{"id":107622,"date":"2025-02-08T06:10:23","date_gmt":"2025-02-08T06:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=107622"},"modified":"2025-02-07T21:19:10","modified_gmt":"2025-02-07T21:19:10","slug":"der-tod-tuer-ins-offene","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-tod-tuer-ins-offene\/","title":{"rendered":"Der Tod \u2013 T\u00fcr ins Offene"},"content":{"rendered":"<p><strong>Da wir im Allgemeinen gewohnt sind, Tod und Sterben zu verdr\u00e4ngen, kann unser Leben nur an der Oberfl\u00e4che d\u00fcmpeln, unsere Ausrichtung, unser Interesse nur \u00c4u\u00dferlichkeiten gelten.<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 Und dieses \u00c4u\u00dfere unterliegt, wie sollte es anders sein, dem gnadenvollen Gesetz der Verg\u00e4nglichkeit.<\/p>\n<blockquote><p>Ihr sollt nur den heutigen Tag kennen und die jetzige Stund. Was gehen die Sorgen des morgigen Tages den heutigen an? Der Tod kommt n\u00e4mlich nicht morgen, er kommt heute.<br \/>\nParacelsus<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Gespr\u00e4ch zweier Freunde, die sich nach l\u00e4ngerer Zeit zuf\u00e4llig im B\u00e4ckerladen unten in der Stadt treffen:<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2013Hi Alter, wie gehts, ewig nicht gesehen! (sie umarmen, knuffen sich)<\/p>\n<p>\u2013 Dank der Nachfrage, man macht sich das Sterben nicht immer leicht \u2026<\/p>\n<p>\u2013 Wie, h\u00f6r ich richtig, bist du schwer krank, denkst ans Sterben oder so?<\/p>\n<p>\u2013 (Lachend) Ja, ich denke ans Sterben, eigentlich schon eine geraume Zeit \u2026<\/p>\n<p>\u2013 Aber du schaust mir gar nicht nach Sterben aus, deine Aun lachen und du klingst irgendwie nicht ernst, irgendwie angeheitert; aber du trinkst ja nichts, wenn ich mich recht erinnere?<\/p>\n<p>\u2013 Naja, da gibts Verschiedenes zu trinken, mein Lieber, vor allem Spirit, doch denke ich da nicht unbedingt an Spirituosen \u2026<\/p>\n<p>\u2013 Erz\u00e4hl genauer, komm lass\u2019 uns hier einen Kaffee trinken.<\/p>\n<p>Der Eine beginnt zu erz\u00e4hlen, der andere fragt dann und wann nach.<\/p>\n<ul>\n<li>Meine alten Vorstellungen, Kompliziertheiten, Neurosen, Sorgen, die d\u00fcrfen sterben, damit ich leben kann. Und alle meine Schwierigkeiten kommen doch nur daher, dass ich irgendwie in diesen alten Dingen stecken bleibe \u2026<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun, in eigenen Worten, einige weitere Inhalte aus dem Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><strong>Anfangs drehte es sich um Sorgen und \u00c4ngste \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Wir Menschen sind echt etwas Eigenartiges. Machen uns Sorgen \u00fcber dieses und jenes \u2013 und sind den ganzen Tag \u00fcber mit irgendwelchen Banalit\u00e4ten besch\u00e4ftigt, unsere schnatternden, rastlosen, wirren Gedanken besch\u00e4ftigen uns Tag und Nacht, dann bewegen wir dies von da nach dort, und das von dort nach da und st\u00f6hnen dar\u00fcber, wie schwer es ist, laufen unserer Arbeit nach, die uns irgendwie ern\u00e4hrt, uns allerdings selten wirkliche Freude bereitet; f\u00fchlen uns \u2013 in den vielen Momenten unseres Lebens \u2013 wie die Ratten in einem Laufrad.<\/p>\n<p>Oft braucht es Katastrophen, zumindest ordentliche Krisen, in denen wir durchgesch\u00fcttelt werden vor Entt\u00e4uschung und Gram, bis wir uns zu fragen beginnen, wozu und warum das wohl gut ist, womit wir hier auf diesem Erdenrund gesch\u00e4ftig sind. Aus dieser Qual, diesem Schmerz unserer Seelen beginnen wir dann (wenn es gut ist), Fragen zu stellen, beginnen unsere F\u00fchler auszustrecken nach etwas anderem \u2013 wir ahnen es ja. Es muss, ja <em>muss<\/em> so etwas geben wie Paradies \u2026 Neben mir siechen die Menschen, werden krank aus Frust und Sinnlosigkeit, sterben sehr oft zutiefst unerf\u00fcllt; viele, gerade in unseren Tagen, gehen dahin \u2013 pl\u00f6tzlich und unerwartet. Und wozu?<\/p>\n<p>Vor allem die westliche Menschheit folgt \u2013 seit vielen Jahrhunderten irregef\u00fchrt \u2013 restlos ver\u00e4u\u00dferlichten Lebenszielen, wie Macht, Ansehen, Wohlstand &#8230;<\/p>\n<p>Ein Funke der Ewigkeit klopft am Tor unserer Seele, unseres Gewissens \u2013 und was tun wir? Wir erstarren in Sorge und Angst vor der Zukunft und vor dem Tod, der all unser Streben und unsere Ziele aufl\u00f6st in ein schwarzes Nichts. \u2013 Ist ja schlie\u00dflich kein Wunder, denn \u00fcber kurz oder lang entpuppt sich der sch\u00f6ne Schein, das zufriedene, selbstgef\u00e4llige Grinsen \u00fcber unsere Gro\u00dfartigkeit als Illusion und Unwirklichkeit.<\/p>\n<p><strong>\u2026 und dann kam der Tod zur Sprache und die Ordnung im Universum.<\/strong><\/p>\n<p>Da wir im Allgemeinen gewohnt sind, Tod und Sterben zu verdr\u00e4ngen, kann unser Leben nur an der Oberfl\u00e4che d\u00fcmpeln, unsere Ausrichtung, unser Interesse nur \u00c4u\u00dferlichkeiten gelten. \u2013 Und dieses \u00c4u\u00dfere unterliegt, wie sollte es anders sein, dem gnadenvollen Gesetz der Verg\u00e4nglichkeit, dem Tod. Der Tod geh\u00f6rt ganz normal zur Ordnung des Universums, zumindest in dessen uns so bekanntem Teil, in dem alles kommt und geht. Der Tod ist n\u00e4mlich die Garantie daf\u00fcr, dass alles, was nicht tauglich ist f\u00fcrs Unendliche, \u00fcber kurz oder lang auseinanderbricht, aufgel\u00f6st \u2013 w\u00f6rtlich: <em>liquidiert <\/em>(verfl\u00fcssigt)<em>\u2013 wird<\/em>.<\/p>\n<p>Die unleugbare Verg\u00e4nglichkeit alles Irdischen stellt den bewusst werdenden Menschen immer wieder vor die wesentliche Frage der Existenz. Ohne Tod hat das Leben keinen Sinn und keine Tiefe. Der Tod ist, so k\u00f6nnte man sehr realistisch sagen, das Salz des Lebens. Durch das Ende, durch den Tod nimmt das Leben Fahrt auf, wird dynamisch, feurig, bekommt Gewicht und vor allem Tiefe. Wir k\u00f6nnen den brennenden Fragen nach dem Woher und Wozu nicht mehr ausweichen. Und es liegt nur an uns, ob wir Teil der stumpfen Masse bleiben, jener Masse, die in Ablenkung, oberfl\u00e4chlich \u00e4ngstlich, unlustig, von Illusionen gesch\u00fcttelt und krank dahintreibt \u2013 oder ob wir beginnen, uns f\u00fcr die Hintergr\u00fcnde und Zusammenh\u00e4nge des Lebens zu interessieren, f\u00fcr jene Gesetze und Kr\u00e4fte, die die Welt im Innersten zusammenhalten.<\/p>\n<p>Eine philosophische Orientierung kann nicht ausbleiben. Wozu leben wir, wenn wir doch sterben m\u00fcssen? Jene Menschen, die dies sp\u00fcren, und dabei bleiben und sich nicht blenden und l\u00e4hmen lassen von der westlichen Digital-Komfortzone, die steigen erstmal \u2013 zumindest innerlich \u2013 aus und machen sich auf die Suche. Denn, dass Bruder Tod, <em>Gevatter Hain<\/em> der alten Erz\u00e4hlungen, nicht zu leugnen ist, steht gl\u00fchend und <em>todsicher <\/em>vor den Augen jener, die diese nicht mehr verschlie\u00dfen. Ja, und irgendwann, meist recht bald, h\u00f6ren wir (da wir immer weniger ignorant den Tatsachen gegen\u00fcber sein k\u00f6nnen), dass es eigentlich gar keinen Tod gibt, dass der Tod eine <em>optische T\u00e4uschung<\/em> ist (Einstein). \u2013 Und das ist eine riesige Freude, die uns allerdings nur zuteil wird, wenn wir bereit sind, das Unsterbliche, das Unendliche, den <em>Spirit-<\/em>in-uns anzunehmen und unser Leben danach auszurichten beginnen, in selbstverst\u00e4ndlichem Wohlwollen und guter Gesinnung unseren Mitmenschen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>\u2026 die beiden Freunde kamen nun auf das Thema Unsterblich-sein, und da nahm das Gespr\u00e4ch eine interessante Wendung. Eine unerkl\u00e4rliche Heiterkeit durchzog die beiden.<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen eigentlich nicht unsterblich zu <em>werden,<\/em> weil wir es bereits <em>sind. <\/em>Zumindest prinzipiell. \u2013 Ein gro\u00dfer Protest steht in deinen Augen bei diesen Worten, nat\u00fcrlich. Wenn wir die Wandlungen des Lebens <em>Tod<\/em> nennen, so stirbt eigentlich jeden Augenblick etwas in und von uns. Millionen Zellen unseres K\u00f6rpers sterben jede Sekunde ab und werden erneuert; alle L\u00f6sungsvorg\u00e4nge, so banal und allt\u00e4glich sie auch sind, sie dienen dem Leben. Wenn in der Bibel der Satz steht, <em>die Seele, die s\u00fcndigt muss sterben<\/em>, so kann man dieses Sterben als ein Entbinden, eigentlich Verwandeln dessen verstehen, was nicht in Resonanz steht mit dem <em>urpranischen Licht. <\/em>Das, was an Ewigkeitswerten in uns lebt, das stirbt nicht. Die Kr\u00e4fte des Urlichtes arbeiten in uns transformierend, wir befinden uns sozusagen im <em>Athanor<\/em>, im alchymischen Ofen, und der brennt am Hei\u00dfesten im Herzen.<\/p>\n<p>Die <em>Gretchenfrage<\/em>: Was kann ich nun dazu tun zum Sterben?\u00a0 In Goethes Faust stellt Gretchen dem Doktor die Frage, wie er es mit der Religion h\u00e4lt. Das ist die eigentliche Frage \u00fcberhaupt: <em>religare, <\/em>w\u00f6rtlich <em>verbinden<\/em>. <em>A<\/em>lso wir, die sterblich-stofflichen Gesch\u00f6pfe, m\u00fcssen uns mit unserem Inneren, dem Unsterblichen-in-uns, oder Christus oder Krishna-in-uns, <em>verbinden. <\/em>Und dann kann der Tod tats\u00e4chlich in jedem Augenblick von uns begr\u00fc\u00dft werden; nur dann sind Tod und Sterben keine Schreck-Gespenster mehr, sondern freudige T\u00fcren zu Noch-mehr-Licht, die t\u00e4glich, tags und vor allem nachts, durchschritten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles Alte, meine Vorstellungen, Urteile, ja genau, meine <em>Meinungen,<\/em> werden mir bewusst; ich hinterfrage und \u00fcberpr\u00fcfe und \u00fcbergebe sie immer und immer wieder dem Feuer-des-Herzens, dem <em>Athanor,<\/em> manchmal mit Schmerzen, manchmal mit Drama, manchmal leicht und mit Liebe.<\/p>\n<p>Das mit dem <em>Unsterblichen<\/em> ist im Prinzip also recht einfach. Ist es einmal in mir entschleiert, so\u00a0 bleibt es f\u00fcrs praktische Leben DIE Lebensaufgabe schlechthin. Alle Fragestellungen des Lebens gelangen in unseren \u201eBriefkasten\u201c, zugestellt vom Boten namens <em>Schicksal<\/em> oder <em>Karma<\/em>. Wenn Karma wieder einmal etwas f\u00fcr uns vorbei bringt, etwas aus den geheimnisvollen L\u00e4ndern des Unbewussten, und wir die Botschaft ignorieren, dann kommen weitere Schreiben, Erinnerungen sozusagen, die von Mal zu Mal strenger ausfallen.\u00a0 Bis wir zerbrechen oder lernen, keinen Widerstand mehr zu leisten und das annehmen, was auf uns zukommt. Und je mehr ich mich mit den Fragestellungen besch\u00e4ftige, sie mit Interesse ergr\u00fcnde, desto schneller wandeln sich etwaige Probleme,\u00a0 <em>sterben gleichsam ins Licht<\/em> <em>hinein.<\/em><\/p>\n<p>Ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr ist die Kerze. Ist der Docht erst einmal entz\u00fcndet \u2013 durch den Funken, stirbt das Wachs in die Flamme hinein; was entsteht, sind Licht, W\u00e4rme, Wohlbehagen \u2013 \u2013\u00a0\u2013 Leben.<\/p>\n<p>Die wirklich einzige Voraussetzung f\u00fcr dieses Gl\u00fcckliche ist unser Leben <em>im flammenden Heute. <\/em>Ja, das Leben kann zu einem <em>t\u00e4glichen Fest <\/em>werden. Durchziehen meine \u00e4ngstlichen Gedanken jedoch als Sorgen um den morgigen Tag mein Wesen, lebe ich also nicht im aktuellen Jetzt, bin ich lebend tot. <em>Der Tod kommt nicht morgen, er kommt heute. <\/em>Er ist dann schon da.<\/p>\n<p><em>Die beiden Freunde schauten sich an. Sie\u00a0 hatten das Gef\u00fchl, als h\u00e4tte das Leben\u00a0 sie gerade\u00a0 auf sanfte und mahnende Weise\u00a0 ber\u00fchrt \u2026<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ruediger Dahlke, <em>Von der gro\u00dfen Verwandlung \u2013 Wir sterben und werden weiterleben,<\/em> Crotona Verlag, 2011<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":107689,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-107622","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/107622","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107622"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=107622"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=107622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}