{"id":107338,"date":"2024-12-09T06:00:53","date_gmt":"2024-12-09T06:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=107338"},"modified":"2024-12-09T21:34:12","modified_gmt":"2024-12-09T21:34:12","slug":"leben-und-sterben-auf-dem-weg-ewigen-werdens","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/leben-und-sterben-auf-dem-weg-ewigen-werdens\/","title":{"rendered":"Leben und Sterben auf dem Weg ewigen Werdens"},"content":{"rendered":"<p><em>Unsere wahre Natur, unsere innere Essenz, bleibt von Wandel und Tod unber\u00fchrt. In ihr ist der Ursprung allen Verstehens pr\u00e4sent.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Das Leben ist eine geheiligte M\u00f6glichkeit, sich zu entwickeln, die Wahrheit zu erkennen und zu verwirklichen. Der Augenblick des Todes enth\u00e4lt die beste Gelegenheit zur Erleuchtung. \u00dcber den hohen Wert einer Sterbebegleitung.<\/em><\/p>\n<p><iframe title=\"Spotify Embed: Leben und Sterben auf dem Weg ewigen Werdens\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/2RRmYQj0Da7hNpHmQ721ry?si=zl0IJvR5R3SgbXJjQHZ8vg&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<blockquote><p>Leben zu lernen, muss man \u00fcber das ganze Leben hin,<br \/>\nindes wor\u00fcber du dich noch mehr wundern magst, ist:<br \/>\ndas ganze Leben musst du sterben lernen.<br \/>\nSeneca<\/p><\/blockquote>\n<h4>Angst<\/h4>\n<p>In der Geisteswissenschaft sind Leben und Tod eine Ganzheit, wobei der Tod ein neues Kapitel f\u00fcr das Leben einleitet. Der Tod ist gleichsam der Spiegel, in dem der ganze Sinn des Lebens reflektiert wird.<\/p>\n<p>Trotz dieser Lehren gleicht die moderne, vor allem westliche Zivilisation in weiten Teilen einer spirituellen W\u00fcste. Die Mehrheit glaubt, dieses Leben sei alles. Deshalb wird unsere nat\u00fcrliche Endlichkeit verdr\u00e4ngt und gef\u00fcrchtet. Sind die Angst vor dem Tod und die Ignoranz gegen\u00fcber einem Leben danach und die Verleugnung des Gesetzes, das uns ernten lassen muss, was wir ges\u00e4t haben, nicht zugleich auch der Treibstoff f\u00fcr die unbedachte Umweltzerst\u00f6rung, die unser aller Leben zu vernichten droht?<\/p>\n<p>Einer der Hauptgr\u00fcnde, warum wir so viel Angst vor dem Tod haben, liegt darin, dass wir die Wahrheit der Verg\u00e4nglichkeit ignorieren. Wir w\u00fcnschen verzweifelt, alles m\u00f6chte so weiter gehen wie bisher. Gleichg\u00fcltig, wie oft sich die Wahrheit einmischt, wir ziehen es mit verzweifeltem Mut vor, unsere Illusion der gew\u00fcnschten Dauerhaftigkeit aufrecht zu erhalten, weil wir darin unsere scheinbare Sicherheit gew\u00e4hrleistet sehen. Und bei alledem handeln wir doch so, als seien wir die letzte Generation auf diesem Planeten.<\/p>\n<p>Das ganze Universum \u2013 das sagt uns auch die zeitgen\u00f6ssische Wissenschaft \u2013 ist nichts als Ver\u00e4nderung, Aktivit\u00e4t und Prozess, eine Totalit\u00e4t von \u201eIm-Fluss-sein\u201c. Im Urgrund aller Dinge, in dieser Matrix aller M\u00f6glichkeiten, blitzen pl\u00f6tzlich fl\u00fcchtige Formen in die Existenz \u2013 in die \u201eexplizite, die \u201eausgefaltete Ordnung\u201c, wie David Bohm sie nennt \u2013, und gehen wieder aus ihr heraus, zur\u00fcck in die \u201eimplizierte, die eingefaltete Ordnung\u201c. So werden niemals endende, immer neu sich schaffende Wirklichkeiten generiert und vergehen wieder.<\/p>\n<p>So geht es auch mit unseren Gedanken, sie kommen und sie gehen. Der vergangene Gedanke ist vorbei, der zuk\u00fcnftige noch nicht aufgetaucht und selbst der gegenw\u00e4rtige Gedanke ist, sobald wir ihn erfahren, schon vorbei, Vergangenheit. Das einzige, was wir wirklich haben, ist das Hier und Jetzt. Es gibt nur ein Gesetz im Universum, das sich niemals \u00e4ndert, und das ist das Gesetz der Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<h4>Sinnfindung in unserem Leben f\u00fchrt zur Akzeptanz des Sterbens<\/h4>\n<p>Wir sind nicht dazu verdammt, unvorbereitet in den Tod zu gehen. Vielmehr k\u00f6nnen wir unser Leben nutzen, um uns mit dem Tod zu befassen. Wir k\u00f6nnen hier und jetzt anfangen, in unserem Leben Sinn zu finden. Wir k\u00f6nnen uns jeden Augenblick \u00e4ndern und dazu reifen, mit friedvollem Geist und offenem Herzen uns sorgf\u00e4ltig auf den Tod und die Ewigkeit vorzubereiten.<\/p>\n<p>Die achtsame Begegnung mit dem Tod kann ein wirkliches Erwachen bewirken, eine Transformation unserer gesamten Einstellung zum Leben. Die vielen Nahtoderfahrungen haben uns gezeigt, dass ein gro\u00dfer Wandel mit den Betroffenen geschieht: Die Angst verschwindet, der Glaube an eine spirituelle Daseinsdimension festigt sich, das Wissen um den Fortbestand des Lebens nach dem physischen Tod wird zur inneren Gewissheit, und das Interesse an materiellen Dingen l\u00e4sst zunehmend nach. Diese eindr\u00fccklichen Erfahrungen haben offenbar eine transformative Wirkung.<\/p>\n<p>Da die Menschheit kollektiv um das Erwachen zu einem neuen, h\u00f6heren Bewusstseinszustand ringt, k\u00f6nnte es da nicht sein, dass die vielen\u00a0 Nahtoderfahrungen, die in der westlichen Welt erlebt und beschrieben werden, eine Handreichung der Evolution darstellen, diese Transformation \u00fcber einen Zeitraum von mehreren Jahren in Millionen von Menschen voranzutreiben? Lebensbedrohliche Krisen, schwere Krankheiten k\u00f6nnen in besonderem Ma\u00df pers\u00f6nliche Transformationen mit gro\u00dfer Tiefe ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Sind lebensbedrohliche Krankheiten in Wahrheit Warnungen, die uns daran erinnern sollen, dass wir tiefe Bereiche unseres Seins und die spirituellen Bed\u00fcrfnisse unseres wahren Selbstes vernachl\u00e4ssigt haben?<\/p>\n<p>Die Verg\u00e4nglichkeit ist f\u00fcr unsere nat\u00fcrliche Pers\u00f6nlichkeit gleichbedeutend mit Schmerz, deshalb klammern wir uns verzweifelt an die Dinge, obwohl sie sich st\u00e4ndig \u00e4ndern. Wir haben Angst loszulassen, wir haben Angst, wirklich zu leben, weil leben lernen loslassen lernen bedeutet. Wir m\u00fcssen lernen, mit den Ver\u00e4nderungen durch gr\u00f6\u00dferes Verst\u00e4ndnis ihrer Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit umzugehen. Loslassen ist der einzige Weg zu wahrer Freiheit.<\/p>\n<h4>Wir sind Mitbeweger in unserem Universum<\/h4>\n<p>Spirituelle Erkenntnis l\u00e4sst uns bewusst werden, dass wir in wechselseitigen Beziehungen mit allem und jedem anderen stehen. Selbst unsere kleinsten und unwichtigsten Gedanken, Worte und Taten haben reale Konsequenzen im gesamten Universum. Beim Ablegen des physischen K\u00f6rpers werden unsere Gedanken augenblicklich zur Wirklichkeit, da die Dichte der stofflichen Materie keine Hemmung mehr aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den irdischen Verstand nur schwer begreifbar ist die Erkenntnis der Quantenphilosophie, dass im Akt der Interpretation des Universums wir selbst \u201eunser\u201c Universum erschaffen.<\/p>\n<p>Mit fortgesetzter Kontemplation und \u00dcbung im Loslassen entdecken wir in uns etwas, das wir nicht benennen oder in Konzepte fassen k\u00f6nnen, etwas, das hinter allen Ver\u00e4nderungen und Toden der Welt steht. Unsere wahre Natur, unsere innere Essenz bleibt von Wandel und Tod g\u00e4nzlich unber\u00fchrt. In ihr ist der Ursprung allen Verstehens pr\u00e4sent. Wir begreifen zunehmend, dass dieses Leben eine geheiligte M\u00f6glichkeit ist, sich zu entwickeln, die Wahrheit zu erkennen und zu verwirklichen. Wenn wir die Natur des Geistes erkennen, fallen die Schichten der Verwirrung ab. Wir h\u00f6ren auf, verblendet zu sein und werden zu einem wahren Menschen.<\/p>\n<p>Unser logischer Geist scheint interessiert an der einen Wahrheit, doch er ist der Keim der Verblendung! Echte Meditation, in unsere innere Mitte kommen, ist die M\u00f6glichkeit, alle Konzepte unserer Egologik zu \u00fcberschreiten. Sinn und Zweck der Meditation ist es, in uns die himmelgleiche Natur des Geistes zu erwecken, die uns zeigt, was wir in Wirklichkeit sind: das unver\u00e4nderliche, reine Gewahrsein, das Leben und Tod letztlich zugrunde liegt. In der Stille und Ruhe der Meditation erhalten wir den Einblick in diese tiefe innere Natur, die wir vor sehr langen Zeiten durch Ablenkung und hektische Gesch\u00e4ftigkeit unseres irdischen Verstandes aus den Augen verloren haben; und nun kehren wir zu ihr, der inneren Natur, zur\u00fcck. Meditation bedeutet, den Geist heimzubringen, und dies wird erreicht durch Achtsamkeit. Achtsamkeit durch ruhiges Verweilen im Hier und Jetzt.<\/p>\n<p>Klar steht dann die Erkenntnis unseres derzeitigen Seinszustandes vor unseren Augen: Der heutige Mensch nimmt sich als einen Teil des Ganzen wahr, das wir Universum nennen, als einen in Zeit und Raum begrenzten Teil.<\/p>\n<h4>Das Gef\u00e4ngnis des Trennungsbewusstseins<\/h4>\n<p>Er erf\u00e4hrt sich selbst, seine Gedanken und Gef\u00fchle, als abgetrennt von allem anderen \u2013 eine Art optische T\u00e4uschung des Bewusstseins. Diese T\u00e4uschung ist f\u00fcr uns eine Art Gef\u00e4ngnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschr\u00e4nkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gef\u00e4ngnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgef\u00fchls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Sch\u00f6nheit umfasst. Auf diesem Weg erfahren wir zunehmend die Einheit mit allen und allem im Universum.<\/p>\n<p>Im achtsamen Gewahrsein unseres Lebens gibt es immer wieder Momente, in denen unser Geist viel freier ist als sonst, Momente, die viel mehr Energie enthalten als andere, die geistig wesentlich st\u00e4rker aufgeladen sind und ungeheures Potential bergen. Der wichtigste all dieser Momente ist der Augenblick des Todes. In diesem Augenblick n\u00e4mlich bleibt der K\u00f6rper zur\u00fcck und wir begegnen der besten Gelegenheit zur Erleuchtung.<\/p>\n<p>Das menschliche Leben ist einzigartig, weil in ihm ein Potential liegt, das wir gew\u00f6hnlich nicht einmal zu ahnen wagen. Wenn wir die Gelegenheiten zur Transformation, die das gegenw\u00e4rtige Leben f\u00fcr uns bereit h\u00e4lt, verpassen, kann es unglaublich lange dauern, bis sich uns wieder eine Chance bietet. Es ist ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, den Weg frei zu finden zu diesen hohen Einsichten, und wenn wir sie uns wirklich zu Herzen nehmen und versuchen, sie im Handeln zu verwirklichen, so ist das ein seltenes, aber lichtvolles Aufgehen in der heiligen Matrix des Lebens.<\/p>\n<p>Auf unserem spirituellen Weg werden alle unsere Konzepte von der Welt, der Materie und sogar von uns selbst, die wir in vielen Inkarnationen aufgebaut haben, gekl\u00e4rt und schlie\u00dflich aufgel\u00f6st, und ein vollst\u00e4ndig neues Feld der Wahrnehmung, das man \u201ehimmlisch\u201c nennen kann, er\u00f6ffnet sich.<\/p>\n<p>Oftmals aber klammern wir uns an unser Gl\u00fcck und unser Leid, weil wir sie f\u00fcr real halten und s\u00e4en mit unseren ungeschickten und unwissenden Handlungen die Saat f\u00fcr unsere n\u00e4chste Inkarnation. Unsere Handlungen binden uns an den andauernden Kreislauf weltlicher Existenz. Deshalb: Wie wir jetzt leben, so wird unsere Zukunft sein.<\/p>\n<p>Der wahre und dringliche Grund, warum wir uns hier und jetzt weise auf den Tod vorbereiten m\u00fcssen, ist: Wir k\u00f6nnen unsere karmische Zukunft transformieren, k\u00f6nnen vermeiden, wieder und wieder auf tragische Weise in Verblendung zu versinken und so den schmerzlichen Wiederholungskreis von Geburt und Tod endlos zu wiederholen.<\/p>\n<h4>Die Weisheit der Ichlosigkeit<\/h4>\n<p>Durch unsere Hingabe an den innewohnenden Geist in steter Achtsamkeit bereiten wir den Pfad, um schlie\u00dflich die Weisheit der Ichlosigkeit zu erfahren. Das Ich, wie wir es kennen, ist eine falsche und aus Unwissenheit und Angst angenommene Identit\u00e4t. Es ist die Abwesenheit des wahren Wissens um unser eigentliches Selbst. Das Ergebnis ist ein verh\u00e4ngnisvolles Festklammern an einem zusammengest\u00fcckelten, behelfsm\u00e4\u00dfigen Selbstbild, das tr\u00fcgerisch ist und sich permanent ver\u00e4ndern muss, um die Fiktion seiner Existenz am Leben zu erhalten. Viele Leben in Unwissenheit haben uns dazu gebracht, unser ganzes Wesen mit einem Ich dieser Art zu identifizieren.<\/p>\n<p>Die langsam wachsende Erinnerung an unsere wahre Natur erm\u00f6glicht die klare Unterscheidung zwischen unserer wirklichen geistigen F\u00fchrung und all den verf\u00fchrerischen Stimmen unseres Ich; die innere Freude und das Vertrauen wachsen und l\u00f6sen Zweifel auf. Erst wenn unser Geist leer ist, ist er bereit und offen f\u00fcr Weisheit. Spirituelles Wachstum braucht Zeit. Der spirituelle Weg ist ein andauernder Pfad des Lernens und steter Reinigung, der der Geduld bedarf. Der Sinn unseres Lebens auf dieser Erde ist, die Einheit mit unserer grundlegenden, erleuchteten Natur zu erreichen. Die Aufgabe besteht darin, unser wahres Wesen zu erkennen und es zu verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der sich nicht nur einige wenige Menschen ernsthaft auf ihre spirituelle Aufgabe zur\u00fcckbesinnen m\u00fcssen, sondern in der sich ein gro\u00dfer Teil der Menschheit auf die Suche nach der Weisheit machen muss, wenn die Welt vor den bedrohlichen inneren und \u00e4u\u00dferen Gefahren bewahrt werden soll. In diesen Zeiten von Gewalt und Zerfall ist eine spirituelle Sichtweise eine Notwendigkeit f\u00fcr unser aller \u00dcberleben. Aber es gibt eine unversiegbare Hoffnung, die darin besteht, dass die Quellen der universellen Weisheit in dieser Welt als lebendige Zeugnisse vorhanden sind.<\/p>\n<h4>Das Kleinod der Unterscheidung<\/h4>\n<p>Um die reine Quelle der Weisheit zu finden, ist ein sicheres Unterscheidungsverm\u00f6gen erforderlich, da auch gleichzeitig die Kr\u00e4fte der Imitation und T\u00e4uschung ihre Wirksamkeit aus\u00fcben. Die Kraft des Unterscheidungsverm\u00f6gens entwickelt sich in der Hingabe des Herzens an die Geistkraft in uns.<\/p>\n<p>Es sind, karmisch bedingt, sehr individuelle Wege, die uns in unsere geistige Heimat f\u00fchren. Verlassen wir allen \u201espirituellen Tourismus\u201c und seine vielen verf\u00fchrerischen Angebote und gehen wir stattdessen konsequent unseren autonomen Weg, den wir als den f\u00fcr uns rechten Pfad in unserem Herzen erkannt haben, um unsere innere Wahrheit in der universellen Wahrheit aufgehen zu lassen. Wenn man seinem spirituellen Weg mit Hingabe und Disziplin folgt, verwirklicht man in Wahrheit alle Wege, die am Ende das eine Ziel der Erleuchtung zu erreichen suchen.<\/p>\n<p>Verschwenden wir also nicht unsere Kr\u00e4fte an diese Welt der T\u00e4uschungen, denn das bedeutet einen Verrat an unserer Essenz und die Preisgabe einer wunderbaren Chance, unsere erleuchtete Natur kennen und verk\u00f6rpern zu lernen. Dies ist vielleicht das Herzzerrei\u00dfendste an der menschlichen Existenz \u00fcberhaupt. Man muss sich fragen: Was haben wir im Leben gelernt, wenn wir in unserer Todesstunde nicht wissen, wer wir wirklich sind? Im Tibetischen Totenbuch hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Mit v\u00f6llig abgelenktem Geist, des Todes Nahen nicht bedenkend, ganz ohne Sinn zu handeln, und dann mit leeren H\u00e4nden heimzukehren, w\u00e4re v\u00f6llige Verblendung. Notwendig ist daher Erkennen der spirituellen Wirklichkeit. Warum nicht eben jetzt, in diesem Augenblick den Pfad der Weisheit antreten?<\/p>\n<p>Unsere wahre Geistnatur ist zugleich unser innerer Meister. Seit Anbeginn unserer Verwirrung hat dieser innere Meister ohne Unterlass f\u00fcr uns gearbeitet, hat unerm\u00fcdlich versucht, uns zur strahlenden Weite unseres wahren Seins zur\u00fcckzuf\u00fchren. Nicht eine Sekunde hat dieser innere Meister uns aufgegeben, sondern er hat in unendlichem Mitgef\u00fchl an unserer Entwicklung gearbeitet.<\/p>\n<h4>Hingabe, der k\u00fcrzeste Weg zur Befreiung<\/h4>\n<p>Wir \u00f6ffnen die Pforte zu ihm durch die reine Hingabe unseres gel\u00e4uterten Herzens. Einzig und allein durch Hingabe kann man die Wahrheit erkennen. Hingabe ist der reinste, schnellste und einfachste Weg, die Natur unseres Geistes und die Natur von allem zu erkennen.<\/p>\n<p>Reines, einfaches Verweilen in der reinen Pr\u00e4senz unserer Geistnatur bedeutet zugleich, dass Karma nicht mehr die geringste Chance hat, sich anzusammeln. In dieser sorglosen Selbstvergessenheit kann das karmische Gesetz von Ursache und Wirkung uns in keiner Weise binden. Selbst vorbereitet auf den \u201ePhasen\u00fcbergang\u201c bei unserem physischen Tod, k\u00f6nnen wir anderen, die sich in einem Sterbeprozess befinden, hilfreich zur Seite stehen.<\/p>\n<h4>Sterbebegleitung als Menschendienst<\/h4>\n<p>Menschen sterben so, wie sie gelebt haben \u2013 als sie selbst. Damit eine Verst\u00e4ndigung ohne Vorbehalte m\u00f6glich wird, m\u00fcssen wir dem Betroffenen im Rahmen des spezifischen Hintergrundes seines Lebens, seines Charakters und seiner Biografie begegnen.<\/p>\n<p>Sterbende zu begleiten bedeutet immer, dass wir uns selbst furchtlos und selbstverantwortlich unserem eigenen Tod stellen und in uns die erste Ahnung eines Mitgef\u00fchls entdecken, das so grenzenlos ist, wie wir es uns niemals h\u00e4tten vorstellen k\u00f6nnen. Ein sterbender Mensch muss zuallererst Liebe sp\u00fcren, frei von jeder Erwartung, muss also bedingungslos angenommen werden. Ein Sterbender sehnt sich nach Ber\u00fchrung. Es hilft, ihn zart zu streicheln oder einfach nur seine Hand zu halten.<\/p>\n<p>Wir vergessen leicht, dass der Sterbende im Begriff ist, alles zu verlieren: seine Welt, seinen Besitz, seine Lieben, seinen Beruf, seinen K\u00f6rper und seinen nat\u00fcrlichen Geist. Alle Verluste, die wir im Leben erfahren und bew\u00e4ltigt haben, werden an dieser Stelle zu einem einzigen \u00fcberw\u00e4ltigenden Verlust geb\u00fcndelt. Es wundert nicht, dass Auflehnung und Zorn aufkeimen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Elisabeth K\u00fcbler-Ross hat dies bei ihrer Begleitung von Sterbenden sehr genau beobachten k\u00f6nnen und diese Phasen beschrieben: Es beginnt mit dem Leugnen des m\u00f6glichen Endes, sodann kann sich die Wut gegen das Unvermeidliche auft\u00fcrmen, um darauf in das Verhandeln-wollen einzutreten, um dem Schicksal noch eine Frist abzugewinnen. Bei nachlassender Kraft st\u00fcrzt die Zuversicht dann aber oft in eine Depression ab, bis schlie\u00dflich die Reife der Akzeptanz den Frieden bringen kann. Die Reihenfolge ist unterschiedlich und es werden oft nicht alle Phasen durchlebt.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass wir den Sterbenden nicht allein lassen und dass wir versuchen, die Atmosph\u00e4re um ihn mit unserer ausgerichteten geistigen Pr\u00e4senz zu f\u00fcllen, um ihm die n\u00f6tige Ruhe zum Loslassen zu verschaffen und er sich besch\u00fctzt seinem inneren Licht zuwenden kann.<\/p>\n<h4>Vergebung f\u00fchrt unmittelbar zur Befreiung<\/h4>\n<p>In einer solchen Situation findet der Betroffene dann auch den Mut, seine Schuldgef\u00fchle und scheinbaren Vers\u00e4umnisse auszusprechen, und wir k\u00f6nnen ihm Zuversicht geben, dass bis zum letzten Augenblick des Lebens eine Auss\u00f6hnung und vollst\u00e4ndige Vergebung m\u00f6glich ist. Wir k\u00f6nnen ihm die Gewissheit geben, dass Vergebung in der Natur Gottes liegt und die g\u00f6ttliche Vergebung bereits gew\u00e4hrt ist.<\/p>\n<p>Wirkliche Vergebung ist nur aus dem Impuls unseres h\u00f6heren Wesens m\u00f6glich. Sie ist ein bewusster befreiender Liebesakt unseres wahren Selbstes. Damit \u00f6ffnen wir uns f\u00fcr das eine Licht der Wahrheit und lassen alle Anhaftung an das stoffliche Leben hinter uns. Dadurch kann das Karma transformiert werden, denn der Moment des Todes stellt eine h\u00f6chst machtvolle Gelegenheit zur Reinigung von Karma dar.<\/p>\n<p>Es ist sehr hilfreich, eine Atmosph\u00e4re der Ruhe, eine lichte Klarheit in eindeutiger Ausrichtung auf das reine Geistfeld im direkten Umfeld des Sterbenden zu schaffen, denn die letzten Gedanken und Gef\u00fchle vor dem Tod haben eine \u00e4u\u00dferst machtvolle, bestimmende Wirkung f\u00fcr die unmittelbare Zukunft.<\/p>\n<h4>Die Kraft des Mitgef\u00fchls<\/h4>\n<p>Es gibt wohl keinen gr\u00f6\u00dferen Akt der Barmherzigkeit, als einem Menschen dabei zu helfen, auf gute Art zu sterben.<\/p>\n<p>Es ist das Mitgef\u00fchl, das uns dazu veranlasst, uns dem Wohl anderer zu widmen, uns ihrer Leiden anzunehmen, statt uns nur um uns selbst zu k\u00fcmmern. Mitgef\u00fchl, das Hand in Hand mit der Weisheit der Ichlosigkeit einhergeht, kann das alte Anhaften an ein falsches Ich, die Ursache f\u00fcr unser endloses Wandern in der verg\u00e4nglichen Natur, wirkungsvoll und vollst\u00e4ndig beseitigen. Die Kraft des reinen Mitgef\u00fchls ist grenzenlos.<\/p>\n<p>Zunehmend begreifen wir, dass wir anderen auf ihrem Weg zum spirituellen Erwachen nur wirklich helfen k\u00f6nnen, wenn wir durch den Christusgeist entz\u00fcndet sind. Deshalb birgt die gro\u00dfe Not, die uns t\u00e4glich vor Augen steht, einen gro\u00dfen Ansporn, selbst mit Entschlossenheit die eigene Vollendung anzustreben, und der innige Wunsch w\u00e4chst, Erleuchtung zum Wohle aller anderen zu erlangen.<\/p>\n<p>Wir brauchen Mitgef\u00fchl in jedem Augenblick unseres Lebens. Wann w\u00e4re es aber dringender n\u00f6tig als zur Zeit des Sterbens von uns oder anderen? F\u00fcr den Sterbenden ist es wichtig zu wissen, dass er sich voller Glaubensvertrauen in die H\u00e4nde des reines Lichtes \u00fcbergeben darf, mit Herz und Geist, mit K\u00f6rper und Seele, damit er in der Absoluten Pr\u00e4senz ruhen kann.<\/p>\n<p>Der Tod konfrontiert uns unausweichlich mit der Tatsache, dass der K\u00f6rper letztlich eine zeitliche Illusion ist. Inspiriert von dieser Erkenntnis, werden wir bef\u00e4higt, seine verg\u00e4ngliche Natur zu akzeptieren. Wir werden uns gelassen von allem Anhaften an unseren K\u00f6rper freimachen und ihn freiwillig, ja dankbar und freudig zur\u00fccklassen k\u00f6nnen. Diese Einsicht macht uns tats\u00e4chlich f\u00e4hig, zu sterben, wenn wir sterben. Und so erwachen wir in der Wahrheit und erlangen Freiheit.<\/p>\n<p>Im Tibetischen Totenbuch lesen wir als Zeichen der Akzeptanz f\u00fcr den Augenblick des \u00dcbergangs folgende Worte:<\/p>\n<blockquote><p>Nun, da ich diesen aus Fleisch und Blut zusammengef\u00fcgten K\u00f6rper verlasse, will ich ihn als vor\u00fcbergehende Illusion erkennen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus dem Blickwinkel dieser klaren Erkenntnis, gleichsam mit den Augen eines Adlers, k\u00f6nnen wir auf eine Landschaft hinabblicken, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod, die wir uns eingebildet haben, ineinanderflie\u00dfen und sich aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>M\u00f6gen wir hinreifen zu der g\u00f6ttlichen Gabe des Erbarmens, das uns aus dem Gebet des Franziskus von Assisi entgegenleuchtet:<\/p>\n<blockquote><p>Solange der Raum besteht und f\u00fchlende Wesen leiden, m\u00f6ge auch ich bleiben, die Leiden der Welt zu zerstreuen.<\/p>\n<p>Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, lass mich Liebe bringen in den Hass, Verzeihung in die Schuld, Einheit in die Zwietracht, Wahrheit in den Irrtum, Glauben in den Zweifel, Hoffnung in die Verzweiflung, Licht in das Dunkel, Freude in die Traurigkeit.<\/p>\n<p>Herr, lass mich mehr danach trachten zu tr\u00f6sten, als Trost zu finden, zu lieben, als Liebe zu finden.<\/p>\n<p>Im Geben empfange ich, im Mich-Vergessen finde ich mich, im Verzeihen erfahre ich Verzeihung, im Sterben stehe ich auf zum ewigen Leben.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Rinpoche, Sogyal: Das Tibetische Buch von Leben und vom Sterben, Otto Wilhelm Barth Verlag, 1997<\/p>\n<p>K\u00fcbler-Ross, Elisabeth: Interviews mit Sterbenden, Kreuz Verlag, 1971<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":107382,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[111042,110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-107338","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de-2","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/107338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107382"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107338"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=107338"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=107338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}