegen zu f\u00fchren wei\u00df, begleite ich Menschen bei der \u00dcberfahrt zum anderen Ufer. Viele bleiben an Hindernissen h\u00e4ngen, an entmutigenden Stimmen von Peinigern oder s\u00fc\u00dfen Rufen von Verf\u00fchrern. Ein ganzer Chor von Stimmen erhebt sich in den K\u00f6pfen derer, die die Stille des anderen Ufers erreichen wollen. Die eine klingt bedeutungsvoller und verf\u00fchrerischer als die andere. Besonders unwiderstehlich sind die erhabenen, g\u00fctigen, die ganz und gar friedlichen Stimmen. Und dann die Werte erschaffenden und Erfolge versprechenden. Sie klingen so angenehm, zergehen so wundervoll auf der Zunge, dass man nicht aufh\u00f6ren m\u00f6chte, auf sie zu lauschen und sich auf sie einzulassen.<\/p>\n<p>Immer wieder muss ich Geduld \u00fcben. Nur Freiwillige k\u00f6nnen mit mir fahren, nur Menschen, die alle anderen Wege schon beschritten haben.<\/p>\n<p>Nun fragst du sicher, wer ich eigentlich bin, dieses fremde Wesen, das sich auch um dich bem\u00fcht. Du kannst mich manchmal bemerken, wenn du in der Mitte deines K\u00f6rpers, in der Gegend des Herzens, Helligkeit und W\u00e4rme versp\u00fcrst. Ich bin das kleine Licht, das immer in deiner N\u00e4he ist. Die T\u00fcr, an der ich warte, bis sie sich \u00f6ffnet, ist in deinem Herzen. Du kannst mich wahrnehmen, wenn du still wirst und dich von den Gedanken abwendest, die in deinem Kopf toben. Du wirst mir begegnen, wenn dein Bewusstsein die Hindernisse erkennt und \u00fcberwindet. Das fremde Land, aus dem ich stamme, wird dir dann ganz pl\u00f6tzlich vertraut. Es erf\u00fcllt dich mit einer Ruhe und Lebendigkeit, die du vorher nicht kanntest. Du tauchst ein in den Frieden, den du schon immer einmal gesp\u00fcrt hast. Denn folgst du mir nicht schon lange?<\/p>\n<p><em>Ich habe lange und tief gegraben <\/em><\/p>\n<p><em>Mitten in einem Schrecken aus Dreck und Schlamm &#8230;<\/em><\/p>\n<blockquote><p><em>Eine Stimme rief: \u201eGeh dorthin, wo niemand hingegangen ist!<\/em><\/p>\n<p><em>Grab tiefer, noch tiefer<\/em><\/p>\n<p><em>Bis du den dunklen Grundstein erreichst<\/em><\/p>\n<p><em>Und klopfe an das Tor, das weder Schloss noch Schl\u00fcssel hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>(Sri <\/em>Aurobindo, <em>A God&#8217;s Labour, Poems Past and Present<\/em> (5,99))<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Satprem,<em> Der Sonnenweg. Der Schl\u00fcssel zur bewussten Evolution,<\/em> 2. Auflage, , Paris 2012, S. 35 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Satprem, a.a.O.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":113256,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101,110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-113194","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/113194","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/113256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113194"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=113194"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=113194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}