{"id":109537,"date":"2025-05-26T06:00:18","date_gmt":"2025-05-26T06:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=109537"},"modified":"2025-05-25T06:48:44","modified_gmt":"2025-05-25T06:48:44","slug":"heiter","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/heiter\/","title":{"rendered":"HEITER"},"content":{"rendered":"<p><em>Heiterkeit hat viele Gesichter und Geschwister: t\u00e4nzerische Leichtigkeit \u2013 auch im Sitzen \/ <\/em><!--more--><\/p>\n<p><em>ansteckende Fr\u00f6hlichkeit \u2013 auch ohne Worte \/ spontane Munterkeit \u2013 auch allein mit sich selbst<br \/>\n<em>sonnenklare Zuversicht \u2013 auch bei Nacht \/ sanfter Humor \u2013 auch in der Wut \/ stilles Gl\u00fcck \u2013 auch im Pech \/ friedliche Gelassenheit \u2013 auch im Stress \/ umfassende Gefasstheit \u2013 auch vor der OP \/ Gesundheit \u2013 auch im Kranksein, und ANGSTFREIHEIT.<\/em><\/em><\/p>\n<blockquote><p><em>Immer nur l\u00e4cheln, immer vergn\u00fcgt,<br \/>\ndoch wie\u00b4s da drin aussieht,<br \/>\ngeht niemand etwas an.<br \/>\n<\/em>Franz Leh\u00e1r, <em>Das Land des L\u00e4chelns<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3><strong>Einen Artikel \u00fcber Heiterkeit schreiben? \u2026 das kann ja heiter werden!<\/strong><\/h3>\n<p>Fr\u00fcher Morgen: 6:30. Wie immer, schreibe ich gleich nach dem Aufwachen. Heute Nacht hatte ich einen spannenden Traum. Den will ich kurz notieren, bevor ich unten in der K\u00fcche einen Morgentee machen werde.<\/p>\n<p>Traum:<\/p>\n<blockquote><p><em>Ich war in einer gro\u00dfen Menschenmenge. Eine riesige k\u00fcnstliche Festplatte kam wie ein Ufo vom Himmel her angeschwebt. Alle Menschen bekamen von dieser \u00fcber uns schwebenden Festplatte eine kleine neue Festplatte angeboten, mit der sie weiterleben konnten. Ich sah das ganz konkret. Alles Alte wurde damit gel\u00f6scht, alles Karma, alle Probleme: Reset! Mit der neuen Festplatte konnten wir ganz neu beginnen. Die meisten nahmen sie gerne freiwillig an. Es war nichts Zwingendes dabei. Wir konnten diesen Austausch verweigern, mussten das jedoch dann vor so etwas wie Zoll- oder Grenzbeamten begr\u00fcnden. Ich wollte keine neue Festplatte, sondern fand das k\u00fcnstlerisch forschende Leben, wie es ist, attraktiver und verweigerte das Angebot. Es waren wenige, die sich weigerten, das Angebot anzunehmen. Wir scherzten mit denen, die sich f\u00fcr die Umprogrammierung entschieden haben: Keine Sorge, es h\u00e4lt nur eine Inkarnation, dann wird sich die Natur das wieder zur\u00fcckerobern und ihr seid um eine karmische Erfahrung reicher. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das war etwa der Kern des Traums.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Als ich das aufgeschrieben hatte, ging ich 18 Stufen in die K\u00fcche hinunter, um mir einen Tee zu brauen. Den wollte ich mit hochnehmen, um weiter zu schreiben. Denn ich sinniere schon eine Weile \u00fcber einen Text zu <em>Heiterkeit<\/em> f\u00fcr LOGON Nr. 19. <em>Das kann ja heiter werden! \u2026 ja, \u00fcber Heiterkeit zu schreiben ist eine ernste Sache,<\/em> grinste ich vor mich hin.<br \/>\nDa fiel mir spontan ein gedanklicher Zugang ein: \u201e \u2026 <em>Sei doch mal heiter und nicht in so tr\u00fcber Stimmung!\u201c<\/em> Heiterkeit als Stimmungsaufheller? \u2026 ja, das kennen wir, das m\u00f6chte ich vertiefen. Mich interessiert an diesem Thema der \u201ePlaceboeffekt\u201c, also die Frage: K\u00f6nnen wir uns selbst in eine heitere Stimmung bringen, ohne uns und anderen was vorzumachen? Oder anders gefragt: \u00c4ndern wir unsere Stimmung, wenn wir uns bewusst etwas vormachen, wenn wir so tun, als ob wir heiter w\u00e4ren, uns trotz miserabler Laune zu einem L\u00e4cheln \u00fcberreden? Am besten gleich mal ausprobieren!<\/p>\n<p>Als ich etwa 12 Jahre alt war, besuchte ich meine Tante in Basel. Sie schenkte mir einen Besuch im Theater. Genauer: zu der Operette <em>Das Land des L\u00e4chelns <\/em>von Franz Leh\u00e1r. Der Kernsatz des Tenors lautete: <em>Immer nur l\u00e4cheln, immer vergn\u00fcgt, doch wie\u00b4s da drin aussieht, geht niemand etwas an.<\/em><\/p>\n<p>Der Mann tat mir leid, wie er das so vor allen Leuten singen musste. Ich wusste spontan ganz sicher, dass ich kein Operettens\u00e4nger werden wollte. Seine Aussage hat mich dennoch verwirrt und deshalb auch nachhaltig beeindruckt. Denn hie\u00df das nicht, dass sein L\u00e4cheln, sein Ausdruck von Vergn\u00fcgt sein und seine Heiterkeit eine Maske, eine Tarnung, ein nach au\u00dfen geheuchelter Zustand sind? Offenbar funktionierte bei ihm der Als-ob-Effekt nicht. Stattdessen pries er ein Verhaltenskonzept an, bei dem das Innere verborgen und versteckt bleiben muss, weil es viel zu gef\u00e4hrlich w\u00e4re, die Gef\u00fchle zu zeigen, die wirklich da sind. Hier sein ganzer Text:<\/p>\n<blockquote><p><em>Wie jedoch schon Konfuzius in aller Weisheit spricht, \/ was immer du f\u00fchlst, verrate dich nicht \/ \u2026 Immer nur l\u00e4cheln und immer vergn\u00fcgt, \/ immer zufrieden, wie\u00b4s immer sich f\u00fcgt. \/ L\u00e4cheln trotz Weh und tausend Schmerzen, \/ doch wie&#8217;s da drin aussieht, geht niemand etwas an \u2026 \/ niemals zeigen sein wahres Gesicht. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Pokerface also? Blo\u00df nicht sein Gesicht dadurch verlieren, dass man sein wahres Gesicht zeigt?<\/p>\n<p>Ja, diese Richtung werde ich schreibend weiter erkunden.<\/p>\n<p>Da brodelte also nicht nur das Teewasser, sondern es brodelte auch schon in meinem Kopf \u2013 ich hatte es eilig, wieder an meine Hightec-Schreibmaschine nach oben zu kommen. Der Tee war inzwischen fertig. Ich stellte die Thermoskanne und meine wertvolle, bereits mit feinem Darjeeling gef\u00fcllte Porzellan-Tasse (sie ist von meinem Kunst-Professor Gerhard Gollwitzer gestaltet) auf das Tablett und noch ein paar Haferkekse dazu. Dann eilte ich mit dem vollen Tablett die 18-stufige Eichentreppe hinauf, um diesen gedanklichen Zugang zum Thema Heiterkeit blo\u00df nicht zu verlieren, sondern ihn gleich in den Computer einzuspeisen. Da passierte es: Ich stolperte auf der Treppe \u2026 die Tasse auf dem Tablett fiel um \u2026 der hei\u00dfe Tee wurde versch\u00fcttet. Die Tasse hielt ich instinktiv fest: <em>Lieber der Tee versch\u00fcttet, als die Tasse kaputt, <\/em>ging es mir blitzartig durch den Sinn<em>.<\/em> Was f\u00fcr eine komische Situation! Ich war in euphorischer Stimmung die Treppe hochgeeilt, um \u00fcber Heiterkeit zu schreiben \u2026 und stolperte. Was blieb mir anderes \u00fcbrig: Ich musste lachen, putzte den Tee auf, um dann \u2013 endlich \u2013 das hier zu schreiben.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, das ist eine etwas stolperige Einleitung in das Thema Heiterkeit. Doch geh\u00f6rt Stolpern nicht zum wichtigen Repertoire eines Clowns? Stolpern erheitert, besonders wenn jemand zielstrebig daher schreitet oder \u00fcbereifrig die Treppen hochst\u00fcrmt. Stolpern relativiert das Ach-so-Gewisse. W\u00e4re \u00c4rger nicht nat\u00fcrlicher und ehrlicher gewesen? Sicherlich.<\/p>\n<p>Doch vermutlich wusste eine inzwischen erfahrungsgeschulte Intelligenz, dass \u00c4rger die Sache immer nur verschlimmert. So kommt gedankenschnell ein kreatives, inneres Steuerungsinstrument zum Einsatz, dessen Maxime etwa so lauten k\u00f6nnte: <em>Wenn schon etwas derart \u00c4rgerliches passiert, dann muss du dich doch nicht auch noch zus\u00e4tzlich dar\u00fcber \u00e4rgern!<\/em><\/p>\n<h3><strong>T\u00e4nzerische Leichtigkeit \u2013 auch im Sitzen<\/strong><\/h3>\n<p>Heiterkeit hat viele Gesichter und Geschwister: t\u00e4nzerische Leichtigkeit \u2013 auch im Sitzen \/ ansteckende Fr\u00f6hlichkeit \u2013 auch ohne Worte \/ spontane Munterkeit \u2013 auch allein mit sich selbst \/ sonnenklare Zuversicht \u2013 auch bei Nacht \/ sanfter Humor \u2013 auch in der Wut \/ stilles Gl\u00fcck \u2013 auch im Pech \/ friedliche Gelassenheit \u2013 auch im Stress \/ umfassende Gefasstheit \u2013 auch vor der OP \/ Gesundheit \u2013 auch im Kranksein, und ANGSTFREIHEIT.<\/p>\n<p>Doch wie diesen Zustand erreichen oder von diesem erreicht werden \u2026 unter \u2013 und <em>in \u2013 <\/em>allen Umst\u00e4nden, die manchmal alles andere als heiter sind, wenn einen doch der \u00c4rger am Schlafittchen hat?<\/p>\n<p>Schauen wir uns nochmals kurz das Rezept des Operettens\u00e4ngers an: <em>Immer nur l\u00e4cheln, immer vergn\u00fcgt, doch wie\u00b4s da drin aussieht, geht niemand etwas an.<\/em><\/p>\n<p>Das klingt zun\u00e4chst \u2013 im westlichen Kulturverst\u00e4ndnis \u2013 nach Drama, Selbstbetrug und Heuchelei. Doch es verweist auch auf die Tugend der Selbstbeherrschung, die in den \u00f6stlichen Traditionen einen hohen Stellenwert genie\u00dft. Nicht gleich alles rauszulassen, muss also keine Heuchelei sein, sondern kann auch sozial wertvoll, lebensklug und freundlich-f\u00f6rderlich wirken. Eine gewisse Kontrolle der Gef\u00fchle und Gedanken, oder pr\u00e4ziser: eine F\u00e4higkeit, die Gef\u00fchle und Gedanken lenkend zu gestalten, ist in jedem Falle hilfreich, auch um den Zustand der Heiterkeit \u2013 also diese sch\u00f6ne sonnige Stimmung \u2013 in sich selbst zu erm\u00f6glichen und auszustrahlen. Das hie\u00dfe, wenn unser Protagonist diese beiden unvereinbaren Gegens\u00e4tze, L\u00e4cheln und verborgenen Schmerz, in seiner inneren Herz- und Bewusstseinswerkstatt bearbeiten w\u00fcrde, anstatt vor Publikum seinen Status quo bravour\u00f6s gekonnt zu lamentieren, dann k\u00f6nnte da was draus werden \u2026 ja, das k\u00f6nnte heiter werden!<\/p>\n<h3><strong>Das Universum hilft<\/strong><\/h3>\n<p>Und wie ist es mit der Als-ob-Methode? Durch bewusste positive Projektionen die selbstsuggestiven Kr\u00e4fte zu aktivieren, etwa mit dem Mantram <em>Es wird gelingen!<\/em> Aber wie? Ist es mit einem blo\u00dfen Wunsch, den dann doch bitte <em>das Universum<\/em> (ein wissenschaftlicher Begriff f\u00fcr Gott) erf\u00fcllen m\u00f6ge, getan?<\/p>\n<p>Nein, um die eigene Arbeit kommt man auch hier nicht herum. Denn das Universum \u2013 also Gott \u2013 hat dieses komplexe, sch\u00f6pferische Wesen Mensch nicht hervorgebracht, um es im passiven Konsumieren, das es in tr\u00e4ger Selbstgef\u00e4lligkeit mit Hingabe verwechselt, mit Segen zu begie\u00dfen oder mit neuen technischen Festplatten zu begl\u00fccken, die schon alles l\u00f6sen werden, was die Menschen sich selber eingebrockt haben. Nein, etwas Lernwilligkeit und sch\u00f6pferische Eigenleistung geh\u00f6ren schon dazu, um aus den Widerspr\u00fcchen, zwischen denen der Mensch hin- und herpendelt, ein dynamisch-fruchtbares Spannungsfeld zu kreieren. Darin kann sich das G\u00f6ttliche, also das Universum, einsenken, aussprechen, weiter entfalten und sich in spontaner Handlung offenbaren.<\/p>\n<p>Das braucht fraglos die freudige Mitwirkung des ganzen Menschen. Dieser wird alles ihm M\u00f6gliche tun, damit das Unm\u00f6gliche, das er nicht zu tun vermag, eintreten und gelingen kann. Das h\u00f6rt sich paradox an. Ist es auch. Denn ein Paradox ist genau das, was die zwei Pole eines Ganzen zugleich aktiviert. Die Ambiguit\u00e4t (Gegens\u00e4tzlichkeit) auszuhalten und als sch\u00f6pferisches Feld zu erkennen, bringt die innere Ausrichtung weg von der dualistischen Pendelbewegung von Gut nach B\u00f6se und wieder zur\u00fcck. Dabei kann erlebt werden, dass sich die paradoxe Gleichzeitigkeit der Widerspr\u00fcche nicht befeindet, sondern sich zum sch\u00f6pferischen Lebensfeld erg\u00e4nzt. Alle emotionalen, mentalen und unbewussten Kr\u00e4fte versammeln sich dann am inneren Arbeitsplatz in der Konzentration einer Handlung, einer Haltung. Wenn der strebende Mensch seinem gl\u00fccklichen Gelingen entgegenstolpert, werden die W\u00fcnsche an das \u201eUniversum\u201c meist auf eine \u00fcberraschende, unvorstellbare Weise erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Eine solche polare Grundstimmung, die sich zwischen der absoluten Sicherheit (im Universellen und G\u00f6ttlichen geborgen zu sein) und der Einsicht in die eigenen Grenzen ergibt, k\u00f6nnte die Heiterkeit sein, die mit all ihren Gesichtern und Geschwistern das eigene Leben und das der Andern bereichert. Sogar mit Tee und Haferkeksen. Und manche Menschen vielleicht mit neuen technischen Festplatten \u2013 oder doch lieber mit <em>Fest-Platten<\/em> aus Porzellan voll appetitlicher Fr\u00fcchte, Speisen und mit Fr\u00fchlingsblumen drauf.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":109509,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-109537","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/109537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109537"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=109537"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=109537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}