{"id":104001,"date":"2024-05-11T08:00:39","date_gmt":"2024-05-11T08:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=104001"},"modified":"2024-05-11T08:29:54","modified_gmt":"2024-05-11T08:29:54","slug":"das-heilige-weibliche","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/das-heilige-weibliche\/","title":{"rendered":"Das Heilige Weibliche\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<em>Die Gottheit enth\u00fcllte ihr verborgenes Gesicht. Jetzt stand in ihr die gro\u00dfe Welten-Mutter auf.<\/em>\u201c (Sri Aurobindo [1])<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich empfinde, dass sich seit einigen Jahren eine zarte Unterstr\u00f6mung im Bewusstsein der Menschheit bemerkbar macht, zun\u00e4chst eher zaghaft als feine Schwingung, in letzter Zeit immer deutlicher, kraftvoller und hoffnungsvoller. Ich m\u00f6chte diese Schwingung, diese geistige Kraft in diesem Artikel als das Heilige Weibliche andeuten.<\/p>\n<p>Was dieses Heilige Weibliche im Tiefsten ist, wie es wirkt, wie es in Erscheinung tritt \u2013 alles dies m\u00f6chte eingehender erforscht und erkundet werden. Ich habe die Vermutung, dass die Kraft des Heiligen Weiblichen in dieser Zeit der Transformation von allergr\u00f6\u00dfter Bedeutung sein wird und ein Menschheitserwachen vorbereiten kann.<\/p>\n<p>Seit einiger Zeit habe ich es mir zu einer guten Gewohnheit gemacht, mich morgens ans Klavier zu setzen und heilige Lieder aus verschiedensten spirituellen Kulturen, z.B. aus dem Sufitum, aus dem Buddhismus, aus dem Hinduismus, aus dem Hebr\u00e4ischen, aus dem Rosenkreuz zu spielen und zu singen. Ich nehme wahr, dass dabei eine sehr feine Schwingung durch meinen \u00c4therk\u00f6rper zieht, die das Herz \u00f6ffnet und das Gef\u00fchl innigen Verbunden-Seins mit dem gro\u00dfen Gewebe des HEILIGEN ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Weitere wichtige Impulse, dem Heiligen Weiblichen nachzusp\u00fcren, waren f\u00fcr mich zwei Buchver\u00f6ffentlichungen: Zun\u00e4chst der 2013 ver\u00f6ffentlichte Weltbestseller des Kulturphilosophen Charles Eisenstein (\u201eDie sch\u00f6nere Welt, die unser Herz kennt, ist m\u00f6glich\u201c,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>) , sp\u00e4ter dann auch der 2021 in Deutschland erschienene Roman der amerikanischen Botanikerin Robin Wall Kimmerer (\u201eGeflochtenes S\u00fc\u00dfgras\u201c,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>).<\/p>\n<p>Beide B\u00fccher wiesen darauf hin, dass unsere abendl\u00e4ndische Kultur von einem trennenden, separierenden Bewusstsein gepr\u00e4gt ist, wodurch im Wesentlichen die gegenw\u00e4rtige Weltkrisensituation entstanden ist (vgl. auch die Weisheiten\u00a0 des KOGI-Naturvolkes aus dem kolumbianischen Hochland,<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>).<\/p>\n<p>Die Bewusstseinshaltung der Trennung und Separation kann wie folgt skizziert werden:<\/p>\n<p>Der Mensch begreift sich als unabh\u00e4ngiges Individuum unter anderen unabh\u00e4ngigen Individuen in einem Universum, das von ihm unabh\u00e4ngig ist. Er f\u00fchlt sich abgetrennt von der Materie, abgetrennt vom Geist, abgetrennt von allen anderen Seelen. Er steht in Konkurrenz zu allen anderen Individuen, m\u00f6chte daher so viel Kontrolle wie m\u00f6glich aus\u00fcben und in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Ma\u00df sein Eigeninteresse verfolgen. Um dieses mehr oder weniger r\u00fccksichtslose \u201ebiologische Programm\u201c zu \u00fcberwinden, strebt der Mensch \u201enach h\u00f6heren Dingen\u201c. Er oder sie w\u00e4hlt den Pfad der Entsagung, der Disziplin und m\u00f6chte in geistige Sph\u00e4ren aufsteigen. Die Seele ist vom K\u00f6rper getrennt. Das Heilige ist nicht Teil von dieser Welt.<\/p>\n<p>EISENSTEIN und KIMMERER stellten dem bis dahin vorherrschenden \u201eParadigma der Separation\u201c eine ganz andere Perspektive auf die Sch\u00f6pfung und das Leben entgegen, das \u201eParadigma der wechselseitigen Verbundenheit\u201c.<\/p>\n<p>Sie begreifen die Erde und das Universum als lebendigen Organismus, als ein \u201e gro\u00dfes Gewebe\u201c, in dem alle seine Gesch\u00f6pfe (Steine und Mineralien; Pflanzen; Tiere; Menschen; die Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft sowie ihre Elementargeister; die Planeten und Sonnensysteme; geistige Hierarchien) wechselseitig miteinander kommunizieren und interagieren und somit auf das Engste miteinander verkn\u00fcpft sind. Sie sprechen von einem \u201eheiligen Gewebe\u201c, in dem alles miteinander verbunden ist, in dem somit jede Handlung bedeutsam ist und Auswirkungen auf das Ganze hat<\/p>\n<blockquote><p>Sinn, Bewusstsein und Intelligenz sind intrinsische Eigenschaften der Materie und des Universums. (EISENSTEIN,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Heilige befindet sich somit mitten in der Welt, es befindet sich im Innersten jedes Gesch\u00f6pfes, im Innersten der Erde, im Innersten der Sonne (vgl. auch: TEILHARD DE CHARDIN,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>).<\/p>\n<p>Die B\u00fccher von EISENSTEIN und KIMMERER machen deutlich, dass die \u00f6kologische Krise (wie alle unsere Krisen) eine spirituelle Krise ist. Wie konnte es dazu kommen?<\/p>\n<p>Die j\u00fcdisch-christliche Kultur des Westens ist gepr\u00e4gt von einem \u201em\u00e4nnlichen\u201c Gottesbild. Im Judentum ist es ein strafender Gott, der die Menschen aus dem Paradies vertrieb. Im Christentum wurde dieser z\u00fcrnende Gott des Alten Testamentes ersetzt durch einen Gott der Milde und Liebe. In der Figur des Christus inkarnierte sich dieser christliche Gott auf der Erde, doch dann stieg er vom Kreuz wieder zu seinem himmlischen Vater auf. Tief im Unterbewusstsein tragen wir mehr oder weniger immer noch das Bild eines fernen, eines z\u00fcrnenden Gottes in uns.<\/p>\n<blockquote><p>Unter der Herrschaft eines \u201em\u00e4nnlichen\u201c Gottes haben wir die Wissenschaften entwickelt und die F\u00e4higkeit erworben, unsere Umgebung in einigen Belangen zu kontrollieren. Dabei haben wir uns aber von der heiligen gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit alles Geschaffenen isoliert, und in unserem Alltagsleben haben wir die Beziehung zum G\u00f6ttlichen in allen seinen Formen verloren. (LLEWELLYNN VAUGHAN-LEE,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die von EISENSTEIN und KIMMERER beschriebene Sichtweise \u00a0der wechselseitigen Verbundenheit dagegen \u00f6ffnet den Blick f\u00fcr das Heilige Weibliche in der Sch\u00f6pfung. Die Ganzheit des Lebens in seiner Heiligkeit geh\u00f6rt zur weiblichen Seite des G\u00f6ttlichen.<\/p>\n<blockquote><p>Im Gegensatz zu Seiner ehrfurchtgebietenden Transzendenz verk\u00f6rpert Sie die liebevoll sorgende g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz. (LLEWELLYNN VAUGHAN-LEE,<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie vereinen sich diese Worte mit dem Ausspruch des Christus: \u201eMein Reich ist nicht von dieser Welt\u201c? Und mit der Tatsache, dass er sich nach seiner Auferstehung in einem ganz anderen K\u00f6rper zeigte, einem \u00e4therischen, unsterblichen K\u00f6rper, mit dem ihm die Himmelfahrt m\u00f6glich war? Diese \u201eK\u00f6rperlichkeit\u201c kann man als wahrhaft heilig ansehen.<\/p>\n<p>Ein Fragezeichen an das Heilige Weibliche in der Sch\u00f6pfung wird auch in Mozarts Zauberfl\u00f6te gestellt. Eindr\u00fccklich zeigt sich hier das kosmische unheilige Weibliche in der Gestalt der K\u00f6nigin der Nacht. Sie ist die dunkle Mutter, die ihre Kinder in ihrer Sph\u00e4re gefangen halten will. Und: Blicken wir einmal auf unsere Welt. Kennen wir nicht neben allem Liebreiz das Zwanghafte, das die Geschlechter aufeinander aus\u00fcben \u2013 die machtvollen Kr\u00e4fte der dunklen Mutter? In den \u00e4gyptischen Mysterien hei\u00dft sie Nephtys. Ihre Schwester Isis symbolisiert die h\u00f6here, die g\u00f6ttliche Naturordnung, das Heilige Weibliche.<\/p>\n<p>Es ist nicht leicht, das Heilige Weibliche zu beschreiben. Es l\u00e4sst sich nicht eindeutig definieren. Die weibliche G\u00f6ttlichkeit ist ungern in einem einzigen Begriff gefangen. Mal hei\u00dft sie: die \u201eG\u00f6ttin\u201c, mal hei\u00dft sie \u201eAnima Mundi\u201c, mal hei\u00dft sie \u201eSophia\u201c,\u00a0 mal \u201eIsis\u201c, mal die \u201eG\u00f6ttliche Mutter\u201c oder \u201eWeltenmutter\u201c.<\/p>\n<p>Es ist aber von gro\u00dfer Bedeutung zu verstehen, dass das Heilige Weibliche sich in keiner Weise im Gegensatz oder Widerspruch zum M\u00e4nnlichen befindet. Das Heilige Weibliche geht einher mit dem Heiligen M\u00e4nnlichen. Die G\u00f6ttliche Mutter ist eins mit dem G\u00f6ttlichen Vater. Sie verleiht ihm, dem Impulsgebenden, das Antlitz, seine alles umfassende kosmische Gestalt. Er erblickt sich selbst in ihr. Die beiden sind eins, wie Yin und Yang es sind. Das G\u00f6ttliche ist jenseits aller Spaltung.<\/p>\n<p>Das Heilige Weibliche hat also nichts mit Gender, nichts mit einer Geschlechtszuordnung zu tun. Das Heilige Weibliche ist das G\u00f6ttliche, das dem Formlosen Form verleiht, ihm die Offenbarung seines Reichtums erm\u00f6glicht. Und das geschieht durch die Sch\u00f6pfung, die die beiden in einem Ineinander, in fortw\u00e4hrenden g\u00f6ttlichen Zeugungsakten hervorbringen. \u00a0So kann man also sagen, es gibt eine erste Sch\u00f6pfung, eine heilige, unangreifbare Welt: die Geist-Seelenwelt. Unsere Welt, in der sich die Qualit\u00e4ten voneinander getrennt haben, ist ein Ausfluss von ihr.<\/p>\n<p>F\u00fcr unser westliches, rational-lineares Bewusstsein ist das G\u00f6ttliche in seinem Zusammenspiel von \u201em\u00e4nnlich\u201c (=impulsgebend, formlos, ungeoffenbart) und \u201eweiblich\u201c (=empfangend, geb\u00e4rend, offenbarend) schwer zu verstehen. Immer wieder ist es im Verlauf der Geschichte \u2013 ma\u00dfgeblich durch den Einfluss der KIRCHE &#8211;\u00a0 zu einem Unverst\u00e4ndnis, ja zu einer Abwertung des Weiblichen gekommen. Das Weibliche wurde als \u201egef\u00e4hrlich\u201c, als \u201eerdverhaftet und erdbindend\u201c, ja als Faktor auf dem geistig-spirituellen Weg charakterisiert, den es zu \u00fcberwinden gilt.<\/p>\n<p>Verkannt wurde dabei, dass das M\u00e4nnliche in unserer Welt in vollkommen gleicher Weise erdverhaftet und erdbindend sein \u00a0kann. Beide Aspekte weisen auf ihre verborgene h\u00f6here Dimension hin, in der sie eins sind. Dieses Einssein gilt es erneut anzustreben. Daf\u00fcr ist unsere Welt die \u00dcbungsschule.<\/p>\n<p>Dante beschreibt in seiner G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die den Aufstieg zum Heilig-Weiblichen, zur Himmelsk\u00f6nigin Maria. Diese Sph\u00e4re vermag Dante nur mit Hilfe von Beatrice zu betreten. Das kosmische Heilig-Weibliche l\u00e4sst nur den in ihre Sph\u00e4re eintreten, der das Heilig-Weibliche in sich selbst errungen hat. Beatrice kann als Symbol verstanden werden f\u00fcr den Auferstehungsk\u00f6rper, den Dante im Verlauf der G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die erringt.<\/p>\n<p>In der \u00f6stlichen Tradition, vor allem in der indischen Spiritualit\u00e4t, finden wir eine innige Verehrung der G\u00f6ttlichen Mutter in all ihren Aspekten: die geb\u00e4rende Mutter (\u201eAmbe\u201c), die g\u00f6ttliche Mutter (\u201eJagadambe\u201c), die heilige Mutter (\u201eMata Bhavani\u201c), die ern\u00e4hrende Mutter (\u201eDurga Tinashini\u201c), die dunkle, kosmische Mutter (\u201eKali\u201c), die liebliche, weiche Mutter (\u201eUma\u201c), die g\u00f6ttliche K\u00f6nigin (\u201eRama\u201c) und die elementare Mutter (\u201eRadha Rukha Mane\u201c) (vgl. Hagara Feinbier,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>).<\/p>\n<p>Auch der wunderbare indische Mythos von Shiva und Shakti verehrt die Kraft des Heiligen Weiblichen und beschreibt, wie das g\u00f6ttliche Paar Shiva &#8211; Shakti einen langen und schmerzhaften Prozess ben\u00f6tigt, um die extremen Pole von Askese und Ekstase, von Unabh\u00e4ngigkeit und symbiotischer Verschmelzung, von Weltabgewandtheit und hingebungsvoller \u201eWelt-F\u00fcrsorge\u201c\u00a0 in einem reifen Bewusstsein zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Diesen Mythos haben wir im LOGON-Themenheft\u00a0 Nr. 7\u201eMacht\u201c (<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>) ausf\u00fchrlich beschrieben (vgl. auch: ELA THOLE,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>)<\/p>\n<p>Viele Mythen und M\u00e4rchen aus dem Morgen- und Abendland erz\u00e4hlen uns von sieben oder zw\u00f6lf zu Raben verzauberten Br\u00fcdern, die durch eine Schwester erl\u00f6st werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ist diese erl\u00f6sende Schwester vielleicht ein Symbol f\u00fcr das Heilige Weibliche? M\u00f6chte sie uns Hinweise geben f\u00fcr unsere spirituelle Praxis, f\u00fcr unseren Alltag? In welcher Weise kann das Heilige Weibliche uns inspirieren f\u00fcr die Herausforderungen der neuen Zeit? Schauen wir auf die heilige Ebene, die unsere Welt durchdringt und von der Goethe in seinem Faust sagt: \u201eDas ewig Weibliche zieht uns hinan.\u201c Es ruft uns \u201ezur Ordnung\u201c, in die h\u00f6here Ordnung des Menschseins.<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche schlie\u00dft nicht aus, sondern umh\u00fcllt und integriert.<\/h5>\n<p>Das Heilige Weibliche kann uns erkennen lassen, wie die unterschiedlichen Teile des Lebens miteinander verbunden sind. Es kann uns die Beziehungsmuster und die wechselseitigen Verbindungen zeigen, die das Leben n\u00e4hren. Das Heilige Weibliche stellt Entwicklungsr\u00e4ume zur Verf\u00fcgung. Es sch\u00fctzt, umh\u00fcllt und zeigt Hingabe und F\u00fcrsorge. Es \u201ebreitet liebevoll seinen Mantel aus\u201c (vgl. die Darstellungen von Maria). Es kann uns helfen, bewusst zu sehen, was wir intuitiv erfassen: Alles ist Teil eines lebendigen, organischen Ganzen, in dem die gesamte Sch\u00f6pfung miteinander kommuniziert und jede geschaffene Zelle das Ganze auf einzigartige Weise ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Der Weg seelischer Entwicklung ist kein gerader, linearer Weg, bei dem \u201ealles St\u00f6rende\u201c links liegen gelassen werden kann. Es ist ein dynamischer Weg, der zur Transzendierung, zur Heiligung ruft. Das Heilige Weibliche kann uns lehren, dass jede Erfahrung, die ehrlich ausgewertet und reflektiert wird, von gro\u00dfer Bedeutung ist. Der Seelenweg vollzieht sich in Schlangenlinien, er f\u00fchrt auch in Sackgassen und ben\u00f6tigt immer wieder Kehrtwenden. Seelenwachstum geschieht nicht durch Askese oder Ausgrenzung, sondern durch achtsames Hinschauen und Auswerten, durch intuitives Erkennen des Heiligen, das durch alles Lebendige hindurchschimmert und (auf seine Weise) ununterbrochen zu uns \u201espricht\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche impliziert den Rhythmus des Heiligen.<\/h5>\n<p>Dieser Rhythmus hei\u00dft: Einatmen und Ausatmen. Das Heilige Weibliche wei\u00df, dass Sein wichtiger ist als Tun. Viel zu schnell denken wir, unsere eigenen Konflikte und die Probleme der Welt seien nur durch fortgesetzte \u201eAktivit\u00e4t\u201c und \u201eTun\u201c zu l\u00f6sen. Aber gerade dieser Fokus auf \u201erastlose Aktivit\u00e4t\u201c hat uns in kritische Situationen gebracht. In der Stille liegt die gr\u00f6\u00dfte Kraft. In ihr k\u00f6nnen wir den g\u00f6ttlichen Rhythmus erahnen und versuchen, uns auf ihn abzustimmen.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche gibt der leiblichen Anwesenheit einen Raum.<\/h5>\n<p>Wir sind Gesch\u00f6pfe des G\u00f6ttlichen und sowohl in unserer Leiblichkeit, als auch in unserer seelischen und geistigen Struktur so gemeint. Unsere leibliche Existenz, unsere leibliche Anwesenheit und unser \u201egemeinsam-Anwesend-Sein\u201c sind von elementarer Bedeutung (<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>). Auch unsere Sexualit\u00e4t kann zum Ausdruck des Heiligen werden, zur Spiegelung der \u201eg\u00f6ttlichen Sexualit\u00e4t\u201c, die sich in einer hermaphroditischen Struktur ununterbrochen sch\u00f6pferisch verwirklicht. Der Weg dorthin wird im \u201eHohen Lied\u201c Salomos auf ber\u00fchrende Weise bildhaft dargestellt.<\/p><\/blockquote>\n<h5><\/h5>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche verk\u00f6rpert die liebevoll sorgende g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz.<\/h5>\n<p>Das Heilige Weibliche zeigt uns: Das spirituelle Leben ist nicht ein entr\u00fccktes, in geistige Sph\u00e4ren enthobenes, sondern, \u00e4u\u00dferlich gesehen, ein ganz normales Leben. Jede kleinste Alltagshandlung ist dabei von Bedeutung &#8211;\u00a0 im Zusammensein mit Menschen, Tieren, Pflanzen. Findet dieses Zusammensein auf der Basis und im Bewusstsein unserer inneren Essenz statt, so wird es geheiligt, geheilt. \u00a0In die v\u00f6llig unspektakul\u00e4re, liebevolle Pr\u00e4senz in unserer Familie, in der Nachbarschaft, in unserem Umfeld wirkt das Heilige Weibliche hinein. Hier beweist es sich. \u201eAn ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen\u201c. Sind es Fr\u00fcchte der h\u00f6heren Natur oder Fr\u00fcchte, die der Welt der Gegens\u00e4tze angeh\u00f6ren? Wir k\u00f6nnen das Heilige in der Tiefe eines jeden Gesch\u00f6pfes erahnen und stimulieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche lehrt uns die Weisheit des Empfangens und Zuh\u00f6rens.<\/h5>\n<p>Das Heilige Weibliche zeigt uns, wie Liebe und Sehnsucht im Herzen einen Raum f\u00fcr die Verbindung zum G\u00f6ttlichen schaffen k\u00f6nnen. Wenn unser Herz ge\u00f6ffnet ist, kommt alles auf uns zu, was wir in diesem Moment ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Genauso wie eine Mutter instinktiv wei\u00df, wie sie auf ihre Kinder zu h\u00f6ren hat, um deren wirkliche Bed\u00fcrfnisse wahrnehmen zu k\u00f6nnen, so lehrt uns das Heilige Weibliche, wie innerlich und \u00e4u\u00dferlich auf das Leben zu h\u00f6ren ist, wie wir am gro\u00dfen Mysterium teilhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zuh\u00f6ren ist eine wesentliche Eigenschaft des Empfangens. Wir k\u00f6nnen zuh\u00f6ren lernen, innerlich und \u00e4u\u00dferlich aufmerksam sein und auf die Zeichen achten, die uns erz\u00e4hlen, um was es im Leben wirklich geht. Das Leben ist eine Ausdrucksform des G\u00f6ttlichen, ein Abbild auf der stofflichen Ebene. Wir k\u00f6nnen lernen, die verborgene Gegenwart des G\u00f6ttlichen in der Materie, das \u201elumen naturae\u201c, das Licht in der Natur, wahrzunehmen.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche entwickelt den sch\u00f6pferischen Dialog.<\/h5>\n<p>Das Heilige Weibliche hat den Blick f\u00fcr das Ganze. Es f\u00fchlt die verschiedenen wechselseitigen Beziehungen und wei\u00df intuitiv, wie sie zusammen wirken. Es m\u00f6chte die verschiedenen Perspektiven und Sichtweisen der Gesch\u00f6pfe im gro\u00dfen Gewebe in einen konstruktiven Prozess des synergetischen Miteinanders, in einen wirklich sch\u00f6pferischen Dialog bringen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen lernen, nicht nur von dem zu sprechen, was wir schon wissen, was wir gelesen haben, was Teil unserer Philosophie ist, sondern auf das zu h\u00f6ren, was gerade in diesem Moment gesagt und zum Ausdruck gebracht werden m\u00f6chte. Wir k\u00f6nnen lernen, Respekt vor anderen Sichtweisen und Standpunkten zu haben, ja diese Perspektiven mit unserem Beitrag zu \u201everweben\u201c. Das Heilige Weibliche hat immer die Einheit im Blick, ohne die Einheit vorwegnehmen zu wollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche entfaltet das Dienen im \u201eUniversellen Lebendigen K\u00f6rper\u201c<\/h5>\n<p>Das Heilige Weibliche zeigt uns den gro\u00dfen Zusammenhang, das heilige Gewebe. Als Einzelne wie als spirituelle Gemeinschaft sind wir \u201eHOLONS\u201c des Universellen Lebendigen K\u00f6rpers. Jede spirituelle Gruppe und Gemeinschaft hat darin eine spezielle Aufgabe und Schwingung, die den Grad ihrer Mitwirkung in den \u00e4u\u00dferen und inneren Welten bestimmt. Einige spirituelle Gruppen arbeiten und dienen in der \u00e4u\u00dferen Welt, leisten z.B. Hilfe durch heilende T\u00e4tigkeiten. Andere Gruppen arbeiten dicht bei der physischen Welt und helfen, den \u00c4therleib der Erde zu heilen. Wieder andere Gruppen wirken in der astralen Welt und noch andere tief im Inneren, sogar auf den Ebenen des Nicht-Seins. Hier gibt es keine Konkurrenz, kein Besser oder H\u00f6her. Jeder erf\u00fcllt seinen Platz durch Dienen. Wir k\u00f6nnen lernen, uns demutsvoll in dieses Mosaik des Dienens einzuf\u00fcgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Das Heilige Weibliche bahnt eine Bewusstseinsqualit\u00e4t an, in der Gegens\u00e4tze und Polarit\u00e4ten fruchtbar miteinander verbunden werden.<\/h5>\n<p>In der kommenden neuen Zeit wird das Heilige Weibliche vor allem eine \u201eSchl\u00fcsselqualifikation\u201c des menschlichen Bewusstseins anbahnen. Sri Aurobindo bezeichnet sie als Wirkung des \u201esupramentalen Bewusstseins\u201c,\u00a0 Ken Wilber nennt sie in seiner integralen Bewusstseinsphilosophie die gelbe bzw. die t\u00fcrkis-farbene Stufe. Es ist die F\u00e4higkeit, auf der Basis der Verbundenheit zur eigenen inneren Essenz eine ganz neue Bewusstseinsqualit\u00e4t in sich frei zu machen, in der alle Gegens\u00e4tze und Polarit\u00e4ten fruchtbar miteinander verbunden und verschmolzen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dann sind<br \/>\nGeist und Materie,<br \/>\nFeuer und Wasser,<br \/>\nM\u00e4nnlich und Weiblich,<br \/>\nRationalit\u00e4t und Emotionalit\u00e4t,<br \/>\nWissenschaft und Religion,<br \/>\nAktivit\u00e4t und Ruhe,<br \/>\nEhrgeiz und Bescheidenheit,<br \/>\nDemut und Mut<br \/>\nkeine Gegens\u00e4tze mehr.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit den Worten Sri Aurobindos:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas ist der Knoten, der die Sterne aneinanderbindet:<br \/>\nDie Zwei, die eins sind,<br \/>\nbilden das Geheimnis aller Macht.<br \/>\nDie Zwei, die eins sind,<br \/>\nsind auch in den Dingen Macht und Recht.\u201c<br \/>\n(Sri Aurobindo,<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sri Aurobindo, Savitri, Buch I, aus: Collected Works of Sri Aurobindo, Volume 33 and 34, S. 21)<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">Z2]<\/a> Charles Eisenstein: Die sch\u00f6nere Welt, die unser Herz kennt, ist m\u00f6glich, M\u00fcnchen 2020<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Robin Wall Kimmerer, Geflochtenes S\u00fc\u00dfgras, Die Weisheit der Pflanzen, Berlin 2021<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Lucas Buchholz, Die KOGI \u2013 Wie ein Naturvolk unsere moderne Welt inspiriert, Saarbr\u00fccken 2019)<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Charles Eisenstein: Die sch\u00f6nere Welt, die unser Herz kennt, ist m\u00f6glich, M\u00fcnchen 2020, S. 28<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Teilhard de Chardin, Das Herz der Materie, Z\u00fcrich 2019<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Llewellynn Vaughan Lee, Die Matrix des Lebens, Freiburg 2011, S. 50<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Llewellynn Vaughan Lee, Die Matrix des Lebens, Freiburg 2011, S. 50<br \/>\n<a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Hagara Feinbier, Come Together Songs, Band 3, Bad Belzig 2011, S. 127<br \/>\n<a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> LOGON-Themenheft 7 \u201eMacht\u201c, S.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ela Thole, Die G\u00f6ttliche Shakti, Bielefeld 2015<br \/>\n<a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Gernot B\u00f6hme, Liebe kann man nicht machen, Interview in der Zeitschrift EVOLVE in der Ausgabe 5\/2015 sowie 39\/2023)<br \/>\n<a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Sri Aurobindo: Savitri, Buch I, Canto 4<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":104313,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101,110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-104001","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/104001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104001"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=104001"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=104001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}