{"id":107911,"date":"2025-01-23T06:00:49","date_gmt":"2025-01-23T06:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=107911"},"modified":"2025-01-22T20:11:22","modified_gmt":"2025-01-22T20:11:22","slug":"huelle-und-kern","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/huelle-und-kern\/","title":{"rendered":"H\u00fclle und Kern"},"content":{"rendered":"<p><em>Wie sich der urspr\u00fcngliche g\u00f6ttliche Keim mit mehr und mehr H\u00fcllen umgibt. Erst als der Mensch erschaffen war, wurde alles sichtbar in der Welt.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Heraklit und der Sohar, das heilige Buch der Kabbala<\/p>\n<blockquote><p><em>Gleich ist Anfang und Ende auf der Kreislinie,<br \/>\n<\/em>Heraklit<\/p><\/blockquote>\n<p>Heraklit verweist auf das \u00e4gyptische Urbild einer Schlange, <em>Ouroboros<\/em>, die sich in den Schwanz bei\u00dft und mit ihrem K\u00f6rper einen vollkommenen Kreis bildet, der das ewige Leben darstellt. Die Kreislinie symbolisiert unser Leben, dessen Anfang und Ende sich im gleichen Punkt treffen; in ihm geht das Leben in den Tod \u00fcber, und der Tod f\u00fchrt wiederum zu einer neuen Geburt.<\/p>\n<p>Einerseits deutet dies darauf hin, dass wir ewig leben, indem wir gleichzeitig langsam sterben und hierdurch wiederum langsam neues Leben in uns entsteht. Andererseits sieht Heraklit die Gegens\u00e4tze in den Erscheinungen und beobachtet, wie unser Bewusstsein Tod und Geburt als unvereinbare und endg\u00fcltige Gegens\u00e4tze erlebt.<\/p>\n<p>Das Zwiesp\u00e4ltige liegt darin begr\u00fcndet, dass das Geistig-Seelische von einer Leiblichkeit umh\u00fcllt wird. In ihr ruht in der Regel das Bewusstsein des Menschen, und deshalb erlebt der Mensch den Tod als einschneidend und als Gegenteil der Geburt. Die Welt in ihren Erscheinungen ist demnach doppeldeutig und doch ist sie Ausfluss des Einen. Heraklit sagt, wenn sich die Seele auf den einen inneren g\u00f6ttlichen Geist richte, lerne sie, unseren r\u00e4tselhaften Kosmos zu verstehen. In ihm herrsche das dem g\u00f6ttlichen Geist \u00e4hnlichste Element: das kosmische Feuer.<\/p>\n<p>Dieses Feuer entsteht und lodert auf in einem sich gegens\u00e4tzlich entwickelnden Spiel der Flammen, in dem es gleichzeitig mit dem Auflodern langsam vergeht. Sein Leben ist ein Sterben, so Heraklit, es ist das Verg\u00e4nglich-Ewige,<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> das Spiel von Form und innerem Gehalt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne dichtete Goethe:<\/p>\n<blockquote><p>La\u00df den Anfang mit dem Ende<br \/>\nSich in eins zusammenzieh\u2019n!<br \/>\nSchneller als die Gegenst\u00e4nde<br \/>\nSelber dich vor\u00fcberflieh\u2019n!<br \/>\nDanke, da\u00df die Gunst der Musen<br \/>\nUnverg\u00e4ngliches verhei\u00dft:<br \/>\nDen Gehalt in deinem Busen<br \/>\nUnd die Form in deinem Geist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleicht das Leben des Menschen einem Pilger, der sich ewiglich auf einer Kreislinie zwischen Geburt und Tod bewegt und dabei an jedem Punkt wie ein Pendel hin- und herschwingt?<\/p>\n<p>Wer ist dieser Pilger und was bewegt ihn?<\/p>\n<h4>Der Beginn des g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfungsprozesses<\/h4>\n<p>Der Prozess der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung des Makro- und Mikrokosmos wird bildhaft und lebendig dargestellt im <em>Sohar<\/em> (\u201eBuch des g\u00f6ttlichen Glanzes\u201c, 13.Jd.), dem meist gelesenen Buch der j\u00fcdischen Mystik bzw. der Kabbala<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Es spricht von der menschlichen Seele, die das R\u00e4tsel des Lebens in einer lebendigen Beziehung zum g\u00f6ttlichen Geist sucht.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Beziehung des inneren Gehalts des Lebens zu seinen lebendigen Umh\u00fcllungen.<\/p>\n<blockquote><p>Im Anfang \u2013 da pr\u00e4gte der Wille des K\u00f6nigs in den oberen Raum Seine Pr\u00e4gung: eine Leuchte aus dunkler Urregion, und trat ein in das Verborgene aus dem Endlosen her. [\u2026] Der Verborgene im Verborgenen, der vom Geheimnis des Endlosen ist, schlug spaltend rhythmisch in Seinen Sph\u00e4renraum [&#8230;], bis vom Anprall jenes Sto\u00dfes aufblitzte ein Punkt, ein verborgen himmlischer. [\u2026 Er wird] \u201eReshit\u201c (Anfang) gennant und bildet das erste aller Worte, [&#8230;] Reshit wirkte sich einen Palast zu Sch\u00f6nheit und Widerglanz, drein s\u00e4ete Er den heiligen zeugenden Samen zum Heile der Welt. [\u2026] So wirkte denn sch\u00f6pferisch vermittels jenes Reshit der Verborgene, der selbst von der H\u00fclle nicht erkannt ward.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das unendlich Verborgene aus dem Endlosen wird in der Kabbala <em>Ain Soph <\/em>genannt, das unendliche Nichts. Als der Uralte, Allheilige, als der unkennbare dreifache g\u00f6ttliche Geist wirkt er mit seinem Licht (<em>Aur<\/em>) und ist der Urgrund der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung und all ihrer Wesen. Aus der Finsternis des unendlichen Nichts entspringt der Urquell des Lichtes. F\u00fcr den Menschen bedeutet dies, dass das g\u00f6ttliche Licht nur im Geheimnis der Finsternis (der Nacht) offenbar wird. Es ruht in diesem Geheimnis, auf dass es nicht missbraucht werde. Es sch\u00fctzt sich, indem es sich in seinen Seelengeweben verbirgt, die in der Sprache des <em>Sohar<\/em> ihren Ausdruck in Bildern von H\u00fcllen und Schalen finden, welche die Form eines Kleides, eines Mantels oder sogar eines Palastes annehmen.<\/p>\n<h4><strong>Wir sind alle Kinder des g\u00f6ttlichen Lichtes<\/strong><\/h4>\n<p>Im <em>Sohar<\/em> hei\u00dft es: <em>Es sprach Gott: Es werde Licht \u2013 und werde Licht.<\/em> [..:]<\/p>\n<blockquote><p><em>Es ergeht das erste \u201ewerde\u201c an die diesseitige, das zweite an die zuk\u00fcnftige Welt. <\/em><\/p>\n<p><em>Es ist dies das Leuchten, das der Allheilige im Uranfang schuf: genannt das Licht des Urquells. Dieses Licht zeigte der Allheilige dem Urmenschen und dieser schaute darin vom Anfang bis ans Ende der Welt. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Begriff Urmensch wird auf den Ersten Menschen hingedeutet, der einstmals als ein Ebenbild Gottes entstanden war. Dieser vermochte aus dem Licht heraus zu schauen. Aufgrund der folgenden Entwicklungen bleibt das Licht jedoch <em>bis<\/em> <em>zum Tage jener k\u00fcnftigen Welt [\u2026]verborgen und verwahrt<\/em>. <em>Und jenes k\u00fcnftige Licht muss aus der Finsternis kommen, in deren H\u00fcllenwesen es eingepr\u00e4gt ist.<\/em><\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p><em>Licht lie\u00df Tag entstehen, Finsternis Nacht. In dieser Form konnte sie Gott wieder in eine Einheit binden, [&#8230;] so dass Tag und Nacht eins genannt werden. [\u2026] Es gibt kein Licht als in der Finsternis und keine Finsternis als nur im Lichte; und obwohl sie ihrer Art nach unterschieden sind, bilden sie doch auf diese Weise eine Einheit: \u201eeinen Tag\u201c.<\/em><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>So ward die Sch\u00f6pfung der Welt \u201ein sieben Tagen\u201c aus siebenf\u00e4ltigem g\u00f6ttlichem Licht erschaffen. <em>Damals n\u00e4mlich setzte der Allheilige in die Erde das ganze Wesensheer des Wachsenden. [&#8230;] Erst als der Mensch erschaffen war, ward alles sichtbar in der Welt.<\/em><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Der Sch\u00f6pfer schuf sich einen Palast aus g\u00f6ttlichem Licht zu seiner Ehre und zum Wohle der Sch\u00f6pfung. Dieser pr\u00e4existente Thron Gottes enth\u00e4lt alle Sch\u00f6pfungsformen beispielhaft in sich.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><em>Als der Mensch zum sichtbaren Wesen wurde, wurde [alles] sichtbar. Als aber der Mensch der Schuld verfiel, zog sich alles wieder aus der Welt und die Erde wurde verdunkelt.<\/em><a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Das menschliche Bewusstsein erfuhr sich von nun an wie gefangen in einer Welt der Gegens\u00e4tze von Licht und Finsternis, die, wie es in anderen Traditionen hei\u00dft, einen Kreislauf von Geburt und Tod in Bewegung setzten.<\/p>\n<h4><strong>Das Gleichnis von der Nuss<\/strong><\/h4>\n<p>Im <em>Sohar<\/em> wird der Aufbau der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung mit einer Nuss verglichen:<\/p>\n<blockquote><p><em>Nachdem das Urlicht verborgen war, wurde die Schale f\u00fcr das Mark erschaffen und diese Schale breitete sich aus und lie\u00df wieder andere Schalen aus sich hervorgehen. [\u2026] K\u00f6nig Salomo [\u2026] nahm eine Nuss und betrachtete ihre Schalen. Da wurde er gewahr, dass alle jene L\u00fcste [\u2026 des Menschen] den Schalen der Nuss entsprechen; die streben nur danach, den Menschen anzuhaften und sie unrein zu machen. [\u2026] Aber alles muss dennoch der Allheilige in der Welt erschaffen und damit die Welt zur Vollkommenheit bringen. Und alles hat inwendig ein Mark, von zahlreichen Schalen bedeckt. So verh\u00e4lt sich die ganze Welt oben und unten, vom Haupte, dem Geheimnis des oberen Punktes, bis zum Ende aller Stufen; alle sind sie eines Kleid dem anderen, eines Mark im anderen, eines Schale um das andere.<\/em><a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h4>Die verschiedenen Seelen des Menschen<\/h4>\n<p>Das Bild der Nuss und der sich \u00fcbereinander w\u00f6lbenden Schalen bezieht sich auf das sich stufenweise entwickelnde Leben im Kosmos. Und es l\u00e4sst sich auch auf den kleinen Kosmos \u201eMensch\u201c \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Der Kern der Sch\u00f6pfung, der die Einheit des dreifachen Urquells g\u00f6ttlichen Lichtes ist (in der esoterischen Literatur auch als g\u00f6ttliche Monade bezeichnet), wirkt in allen sich entwickelnden Lebenseinheiten. Von ihm ausgehend, entfalten sich stufenweise feinstoffliche und schlie\u00dflich grobstoffliche H\u00fcllen um die jeweiligen Seelen-Monaden. Die \u00e4u\u00dferste, harte Schale symbolisiert den physischen K\u00f6rper des Menschen.<\/p>\n<p>Folgendes Schema, ausgehend von den drei Seelen des Menschen, die im <em>Sohar<\/em> erw\u00e4hnt werden, mag dies verdeutlichen:<\/p>\n<ul>\n<li>Da ist zun\u00e4chst der dreif\u00e4ltige g\u00f6ttliche Urquell: u.a. <em>Neshamah<\/em>, die Geistseele, auf sie folgen<\/li>\n<li>der menschliche Mental-K\u00f6rper: <em>Ruach<\/em>, die denkende Seele,<\/li>\n<li>der Astral-K\u00f6rper: <em>Nephesh<\/em>, die empfindene und begehrende Seele,<\/li>\n<\/ul>\n<p>und, auf den weiteren Schritten der Verfestigung:<\/p>\n<ul>\n<li>der \u00c4therk\u00f6rper (Lebensleib): der belebende Seelenatem Gottes und<\/li>\n<li>der physische K\u00f6rper:<em> Guph<\/em> und seine K\u00f6rperseele.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im menschlichen Entwicklungsprozess bauen sich vom Zeitpunkt der Geburt an die verschiedenen K\u00f6rper nacheinander auf, vom physischen K\u00f6rper ausgehend. Der Mental-K\u00f6rper, der sich im beginnenden Erwachsenenalter formt, ist in unserer Zeit stark verfestigt, sodass er eine Art Mauer darstellt gegen\u00fcber den h\u00f6heren M\u00f6glichkeiten des Menschen. Zugleich allerdings kann ein gereinigtes, zum Geist hin offenes Denken die T\u00fcr \u00f6ffnen f\u00fcr eine bewusste R\u00fcckkehr zum g\u00f6ttlichen Urquell.<\/p>\n<p>Es findet im heranwachsenden Menschen also ein doppelter Prozess statt: Die sich aufbauenden H\u00fcllen sind ein Lebens- oder Geburtsprozess, mit dem in der Regel ein Sterbeprozess in Bezug auf die monadische Wirksamkeit einhergeht.<\/p>\n<p>Doch die Monade kann sich \u00fcber die latente Geistseele bemerkbar machen. Durch leidvolle Erfahrungen kann sich der Mensch seines g\u00f6ttlichen Urquells bewusst werden und sich nach ihm sehnen. Er kann zu einem Pilger werden, der den Weg zur\u00fcck sucht.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist dann: Wie gestaltet sich dieser Weg zur\u00fcck?<\/p>\n<p>Kann sich die Pers\u00f6nlichkeit so ohne Weiteres von ihren alten H\u00fcllen l\u00f6sen, bzw. eine nach der anderen loslassen? Kann sie diesem irdischen Leben langsam absterben und dem Kreislauf von Geburt und Tod schon mitten in der jetzigen Existenz entsteigen, um in das \u201eEine\u201c zur\u00fcckzukehren, zur urspr\u00fcnglichen g\u00f6ttlichen Flamme des geistigen kosmischen Urfeuers, von dem Heraklit spricht? Und in diesem Prozess bekleidet werden von einer \u201egeistigen H\u00fclle\u201c?<\/p>\n<p>Oder haften die Schalen, die ihn zu einem Ego machen, zu stark am Menschen? Dominiert die mentale Seele in ihm und \u00fcberschattet sein Verstand die innere Sehnsucht seines Herzens? Identifiziert er sich mit seinem physischen K\u00f6rper? Begehrt seine empfindende Seele eigensinnig irdischen Genuss?<\/p>\n<h4>Das Tor zum Paradies<\/h4>\n<p>Wenn der k\u00f6rperliche Tod des Menschen eintritt, sieht er wie in einem vom g\u00f6ttlichen Licht erleuchteten Panorama die Entfaltung seines Lebens r\u00fcckw\u00e4rts verlaufen bis zu seiner Geburt.<\/p>\n<blockquote><p><em>Wenn n\u00e4mlich der Mensch diese Welt verl\u00e4sst und Rechenschaft ablegt vor seinem Herrn \u00fcber alles, was er in dieser Welt getan, solange noch Geist und K\u00f6rper in ihm vereinigt waren, wenn er dann sieht, was er da sehen kann vor dem Eintritt in jene Welt, dann begegnet er dem Urmenschen, der da sitzt am Tore des Paradieses, um alle jene zu schauen, welche die Weisungen ihres Herrn erf\u00fcllt haben, und sich mit ihnen freuen<\/em><strong>.<\/strong><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verstorbene kann sich jetzt der Ursachen bewusst werden, die ihn vom g\u00f6ttlichen Quell entfernt hielten. Er kann bereuen und seine alten Ego-Seelen nach und nach loslassen und \u201eleer\u201c bzw offen f\u00fcr den g\u00f6ttlichen Geist werden. Dann wird er, wenn er dazu bereit ist, ein \u201eneues Gewand\u201c empfangen, in dem sich der Geist abbilden kann. Oder er kann eine erneute Geburt in einem irdischen Leben w\u00e4hlen. Das wird der Fall sein, wenn er keine Vorbereitungen f\u00fcr den anderen Weg getroffen hat.<\/p>\n<blockquote><p>Das Gleichnis von der Flamme<\/p>\n<p><em>Betrachte die Flamme, die aufsteigt aus der Kohle oder aus einer brennenden Leuchte. Diese Flamme kann n\u00e4mlich nur dann aufsteigen, wenn sie mit einem anderen groben Stoff sich verbunden hat. Und merke wohl: In der aufsteigenden Flamme sind zwei Arten Lichts: das eine ein wei\u00dfleuchtend Licht, das andere, das sich mit ihm verbindet, schwarz oder blau, und jenes \u00fcber diesem. W\u00e4hrend das wei\u00dfe Licht geraden Wegs aufsteigt, bleibt unter ihm jenes blaue oder schwarze, denn es bildet des wei\u00dfen Lichtes Thron. Dieses ruht auf ihm, so kommen sie zur Einheit und das dunkle Licht tr\u00e4gt als Thron die Herrlichkeit des wei\u00dfen. [\u2026] Das blaue [dunkle] Licht verbindet sich nach zwei Seiten, nach oben mit dem wei\u00dfen Licht, nach unten mit jenem Ding unter ihm, durch welches es zum Leuchten erst bef\u00e4higt wird. Und indem es sich mit ihm verbindet, frisst und zehrt es auch an seiner Unterlage. Womit es verbunden ist und worauf es ruht, das blaue Licht, das zehrt es auf. [\u2026] So h\u00e4ngt an ihm die Verzehrung von allem, der Tod von allem.<\/em><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Gleichnis am Ende des <em>Sohar<\/em> verbirgt sich eine Antwort auf die von Heraklit eingangs aufgeworfene r\u00e4tselhafte Frage nach der Einheit in der gegens\u00e4tzlichen Bewegung des kosmischen Feuers.<\/p>\n<p>Das schwarzblau lodernde Licht der menschlich empfindenden und begehrenden \u201eAstralseele\u201c, das zwischen der unteren dunklen Materie und dem oberen hellen Licht steht, opfert sich, wenn sich ein Mensch f\u00fcr den Weg zum Ursprung entscheidet, f\u00fcr das wei\u00dfe, strahlende Licht der Geist-Seele, die nun nach oben in ihrer geistigen Urquelle aufflammen kann. Tod und Geburt bilden in diesem Augenblick einen gleichen Punkt auf der sich ewig schwingenden Kreislinie des g\u00f6ttlich-geistigen Einen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Heraklit, <em>Fragmente<\/em>, 1986, Artemis Verlag, M\u00fcnchen und Z\u00fcrich, S. 50, 53<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <em>Der Sohar. Das heilige Buch der Kabbala<\/em>, Diederichs Verlag, M\u00fcnchen, 2005<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <em>Der Sohar<\/em>, a.a.O., S. 99 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> A.a.O., S. 50 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> A.a.O., S. 121<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Gershom Scholem. <em>Die j\u00fcdische Mystik in ihren Hauptstr\u00f6mungen,<\/em> Suhrkamp Taschenbuch, 1980, S. 47<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <em>Der Sohar<\/em>, a.a.O., S. 121<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> A.a.O., S. 83<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> A.a.O., S. 120<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> A.a.O., S. 304 f.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":108059,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-107911","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/107911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/108059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107911"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=107911"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=107911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}