{"id":109028,"date":"2025-02-26T06:00:25","date_gmt":"2025-02-26T06:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=109028"},"modified":"2025-02-24T21:59:46","modified_gmt":"2025-02-24T21:59:46","slug":"handeln-ohne-zu-handeln","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/handeln-ohne-zu-handeln\/","title":{"rendered":"Handeln, ohne zu handeln"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Bhagavadgita wird ein spontanes, ja intuitives Handeln in der Gegenwart gefordert. Ein Handeln, das aus sich selbst entsteht, das die Trennung zwischen Objekt und Subjekt aufl\u00f6st. Ist dies m\u00f6glich, und wie?<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nMahatma Ghandi fand Trost und Bewunderung in der Bhagavadgita und dr\u00fcckte dies wie folgt aus:<\/p>\n<blockquote><p>In der Bhagavadgita finde ich einen Trost [\u2026] Wenn mir manchmal die Entt\u00e4uschung ins Antlitz starrt, wenn ich, verlassen, keinen Lichtstrahl erblicke, greife ich zur Bhagavadgita. Dann finde ich hier und dort eine Strophe und beginne alsbald zu l\u00e4cheln inmitten aller niederschmetternden Trag\u00f6dien \u2013 und mein Leben ist voll von \u00e4u\u00dferen Trag\u00f6dien gewesen. Wenn sie alle keine sichtbare, keine untilgbare Wunde auf mir hinterlassen haben, verdanke ich dies den Lehren der Bhagavadgita.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Bhagavadgita, das gro\u00dfe heilige Buch Indiens, ist nach Bede Griffiths zusammen mit der Bibel das weitverbreitetste Buch der Welt. Die Bhagavadgita ist Teil des gro\u00dfen indischen Mahabharata-Epos. Es dokumentiert ein Gespr\u00e4ch zwischen der Inkarnation Vishnus, in der Gestalt Krishnas, und dem indischen F\u00fcrsten Arjuna, der sich bereit macht, um seinen Thron mit seinen Verwandten Krieg zu f\u00fchren. Ich versuche im Folgenden, das Prinzip des \u201eHandelns, ohne zu handeln\u201c, von dem Krishna zu Arjuna spricht, aus meiner Erfahrung zu beleuchten.<\/p>\n<p>Wie viele Sucher in den 60er und 70er Jahren und auch heute noch wurde ich schon in jungen Jahren in den Bann der Bhagavadgita gezogen. Es war dies nicht ein intellektuelles Interesse &#8211; damals war es vielleicht eine Modeerscheinung unter Hippies und Blumenkindern -, sondern ein inneres, intuitives Erfahren und Erfassen, dass in diesem Buch mehr als nur ein religi\u00f6ses und philosophisches System finden ist, dass es mir Hinweise f\u00fcr mein Leben in dieser gegens\u00e4tzlichen und unruhigen Zeit geben kann. Das Prinzip des \u201eHandelns, ohne zu handeln\u201c faszinierte mich. Es begleitete mich seit dieser Zeit durch mein Leben. Was ist das aber: \u201eHandeln, ohne zu handeln\u201c?<br \/>\nDie Bhagavadgita sagt dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Der Pfad der T\u00e4tigkeit ist schwer zu erkennen. Wer Unt\u00e4tigkeit in Handlungen und T\u00e4tigkeit in Unt\u00e4tigkeit sieht, der ist wirklich weise unter den Menschen. Ein solcher besitzt spirituelle Erleuchtung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Bhagavadgita nennt einige Prinzipien, die dieses Paradoxon aufl\u00f6sen oder erl\u00e4utern sollen:<br \/>\n&#8211; Loslassen der Fr\u00fcchte des Handelns,<br \/>\n&#8211; keine Erwartungen an die Handlungen (positiv oder negativ) hegen,<br \/>\n&#8211; gen\u00fcgsam und nicht abh\u00e4ngig sein,<br \/>\n&#8211; zufrieden und gleichm\u00fctig sein bei Erfolg, Misserfolg oder Versagen,<br \/>\n&#8211; alle Handlungen als Opfer an Krishna \/ Vishnu ansehen; dann verwandeln sie \u2028 sich zu spirituellem Wissen.<\/p>\n<blockquote><p>Die Weisen, die die Wahrheit geschaut haben, werden dich zur Erkenntnis f\u00fchren, wenn du dich dem\u00fctig hinwendest, fragst und dienst.<\/p>\n<p>Mit solcher Erkenntnis wirst du nie wieder in Verblendung zur\u00fcckfallen. Dadurch wirst du ausnahmslos alle Wesen erst in deinem Selbst und dann in mir erblicken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn wir uns vor diesem Hintergrund beobachten, stellen wir fest, dass all unser Denken, Wollen und F\u00fchlen wie auch unsere Handlungen davon ausgehen, dass wir etwas erreichen wollen, dass wir etwas erwarten. All unsere Handlungen sind damit spekulativ auf die Zukunft gerichtet. In der Bhagavadgita dagegen wird ein spontanes, ja intuitives Handeln in der Gegenwart gefordert. Ein Handeln, das aus sich selbst entsteht, das die Trennung zwischen Objekt und Subjekt aufl\u00f6st, um damit zu einer Einheit von Objekt und Subjekt zu gelangen. Ist dies m\u00f6glich, und wie?<\/p>\n<p>Krishna weist deutlich darauf hin, dass niemand auch nur einen Augenblick unt\u00e4tig sein kann und r\u00e4t Arjuna:<\/p>\n<blockquote><p>Deshalb vollbringe du, was du zu tun hast, ohne dich um die Folgen zu sorgen. Denn der Mensch, welcher das ihm Zustehende ausf\u00fchrt, ohne sich an die Fr\u00fcchte zu h\u00e4ngen, dieser erlangt den H\u00f6chsten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn wir in der Lage sind, diesen Rat Krishnas in unserem Leben umzusetzen, k\u00f6nnen wir frei werden vom spekulativen Denken und von Erwartungen an die Zukunft, oder von Erfolgen oder Misserfolgen unserer Handlungen. Damit l\u00f6sen sich alle Spekulationen \u00fcber die Zukunft, die sich in Angst, Sorge und Furcht ausdr\u00fccken, auf. Wir k\u00f6nnen dann spontan und mit heiterem Gem\u00fct die uns auferlegte Pflicht erf\u00fcllen und das Wohl der Menschheit im Auge behalten .<\/p>\n<p>Catharose de Petri, die Gro\u00dfmeisterin des Goldenen Rosenkreuzes, dr\u00fcckt es so aus:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist absolut m\u00f6glich, w\u00e4hrend Ihres gew\u00f6hnlichen Tagesablaufs, welche Wirksamkeiten Sie auch zu verrichten haben, im Hintergrund Ihres Wesens die Kernkraft und ihr Prinzip vollkommen festzuhalten und durch alles hin strahlen zu lassen, in Ihr Herz, in Ihr Haupt und in Ihre Seele.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir leben dann praktisch zwei Leben: das eine in der Verbindung mit der gew\u00f6hnlichen Welt and das andere, das nicht von dieser Welt ist, das in und aus der Kraft Krishnas oder des Christus lebt. Damit bekommen wir Abstand von den Problemen, Konflikten und Widerw\u00e4rtigkeiten dieser Welt, denn:<\/p>\n<blockquote><p>Diejenigen, die mich lieben, sind mir lieb, und ich bin in ihnen und sie sind in mir. Sie kommen zu mir und werden ewigen Frieden haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir k\u00f6nnen dann die Welt der Gegens\u00e4tze wie Betrachter\/Au\u00dfenstehende sehen und k\u00f6nnen gleichzeitig ohne Fehl durch die Kraft der Seele und durch das Wissen in uns auf eine Welt, die nicht von dieser Welt ist, ausgerichtet sein. Auch in den gr\u00f6\u00dften Turbulenzen unseres Lebens k\u00f6nnen wir ruhig und heiter bleiben. Unsere Handlungen werden dann spontan und nicht berechnend, intuitiv und nicht von positiven oder negativen Zukunftsvorstellungen geleitet. Wir k\u00f6nnen wirklich in der Gegenwart leben. Das ist es, was Mahatma Ghandi in dem Eingangszitat ausdr\u00fccken will.<\/p>\n<p>Wo stehe ich heute? Das Prinzip des \u201eHandelns, ohne zu handeln\u201c hat mich durch mein Leben begleitet. Eine der ersten und fundamentalen Einsichten war und ist: \u201eAlles ist relativ!\u201c Nichts ist absolut, damit falle ich nicht von Himmelhochjauchzend in Zu-Tode-betr\u00fcbt, sondern verbleibe in einem gewissen Gleichmut, einer oft stillen Heiterkeit. Das bedeutet nicht Gleichg\u00fcltigkeit, vor allem gegen\u00fcber der Welt und Menschheit, es bedeutet vielmehr, das gro\u00dfe Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und immer wieder mich selbst zu fragen:<br \/>\nSind die Worte Krishnas in mir Wirklichkeit? Bin ich in ihm und ist er in mir? Krishna sagt in der Bhagavadgita: Alle Dinge sind in mir \u2013 das ist das Fundament unserer Existenz \u2013 und f\u00e4hrt fort: Aber ich bin nicht in ihnen. Dies ist das Ziel unseres Weges: Ihn in uns zu erwecken. Weiter sagt Krishna zu Arjuna:<\/p>\n<p>Wer mich in allen Dingen sieht und alles schaut in mir, f\u00fcr den bin ich nie abwesend, und er ist nie abwesend f\u00fcr mich.<br \/>\nAlle Handlungen, welche nicht als ein Gott dargebrachtes Opfer ausgef\u00fchrt werden, binden den Handelnden durch seine T\u00e4tigkeit. (<br \/>\nDas (teilweise) lebendige Bewusstsein, einerseits in unserer Welt zu leben, der Welt des gew\u00f6hnlichen Tagesablaufs, und andererseits ein Sein zu erfahren, das nicht von dieser Welt ist und das zugleich das Fundament der Welt ist, gibt mir eine frohe Gelassenheit, um die Anforderungen des gew\u00f6hnlichen Lebens anzunehmen und zu verarbeiten. Solange bzw. so oft ich diese frohe Gelassenheit bewusst erlebe, bin ich ein Akteur und gleichzeitig ein Beobachter in der Welt, ohne davon und darin aufgesogen zu werden. Ich erfahre immer wieder, dass diese Ausrichtung mich aus dem Alltagstrubel erhebt (manchmal nur f\u00fcr einige Augenblicke) und eine heitere Gelassenheit mich erf\u00fcllt, die Heiterkeit der Seele. Kann dies ein Einswerden mit Krishna sein? Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, finden wir die Antwort in uns und lassen intellektuelle \u00dcberlegungen, Fragen und Zweifel hinter uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mohandas Karamchand G\u00e2ndhi (Mahatma Gandhi), in: Young India 1925, p. 1078)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bhagavad Gita, Ved Vyas Foundation, 2024 (e-book) Bhagavad Gita.io: (Chapter IV, verse 18).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Idem: Chapter IV,Verse 34,35<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Idem: Chapter III,Verse 19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Translation from: Catharose de Petri, Das Lebende Wort, Haarlem 1990, S. 300<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Translation from: Jan van Rijckenborgh, Die gro\u00dfe Umw\u00e4lzung, 3. Auflage, Haarlem 1992, Kapitel VII: Das Mysterium des Krishna<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Idem: Chapter IX, verses 29, 31<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Idem: Chapter IX, verse 4<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Idem: Chapter VI, verse 30<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Idem: Chapter III, verse 9<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":109156,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-109028","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/109028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109028"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=109028"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=109028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}