{"id":112061,"date":"2025-08-04T06:00:05","date_gmt":"2025-08-04T06:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=112061"},"modified":"2025-08-03T20:02:02","modified_gmt":"2025-08-03T20:02:02","slug":"gewohnheitstier-oder-wundernase","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/gewohnheitstier-oder-wundernase\/","title":{"rendered":"Gewohnheitstier oder Wundernase?"},"content":{"rendered":"<p><em>Am Anfang war der Baum des Lebens, dann kam der Baum der Erkenntnis von Gut und B\u00f6se.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe title=\"Spotify Embed: Gewohnheitstier oder Wundernase?\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/5ZOCYR71XgKZsZYiXIUgq2?si=VOd7d_5FQdaCqflvWoFozA&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<p>Wundernase<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> ist ein schweizerdeutscher Begriff, der eine neugierige Person bezeichnet und freundlicherweise nicht auf Gier, sondern auf Wunder baut. Beginnen wir mit dem Wunder, denn am Anfang war das Wunder, dann kam die Wissenschaft.<\/p>\n<p>Das Baby in den liebenden Armen der Mutter staunt in die Welt hinein, es w\u00e4chst in der W\u00e4rme ihrer starken Arme und spiegelt die l\u00e4chelnde Mutterliebe. Davon lebt die Welt und Maria wird die Mutter Gottes genannt. Am Anfang ist die Mutterliebe und das Spiegelbild ihres L\u00e4chelns im Kindergesicht. Die Blumen haben das L\u00e4cheln bewahrt.<\/p>\n<p>Wie die Prinzessin im M\u00e4rchen \u201eDer Froschk\u00f6nig\u201c spielten wir im k\u00f6niglichen Garten mit der goldenen Kugel des Geistes, bis diese in einen dunklen Brunnen fiel. Die Seelenkraft verliert sich in den Tiefen des Universums. Ein Frosch erschien, als wir die Verbindung mit dem Geist verloren hatten. Er brachte uns die Kugel zur\u00fcck, allerdings nur, weil wir ihm versprachen, ihn an unserem Tisch sitzen und aus unserem goldenen Tellerchen essen zu lassen. Vielleicht erinnern Sie sich nicht, dies so erlebt zu haben, und trotzdem geht es Ihnen manchmal so, dass Sie es mit einem Frosch zu tun haben, mit \u201efroschigen\u201c Situationen, die Ihnen fremd, unangenehm, eklig, aufdringlich, als St\u00f6rung erscheinen.<\/p>\n<p>Die Prinzessin weigerte sich, ihr Versprechen einzul\u00f6sen, ihr Vater jedoch erinnerte sie an ihre Pflicht. So geschah es, dass der Frosch im Bett der Prinzessin landete, worauf sie ihn an die Wand schleuderte, mit dem Ergebnis, dass er sich in einen Prinzen verwandelte.<\/p>\n<h3>Denn wir wissen nicht, was wir tun<\/h3>\n<p>Daniel Kahneman<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> hat in seinem demaskierenden Buch, \u201e<em>Schnelles Denken, langsames Denken<\/em>\u201c wissenschaftliche Experimente zusammengetragen, die illustrieren, wie unser \u201eautomatisches Denken\u201c inkognito die meisten unserer Entscheidungen trifft und wie unser \u201erationales Denken\u201c sich meist im Rahmen dieses automatischen, instinktiven Denkens bewegt. Er verwendet den Begriff System 1 f\u00fcr \u201eautomatisches Denken\u201c und System 2 f\u00fcr \u201edas willentliche System\u201c.\u00a0 Die Kompetenz von System 1 beruht auf subjektiven Erfahrungen, Gewohnheiten, selektiver Wahrnehmung, Konditionierungen, sowie genetischen und sozialen Pr\u00e4gungen. System 1 produziert instinktive Reaktionen und Urteile blitzschnell mit Hilfe des Stammhirns und des limbischen Systems, ohne dass der Neocortex daf\u00fcr bem\u00fcht werden m\u00fcsste, was diesem aus Bequemlichkeit oder \u00dcberforderung meist gelegen kommt. Katzen k\u00f6nnen M\u00e4use jagen, ohne dass ihnen dies jemand erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Unser System 1 denkt sozusagen mit der \u201eSchrotflinte\u201c. Es glaubt, was oft wiederholt wird. Es vertraut lieber dem optimistischen, dominanten, wortgewandten Redner als dem gewissenhaften Forscher, der Sachverhalte in ihrer Komplexit\u00e4t und Vielschichtigkeit darstellt und eventuell sich selbst in Frage stellt. Narzissten erscheinen vertrauensvoller und vertrauensw\u00fcrdiger als gewissenhafte Zweifler. Wenn unser als Intuition getarntes Bauchgef\u00fchl sagt, dass alles in Ordnung ist, genie\u00dft unsere Ratio die Freude m\u00fchelosen Denkens und wir lassen uns durch Vorstellungen, Bilder, subliminale, indirekte und manipulative Botschaften beeinflussen. System 1 braucht weniger Energie f\u00fcr seine Entscheidungen, da es sich in vielbenutzten Bahnen bewegt. Es f\u00fchlt sich sicher, wenn es in einer Gruppe auf der Seite der Mehrheit steht. Wenn vier von f\u00fcnf Menschen derselben Meinung sind, wird diese instinktiv als bewiesen und wahr erachtet. Das konnte Galileo am eigenen Leib erfahren, und mit ihm viele andere Genies und Ketzer. Viele von uns haben wohl erlebt, wie eine erwiesene Tatsache durch Mehrheitsabstimmung vom Tisch gefegt wurde. Neues ist anstrengend und ungem\u00fctlich.<\/p>\n<p>Nun zu unserem kognitiven System 2: Jedes Urteil ist ein Vorurteil, denn wir kennen nie den ganzen Kontext eines Ereignisses.\u00a0 Der Kontext, den unser mehrdimensionales Universum darstellt, ist uns zu 99,999 Prozent unbekannt.<\/p>\n<p>System 2 interpretiert und schlussfolgert, konstruiert Geschichten und Kausalit\u00e4tsketten, Theorien und Philosophien, um sich mit dem \u00dcberma\u00df an Unbekanntem zurechtzufinden. W\u00e4hrend einzelne Menschen damit Ruhm und Ehre erlangen, k\u00f6nnen andere sich daf\u00fcr die M\u00fche sparen, was sinnvoll erscheint, denn das Gehirn verbrennt sehr viele Kalorien. Sollten wir unser System 2 dennoch in Gebrauch nehmen, bewegt es sich mit Vorliebe im Sicheren Rahmen von sozial, kulturell und geschichtlich bew\u00e4hrten Kriterien und Bewusstseinsfeldern.<\/p>\n<p>So sind wir in unserer Subjektivit\u00e4t gefangen.<\/p>\n<p>So gibt es Krieg unter den Menschen, oder es erscheint dann und wann ein Frosch in unserem Leben.<\/p>\n<p>Wir sind Gewohnheitstiere und Wundernasen, brauchen beide Lebensstrategien.\u00a0 Abenteuerlust und Pioniergeist lassen uns Grenzen \u00fcberschreiten, verbinden uns mit einer immer gr\u00f6\u00dferen Ganzheit. Wir sind lernfreudig, fantasievoll und empathisch, gleichzeitig auch zuverl\u00e4ssig und\u00a0 haben etwas aufgebaut, in Beruf und Familie, Handwerk und Kunst. Gewohnheit und Abenteuer geh\u00f6ren zu unserem Leben, doch wie wir bei Kahneman sehen, kann leicht das Gewohnheitstier \u00fcberhand nehmen.<\/p>\n<p>Wenn mir, wie dem Baby, alles unbekannt ist, jeder Moment neu erscheint, kann ich Wundernase, offen f\u00fcr das Wunder sein. Staunen. Das Wort \u201efremd\u201c gibt es\u00a0 noch nicht.<\/p>\n<h3>Anbindung<\/h3>\n<p>Das M\u00e4rchen sagt uns dieses ganz Wichtige: Vergiss nicht, dass deine Seele eine Prinzessin ist, Tochter eines k\u00f6niglichen Vaters. Deine Seele lebt in einem Schloss. Und wenn du es vergessen hast, erinnere dich daran. Du kannst dich er-innern. Und wenn du dich nicht daran erinnerst, wird die Stimme des k\u00f6niglichen Vaters in deinem Gewissen erklingen. Und wenn du Seine Stimme nicht h\u00f6rst, werden die Blumen und die Steine und die Engel und die Fr\u00f6sche es dir immer wieder zeigen: Du bist nicht allein, du bist ein Teil im lebendigen Universum. Freue dich \u00fcber den Platz, den du darin einnimmst.<\/p>\n<h3>Integration des Fremden<\/h3>\n<p>Aus den Experimenten Kahnemans erkennen wir, wie wir uns mit Unbekanntem und Ungewohntem schwer tun. So erscheinen Fr\u00f6sche in unserem Leben. Unser Gewissen tief im Herzen, der Funken sch\u00f6pferischer Urkraft sagt uns jedoch, dass dieses wunderbare Universum gut ist. Also f\u00fcgen wir uns. Wir lassen das Unangenehme an uns heran, in unser Seelenschloss hinein. Wir integrieren die Projektion, sichtbar gemachtes Karma, lieben unsere Feinde, in kleinen Schritten, in allt\u00e4glichen Handlungen. Wir verstehen, dass wir selber Frosch sind. Ich-Bewusstsein entwickelt sich aus der Tiefe des Brunnens, des Unbewussten bis in die R\u00e4ume des Schlosses. Es ringt sich empor aus dem irdischen Schlamm bis zu den k\u00f6niglichen H\u00f6hen eines sch\u00f6pferischen Bewusstseins und landet im Bett der Prinzessin, der Urseelenkraft. Und wird an die Wand geworfen. Die Projektion, die sich Ich nennt, zerschellt an der Wand von Raum und Zeit und plop, das Leben erscheint als Einheit von Seelen- und Geistkr\u00e4ften. Prinz und Prinzessin finden sich.<\/p>\n<h3>Aufl\u00f6sung an der Wand von Zeit und Raum<\/h3>\n<p>Es ist relativ einfach, Unangenehmes abzulehnen, Ungerechtigkeit, Brutalit\u00e4t, Unwahrheit, in der Politik, in der Gesellschaft, bei anderen Menschen. Aber dann die eigenen Illusionen, Liebhabereien, Bequemlichkeiten, Gewohnheiten, Konzepte, Ideen, Gedanken, Erfolge, Vergangenheit und Zukunft, Sicherheit und Unsicherheit loszulassen ist ein Weg, dem wir folgen k\u00f6nnen und den uns das Leben zeigt. Er wird dazu f\u00fchren, dass wir in der lebendigen Gegenwart mit allem verbunden sind, strahlend und flie\u00dfend, dunkel und hell, klangvoll und unendlich still.<\/p>\n<p>Nichts, niemand, nirgendwo, sein.<\/p>\n<h3>Lernen oder leiden<\/h3>\n<p>Perfektion und Entwicklung, Kontrolle und Wissen, Pl\u00e4ne und Absichten werden wir loslassen, denn sie f\u00fchren zu Vergleichen, Urteilen, Konkurrenz und Gewalt, welche uns an die Zeit binden. Diese Dinge verursachen die T\u00e4uschung des Leidens. Wir k\u00f6nnen sie loslassen, wenn wir lernend leben, ohne die Illusion besser zu sein oder zu werden, denn Frosch und Prinzessin sind wir. Wissen schlie\u00dft lernen aus. Wissen bewegt sich in einer subjektiven Vergangenheit, vergleicht und strebt nach mehr. Lernen ist reines Sein, gegenw\u00e4rtig, offen f\u00fcr alles, f\u00fcr das Unbekannte, vorurteilsfrei.<\/p>\n<h3>Wunder<\/h3>\n<blockquote><p><em>Ihnen wird also vorgeschlagen, sich mit der leuchtenden Apparatur des Herzens in das Licht der universellen Sonne zu stellen, sich mit dem Licht dieser Sonne zu verbinden. \u2026 Sie k\u00f6nnen sich jedoch nicht ohne weiteres entschlie\u00dfen, die Flamme des heilenden Feuers im Herzheiligtum zu entflammen. Sie k\u00f6nnen es zwar beschlie\u00dfen, aber Sie halten es nicht durch, es wird keine Standhaftigkeit vorhanden sein. Was sich dann zeigt, ist eine Karikatur, ein Ersatz, das Pulverfass der verdr\u00e4ngten Naturkr\u00e4fte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Fackel des Feuers mu\u00df erobert werden. Der notwendige Reinheitsgrad des Herzheiligtums wird erst nach einer vollst\u00e4ndigen Niederlage der Natur m\u00f6glich. Sie m\u00fcssen zerschlagen werden dem erhaltenden Selbst nach. Niemand kann hier siegen, der nicht zuerst vom Wahn des Leidens ergriffen wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn dann die letzte Stichflamme des irdischen Ich-Verlangens sich verfl\u00fcchtigt hat und nur noch ein Ausschauen nach den Bergen des Heils da ist, kann in dieser L\u00e4uterung des Herzens das Opfer angenommen werden.<\/em><\/p>\n<p>J.v.Rijckenborgh <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Frosch, der an die Wand geworfen wird, verwandelt sich. Es gibt keinen Tod. Erinnere dich daran, dass deine Seele eine Prinzessin ist, dass dein Vater ein g\u00fctiger K\u00f6nig ist. Dass du in einem Schloss wohnst, auch wenn die Situationen mit dem Frosch oder den Fr\u00f6schen manchmal schwer zu ertragen sind. Lerne, die Fr\u00f6sche zu lieben. Du wirst vielleicht ein Leben lang nicht damit fertig werden, aber es ist in Ordnung. Anbindung, Integration, Aufl\u00f6sung, das Wunder der Liebe.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> vgl. auch W\u00f6rterbuch der Gebr\u00fcder Grimm<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, Pantheon Verlag<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> J.v.Rijckenborgh, Der kommende neue Mensch, S. 193<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":112033,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-112061","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/112061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/112033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=112061"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=112061"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=112061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}