{"id":107028,"date":"2024-02-02T07:24:36","date_gmt":"2024-02-02T07:24:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=107028"},"modified":"2024-02-02T07:24:36","modified_gmt":"2024-02-02T07:24:36","slug":"wie-oben-so-unten-der-schleier-der-maya","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wie-oben-so-unten-der-schleier-der-maya\/","title":{"rendered":"Wie oben so unten \u2013 Der Schleier der Maya"},"content":{"rendered":"<p>Die Vielheit blendet unsere Sinne \u2013 und wir halten sie f\u00fcr die Wirklichkeit. Das ist der Schleier der Maya. Er verh\u00fcllt das sch\u00f6pferische In-die-Erscheinung-treten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Was unten ist, gleicht dem, was oben ist, und was oben ist, gleicht dem was unten ist, damit die Wunder des Einen sich vollziehen.<br \/>\nSo wie alle Dinge aus dem Einen geworden sind durch eine Mittlerschaft, so sind sie alle aus diesem Einen geboren.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eWie oben so unten, wie unten so oben.&#8220; Diese hermetische Bezeichnung eines kosmischen Gesetzes, die sich in der Tabula Smaragdina findet, ruft Widerspruch auf. Das kann doch nicht w\u00f6rtlich so gemeint sein! Das Himmlische-G\u00f6ttliche gleichzusetzen mit dem Irdischen-Menschlichen scheint geradezu eine Parodie zu sein, wenn man sieht, wie es auf der Erde bei uns Menschen zugeht. Ja, es gibt \u201ehier unten\u201c auch beispiellos Gutes: Menschen, die ihr Leben f\u00fcr andere und den Planeten bis zur vollkommenen Ersch\u00f6pfung einsetzen. Und immer wieder kann etwas im Menschen aufbrechen, das eine tiefe Verbundenheit mit allen anderen Menschen deutlich macht, ein inneres Einssein, das im t\u00e4glichen Bewusstsein nicht wahrgenommen wird. Es gibt zahllose Beispiele von Hilfeleistungen, wenn jemand in gro\u00dfe Not oder Lebensgefahr geraten ist. Das spontan Hilfsbereite, das aus dem Herzen kommende Engagement gibt es seit jeher. Und doch kann man nicht sagen, dass die Welt dadurch einem \u201ehimmlischen Ort\u201c gleich wurde. Ein Blick auf das aktuelle Weltgeschehen zeigt, dass eher das Gegenteil der Fall ist.<\/p>\n<h4>Das In-die-Erscheinung-treten<\/h4>\n<p>Dem Verst\u00e4ndnis des hermetischen Axioms Wie oben so unten, wie unten so oben kann man sich n\u00e4hern, wenn man begreift, was der Schleier der Maya ist. Er f\u00fchrt dazu, dass unsere Wahrnehmung verf\u00e4lscht ist, uns eine Wirklichkeit vorgaukelt, die es so gar nicht gibt. Was \u00e4ndert sich aber, wenn sich der Schleier ein wenig hebt? Dann empfangen wir Impressionen dar\u00fcber, auf welche Weise alles Lebendige in die Erscheinung tritt \u2013 wir selbst eingeschlossen. Geistig-Seelisches tritt \u201enach au\u00dfen\u201c, ohne Unterlass, und macht sich sichtbar. In einem fortw\u00e4hrenden str\u00f6menden Geschehen entwirft das Leben seine Gestalten, h\u00e4lt sie eine Weile aufrecht und l\u00f6st sie wieder auf, um neue zu erzeugen.<\/p>\n<p>Unsere Erde und all ihre Bewohner sind Projektionen geistiger Essenzen und Wesenheiten. Insgesamt gesehen bringen sie das Potenzial allen Wollens, Wissens und Begehrens eines Sch\u00f6pfers zum Ausdruck, das innerste Herz von allem, was lebt. Die Inhalte und Qualit\u00e4ten der geistigen Welten sind so unfassbar tief und reich, dass sie sich in unserem Lebensgebiet, der Sph\u00e4re der Projektion, in un\u00fcberschaubarer Vielfalt zeigen. Im Ursprung sind sie eins, doch es ist unm\u00f6glich, sie auf unserer Ebene \u2013 etwa wie die Teile eines Puzzles \u2013 zusammenzuf\u00fcgen. Hier, bei uns, zeigen sie sich voller Gegens\u00e4tze und Widerspr\u00fcche. Wir erleben sie als das Gegenteil von Einheit, als Kr\u00e4fte, die sich in fortw\u00e4hrendem Streit miteinander befinden.<\/p>\n<p>Wir halten im Allgemeinen die einzelnen Erscheinungen f\u00fcr die volle Wirklichkeit, nehmen die Qualit\u00e4ten der einen oder anderen f\u00fcr uns in Anspruch, identifizieren uns mit ihnen und machen sie zu unserem Lebenssinn. Andere tun dasselbe wie wir, aber berufen sich auf andere Qualit\u00e4ten und Erscheinungen. Das gilt f\u00fcr Religionen, Kulturen und auch f\u00fcr die einfachen Dinge, mit denen wir unser Leben f\u00fcllen. Und jeder ist von dem Seinigen \u00fcberzeugt und hat in gewisser Weise recht. So verwandeln wir die Polarit\u00e4ten, die auf den Ebenen des Ursprungs eine Einheit bilden, in unserer Welt zu Gegens\u00e4tzen und k\u00e4mpfen gegeneinander. Und jeder sp\u00fcrt etwas von der Richtigkeit seiner \u00dcberzeugung.<\/p>\n<h4>Der Schleier der Maya<\/h4>\n<p>Das allumfassende Ganze f\u00e4chert sich also auf in die Vielheit seiner Aspekte. Was hier ein Vieles ist, ist auf den Ebenen des Ursprungs eins. Die Vielheit blendet unsere Sinne \u2013 und wir halten sie f\u00fcr die Wirklichkeit. Das ist der Schleier der Maya. Er verh\u00fcllt das sch\u00f6pferische In-die-Erscheinung-treten. Die heutige materialistische Sichtweise der Naturwissenschaft ist eine der dramatischsten Auswirkungen dieses Schleiers. Doch der Forschergeist der Wissenschaftler dringt immer tiefer in die Welt der Erscheinungen hinein und gelangt zu dem Punkt, an dem sich die materialistische Weltsicht selbst aufhebt. In der Quantenphysik tritt dies zutage. Doch sollten sich nicht auch, losgel\u00f6st von mathematischen Formeln und den Messungen komplexer Apparate, unsere Augen wandeln k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Das Erahnen der geistigen Urspr\u00fcnge liegt in uns beschlossen. Wenn wir ihm nachgehen, in gro\u00dfer Beharrlichkeit, wenn unser Wesen sich umwendet, hin ins Leere, Abgr\u00fcndige, Innerste, kann ES, das Ganze, die Wirklichkeit, ihr Wissen, ihre Weisheit, ihre Liebe in uns hineinprojizieren, ihr unteilbares Sein. Es erzeugt in uns seelische Augen und wir erleben, wie wir selbst und alles in der Natur aus dem Innersten heraus entstehen.<\/p>\n<h4>Das Allumfassende tritt sich selbst gegen\u00fcber<\/h4>\n<p>Bei diesem Bem\u00fchen schenkt uns das gro\u00dfe, allumfassende Leben etwas von sich. Indem es das tut, tritt es sich selbst gegen\u00fcber, erh\u00e4lt mit sich selbst Umgang, wird sich in uns zum Gef\u00e4hrten. Damit beginnt ein langer, bisher von uns ungeahnter Weg, auf dem unser geistiges Selbst mehr und mehr aufbl\u00fcht. Wenn wir uns ihm ganz hingeben, durchdringt es unser Bewusstsein, ergreift immer \u00f6fter Besitz davon und beginnt, durch uns, in uns und mit uns in der Welt zu wirken.<\/p>\n<p>Und nun vereint sich, was bisher als unvereinbar erschien. In neuer Wahrnehmung lassen wir die Dinge der Welt in uns eintreten. Sie gelangen durch uns \u2013 gleichsam von unten her \u2013 in Ber\u00fchrung mit ihrem Ursprung.<\/p>\n<p>Das Tao-Te-King sagt in seinem ersten Kapitel:<\/p>\n<blockquote><p>Wahrlich:<\/p>\n<p>Wer ewig ohne Begehren,<br \/>\nwird das Geheimste schaun;<br \/>\nwer ewig hat Begehren,<br \/>\nerblickt nur seinen Saum.<\/p>\n<p>Diese beiden sind eins und gleich.<br \/>\nHervorgetreten, sind ihre Namen verschieden.<br \/>\nIhre Vereinigung nennen wir mystisch.<br \/>\nMystisch und abermals mystisch:<br \/>\ndie Pforte zu jedwedem Geheimnis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Geheimste ist unser Innerstes, der \u201eSaum\u201c unsere Erscheinungsform. Er und das Innerste sind eins. Jeder Mensch sucht \u201eseinen\u201c Ort in der Welt. Aber der Ort, an dem wir eins sind mit dem Leben, ist hier nicht ohne weiteres zu finden. \u00c4ngste durchfluten die Menschheit, weil es im Bereich des \u201eSaums\u201c keinen verl\u00e4sslichen Boden gibt.<\/p>\n<p>Nun, in dieser Situation, k\u00f6nnen sich die \u201eWunder des Einen\u201c vollziehen, wie es in der Tabula Smaragdina hei\u00dft. Die Wunder des Friedens, der Liebe, und der Erf\u00fcllung, die unumst\u00f6\u00dflichen Aspekte des ewigen Seins \u2013 sie zeigen sich nun \u201ehier unten\u201c. Inmitten verg\u00e4nglicher und schillernder Lichterspiele tritt das stille, unverg\u00e4ngliche Licht im Bewusstsein des Menschen in die Erscheinung. Unser Herz, unser neues Bewusstsein, nehmen nun die Spiegelbilder, die Projektionen in sich auf und sie gelangen in unseren Innenr\u00e4umen zu ihrem Ursprung. Wie nahtlos doch die beiden zusammenpassen, der Saum und die von ihm ums\u00e4umte Essenz! Der Schleier hebt sich.<\/p>\n<p>Jesus dr\u00fcckt diesen Vorgang im Thomas-Evangelium mit den Worten aus: \u201eWenn ihr die zwei zu einem macht, wenn ihr das Innere wie das \u00c4u\u00dfere macht und das \u00c4u\u00dfere wie das Innere und das Obere wie das Untere, n\u00e4mlich, dass ihr das M\u00e4nnliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, so dass das M\u00e4nnliche nicht weiterhin m\u00e4nnlich und das Weibliche nicht weiterhin weiblich ist, wenn es neue Augen gibt anstelle der alten, eine neue Hand anstelle der alten, neue F\u00fc\u00dfe anstelle der alten, eine ganz neue Gestalt anstelle der alten, dann werdet ihr eingehen in Gottes Herrschaft.\u201c (Logion 22)<\/p>\n<h4>Eine neue Gestalt<\/h4>\n<p>Die \u201eganz neue Gestalt\u201c bildet sich nun in uns neben der alten heran. Sie ist die Frucht, die wir der Gottheit bringen, die \u201elanggesuchte, die goldene Frucht, uraltem Stamm in sch\u00fctternden St\u00fcrmen entfallen\u201c, wie H\u00f6lderlin in seinem Epos Friedensfeier schreibt. Er f\u00e4hrt fort: \u201edie Gestalt der Himmlischen ist es\u201c. Sie besteht aus unserer urspr\u00fcnglichen Essenz und den Essenzen von allem, was in unserem Innern den Weg nach oben gehen konnte.<\/p>\n<p>Die \u201egoldene Frucht\u201c ist eine nicht endende seelische Geburt, eine nicht endende Transfiguration, die in der Mitte zwischen oben und unten stattfindet. Der Ort der Mitte oszilliert, so wie auch das Leben zwischen oben und unten schwingt.<\/p>\n<p>Der Uralte tritt aus dem Innersten, dem Oben hervor. Er sucht uns, wir suchen ihn. Wir sind in Ver\u00e4nderung, und so \u00e4ndert sich der Ort der Begegnung. In der Vereinigung mit dem Uralten, unserem geistigen Selbst, bildet sich die Sph\u00e4re der Mitte immer neu, sie ist die neue Gestalt. Der \u201eSaum\u201c, die Ausdrucksform f\u00fcr den Geist, die Form, in der er in den Seelenwelten (Welten oberhalb der unsrigen) wirkt, wandelt sich. Die Offenbarungen des Geistes in den Seelengestalten finden kein Ende.<\/p>\n<p>Die Orte der Mitte sind Orte des Feuers. Die Seele erh\u00f6ht ihre Vibration, der Geist verringert die seine. Die Seele wandelt sich dabei von \u201eWasser\u201c zu \u201eWein\u201c. Sie ger\u00e4t in immer neue Trunkenheiten und muss immer wieder n\u00fcchtern werden, um ihren Platz im \u201eHaus des Herrn\u201c einnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf diesem Weg \u00f6ffnen wir uns, so oft wir k\u00f6nnen, f\u00fcr intensivere Seelenvibrationen, in denen sich das Geistige umfassender ausdr\u00fcckt. Spirituelle Gemeinschaften k\u00f6nnen hierbei helfen. Die neuen Kr\u00e4fte brennen, je mehr wir uns ihnen hingeben; sie wirken l\u00e4uternd, schmerzhaft, rei\u00dfen innere Abgr\u00fcnde auf, setzen \u00c4ngste frei. Sie zeigen uns unseren aktuellen Zustand, unsere Scheinweisheit. Doch die h\u00f6heren Kr\u00e4fte tragen uns auch, wenn wir uns ihnen anvertrauen: Wir erleben Erhebung, Freude, Gewissheit einer Art, von der wir niemals wussten, dass es sie \u00fcberhaupt gibt.<\/p>\n<h4>Wirklichkeit \u2013 das unendliche Fundament<\/h4>\n<p>Maya tritt auf allen Ebenen der Entwicklung auf. Denn immer bedarf der Geist, um wirken zu k\u00f6nnen, einer Struktur, einer \u201eGestalt\u201c, mag sie auch aufs H\u00f6chste vergeistigt sein. Die indische Weisheit nennt die umfassende Wirklichkeit Parabrahman. Parabrahman ist die einzige Realit\u00e4t, das unendliche Fundament. Obgleich jedoch alles andere, alles, was darunterliegt, Maya ist, ist diese Maya dennoch das Universum, in dem unsere Konstitution existiert, genauso, wie wir durch unser Innerstes mit Parabrahman verbunden sind; und weil Parabrahman das All ist, ist Maya auch seine H\u00fclle oder seine Manifestation.<\/p>\n<p>Parabrahman ist die Wirklichkeit. Wir als Wesen sind Mayavi (illusion\u00e4r), aber das Herz des Herzens von uns ist Parabrahman und daher enth\u00e4lt jedes Atom dieser mayavischen H\u00fcllen, die wir tragen, sein eigenes fundamentales Element oder seine Grundessenz, die ebenfalls Parabrahman ist. (Gottfried von Purucker)<\/p>\n<p>Bei allen Entwicklungsschritten besteht der Schleier der Maya so lange, wie wir ihn aufrecht erhalten, so lange, bis wir den Blick umwenden und die erneute Vereinigung mit dem Geist des Ursprungs anstreben.<\/p>\n<p>Aufgrund unseres Handelns sind wir immer Tr\u00e4ger eines Schicksals. Durch unsere Verbindung mit dem inneren Gott tr\u00e4gt er unser Schicksal mit, erf\u00e4hrt in gewisser Weise selbst Schicksal, und durch diese \u201eEntfremdung\u201c erlebt er sich selbst. Welch ein Wunder! Das Obere erf\u00e4hrt sich mit Hilfe des Unteren, das Untere mit Hilfe des Oberen. Die Wunder der g\u00f6ttlichen Liebe vollziehen sich.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Jan van Rickenborgh, Die \u00c4gyptische Urgnosis Band 1, Rozekruis Pers, Haarlem, Niederlande<br \/>\nDas Kybalion &#8211; Die sieben hermetischen Gesetze (E-book), Kapitel IX und XI, 2022 George Lagrange,<br \/>\nGottfried von Purucker, Quelle des Okkultismus<br \/>\nArmin Risi, Gott und die G\u00f6tter<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":107271,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-107028","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/107028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107028"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=107028"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=107028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}