{"id":111493,"date":"2025-07-16T06:00:39","date_gmt":"2025-07-16T06:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=111493"},"modified":"2025-07-17T18:41:05","modified_gmt":"2025-07-17T18:41:05","slug":"barfuss-der-sonne-entgegen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/barfuss-der-sonne-entgegen\/","title":{"rendered":"Barfu\u00df der Sonne entgegen"},"content":{"rendered":"<p>Wer sucht, der findet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>\u2026nachdem die Welt den Rausch aus ihrem giftigen bet\u00e4ubenden Becher ausgeschlafen hat und fr\u00fch am Morgen der aufgehenden Sonne mit ge\u00f6ffnetem Herzen, entbl\u00f6\u00dftem Haupt und barfu\u00df, fr\u00f6hlich und jubelnd entgegen gehen kann<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Jubelruf in der Rosenkreuzerschrift Confessio Fraternitatis (1615) ist Ausdruck des v\u00f6lligen \u00dcberwindens der Fremdlingschaft in einer von Fremdheit, Hass und Eifersucht gepr\u00e4gten Welt. Wie kommt es zu dieser Aussage?<\/p>\n<h3>Die heutige Welt<\/h3>\n<p>Werfen wir einen Blick auf unsere Welt:<\/p>\n<p>In zunehmendem Ma\u00dfe beutet der Mensch die Erde und ihre Atmosph\u00e4re aus, Katastrophen, Unwetter und Verluste der Lebensgrundlagen sind die Folge. Warum scheinen wir unf\u00e4hig zu sein, unser Verhalten grundlegend zu \u00e4ndern? Hat sich die Menschheit aus einem mit giftigen bet\u00e4ubenden Substanzen gef\u00fcllten Becher in einen Rausch versetzt, aus dem sie nur schwer wieder aufwachen kann? Ist der Mensch ein Fremdk\u00f6rper auf dieser Erde, einer, der Schaden anrichtet, solange er sich selbst nicht gefunden hat?<\/p>\n<p>Diese Fragen haben in der Vergangenheit und auch heute noch Generationen von Philosophen, Politikern und Einzelnen besch\u00e4ftigt, und sie erfordern von Tag zu Tag dringender eine Antwort.\u00a0 Religionsstifter und Weise haben Wege gewiesen, Erkl\u00e4rungen gefunden und propagiert. Neue Theorien versuchen, eine Antwort zu geben. Streit und Kriege um die \u201erichtige Antwort\u201c zeugen in der Weltgeschichte vom Problem des Menschseins hier auf der Erde, ohne dass eine einvernehmliche L\u00f6sung gefunden wurde. Ist es vielleicht notwendig, dass jeder einzelne die L\u00f6sung in sich selbst findet? Ich m\u00f6chte versuchen darzustellen, wie ich mit dem \u201eFremdsein\u201c in meinem Leben auf verschiedenen Kontinenten umgegangen bin und umgehe.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Jugend, Ausbildung und Studium in Deutschland sp\u00fcrte ich ein Fremdsein bereits im Leben in meiner Familie und mit meinen Freunden. Es verst\u00e4rkte sich w\u00e4hrend Aufenthalten im Ausland. In den 60er Jahren wurde ich mit den noch immer pr\u00e4senten Traumata des Dritten Reichs, als Teil einer Kollektivschuld des Deutsch-Seins, konfrontiert. Dies war verst\u00e4ndlich und ich konnte es nachvollziehen, wobei sich immer st\u00e4rker die Frage nach dem \u201eWarum?\u201c in meinem Bewusstsein erhob: warum die Verf\u00fchrungen ganzer Volksschichten durch demagogische Machthaber, warum die Kriege; warum die Ungleichheit in der Welt; warum die Unterdr\u00fcckung der Kulturen und der Bev\u00f6lkerung der sogenannten Dritten Welt? Auf diese Fragen gaben mir die Diskurse in der Gesellschaft und auch die Lehren der Kirche, in deren Glauben ich erzogen wurde, keine zufriedenstellende Antwort. Auch meine Besch\u00e4ftigung mit Theosophie und Anthropologie befriedigte mein inneres Suchen und Fragen nicht.<\/p>\n<h3>Das Suchen im Osten<\/h3>\n<p>So f\u00fchrte mich mein Weg zu den \u00f6stlichen Philosophien und Religionen. Doch auch hier blieb die Frage: Wie kommt es, dass so hohe und weise Philosophien, vor allem in Indien und China, nicht in der Lage waren, Elend, Hungersn\u00f6te und Unterdr\u00fcckung (z.B. durch das Kastenwesen) zu \u00fcberwinden? Weshalb sind diese gesellschaftlichen Mechanismen in Vergangenheit und Gegenwart so stark dominant und bestimmend? Das Studium der Bhagavadgita, das Praktizieren von Yoga und Meditation, das Studium des Buddhismus etc. folgten und weckten in mir das Bed\u00fcrfnis, die Realit\u00e4t Indiens direkt kennenzulernen und zu erleben, nicht als Tourist oder Hippie, sondern mit dem Einsatz meiner erlangten beruflichen Kenntnisse und M\u00f6glichkeiten dem Wunsch, einen Beitrag zur Linderung von Not zu leisten und dem Verlangen, Selbsterkenntnis und Antworten auf meine inneren Fragen zu finden.<\/p>\n<p>Ich bekam die M\u00f6glichkeit in Nepal zu arbeiten und zu leben. Ein tiefes Eintauchen in die Kultur, Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Sprache halfen mir, mein \u00e4u\u00dferliches \u201eFremdsein\u201c in diesem Umfeld abzubauen. Jedoch auf die Grundfragen des Fremdseins in dieser Welt konnte ich lange keine Antwort bekommen. Was die \u00e4u\u00dferen Lebensumst\u00e4nde anbelangte, f\u00fchlte ich mich immer weniger \u201efremd\u201c, sondern \u201eanders\u201c. Eine Antwort auf mein tief inneres Fragen fand ich erst nach weiterem langem Suchen. Einem Suchen, das sich ins Innere verlagerte.<\/p>\n<p>Ich konnte in dieser Zeit das Zusammenbrechen der ver\u00e4u\u00dferlichten Normen und des Verhaltens und der Religiosit\u00e4t beobachten. Jahrhundertealte Traditionen wurden durch die \u201eEntwicklung\u201c in Frage gestellt, abgelehnt und das Suchen nach etwas Neuem wurde sp\u00fcrbar. Gesellschaftliche Konflikte, Auseinanderbrechen von Familien und sozialen Strukturen folgten und sind immer noch im Gang. Als Gegenbewegung klammern sich viele an \u00dcberkommenes. Doch sie stehen vor der Frage, ob es nicht Formalit\u00e4t und Schein sind, dem sie folgen und der innere, spirituelle Gehalt immer weniger wird. Dies deckt sich mit Krishnas Aussagen in seinem Gespr\u00e4ch mit Arjuna, das bereits vor einigen tausend Jahren gef\u00fchrt wurde und von dem die Bhagavadgitagita berichtet:<\/p>\n<blockquote><p>Die Unweisen h\u00e4ngen an den Veden wegen der Fr\u00fcchte von darin mitgeteilten Zeremonien und sagen: \u201eWeiter gibt es nichts\u201c. Sie kennen nichts anderes als eine Menge von Ritualen, welche Reicht\u00fcmer\u2026 und eine gl\u00fcckliche Wiederverk\u00f6rperung verschaffen. Aber diese\u2026haben keine sichere Erkenntnis \u00fcber die Seele und sind am wenigsten zur Meditation geneigt. \u2026 Sei du frei von dem Paar der Gegens\u00e4tze\u2026 frei von weltlicher \u00c4ngstlichkeit und dem Verlangen nach Bewahrung gegenw\u00e4rtigen Besitzes<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist diese \u00c4u\u00dferung Krishnas nicht identisch mit der Forderung der Bibel?<\/p>\n<blockquote><p>\u2026und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Synagogen und an den Ecken auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber betest, so gehe in dein K\u00e4mmerlein und schlie\u00df die T\u00fcr zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir\u2019s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erh\u00f6ret, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Euer Vater wei\u00df, was ihr bed\u00fcrfet, ehe denn ihr ihn bittet<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Austausch mit nepalesischen, indischen, europ\u00e4ischen und amerikanischen Freunden f\u00fchrte zu einer Intensivierung meines spirituellen Suchens. In dieser Zeit bekam ich Zugang zu den Meditationsutras des Mahayana Buddhismus, in denen insbesondere das Herzsutra<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> und das \u201eSutra des sechsten Patriarchen\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> eine starke spirituelle Anziehungskraft erzeugten. Eine Kraft, die \u00fcber die normalen Pujas und Tempelrituale hinausgeht.<\/p>\n<h3>Zur\u00fcck nach Europa<\/h3>\n<p>Zudem ergab sich ein Kontakt mit der Philosophie, Lebensweise und den Idealen der s\u00fcdfranz\u00f6sischen Katharer und den Rosenkreuzermanifesten des fr\u00fchen 17. Jahrhunderts<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.\u00a0 Sie lenkten mein Interesse wieder nach Europa. Das Studium dieser Manifeste und weiterer Schriften \u00fcber den Rosenkreuzerimpuls wurde f\u00fcr mich eine bleibende Richtschnur f\u00fcr den weiteren Lebensweg. Die Konfrontation mit den \u00e4u\u00dferen Lebensumst\u00e4nden in Nepal, in Deutschland und anderen L\u00e4ndern, in denen ich lebte, wurde vor dem Hintergrund des spirituellen Weges, zweitrangig. Das tagt\u00e4gliche \u201eFremdsein\u201c in sozialer, kultureller, politischer und anderer Hinsicht verlor seine Bedeutung. Die Ausrichtung auf die in der Fama Fraternitatis, der Confessio Fraternitatis sowie der Alchymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> beschriebenen Prozesse der Seelenverwandlung f\u00fchrten immer st\u00e4rker zu einem Erkennen, das \u201enicht von dieser Welt\u201c ist. Die zunehmende Verbundenheit mit dem \u201eAnderen\u201c in mir, dem aus der Tiefe heraus wirkenden sch\u00f6pferischen Urgrund, verdr\u00e4ngte das weltliche Fremdsein. An seine Stelle traten innere Ruhe und Stille, ein \u201eHeimkommen\u201c.<\/p>\n<p>Inneres Wissen wurde zu einer starken Freude und zum Impuls, noch suchenden Menschen beizustehen. Das langsam wachsende Wissen f\u00fchrte zu einer st\u00e4rker werdenden Heiterkeit<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> und Freude. Das Gef\u00fchl des Fremdseins hat mir die T\u00fcr zum Heimweg ge\u00f6ffnet. Und das jahrzehntelange Suchen hat es mir erm\u00f6glicht, einer aus dem Innersten aufbrechenden Sonne \u201emit offenem Herzen und entbl\u00f6\u00dftem Haupt\u201c entgegenzugehen, so wie es schon die klassischen Rosenkreuzer in ihrem Jubelruf ausdr\u00fcckten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jan van Rijckenborgh: Das Bekenntnis der Rosenkreuzer Bruderschaft, Band 2, Rozekruis Pers, Haarlem, 1971, S. 18<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bhagavadgita Kapital II, Verse 42\/43<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Matth\u00e4us 6; 5-8<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> www.logon.media: <a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/das-herz-sutra\/\">Das Herz-Sutra oder<\/a>: Erf\u00fcllung ist etwas anderes; 2. Juli 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> www.logon.media: <a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-lehre-vom-universalbewusstsein-des-sechsten-patriarchen-hui-neng\/\">Die Lehre vom Die Lehre vom Universalbewusstsein des sechsten Patriarchen Hui-neng; Geist und Seele<\/a>, 2. Juli 2022<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> J. van Rijckenborgh: Das Bekenntnis der Rosenkreuzer Bruderschaft, Band 1 &#8211; 4, Rozekruis Press, Haarlem, 1971,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0 J. van Rijckenborgh: Das Bekenntnis der Rosenkreuzer Bruderschaft, Band 3 und 4, Rozekruis Press, Haarlem, 1971,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Siehe auch: www.logon.media: LOGON print, Heft 19: <a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/logon-print-no-19-heiterkeit\/\">Heiterkeit u.a., Handeln ohne zu handeln<\/a>; 1 Juli 2024<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":111647,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-111493","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/111493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/111647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=111493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=111493"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=111493"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=111493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}