{"id":106857,"date":"2024-01-14T20:48:42","date_gmt":"2024-01-14T20:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=106857"},"modified":"2024-02-01T18:42:51","modified_gmt":"2024-02-01T18:42:51","slug":"einige-gedanken-zu-kants-revolutionaerer-philosophie","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/einige-gedanken-zu-kants-revolutionaerer-philosophie\/","title":{"rendered":"Einige Gedanken zu Kants revolution\u00e4rer Philosophie"},"content":{"rendered":"<p>Erfahrungserkenntnisse formen unsere Erscheinungswelt. In seiner erkenntnisstheoretischen Arbeit geht I. Kant, einer der gr\u00f6\u00dften Philosophen der Neuzeit, einen Weg, der heute sehr aktuell ist. Sind wir nicht alle mehr oder weniger naive Realisten geblieben?! Glauben wir denn nicht wie damals Kants Zeitgenossen, dass die Welt ohne unser Zutun nach notwendigen Naturgesetzen verlaufe, die uns dann die Wissenschaftler ekl\u00e4ren k\u00f6nnen?! Auf diese Weise bleibt jedoch die Wahrheit immer au\u00dferhalb von uns, sagte Kant und schl\u00e4gt einen anderen Weg vor.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>Eine Revolution der menschlichen Denkungart<\/h4>\n<p>Er forderte eine Umkehr des menschlichen Bewusstseins bzw., eine Revolution unserer Denkungsart, \u00e4hnlich wie dies einst Kopernikus gefordet hatte<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230;Der, nachdem es mit der Ekl\u00e4rung der Himmelbewegung nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte ob es nicht besser gelingen m\u00f6chte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe lie\u00df.\u201c <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c4hnlich erging es Kant, als er entdeckte, dass der Mensch \u00fcber Erkenntnisverm\u00f6gen verf\u00fcgt, in denen die Wahrheit \u201ea priori\u201c, d.h. noch vor jeglicher\u00a0 Erfahrung, der Form nach, angelegt ist.<\/p>\n<p>Er sagte, die Wahrheit liege in unserem Bewusstsein selbst. Sie ist ihrer Form nach in uns und wird lebendig durch die verkn\u00fcpfende Arbeit unseres Bewusstseins mit den Inhalten unseres Erkenntnisverm\u00f6gens.<\/p>\n<p>Die Welt der Erscheinungen kreist demnach um das menschliche Erkenntnisverm\u00f6gen, das einer Sonne gleich, ihre Gesetze der Form nach in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die reinen Anschauungsformen von Raum und Zeit und die Kategorien der Quantit\u00e4t, Qualit\u00e4t, Relation und Modalit\u00e4t, liegen also nicht in den Dingen und ihren Erscheinungen au\u00dfer uns, sondern in uns; sie sind uns schon a priori gegeben.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber die universellen Gesetze und ihren Sch\u00f6pfer nachdenken, sollten wir daher auch denjenigen ber\u00fccksichtigen, der diese Gesetze denken bzw. erkennen kann. Der Mensch selbst ist\u00a0 ein Sch\u00f6pfer in seinem Mikrokosmus und die oberen Erkenntnisverm\u00f6gen seiner Seele bergen reine Formen universeller Gesetze seiner Erscheinungswelt.<\/p>\n<p>Kant ekl\u00e4rt den Prozess, in dem diese Erkenntnisse im Menschen entstehen und wir wollen im folgenden seinen Erl\u00e4uterungen folgen.<\/p>\n<h4>Die drei oberen menschlichen Erkentnisverm\u00f6gen<\/h4>\n<p>Kant sagte, dass der Mensch die besondere F\u00e4higkeit, zu denken und zu erkennen, seinen drei oberen Seelenverm\u00f6gen verdanke:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Verm\u00f6gen der Erkenntnis durch den Verstand<\/li>\n<li>Das Verm\u00f6gen der Urteilskraft (auch Unterscheidungsverm\u00f6gen gennant)<\/li>\n<li>Das Verm\u00f6gen der Vernunft<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Verm\u00f6gen wurzeln im menschlichen Gem\u00fct, das sie mit besonderen Erkenntnisverm\u00f6gen bereichert. (Wir besch\u00e4ftigen uns im Artikel mit den Verm\u00f6gen des Verstandes und der Vernunft.).<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMeine Forschungen haben ergeben, dass hinter all der Welt, mit der wir uns befassen ein gro\u00dfer Orchesterdirigent sein muss, der alles lenkt und der unser Gutes will\u201c &#8211; Albert Einstein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn wir nun von Einsteins Bild ausgehen, stellen wir uns einen g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfer in einem Makrokosmos vor, der die Partitur seiner Sch\u00f6pfung wie ein Orchesterchef dirigiert, w\u00e4hrend\u00a0 auf der unteren, irdischen Ebene, der Mensch in seinem Mikrokosmos das Orchester leitet.<\/p>\n<p>Der Konzertmeister ist als Stimmf\u00fchrer der Gruppe der ersten Geigen eine Art Vermittler zwischen dem Dirigenten und dem Orchester und im Verbund mit dem Orchester kann sein tonangebendes Instrument wirken.<\/p>\n<h4>\u00a0Die Erkenntnisverm\u00f6gen des Menschen wurzeln in der Quelle seines Gem\u00fctes<\/h4>\n<p>Die Funktion, die das menschliche Seelengem\u00fct im Erkenntnisvorgang spielt, entspricht symbolisch der Funktion des Konzertmeisters im Orchester.<\/p>\n<p>Das Seelengem\u00fct ist f\u00fcr Kant ein empfindungsf\u00e4higer, also sinnlicher Aspekt des h\u00f6heren Wesens, das wir unser wahres Selbst nennen. Es vermag die mannigfaltigen Formen der Gegenst\u00e4nde &#8211; die a priori in seiner Seele liegen &#8211; in einer Einheit zu b\u00fcndeln. Durch seine Vorstellungskraft affiziert ( d.h. angeregt ), kann es nun einen Gegenstand in sich zur Anschauung bringen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie der Konzertmeister mit dem Ton seiner Geigen auf das Orchester wirkt &#8211; so regt das Gem\u00fct nun das menschliche Erkenntnisverm\u00f6gen an, seinen innerlich geschauten Gegenstand in sich wachzurufen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAuf welche Art und durch welche Mittel sich auch immer eine Erkenntnis auf Gegenst\u00e4nde beziehen mag, so ist doch diejenige, wodurch sie sich auf dieselbe unmittelbar bezieht, und worauf alles Denken als Mittel abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur statt, so fern uns der Gegenstand gegeben wird; dieses aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens, nur dadurch m\u00f6glich, da\u00df er das Gem\u00fct auf gewisse Weise affiziere. Die F\u00e4higkeit,( Rezeptivit\u00e4t ) Vorstellungen durch die Art, wie wir\u00a0 von Gegenst\u00e4nden affiziert werden, zu bekommen, hei\u00dft Sinnlichkeit. Durch die Sinnlichkeit werden uns die Gegenst\u00e4nde gegeben, die uns Anschauungen vermitteln, jedoch durch den Verstand werden sie gedacht, und er bildet Begriffe.\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h4>Das Verm\u00f6gen der Erkenntnis durch den Verstand<\/h4>\n<p>Das besondere Verm\u00f6gen zur eigentlichen Erkenntnis ist der menschliche Verstand.<\/p>\n<p>Wie alle drei Erkenntnisverm\u00f6gen des Seelengem\u00fctes enth\u00e4lt er die Formen seiner Erkenntnisgegenst\u00e4nde in sich.<\/p>\n<p>Er enth\u00e4lt also \u201ea priori\u201c, die F\u00e4higkeit in Begriffen (Kategorien) zu denken. Er hat auch eine weitere Wurzel in der menschlichen Sinnlichkeit: wenn er seine F\u00e4higkeit, in Begriffen zu denken mit den, in der Anschauung gegebenen Sinneseindr\u00fccken verkn\u00fcpft, entsteht Erkenntnis, welche Erfahrung zuallerst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Bei Kant steht das menschliche Erkenntnisverm\u00f6gen wie eine Sonne im Zentrum, um das sich die Erscheinungen der Natur drehen.<\/p>\n<p>Der Verstand vereinigt das Mannigfaltige in der inneren Anschauung gegebene in Gedankenformen bzw. Begriffen, die Kant Kategorien nennt.<\/p>\n<p>Kategorien sind Formen unseres Denkens, die\u00a0 in Begriffen, \u00a0das Mannigfaltige in der Anschauung gegebene &#8211; zu denen auch die inneren Anschauungsformen von Raum und Zeit geh\u00f6ren &#8211; in unserem Bewusstsein zu vereinen vermag.<\/p>\n<p>Erkenntnisse bestehen daher auf einer Synthese von Verstand und sinnlich wahrgenommenen Gegenst\u00e4nden.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eGedanken ohne Inhalt sind leer und Anschauungen ohne Begriffe sind blind.\u201c <a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Auf diese Weise entsteht in uns zuallererst eine Erfahrungserkenntnis.<\/p>\n<p>Wir wollen diesen Prozess an Beispielen nachvollziehen.<\/p>\n<h4>\u00a0Kategorien erm\u00f6glichen Ehrfahrungserkenntnisse<\/h4>\n<p>Kant nennt vier Formen, in denen wir die Wirklichkeit denken und zu Erkenntnissen gelangen: Quantit\u00e4t, Qualit\u00e4t, Relation und Modalit\u00e4t. Bindeglied zwischen den Kategorien sind die reinen Anschauungsformen von Raum und Zeit. Der Raum wird als ein \u00e4u\u00dferer Sinn bezeichnet, denn ich kann mir nichts ohne r\u00e4umliche Ausdehnung vorstellen.<\/p>\n<p>Die Zeit wirkt als ein innerer Sinn im menschlichen Bewusstsein.<\/p>\n<p>Sie ist im folgenden Beispiel das Bindeglied zwischen den Kategorien und der Anschauung.<\/p>\n<p>Ich gehe \u00fcblicherweise morgens um 9 Uhr aus dem Haus und vor mir sehe ich das gleiche Bild wie immer: die H\u00e4user gegen\u00fcber und ihre B\u00e4umen stehen wie sonst. Im Cafe an der Ecke sind jedoch neue, wei\u00dfe St\u00fchle, aufgestellt. An der Bushaltestelle muss ich heute 20 Min warten bis der Bus<\/p>\n<p>\u2013 \u00fcberf\u00fcllt wie immer \u2013 schlie\u00dflich ankommt.<\/p>\n<p>\u00dcberlege ich nun, wie diese Erfahrungen zustande kommen, so finde ich, dass sich alles in meinem Bewusstsein abspielt. Meine Wahrnehmungen werden mir durch die Sinne vermittelt und alles, was ich durch sie bekomme wird mir in den Anschauungsformrn von Raum und Zeit gegeben.<\/p>\n<p>Vielleicht sind morgen einige B\u00e4ume gef\u00e4llt&#8230;und werden B\u00e4nke\u00a0 vor dem Cafe aufgestellt, aber letztlich bleibt dennoch alles nach wie vor in einem r\u00e4umlichen Nebeneinander angeordnet\u00a0 und wenn der Bus heute morgen 20 Minuten l\u00e4nger brauchte bis er ans Ziel kam, so \u00e4ndert sich nichts daran, dass eine gewisse Zeit vom Einsteigen bis zum Aussteigen verging..<\/p>\n<p>Hiermit ist jedoch erst ein kleiner Teil meiner t\u00e4glichen Erfahrungen geschildert.<\/p>\n<p>Inwieweit ist mein Verstand daran beteiligt, dass sie zustande kommen?<\/p>\n<p>Das Bild der H\u00e4user und Stra\u00dfen kann ich heute nur als das gleiche Bild wie gestern wiedererkennen, weil hier der Begriff einer beharrenden Substanz, d.h.eine Qualit\u00e4t\u00a0 meiner Anschauung zugrundeliegt. Ohne ihn, k\u00f6nnte ich heute das H\u00e4user- und Strassenbild von gestern, nicht wiedererkennen, denn am Begriff Substanz ( Stoff bzw. Materie ) haftet die Vorstellung von einer realen Beharrlichkeit in der Zeit.<\/p>\n<p>Die Beobachtung, dass heute vor dem Caf\u00e9 neue, wei\u00dfe St\u00fchle stehen,, also ein Wechsel in der Zeit stattfand, ist f\u00fcr mich nur erkennbar unter Voraussetzung eines Relationsbegriff bzw. der Kausalit\u00e4t. Er setzt n\u00e4mlich eine Relation, bzw. einen kausalen Zusammenhang voraus &#8211; zwischen der beobachteten Ver\u00e4nderung und einem Zustand, der sie hervorrief: ich erfuhr gestern, dass der Besitzer des Caf\u00e9s gewechselt hat.<\/p>\n<p>Die Tatsache schliesslich, dass ich heute 20 Minuten auf den Bus warten musste, messe ich durch den Begriff der Quantit\u00e4t, dem das Z\u00e4hlen zugrundeliegt, also einer zeitlichen Reihenfolge.<\/p>\n<p>Ich habe hier jedoch die Vorstellung, dass ich viel l\u00e4nger warten musste und ihr liegt der Begriff von Modalit\u00e4t zugrunde d.h., der Art und Weise wie ich die Zeit gef\u00fchlt habe.<\/p>\n<p>Durch diese Beispiele kann uns deutlich werden, wie wir die uns gegebene Wirklichkeit mit unserem Verstand erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ohne die Ordnungsbegriffe von Raum und Zeit und die entsprechenden Verstandsbegriffe h\u00e4tte ich keine\u00a0 Erfahrungserkenntnis, sondern nur eine Rhapsodie von Sinneswahrnehmungen.<\/p>\n<blockquote><p>\u00a0Die Ordnung und Regelm\u00e4\u00dfigkeit also an den Erscheinungen, die wir Natur nennen, bringen wir selbst hinein, und w\u00fcrden sie auch nicht darin finden k\u00f6nnen, h\u00e4tten wir sie nicht, oder die Natur unseres Gem\u00fcts urspr\u00fcnglich hineingelegt.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Hatte der Mensch bislang geglaubt, dass es die Gegenst\u00e4nde sind, die ihre Wahrnehmung im Verstand erzeugen, so sagt Kant nun, dass umgekehrt ihre Erkenntnis im Verstand wurzelt.<\/p>\n<h4>Die Verm\u00f6gen der Vernunft<\/h4>\n<p>Eine Erkenntnis, die nur vom Menschen selbst hervorgerufen wurde, befriedigt unsere Vernunft\u00a0 jedoch nicht auf Dauer : sie sucht auch Erfahrungen in einer \u00fcbersinnlichen Welt.<\/p>\n<p>Unsere Erkenntniskraft hat den Drang, sich weit \u00fcber Erfahrungen von Erscheinungen ( gr. Phainomena ) bis zu erhabenen Ideen aufzuschwingen, die Kant \u201eDinge an sich\u201c(gr.Noumena )<\/p>\n<p>nennt..<\/p>\n<p>Der Weg, der uns \u00fcber die Welt der Erscheinungen hinausf\u00fchrt, kann f\u00fcr Kant nur in dem\u00a0 Verm\u00f6gen der Vernunft selbst liegen, d.h.in ihren Ideen und Prinzipen ( Grunds\u00e4tze ). Ideen sind f\u00fcr Kant lebendige Kr\u00e4fte in der Vernunft.<\/p>\n<p>Es gibt nach Kant drei Ideen, die von der Vernunft ergr\u00fcndet werden wollen: Welt, Seele und die Idee Gottes.<\/p>\n<p>Die besondere Eigenschaft der Vernunft ist, dass sie \u00fcber blo\u00df bedingte Erfahrungen hinaus die Ganzheit bzw.das Unbedingte dieser Ideen sucht.<\/p>\n<p>Wer wollte bezweifeln, dass die Seele unsterblich, die Welt eine Ganzheit und ewig ist und dass es einen Sch\u00f6pfergott gibt?!<\/p>\n<p>Die Vernunft schlie\u00dft hier jedoch auf etwas, wovon sie keine Erfahrung hat weder in Anschauungen noch durch Begriffe. Dennoch bedient sie sich ihrer und l\u00e4\u00dft sich zu Urteilen hinrei\u00dfen, die weit \u00fcber ihre Erfahrungen hinaus gehen.<\/p>\n<p>So greift sie dabei auf Verstandesbegriffe zur\u00fcck und bedient sich ihrer im Widerstreit um die o.g. drei Ideen. Dies f\u00fchrt zu unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcchen (Antinomien ), die sich jetzt in Form von Thesen und Antithesen gegen\u00fcberstehen. Das Problem ist jedoch, dass hier von Verstandesbegriffen ausgehend auf ein Sein geschlossen wird:<\/p>\n<ul>\n<li>ob die Welt begrenzt in Raum und Zeit oder unendlich sei,<\/li>\n<li>ob die Seele als Substanz eine teilbare oder eine unteilbare Einheit sei,<\/li>\n<li>ob Naturerscheinungen nur dem Gesetz der Kausalit\u00e4t folgen oder ob es eine Kausalit\u00e4t aus Freiheit gebe<\/li>\n<li>ob die Idee, dass zur Welt oder zu ihrer Ursache ein notwendiges oder kein notwendiges Wesen geh\u00f6re.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Kant wendet sich entt\u00e4uscht vom spekulativen Gebrauch der Vernunft ab&#8230;\u201c Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen &#8230;\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Am Ende seiner Ausf\u00fchrungen fasste er zusammen, wohin ihn die Untersuchung der Vernunfterkenntnis gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Die Vernunft f\u00fchrte ihn zu spekulativen Ideen, die am Ende wiederum auf Erfahrungen zur\u00fcckf\u00fchrten. Nun bleibt ihm noch \u00fcbrig zu pr\u00fcfen, ob reine Vernunft im praktischen Gebrauch zu den Ideen f\u00fchre, welche die h\u00f6chsten Zwecke der reinen Vernunft erreichen&#8230;<\/p>\n<h4>Die praktische Vernunft und das universelle Sittengesetz<\/h4>\n<p>Jeder Mensch kann Recht von Unrecht und Gutes von B\u00f6sen unterscheiden und setzt dabei unbewusst das Vorhandensein eines moralischen Gesetzes in sich voraus.<\/p>\n<p>Kant hat die Formel f\u00fcr das gefunden, was der Mensch, bzw. alle Menschen unter einem sittlichen Handeln verstehen.<\/p>\n<p>Es ist die Form des kategorischen Imperativs, der in der Geschichte der Ethik einzigartig ist:<\/p>\n<blockquote><p>Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten k\u00f6nne. <a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Formel verlangt also, dass nach Maximen bzw. nach Grunds\u00e4tzen gehandelt wird, die sich zu einem allgemeinen Gesetz eignen: sie ist die Form des kategorischen Imperativs.<\/p>\n<p>Vergegenw\u00e4rtigen wir uns dies wiederum an Beispielen:<\/p>\n<p>Neulich erz\u00e4hlte mir eine Freundin, dass vor ihrem Haus ein \u00e4lterer Mann von einem Auto angefahren wurde. Der Fahrer hatte wohl den Mann nicht gesehen und ist &#8211; ohne zu halten, weitergefahren. Da sie in diesem Moment mit ihrem Fahrrad besch\u00e4ftigt war, sah sie den Mann -erst kurz nach diesem Vorgang &#8211; mit gechlossenen Augen flach auf dem Boden liegend. Sie hatte das Gef\u00fchl, sich sofort um ihn bem\u00fchen zu m\u00fcssen, zumal sie \u00fcber einige Kenntnisse \u00fcber erste Hilfe-Massnahmen verf\u00fcgt. Inzwischen hatte ein Passant die Polizei angerufen.<\/p>\n<p>F\u00fcr meine Freundin war es sittlich selbstverst\u00e4ndlich, sofort zu helfen, denn sie glaubte, dass zweifellos alle so gehandelt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Als dann die Polizei kam, kritisierte ein Polizist ihre Haltung und sagte, sie h\u00e4tte besser auf sie warten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bedeutsam ist in diesem Beispiel, dass Kant die Vernunft als letzte Einsicht befragen will und nicht das Gef\u00fchl, denn sie verlangt, dass wir \u00fcberlegen, was wir w\u00fcnschen, was alle in diesem Fall tun sollten.<\/p>\n<p>Steht damit nicht die sittliche Handlung im Gegensatz zu einem Handeln aus Gef\u00fchl?<\/p>\n<p>Ist es die Meinung aller Menschen, dass Handlungen, die auf Vernunft beruhen, sittlich wertvoller sind, als solche die auf Gef\u00fchlen beruhen?<\/p>\n<p>Diese Gegen\u00fcbertsellung von Vernunft und Gef\u00fchl ist nicht in seinem Sinn!<\/p>\n<p>Auch die sittliche \u00dcberlegung vor einer Handlung ist nicht ohne Gef\u00fchle .<\/p>\n<p>Wenn z.B. der kategorische Imperativ eine L\u00fcge bei meiner Entscheidung verbietet, so entsteht in mir selbst dadurch unmitelbar das Gef\u00fchl, die L\u00fcge zu unterlassen, obwohl sie mir evtl.gro\u00dfen Verdu\u00df erspat h\u00e4tte. Es geht um die Achtung vor mir selbst als Mensch.<\/p>\n<p>Es ist also ersichtlich, dass das Gef\u00fchl, allerdings nur, das durch die Vernunft gewirkte Gef\u00fchl, der Achtung,bei der sittlichen Handlung eine gro\u00dfe Rolle spielt. Die Achtung vor der Person, auch der eigenen, bedingt das Gef\u00fchl der Achtung vor der Peron des N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Auch in der Liebe ist ein wichtiges Gef\u00fchl die Achtung und bleibt mit ihr verbunden.<\/p>\n<p>Wie steht es mit dem menschlichen Willen? Der Sittliche Wille steht oft im Gegensatz zu unserer<\/p>\n<p>Selbstliebe.Was l\u00e4\u00dft mich dennoch am sittlichen Gesetz festhalten? Es ist die unbedingt gebietende Stimme meiner eigenen Vernunft. Ich vernehme nur das Gesetz, das ich mir selbstautorit\u00e4r gegeben habe. Der\u00a0 Wille, welcher auf die Stimme der Vernunft h\u00f6rt, ist der gute Wille.<\/p>\n<p>Als sinnliches Wesen bleibe ich dem Naturgesetz unterworfen. In meinem Handeln bin ich jedoch mit meinem guten Willen mein eigener Urheber, in dem die Stimme der Vernunft spricht und geh\u00f6re zu einer Welt vern\u00fcnftiger Wesen, in der die Vernunft gebietet.<\/p>\n<p>So liegt f\u00fcr Kant in der praktischen Vernunft der h\u00f6chste Zweck, den die Ideen der reinen Vernunft erreichen k\u00f6nnen, in der Idee der Achtung vor der W\u00fcrde des Menschen .<\/p>\n<p>Kants wunderbare Worte am Ende der Praktischen Vernunft zeigen, den wahren Sinn seiner Lehre, mit der er sich mit seinem ganzen Gem\u00fct verbunden f\u00fchlt.<\/p>\n<blockquote><p>Zwei Dinge erf\u00fcllen das Gem\u00fct mit immer neuer und zunehmender Bewunderung\u00a0 und Ehrfurcht, je \u00f6fter und anhaltender sich das Nachdenken damit besch\u00e4ftigt: der bestirnte Himmel \u00fcber mir und das moralische Gesetz in mir.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a>Die Zitate 1-6 sind entnommen aus : Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft,\u00a0\u00a0 Hamburg 1989<\/p>\n<p>[1] S.21<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> S.93<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> S.130<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> S.229<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> S.260<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> S.30<\/p>\n<p>Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Hamburg, 1966, siehe S. 31 \u2013 84<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a>S. 35<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> S. 253<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":107010,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-106857","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/106857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107010"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106857"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=106857"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=106857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}