{"id":110455,"date":"2024-07-28T06:00:33","date_gmt":"2024-07-28T06:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=110455"},"modified":"2024-08-02T08:28:27","modified_gmt":"2024-08-02T08:28:27","slug":"heiter-geht-die-welt-zugrunde","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/heiter-geht-die-welt-zugrunde\/","title":{"rendered":"Heiter geht die Welt zugrunde"},"content":{"rendered":"<p><strong>oder: Der Welt auf den Grund gehen<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong>Drei Schritte zu einer heiteren, ruhigen Gem\u00fctsverfassung als Neugeburt einer Seele, die die Herrlichkeit der ganzen Sch\u00f6pfung erkennt und preist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Anlehnung an den bekannten Aphorismus \u201eNobel geht die Welt zugrunde\u201c h\u00f6rte ich in meiner Jugend ab und zu den Ausruf: \u201eHeiter geht die Welt zugrunde\u201c und im Tonfall schwang darin ein gewisses Am\u00fcsement \u00fcber das bestimmte Vorkommnis oder Geschehen mit.<\/p>\n<p>In S\u00e4tzen wie dem oben erw\u00e4hnten oder auch: \u201edies sorgte f\u00fcr allgemeine Heiterkeit\u201c<\/p>\n<p>wird ein Zustand assoziiert, der ein wenig mit Torheit, Naivit\u00e4t, mit Unbedarftheit, mit einem Nicht-Wissen von etwas, das besser gewusst werden sollte, einhergeht. Kinder oder auch Erwachsene, die sich ein kindliches Gem\u00fct bewahrt haben, werden manchmal so betrachtet. Auch das M\u00e4rchen <em>Hans im Gl\u00fcck<\/em> oder das Auftreten des jungen Parzival k\u00f6nnen auf diese Weise gelesen werden.<\/p>\n<p><em>Heiterkeit \u2026<\/em> verstehen wir im Allgemeinen als eine frohgemute, aufger\u00e4umte, gelockerte Stimmung. Im Mittelhochdeutschen bedeutete Heiterkeit Klarheit. Im Buddhismus wird Heiterkeit als ein Merkmal der Erleuchtung gesehen. Sie ist eine Folge des gel\u00f6sten \u00dcber-den-Dingen-Stehens aus vollst\u00e4ndiger Einsicht.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>In dieser Beschreibung lassen sich meines Erachtens nach drei Phasen oder Schritte erkennen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die frohgemute Gestimmtheit<\/li>\n<li>Klarheit und Einsicht des Denkens<\/li>\n<li>Losl\u00f6sung, Br\u00fcckenbewusstsein und Erleuchtung<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erste Phase: die frohgemute Gestimmtheit<\/strong><\/p>\n<p>Da ist die <em>frohgemute Gestimmtheit der noch jungen Seele,<\/em> wie dies auch in einem alten Kinderlied zum Ausdruck kommt: \u201eH\u00e4nschen klein ging allein in die weite Welt hinein, Stock und Hut stehen ihm gut, er ist wohlgemut.\u201c<\/p>\n<p>Meister Eckhart formuliert es folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn die Seele etwas erfahren will,<br \/>\nwirft sie ein Bild hinaus und tritt dann hinein.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eWenn die Seele etwas erfahren will &#8230;\u201c<br \/>\nDie Seele will etwas erfahren, etwas, von dem sie offenbar eine Ahnung, eine Idee hat, doch kein wirkliches Wissen (sie ist unbewusst). Aber sie will es erfahren, sie findet Geschmack daran und will die Wirkung der Idee erleben, \u201eschmecken\u201c. Hierauf richtet sie ihr Wollen, das etwas in Gang setzt. Man kann es den Erfahrungs-Weg nennen.<\/p>\n<p>\u201e&#8230; wirft sie ein Bild hinaus \u2026\u201c<br \/>\nSie beginnt zu \u201eschaffen\u201c. Sie ent-wirft ein Bild, reichert dieses mit Vorstellungen an, gestaltet es in einem sch\u00f6pferischen, kreativen Akt, bis es zu leben beginnt und zu einer verdichteten Form wird.<\/p>\n<p>\u201e&#8230; und tritt dann hinein\u201c.<br \/>\nMit dieser Form ummantelt sich die Seele gleichsam und begibt sich auf die Reise.<\/p>\n<p><strong>Zweite Phase: Klarheit und Einsicht des Denkens<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff Heiterkeit bedeutet urspr\u00fcnglich <em>Klarheit.<\/em> Klarheit zeichnet sich durch Transparenz aus. Wird etwas durchsichtig, klar, so ist es ohne andere F\u00e4rbung. In heiterer Stimmung zu sein, ist m\u00f6glich, wenn Klarheit herrscht. Wenn wir uns selbst beobachten, bemerken wir jedoch, dass wir angef\u00fcllt sind mit mannigfachen \u201eF\u00e4rbungen\u201c, wie pers\u00f6nlichen Meinungen, Emotionen, Neigungen, Eigenschaften, Eigenheiten, Vorurteilen, etc., die wie Wolken eine klare, neutrale Sicht auf das Geschehen in und au\u00dfer uns f\u00e4rben und tr\u00fcben. Dies einzusehen ist bereits ein Schritt hin zu Selbsterkenntnis.<\/p>\n<p><em>Was ist Einsicht? <\/em>Einerseits bedeutet sie in der Alltagssprache, dass \u201e\u2026 Eigenschaften, Zusammenh\u00e4nge und Beziehungen hinreichend erkannt und begriffen werden. Als Resultat der Kombination von Wahrnehmungen und Nachdenken ist Einsicht dabei das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses. Auf anderem Wege zustande kommende, dann oft \u201ablitzartig\u2019 erlebte Einsichten werden einem besonderen geistigen Verm\u00f6gen, n\u00e4mlich der Intuition zugeschrieben.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die erste Art, Einsicht in etwas zu erhalten, die des logisch linearen, analytisch verstandesm\u00e4\u00dfigen Denkens, lernen wir in der Schule und kennen wir alle. Auf diese Weise versuchen wir gew\u00f6hnlich, unsere Alltagsprobleme in der Welt zu l\u00f6sen. Innerhalb dieses Denksystems bleiben wir allerdings einer dualen Sichtweise, die, grob benannt, in gut und b\u00f6se oder richtig und falsch unterteilt, verhaftet. Heiterkeit geht mit dieser Art, Klarheit zu gewinnen, allerdings eher selten einher.<\/p>\n<p><strong>Dritte Phase: Losl\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>Heiterkeit als Folge des gel\u00f6sten \u00dcber-den-Dingen-Stehens aus Einsicht \u2013 eine dritte Phase. Sie ist verbunden mit einer gewissen <em>Losgel\u00f6stheit<\/em> von sich und seinen pers\u00f6nlichen Meinungen, Emotionen, Neigungen, Eigenschaften, Eigenheiten, etc., wie auch den Problemen der Welt.<\/p>\n<p>In der Bhagavad Gita wird ein solcher Zustand auch mit <em>Gleichmut<\/em> umschrieben:<\/p>\n<blockquote><p><em>Der heitere, ruhige Gem\u00fctszustand, der frei ist von Neigungen und Abneigungen, Regungen des Hingezogenseins und des Abgesto\u00dfenseins ist wahrhaft die ideale Einstellung, in der man sein Leben f\u00fchren sollte. In diesem Gem\u00fctszustand zu sein, hei\u00dft, im G\u00f6ttlichen zu wohnen.<\/em><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dies scheint f\u00fcr uns heute unvorstellbar zu sein. Wurde in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts verst\u00e4rkt das sachlich, rational-wissenschaftliche Denken bevorzugt, das Gef\u00fchle als eher (ver-)st\u00f6rend, weil subjektiv, betrachtete, werden heute als starker Pendelschlag auf die andere Seite wieder Emotionen favorisiert. Ob durch aufw\u00fchlende Bilder oder gro\u00df aufgemachte Sensationen, Hauptsache, es werden starke Emotionen hervorgerufen. Dieses dauernd emp\u00f6rt und <em>au\u00dfer sich sein<\/em> h\u00e4lt das System in der Dualit\u00e4t gefangen und hat wenig mit Gleichmut als heiterem, ruhigem Gem\u00fctszustand zu tun.<\/p>\n<p>Gleichmut k\u00f6nnten wir versehen als eine spirituelle Haltung eines h\u00f6heren Bewusstseins, das der Pers\u00f6nlichkeit und der Welt zuschaut und gleichm\u00fctig und \u2013 g\u00fcltig im Sinne von gelten lassen \u2013 alles auf- und annimmt, was jedoch keineswegs bedeutet, dass nicht gehandelt wird. Gleichmut ist eine besondere Qualit\u00e4t, der Liebe verwandt, denn auch sie duldet und erduldet. Erinnern wir uns an das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korinther 13: <em>Die Liebe ertr\u00e4gt, glaubt, duldet alles<\/em>. Dies alles aus einem Bestreben nach vollst\u00e4ndiger Einsicht. Einsicht in den Grund, den Plan, dem alles zu Grunde liegt.<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcckenbewusstsein<\/strong><\/p>\n<p><em>Nur wer seine Gedanken von allen irdischen Freuden abzuwenden bereit ist, wer \u00fcberdies nach Befreiung verlangt, ist bef\u00e4higt, das Geistige zu suchen<\/em>.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Erst wenn der Mensch sich im Irrgarten des Daseins totgelaufen hat und satt ist an Erfahrungen, die ihm innerhalb der Maya in vielf\u00e4ltigster Weise angeboten werden, keimt in ihm der Same der Sehnsucht nach Befreiung daraus auf. Meinem Empfinden nach ist es der Pers\u00f6nlichkeit ohne eine tiefe Sehnsucht nach Befreiung, nach Erl\u00f6sung, nicht m\u00f6glich, sich zu einem solch radikalen Weg zu entschlie\u00dfen. Weitergedacht kann Gleichmut also nur gelebt oder besser ein Leben lang ge\u00fcbt werden, sofern der Mensch die Vereinigung mit Gott anstrebt. Und sofern Glauben und Vertrauen da sind, kann sich Gelassenheit einstellen, mit der ich mein Schicksal aktiv an- und auf mich nehme.<\/p>\n<p>Im Prozess der Losl\u00f6sung von der Identifikation mit der fundamentalen Illusion, die auf der bisherigen Bewusstseinsebene wirkt, entwickelt sich ein <em>Br\u00fcckenbewusstsein.<\/em> Ein Zwischen-Raum entsteht, in den ein neuer Atem, der Odem Gottes eingehaucht werden kann. Dieser Odem bewirkt eine Transformation oder Umwandlung des gesamten Systems des entsprechenden Menschen und formt in ihm einen neuen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Und wie die Erziehung des Kindes mit Anstrengung, Hingabe und Glauben an seine F\u00e4higkeiten verbunden ist, ist es auch mit dem Aufbau des h\u00f6heren K\u00f6rpers, des h\u00f6heren Denkverm\u00f6gens oder <em>Manas<\/em>, durch den sich der GEIST und mit ihm die g\u00f6ttlichen Qualit\u00e4ten offenbaren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dies geschieht dann wiederum mittels des vertrauten Verstandes, der sich dem h\u00f6heren Denkverm\u00f6gen aus klarer Einsicht und freien St\u00fccken unterordnet. So kommt der Pers\u00f6nlichkeit eine Schl\u00fcsselstellung zu, denn sie entscheidet fortw\u00e4hrend, ob sie ihr Herz und ihre Sinne nach unten ins rein Materielle oder nach oben ins Geistige richtet. Dieses sich nach Innen-Oben, wie ich es nennen m\u00f6chte, zu \u00f6ffnen, \u00f6ffnet den Denk-Raum f\u00fcr die neue, nonduale Sichtweise, die blitzartig vor dem geistigen Horizont auftauchen kann. Man kann sie nicht erlernen. Sie ist ein durch Gnade, f\u00fcr die wir uns ebenfalls aktiv \u00f6ffnen m\u00fcssen, erhaltenes Geschenk.<\/p>\n<p><strong>Erleuchtung<\/strong><\/p>\n<p>Als Resultat einer solchen fortw\u00e4hrenden Gerichtetheit auf das GEISTIGE kann das gesamte nat\u00fcrliche System erhoben und sogar enthoben werden. Losgel\u00f6st und erl\u00f6st vom Eigensinn, werden wir mit neuen und, von einem gew\u00f6hnlichen Bewusstseinszustand aus betrachtet, g\u00f6ttlich erscheinenden Qualit\u00e4ten bekleidet: unendlicher Geduld, Mitgef\u00fchl mit allen und allem, bedingungsloser Liebe, Freude, geistigem Frieden, Gl\u00fcckseligkeit und einer Weisheit, die allen Verstand \u00fcbersteigt, wie es in der Bibel hei\u00dft. Aus einer solchen Geisteshaltung der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Einsicht in den GEISTIGEN Plan, der allem Geschehen zu Grunde liegt, entsteht Gelassenheit gegen\u00fcber den Wechself\u00e4llen des Lebens. Das k\u00f6nnen wir dann als heitere, ruhige Gem\u00fctsverfassung eines im G\u00f6ttlichen Geist aufs neue geborenen Wesens verstehen. Der Neue Mensch, der die Herrlichkeit der ganzen Sch\u00f6pfung erkennt und preist!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Quellennachweise<\/h3>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heiterkeit\">Heiterkeit \u2013 Wikipedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einsicht\">Einsicht \u2013 Wikipedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3] <\/a><em>Bhagavadgita,<\/em> Der Gesang Gottes, Eine zeitgem\u00e4\u00dfe Version Gottes, GOLDMANN, BG Kapitel 2 Vers 49<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> BG<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":110495,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-110455","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/110455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/110495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=110455"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=110455"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=110455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}