{"id":107336,"date":"2024-12-05T06:00:24","date_gmt":"2024-12-05T06:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=107336"},"modified":"2024-12-04T22:11:45","modified_gmt":"2024-12-04T22:11:45","slug":"nachiketas-gespraech-mit-dem-tod-die-katha-upanishad","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/nachiketas-gespraech-mit-dem-tod-die-katha-upanishad\/","title":{"rendered":"Nachiketas Gespr\u00e4ch mit dem Tod \u2013 die Katha Upanishad"},"content":{"rendered":"<p><em>Wenn wir das Wort \u201eTod\u201c h\u00f6ren, k\u00f6nnen wir aus der ersten Reaktion, denke ich, viel \u00fcber unsere Beziehung zum Tod lernen;<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>denn unsere Beziehung zum Tod zeigt sich in dieser unvermittelten, vielleicht unbewussten Reaktion, aus dem, was wir sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich liegt Liebe darin, uns selbst durch urteilsloses Beobachten so anzuschauen, wie wir sind; ohne mit Einw\u00e4nden oder Rechtfertigungen aufzuwarten und dem, was ist, sagen zu wollen, wie es sein sollte oder was damit zu tun sei. Das erfordert ein Schauen ohne Worte.<\/p>\n<p>Wenn wir so der flie\u00dfenden Reaktion auf das Wort \u201eTod\u201c in uns begegnen, liegt bereits in diesem Betrachten die lichtvolle Seite des Sterbens; des Sterbens der gewohnheitsm\u00e4\u00dfigen Reaktion. An deren Stelle tritt unmittelbares Schauen und Erkennen, Lernen frei von Schlussfolgerung.<\/p>\n<p>Mit dem Wort \u201eTod\u201c verbinden wir meistens das endg\u00fcltige Enden des physischen K\u00f6rpers. Dabei ist das Sterben, das Enden, allgegenw\u00e4rtig, in allen Prozessen auf der Erde und im Kosmos. Ohne das harmonische Ineinanderflie\u00dfen des Hervorbringenden und des Sterbenden k\u00f6nnte es kein Leben geben. Leben ist gleichsam die liebende Bewegung, die im Einklang des Hervorbringenden und Sterbenden str\u00f6mt. Der Herbst tr\u00e4gt all das im Fr\u00fchling und Sommer Hervorgebrachte in das Grab des Winters. Auch die Zellen unseres K\u00f6rpers durchlaufen fortgehend Sterbe- und Neubildungsprozesse, ohne welche unser K\u00f6rper in k\u00fcrzester Zeit zu einem Ende kommen w\u00fcrde. Und ebenso lassen sich im Kosmos die Geburts- und Sterbeprozesse von Sternen beobachten; die Supernovae und die Hypernovae, die beide immense Mengen an Energie freisetzen. Sterben und Hervorbringen sind wie ein Atmungsprozess des Kosmos. Das Enden ist die Voraussetzung f\u00fcr alle Erneuerung und alles Leben.<\/p>\n<p>Wenn wir nun \u00fcber die Betrachtung im Physischen hinausgehen, welche Rolle spielt dann dieses kosmische Gesetz von Zerst\u00f6ren-Hervorbringen-Leben in unserer Seele, in unserer Psyche, in unserem Wesen?<\/p>\n<p>Diese Frage liegt im Zentrum der <em>Katha Upanishad<\/em> (ca. 5. Jahrhundert vor Chr.), die wie kaum ein anderer Text durch eine Parabel die Essenz der zeitlosen indischen Weisheit hierzu vermittelt. Die Katha Upanishad<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> beschreibt, wie der Protagonist Nachiketa durch innere Fragen dazu gedr\u00e4ngt wird, seine Heimat und Tradition zu verlassen, und wie er den Tod aufsucht, in Gestalt des Yama.<\/p>\n<p>Nachiketa ist ein Heranwachsender, der in einer Familie aufw\u00e4chst, die tief verankert ist in den alten Schriften und Traditionen Indiens. Eines Tages beginnt er jedoch, die \u00fcberlieferten Feuerrituale seiner Familie in Frage zu stellen, w\u00e4hrend derer K\u00fche geopfert werden. Sein Vater ist erz\u00fcrnt \u00fcber die Zweifel des jungen Nachiketa. Im Streit verl\u00e4sst Nachiketa seine Familie und sucht die tiefere Bedeutung des Feueropfers zu verstehen. Dazu wendet er sich an Yama, den K\u00f6nig des Todes, dem mythologisch das Feueropfer untersteht. Wir d\u00fcrfen die Begegnung zwischen Nachiketa und Yama, um die es im Folgenden geht, als ein inneres Ergr\u00fcnden der Bedeutung des Sterbens durch Nachiketa verstehen.<br \/>\nNachiketa macht sich also auf den Weg zur Wohnst\u00e4tte des Todes. Nachdem er sie erreicht, zeigt sich Yama nicht sogleich. Nachiketa muss drei Tage lang auf ihn warten, bis Yama schlie\u00dflich einkehrt und spricht:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn ein Gast das Haus betritt,<br \/>\nwie eine hell lodernde Flamme, muss man ihn ehrenhaft empfangen,<br \/>\nEs w\u00e4re nicht weise, ihn nicht angemessen aufzunehmen. [\u2026]<br \/>\nO Gast im Geiste, ich gestatte dir drei segensreiche Gefallen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdem Nachiketa zun\u00e4chst darum bittet, dass seine Familie nach seiner R\u00fcckkehr f\u00e4hig dazu sei, ihn in Verst\u00e4ndnis aufzunehmen, formuliert er seinen zweiten Wunsch wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Nachiketa:<\/strong><br \/>\nDu kennst das Feueropfer, das die Himmel \u00f6ffnet,<br \/>\noh, K\u00f6nig des Todes.<br \/>\nIch bin voller Vertrauen in dich und bitte um Unterweisung.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Yama:<br \/>\n<\/strong>Ja, ich kenne es, Nachiketa,<br \/>\nich werde dich im Feueropfer unterweisen,<br \/>\ndas die Himmel erschlie\u00dft,<br \/>\nin jener Kenntnis, welche die Welt tr\u00e4gt<br \/>\n\u2013 der Kenntnis, die im Herzen verborgen liegt \u2013<br \/>\nalso h\u00f6re.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr Nachiketa wird der Tod zum Lehrer. Yama unterweist ihn gem\u00e4\u00df seinem Wunsch darin, wie das Feueropfer auszuf\u00fchren ist, was es bedeutet, den inneren Altar herzurichten, um das Feuer zu entz\u00fcnden, das, wie es hei\u00dft, \u201e<em>den Kosmos hervorbringt<\/em>\u201c. Als der Junge die Unterweisung recht umsetzt, ist der K\u00f6nig des Todes sehr erfreut und spricht:<\/p>\n<blockquote><p>Erlaube mir eine besondere Anerkennung:<br \/>\nDieses Opfer soll nach deinem Namen benannt werden, Nachiketa.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nJene, die dieses Opfer drei Mal vollbracht haben,<br \/>\nerkennen ihre Einheit mit Vater, Mutter und Lehrer,<br \/>\nsie sind befreit von den drei Pflichten des Studierens der Schriften,<br \/>\nden Ritualen der Anbetung und der Wohlt\u00e4tigkeit;<br \/>\nsie entsteigen Geburt und Tod.<\/p>\n<p>Das g\u00f6ttliche Feuer kennend,<br \/>\ndas aus Brahman hervorgeht,<br \/>\nerreichen sie vollkommenen Frieden.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nIch habe dir also den zweiten Wunsch erf\u00fcllt, Nachiketa,<br \/>\nund das Geheimnis des Feuers entschleiert,<br \/>\ndas die Himmel \u00f6ffnet.<br \/>\nEs tr\u00e4gt nun deinen Namen.<br \/>\nNun bitte mich um die dritte Segnung.<\/p>\n<p><strong>Nachiketa:<\/strong><br \/>\nWenn jemand stirbt,<br \/>\nso qu\u00e4lt den Menschen Unklarheit.<br \/>\n\u201eEr existiert weiterhin\u201c, sagen einige.<br \/>\n\u201eDas tut er nicht\u201c, sagen andere.<br \/>\nIch m\u00f6chte, dass du mich die Wahrheit lehrst.<br \/>\nDas ist mein dritter Wunsch.<\/p>\n<p><strong>Yama:<\/strong><br \/>\nDiese Frage qu\u00e4lte selbst die alten Erhabenen.<br \/>\nDenn das Geheimnis des Todes<br \/>\nist tief verschleiert.<br \/>\nNachiketa, nenne mir einen anderen Wunsch<br \/>\nund erl\u00f6se mich von meinem Versprechen dir gegen\u00fcber.<\/p><\/blockquote>\n<p>Yama versucht Nachiketa, durch das Angebot zahlreicher weltlicher Verlockungen davon abzuhalten, ihm das Geheimnis des Sterbens und des Lebens offenbaren zu m\u00fcssen. Nachiketa bleibt jedoch standhaft und weist die Angebote Yamas damit ab, dass alle weltlichen Wonnen verg\u00e4nglich und f\u00fcr ihn ungenie\u00dfbar seien, jetzt, da er erkannt hat, dass sie alle dem Tod unterliegen. Er formuliert seine Frage ein letztes Mal.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Nachiketa:<br \/>\n<\/strong>Gibt es ein Leben unber\u00fchrt durch den Tod oder nicht?<br \/>\nNachiketa fragt nach nichts anderem<br \/>\nals nach der Aufl\u00f6sung dieses gro\u00dfen Geheimnisses.<\/p>\n<p><strong>Yama erwidert:<\/strong><br \/>\nGeistige Freude w\u00e4hrt ewiglich;<br \/>\nnicht jedoch das, was die Sinne entz\u00fcckt.<br \/>\nBeide, das Geistige und die Sinne,<br \/>\nbewegen uns zum Handeln.<\/p>\n<p>Das Gute w\u00e4hrt f\u00fcr jene,<br \/>\ndie sich der Freude des Geistes zuwenden,<br \/>\naber jene verpassen die Erf\u00fcllung ihres Lebens,<br \/>\nwelche blo\u00dfes Vergn\u00fcgen suchen.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nWeit liegen Weisheit und Ignoranz auseinander.<br \/>\nErstere f\u00fchrt zur Verwirklichung des Selbst,<br \/>\nletztere f\u00fchrt einen auf immer weitere Abwege.<br \/>\nDu bist dazu gereift, meine Unterweisung zu empfangen, Nachiketa,<br \/>\nda dich verg\u00e4ngliche Vergn\u00fcgen nicht locken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Yama gew\u00e4hrt Nachiketa also nach diesem Zwiegespr\u00e4ch auch seinen dritten Wunsch und geht auf seine Frage nach dem Sterblichen und dem Unsterblichen ein. Es verleitet Yama zu einer Hymne auf das eine, ewige Selbst, den Atman. Der Tod wird zum Verk\u00fcnder des Unsterblichen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Yama:<br \/>\n<\/strong>Der Intellekt kann das Selbst nicht umfassen,<br \/>\nda er gefangen ist in seiner Dualit\u00e4t<br \/>\nvon Objekt und Subjekt.<\/p>\n<p>Jene, die sich selbst in allem erkennen<br \/>\nund alles in sich,<br \/>\nhelfen anderen durch geistige Durchdringung,<br \/>\ndas Selbst zu verwirklichen.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nWeise bist du, Nachiketa,<br \/>\nweil du nach dem einen,<br \/>\newigen Selbst fragst.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nJene, die wissen,<br \/>\ndass sie weder der K\u00f6rper<br \/>\nnoch das Bewusstsein sind,<br \/>\nsondern das zeitlose Selbst,<br \/>\ndas g\u00f6ttliche Prinzip der Existenz,<br \/>\nfinden die Quelle aller Freude<br \/>\nund leben in fortw\u00e4hrender Gl\u00fcckseligkeit.<br \/>\nIch sehe, dass sich dir die Tore der Gl\u00fcckseligkeit<br \/>\n\u00f6ffnen, Nachiketa.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas allwissende Selbst<br \/>\nwurde nie geboren, noch wird es sterben.<br \/>\nJenseits von Ursache und Wirkung,<br \/>\nist dieses Selbst ewig und unwandelbar.<\/p>\n<p>Wenn der K\u00f6rper stirbt,<br \/>\nstirbt das Selbst nicht.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nJene \u00fcberwinden alles Leiden,<br \/>\nderen Eigenwille stirbt<br \/>\nund die in der Glorie des Selbst<br \/>\naufgehen<br \/>\ndurch die Gnade des Herrn der Liebe.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas Selbst kann durch niemanden erkannt werden,<br \/>\nder nicht von unrechten Wegen abl\u00e4sst,<br \/>\ndie Sinne z\u00fcgelt, in die Stille des Geistes einkehrt<br \/>\nund meditiert.<br \/>\nNiemand sonst kann das allgegenw\u00e4rtige Selbst erkennen;<br \/>\ndas Selbst, dessen Glorie die Rituale der Priester<br \/>\nsowie die Fertigkeiten der im Kampf stehenden ausr\u00e4umt<br \/>\nund dem Tod selbst ein Ende setzt.<\/p>\n<p>In der geheimen Kammer des Herzens sitzen zwei<br \/>\nbeim Brunnen des Lebens.<br \/>\nDas getrennte Ego trinkt das S\u00fc\u00dfe und das Bittere,<br \/>\nverlangend nach dem S\u00fc\u00dfen und meidend das Bittere.<br \/>\nWenn aber das erhabene Selbst trinkt von beiden,<br \/>\nmeidet es weder das eine, noch verlangt es nach dem anderen.<\/p>\n<p>Das Ego steht in Dunkelheit,<br \/>\nw\u00e4hrend das Selbst im Lichte lebt.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nM\u00f6gen wir das Licht des Nachiketa entz\u00fcnden,<br \/>\ndass das Ego ausbrennt,<br \/>\nund uns erm\u00f6glicht<br \/>\nvon angstvoller Fragmentierung<br \/>\nzu angstloser F\u00fclle zu gelangen,<br \/>\nin unwandelbarer Ganzheit.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas erhabene Selbst ist Jenseits von Namen und Form,<br \/>\njenseits der Sinne, unendlich,<br \/>\nohne Ende und ohne Anfang,<br \/>\njenseits von Zeit, Raum und Kausalit\u00e4t<br \/>\n\u2013 ewig, unwandelbar.<br \/>\nJene, in denen sich das Selbst verwirklicht,<br \/>\nsind befreit aus den Klauen des Todes.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nBrahma, der Gott des Sch\u00f6pferischen,<br \/>\ngeboren aus der Gottheit in Versenkung,<br \/>\nder war, noch bevor die Wasser des Lebens geschaffen wurden,<br \/>\nder im Herzen jeder Kreatur weilt,<br \/>\nist das wahre Selbst, wahrhaftig.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nWas hier ist, ist auch dort;<br \/>\nwas dort ist, auch hier.<br \/>\nWer die Vielheit sieht, jedoch nicht<br \/>\ndas unteilbare Selbst,<br \/>\nmuss stets weiter wandern,<br \/>\nvon Tod zu Tod.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas Selbst ist die Sonne, am Himmel scheinend,<br \/>\nder Wind, wehend, wo er will,<br \/>\nes ist das Feuer auf dem Altar<br \/>\nund der Gast daheim.<br \/>\nEs ruht im Menschen, in G\u00f6ttern, in Wahrheit<br \/>\nund im weiten Firmament,<br \/>\nes ist der Fisch im Wasser,<br \/>\ndie Bl\u00fcte der Erde,<br \/>\nder Fluss, der dem Berg entspringt,<br \/>\ndenn das Selbst ist Glorie.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nSo wie die Sonne, welche das Auge der Welt ist,<br \/>\nnicht durch das Schlechte in unseren Augen<br \/>\nbeschmutzt werden kann,<br \/>\nnoch durch das, worauf wir schauen,<br \/>\nso kann das eine Selbst,<br \/>\ndas in allem ruht,<br \/>\nnicht durch das Schlechte in der Welt<br \/>\nverunreinigt werden.<br \/>\nDenn das Selbst transzendiert alles.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas Selbst ist das Licht,<br \/>\ndas sich in allen spiegelt.<br \/>\nDa Es scheint,<br \/>\nscheint alles andere.<\/p>\n<p>Der Baum der Ewigkeit<br \/>\nhat seine Wurzeln im Himmel<br \/>\nund seine \u00c4ste in der Erde.<br \/>\nSein reiner Ursprung ist Brahman \u2013 unsterblich \u2013<br \/>\ndem alle Welten entspringen.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nJene, die Es erkennen,<br \/>\ngehen \u00fcber den Kreislauf von Geburt und Tod hinaus.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nEs wird gesagt, Yoga sei die vollkommene Stille,<br \/>\nin der man in die Einheit tritt,<br \/>\nohne je wieder hinauszutreten.<br \/>\nWenn man darin nicht verankert ist,<br \/>\nwird das Empfinden von Einheit kommen und gehen.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nWenn man aber \u00fcber das Ich, das Mein und Mich hinausgeht,<br \/>\nzeigt sich der Atman als das wahre Selbst.<\/p>\n<p>Wenn alle Verlangen, die dem Herzen entsteigen,<br \/>\nfallen gelassen werden, offenbart sich im Sterblichen das Unsterbliche.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nDas fasst die Lehre der Schriften zusammen.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nErkenne dich selbst als unbefleckt und unsterblich!<br \/>\nErkenne dich selbst als unbefleckt und unsterblich!<\/p>\n<p><em>OM shanti shanti shanti.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit endet die Katha Upanishad um Nachiketa und Yama.<\/p>\n<p>Wenn man sich dieser Erz\u00e4hlung um Nachiketa n\u00e4hert, so ist es wichtig zu beachten, dass dem Namen Nachiketa im Sanskrit eine urspr\u00fcngliche Bedeutung beigemessen werden kann. Die Silbe <em>Na<\/em> ist eine Negationsform und bedeutet \u201eNicht\u201c. \u201eCiketa\u201c ist eine Subjunktivform des Verbes <em>Ci<\/em>, das so viel wie \u201eSuchen\u201c oder \u201eBeabsichtigen\u201c bedeutet<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Im deutschen w\u00fcrde Na-ciketa dieser Auffassung nach so viel wie \u201eSuche-Nicht\u201c oder \u201eWolle-Nicht\u201c bedeuten. Eine solche Andeutung, die sich im Namen des Protagonisten versteckt, w\u00e4re schl\u00fcssig. Denn Nachiketa steht innerlich tats\u00e4chlich im \u201eNicht-Wollen\u201c, wenn er dem Tod begegnet. Er steht im stillen Gewahrsein dessen \u201ewas ist\u201c.<\/p>\n<p>In dieser urspr\u00fcnglichen Stille des Nicht-Wollens und Nicht-Suchens entz\u00fcndet sich das \u201eFeuer Nachiketas\u201c, das alle Ignoranz ausbrennt; das Feuer, indem sich das Feueropfer vollzieht.<\/p>\n<p>Nachiketa ist der Mensch, der tief innerlich erkennt, dass nichts Verg\u00e4ngliches das Unverg\u00e4ngliche erringen kann. Er ist der Mensch, der erkennt, das alles Suchen \u2013 \u00e4u\u00dferlich und innerlich \u2013 eine Reaktion aus Ignoranz ist und daher nur die Fr\u00fcchte der Ignoranz hervorbringen kann. Aus diesem Sehen, aus dieser Einsicht, entfaltet sich innerlich heiliges Nicht-Wollen.<\/p>\n<p>Der Zustand der Ignoranz und alle Bewegung, die daraus geboren wird, manifestiert sich innerlich als der \u201eDenker\u201c. Nicht-Wollen geht einher mit dem reinen Gewahrsein aller Bewegungen des Denkens, in dessen Schattenspiel sich der Eindruck eines Denkers \u2013 das Ego \u2013 erschafft<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist dieses Denken, dass im Geiste die Eindr\u00fccke \u201es\u00fc\u00df\u201c und \u201ebitter\u201c erzeugt sowie den Eindruck \u201eich habe erreicht\u201c oder \u201eich habe nicht erreicht\u201c oder Angst und Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ganz so, wie es Yama im Text der Katha Upanishad \u00fcber die Qualit\u00e4t des Selbst ausdr\u00fcckt, l\u00e4sst sich auch \u00fcber Nachiketa sagen, dass er innerlich das \u201ewas ist\u201c \u2013 das S\u00fc\u00dfe und das Bittere \u2013 weder abst\u00f6\u00dft, noch anzieht. Da ist nur ein urteilsloses, anstrengungsloses Gewahrsein. Dieser Zustand des Geistes ist heilige Negation; das Ende der Willensaktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf diese Weise stellt sich Nachiketa innerlich unverr\u00fcckbar der Tatsache des Todes alles Verg\u00e4nglichen. Denn das, was nicht belebt wird und kein Leben aus sich selbst hat, das stirbt. Dasjenige jedoch, was Leben aus sich selbst hat, was wahr ist, das erbl\u00fcht.<\/p>\n<p>In diesem Sterben im Nicht-Wollen und daher Nicht-Tun, offenbart sich prozessm\u00e4\u00dfig das Handeln des All-Einen Selbst, des Atman \u2013 unber\u00fchrt durch Ich, mein oder mich. Es bricht durch die H\u00fclle der Dunkelheit. Es beginnt sich das ewige Selbst zu offenbaren.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Nacherz\u00e4hlung und die Zitate basieren auf der englischen \u00dcbersetzung der Katha Upanishad von Eknath Easwaran aus \u201eThe Upanishads introduced and translated\u201c, Nilgiri Press, zweite Auflage, 2007, S. 69 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00dcbersetzungen gem\u00e4\u00df dem Sanskrit-Englisch W\u00f6rterbuch \u201eHarvard-Kyoto\u201c, <a href=\"https:\/\/sanskritdictionary.com\/ci\/80935\/1\">https:\/\/sanskritdictionary.com\/ci\/80935\/1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe auch den Sanskrit-Begriff \u201eAhamkara\u201c:\u00a0 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ahamkara\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ahamkara<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":107354,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-107336","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/107336","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107336"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107336"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=107336"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=107336"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}