{"id":103949,"date":"2024-04-07T07:38:36","date_gmt":"2024-04-07T07:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=103949"},"modified":"2024-04-06T07:39:26","modified_gmt":"2024-04-06T07:39:26","slug":"das-handeln-der-ganzheit-und-der-karma-koerper-des-menschen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/das-handeln-der-ganzheit-und-der-karma-koerper-des-menschen\/","title":{"rendered":"Das Handeln der Ganzheit und der Karma-K\u00f6rper des Menschen"},"content":{"rendered":"<h4>Das Wort Karma kommt aus dem Sanskrit und bedeutet im urspr\u00fcnglichen Sinn des Wortes \u201eTat\u201c oder \u201eHandlung\u201c. In unserem heutigen Verst\u00e4ndnis bezeichnet es ein Gesetz der Ursache und Wirkung von Taten, das sich um den Handelnden entspinnt.<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>Der Karma-K\u00f6rper des Menschen<\/h4>\n<p>Karma gilt auch als das gro\u00dfe Gesetz der Gerechtigkeit, das jede Tat im Meer des Lebens, mit einer entsprechenden Konsequenz ausgleicht. Das Feld, der vergangenen Taten, wirkt sich gem\u00e4\u00df dieser Anschauung in jedem Augenblick auf unser aktuelles Leben aus. Wir k\u00f6nnen dieses wirkende Feld vergangener Taten auch als Karma-K\u00f6rper oder Handlungsk\u00f6rper bezeichnen.<\/p>\n<p>Um genauer darzulegen, wie wir den Begriff des Karma-K\u00f6rpers benutzen, wollen wir als Beispiel die Aktivit\u00e4t unseres Denkens betrachten. Da wir verstehen k\u00f6nnen, dass nahezu alles, was sich im \u00c4u\u00dferen manifestiert, mit unserem bewussten oder unbewussten Denken korrespondiert, k\u00f6nnen wir auch verstehen, dass das Gesetz von Karma nicht nur die \u00e4u\u00dferen Begebenheiten umfasst, sondern gleicherma\u00dfen auch in unserem Gedankenleben wirkt.<\/p>\n<p>Denken ist eine Art der Handlung und da\u00e5mit Teil von Karma. Wer also f\u00fcr sich selbst herausfinden will, ob es da eine solche Wirksamkeit des Karma-Prinzips gibt, der kann es in seinem Denken beobachten; in den Neigungen und Tendenzen seines Denkens, und wie sich daraus, sein Leben erschafft. Karma ist also nicht etwas Fernes oder Abstraktes, sondern im engeren Sinne die Wirksamkeit der Vergangenheit, die jeder psychologisch erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Alles Ich-Denken ist untrennbar von Karma. Jede \u00e4u\u00dfere Tat, jede Absicht, die aus dem Ich-Denken geboren wird, ist durchwirkt von Karma und wird zu Karma. Eine gute Formulierung ist zu sagen, dass jeder Ich-Gedanke im Feld des Karmas entsteht. Ist es m\u00f6glich, dass in reinem Gewahrsein f\u00fcr sich selbst zu beobachten?<\/p>\n<p>Bei dieser Beobachtung geht es nicht darum, zu einer Schlussfolgerung zu kommen, oder etwas daf\u00fcr oder dagegen zu tun, sondern nur, zu sehen, was ist. Wie sich das Ich-Denken aus der Vergangenheit gebiert. In dieser Beobachtung dessen was ist, liegt lebendige Selbsterkenntnis.<\/p>\n<p>Der genaue Inhalt eines Gedankens ist nicht sehr relevant, sondern seine Qualit\u00e4t. Denn es ist seine Qualit\u00e4t, die wirkt und die aus dem Karma-K\u00f6rper gen\u00e4hrt wird. Ist es m\u00f6glich die Qualit\u00e4t eines Gedankens zu beobachten? Der Inhalt eines Gedankens reflektiert nur seine Qualit\u00e4t. In dieser Qualit\u00e4t ist das Karma aktiv.<\/p>\n<p>Die Art des Karma-K\u00f6rpers h\u00e4ngt also ab vom Handlungsleben des Menschen. Alles Denken, F\u00fchlen, Wollen ist gleichsam mit ihm verwoben und wirkt wieder in den Karma-K\u00f6rper zur\u00fcck \u2013 auch wenn das nicht der einzige Faktor ist.<\/p>\n<p>Doch alles, was sich aus dem Karma-K\u00f6rper im Jetzt offenbart, ist eine modifizierte Offenbarung der Vergangenheit. Wir k\u00f6nnen daran erkennen, dass Karma keinen sch\u00f6pferischen Aspekt beinhaltet; darin ist nichts Neues.<\/p>\n<p>Da also der Karma-K\u00f6rper das Vergangene ist, bedeutet das Wirken von etwas, das frei ist von Vergangenheit, den Beginn des Endes des Karma-K\u00f6rpers. Gibt es ein Handeln, das frei ist von Vergangenheit? Gibt es ein Handeln, das frei ist von Idee, von Vorstellung, vom Ich-Willen?<\/p>\n<p>Wo der Mensch keine Idee hat, sondern wo ein reines Gewahrsein f\u00fcr jede Bewegung von Ideen ist, da tut er nicht. Wo der Mensch in reinem Gewahrsein unbewegt die Qualit\u00e4t seines Ich-Willens schaut, da tut er nicht.<\/p>\n<p>Wo der Mensch aufh\u00f6rt, sein Urteil zu f\u00e4llen, sein Ma\u00df anzulegen, seine Ideale zu projizieren, wo er die gesamte Bewegung der Vergangenheit als die Tatsache, dessen, was ist, in reinem Gewahrsein schaut, da tut er nicht, und da endet das Spinnen der F\u00e4den des Karmas.<\/p>\n<p>Der Mensch tritt aus der Relativit\u00e4t seiner eigenen projizierten, mechanistischen Bewegung und Art zu leben aus, und sieht die unverr\u00fcckbare Wahrheit der Tatsache dessen, was ist. Was ist, ist sein ganzer Zustand der \u2013 mitunter \u2013 Verzweiflung, Gier, Angst, des Leides und der Sinnlosigkeit, mit vereinzelten Impulsen der Hoffnung und der Freude. Und da er aus diesem Zustand handelt, erschafft er dasselbe erneut und erneut. Wenn er aus Gier handelt, s\u00e4t er Gier und erntet zu seiner Zeit die Folgen der Gier. Wenn er aus Angst handelt, s\u00e4t er Angst und erntet zu seiner Zeit die Folgen der Angst.<\/p>\n<p>Darum k\u00f6nnen wir sagen, dass das, was ist, in reinem Gewahrsein, eine fundamentale Ver\u00e4nderung unterl\u00e4uft. Weil in diesem reinen Gewahrsein, zum ersten Mal, keine Reaktion aus dem Karma-K\u00f6rper in Bezug auf das, was ist, geboren wird. Das, was ist im Menschen, kommt dann zum ersten Mal mit der Gnade des unber\u00fchrten, urteilslosen Raumes des reinen Gewahrseins, in Ber\u00fchrung. Dieser Aspekt war vorher nicht da.<\/p>\n<h4>Die Frage nach reinem Gewahrsein wird immer n\u00e4her an den Menschen herangetragen<\/h4>\n<p>Da reines Gewahrsein keinen Hauch der Vergangenheit in sich tr\u00e4gt, da es ein zeitloses Schauen dessen ist, was ist, ohne Interpretation oder Assoziation, ist es richtig zu sagen, dass dieses Schauen weder \u201emein\u201c noch \u201edein\u201c ist. Es ist ungetr\u00fcbtes, bedingungsloses Gewahrsein, als erbl\u00fchende Qualit\u00e4t des Lebens selbst. Diese Qualit\u00e4t kann beginnen einzutreten, und zwar in dem Moment, in dem wir aufrichtig fragen: Was ist reines Gewahrsein?<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen als Menschheit fragen: Was ist reines Gewahrsein?<\/p>\n<p>Diese Frage wird immer n\u00e4her und n\u00e4her an uns herangetragen. Wenn sie echt ist, wirklich, lebendig, dann ist sie frei von Vergangenheit. Jede fundamentale Frage, in all ihrer Tiefe und Klarheit, ist frei von Vergangenheit.<\/p>\n<p>Mit der Frage nach dem, was reines Gewahrsein ist, zu leben, ohne sie aus dem Ged\u00e4chtnis zu beantworten, ist ein Ausdruck von Liebe.<\/p>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis dessen, was reines Gewahrsein ist \u2013 frei von Anstrengung, frei von Konzentration, frei von Motiv, aber Anstrengung wahrnehmend, Konzentration erkennend, Motiv entschleiernd \u2013 kann jeder in sich selbst ergr\u00fcnden und herausfinden, indem er still mit dieser tiefen Frage lebt, die eine Frage der Menschheit ist.<\/p>\n<p>Dann entfaltet sich aus dem Ursprung der Frage ihre innewohnende Bewegung der Antwort. Dieser Ursprung ist das Leben selbst, und also sch\u00f6pft es die lebendige Qualit\u00e4t des Lebens selbst.<\/p>\n<p>Wo diese Qualit\u00e4t des Lebens selbst beginnt, sich zu entfalten, da geb\u00e4ren sich prozessm\u00e4\u00dfig alle anderen innewohnenden Qualit\u00e4ten des Lebens selbst dort hinein; sie treten ein in diesen Raum des reinen Gewahrseins. Und diese Qualit\u00e4ten sind im Wesentlichen Liebe und Intelligenz und sie wirken als das Sch\u00f6pferische. Die Qualit\u00e4t des Lebens selbst ist \u201edes Lebens Selbst\u201c \u2013 was manchmal auch als das All-Eine Selbst bezeichnet wird.<\/p>\n<h4>Das Handeln der Ganzheit<\/h4>\n<p>Das Wirken von Liebe und Intelligenz als dem Sch\u00f6pferischen ist das Handeln der Ganzheit. Es ist ein unteilbares Handeln, das niemandem zugeschrieben werden kann.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nun erkennen, was geschieht, wenn das Handeln der Ganzheit, das frei ist von Vergangenheit, den Menschen zu ber\u00fchren beginnt. Durch die \u00dcbergabe an reines Gewahrsein stirbt der alte, unsch\u00f6pferische, egozentrische Karma-K\u00f6rper des Menschen, und das Handeln der Ganzheit, zieht stattdessen in seinen Handlungsk\u00f6rper ein. Wir werden das im Folgenden weiter vertiefen.<\/p>\n<p>Was ist also das Handeln der Ganzheit? Wie kann es Handlung geben, wenn es niemanden gibt, der handelt?<\/p>\n<p>Um das zu verstehen, wollen wir auf die beiden sich scheinbar gegen\u00fcberstehenden Weisheitslehren des \u201eAtman\u201c und des \u201eAnatman\u201c (Kein-Atman) eingehen. In den \u00f6stlichen Weisheitslehren bezeichnet Atman \u201edas absolute Selbst\u201c. Wir werden sehen, dass die reinen Lehren des \u201eAtman\u201c und des \u201eAnatman\u201c wie die zwei Schneiden ein und derselben feurigen Klinge sind, um den Menschen aus seiner Verstrickung mit Karma zu befreien.<\/p>\n<p>Die Lehre des Anatman besagt, dass es kein Selbst gibt. Sie besagt, dass die Suche nach einem eigenen, h\u00f6heren Selbst geboren wird aus einer Annahme, die in reinem Gewahrsein nicht bestehen kann, weil sie nicht wahr ist. Sie besagt, dass die Idee des eigenen Selbst lediglich im Bereich des Denkens, des Mentalen und der Annahme liegt, und daher im urteilslosen, reinen Gewahrsein endet. Ein Beispiel f\u00fcr die Lehre des Anatman ist folgender Ausspruch des Buddha (ca. 6. Jahrhundert v. Chr.):<\/p>\n<blockquote><p>Alle zusammengesetzten Dinge werden wieder aufgel\u00f6st, Welten werden in St\u00fccke zerfallen und unsere Individualit\u00e4t wird zerstreut werden. [\u2026] Suche nicht das Selbst, aber suche die Wahrheit.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lehre des Atman hingegen, besagt, dass es ein absolutes, unver\u00e4nderliches Selbst gibt. Dies sei die h\u00f6chste Wahrheit. Ein Beispiel dieser Lehre findet sich zum Beispiel in den heiligen Schriften Indiens, wie der Isha Upanishad, Vers 8 (ca. 1. Jahrtausend v. Chr.):<\/p>\n<blockquote><p>Das Selbst (Atman) ist \u00fcberall. Erhaben ist das Selbst, unteilbar, unber\u00fchrt von Missetat, weise, immanent und transzendent. Das Selbst ist es, dass den Kosmos zusammenh\u00e4lt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und in der Bhagavad Gita, 6:30-31, spricht Krishna (ca. 200 v. Chr.):<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin allgegenw\u00e4rtig f\u00fcr diejenigen, die mich in jedem Gesch\u00f6pf erkannt haben. Da sie alles Leben als meine Manifestation erkennen, sind sie niemals von mir getrennt. Sie verehren mich in den Herzen aller, und alle ihre Handlungen gehen von mir aus.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie k\u00f6nnen da also die beiden Lehren des Atman und des Anatman zusammenstehen?<br \/>\nNichts, was geschaffen ist, hat ein wahres Selbst. Die 10.000 Dinge haben kein eigenes Ich, so wenig wie der geschaffene Mensch. Denn alles Geschaffene ist nur zusammengesetzt und wird wieder in seine Einzelteile zerfallen. Das wahre Selbst, oder Individuum (lateinisch: unteilbar), aber bedeutet dasjenige, was nicht teilbar ist. Etwas, dem nichts hinzugef\u00fcgt werden kann noch genommen werden kann. Darum hat nichts, was Geschaffen ist, an sich ein Ich. Darum ist die Lehre des Anatman oder Kein-Atman wahr, wie der Buddha sie lehrte. Im Sterben in die Wahrheit des Anatman, der geschaffenen Natur nach, dringt der Geist zum Ungeschaffenen, in die Leere des Ungeschaffenen. Die Leere des Ungeschaffenen aber ist sch\u00f6pferisch, handelt, str\u00f6mt, ewig schaffend und absolut. Darin ist Tun, ohne einen Macher, Tun, ohne Zentrum. Der Buddha sagt es so:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt da einen Weg, auf dem es zu gehen gilt, da ist ein Gehen, aber es gibt keinen Reisenden. Taten werden getan, aber es gibt keinen Macher. Da ist das Wehen von Luft, aber kein Wind, der die Luft wehen l\u00e4sst. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Buddha beschreibt hier das Geschehen einer absoluten Handlung, die unabh\u00e4ngig ist vom Macher. Da der Ankerpunkt aller absoluter Handlung jedoch, von einem gewissen Standpunkt aus, als das eine, einige, absolute Selbst bezeichnet werden kann, ist die Lehre des Atman ebenfalls wahr. Es ist die Lehre eines ungeteilten, einigen, absoluten, alles ber\u00fchrenden, ewig ungeschaffenen und ewig in das Geschaffene wirkenden Atman-Brahman: Gottes Wort, Gottes Sohn, Krishna, Christus.<\/p>\n<p>Wo Gott \u201eIch\u201c spricht, ist alles gesagt. Aus diesem Selbst ohne Zentrum ist alles, flie\u00dft alles, reift alles, gestaltet sich alles. Dieses \u201eWort\u201c ist Gottes heiliges, sch\u00f6pferisches Handeln und Schaffen, das hinter allem Geschaffenen wirkt.<\/p>\n<p>Der Weisheitslehrer Meister Eckhart (1260\u00a0\u2013\u00a01328 n. Chr.) gibt uns eine Beschreibung dieses Handelns in christlichen Worten (in Predigt 23):<\/p>\n<blockquote><p>Gott gebiert seinen eingeborenen Sohn in dir, es sei dir lieb oder leid, ob du schl\u00e4fst oder wachst; er tut das Seine. Ich sagte neulich, was schuld daran sei, dass der Mensch es nicht empfindet, und sagte: schuld daran sei dies, dass seine Zunge mit anderem Schmutz, das hei\u00dft mit den Kreaturen, beklebt sei; ganz so, wie bei einem Menschen, dem alle Speise bitter ist und nicht schmeckt. Was ist schuld daran, dass uns die Speise nicht schmeckt? Schuld daran ist, dass wir kein Salz haben. Das Salz ist die g\u00f6ttliche Liebe. H\u00e4tten wir die g\u00f6ttliche Liebe, so schmeckte uns Gott und alle Werke, die Gott je wirkte, und wir empfingen alle Dinge von Gott und wirkten alle dieselben Werke, die er wirkt. In dieser Gleichheit sind wir alle ein einiger Sohn.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und:<\/p>\n<blockquote><p>Gleichsam so, wie wenn einer vor einem hohen Berge st\u00fcnde und riefe: \u00bbBist du da?\u00ab, so w\u00fcrde der Widerschall und -hall zur\u00fcckrufen: \u00bbBist du da?\u00ab. Riefe er: \u00bbKomm heraus!\u00ab, der Widerhall riefe auch: \u00bbKomm heraus\u00bb [\u2026] So tut\u2018s Gott: Er gebiert seinen eingeborenen Sohn in das H\u00f6chste der Seele. Im gleichen Zuge, da er seinen eingeborenen Sohn in mich gebiert, geb\u00e4re ich ihn zur\u00fcck in den Vater.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist also richtig zu sagen, dass das Handeln der Ganzheit das Handeln des All-Einen Selbst ist \u2013 des Lebens Selbst.<\/p>\n<p>Wenn das heilige Handeln der Ganzheit den Menschen zu ber\u00fchren beginnt, zieht prozessm\u00e4\u00dfig, das All-Eine Selbst, in den Handlungsk\u00f6rper des Menschen ein. Dadurch endet sein unsch\u00f6pferisches, eigenwilliges Tun und wird aufgehoben, in dem sch\u00f6pferischen Tun des All-Einen Selbst.<\/p>\n<p>Der Philosoph Jiddu Krishnamurti (1895 \u20131986):<\/p>\n<blockquote><p>Wir versuchen herauszufinden, ob es m\u00f6glich ist, ohne Idee zu handeln. [\u2026] Wenn eine Handlung auf einem Glauben oder einer Idee oder einem Ideal beruht, muss sie zwangsl\u00e4ufig isoliert und fragmentiert sein. Ist es m\u00f6glich, ohne den Prozess des Denkens zu handeln, wobei das Denken ein Prozess der Zeit ist [\u2026]?<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Ist es m\u00f6glich, in dieser Welt zu leben, ohne dem Handeln eine Kontinuit\u00e4t zu geben, so dass man jeder Handlung in aller Frische begegnet? [\u2026] Das hei\u00dft, kann ich im Laufe des Tages f\u00fcr jede getane Tat sterben, so dass der Geist nie ansammelt und daher nie durch Vergangenheit verunreinigt ist, sondern immer neu, frisch und unschuldig ist?\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Krishnamurti hier diese Fragen stellt, dann fragt er danach, ob das Handeln der Ganzheit in den Handlungsk\u00f6rper des Menschen einziehen kann. Er nannte dieses Handeln auch das Handeln der Intelligenz, die weder \u201edein\u201c noch \u201emein\u201c ist. Dass dieses Handeln sich im Handlungsk\u00f6rper der Menschheit offenbart, dass die Trennung zwischen der Offenbarung dieses Handelns und dem Bewusstsein des Menschen endet, das war Krishnamurtis zentrales Anliegen.<\/p>\n<p>Jiddu Krishnamurti:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir [als Menschheit] \u00fcberleben wollen, wird es immer wichtiger, dass ein Geist der Zusammenarbeit mit dem Universum und mit allen Wesen im Meer und auf dem Land vorhanden ist. [\u2026] Es gibt kein System, durch das ihr lernt, wie man zusammenarbeitet. Zusammenarbeit l\u00e4sst sich nicht strukturieren und klassifizieren.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Ordnung ist das Universum, ist Intelligenz. Ordnung ist nicht statisch; sie ist eine lebendige Bewegung<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Und im Gespr\u00e4ch mit dem Quantenphysiker David Bohm (1917 \u20131992):<\/p>\n<blockquote><p>W\u00fcrden Sie sagen, dass die Bewegung der Stille mit ihrer unendlichen Neuheit die absolute Ordnung des Universums ist? [\u2026] Was ist also meine Beziehung, was ist die Beziehung eines solchen Geistes mit dem Universum? [\u2026] Gibt es da eine Trennung, oder eine Barriere, zwischen diesem absoluten Geist und dem Universum? [\u2026] Dieses Universum, das in absoluter Ordnung ist, beeinflusst also mein t\u00e4gliches Leben. [\u2026] Sehen Sie, das bedeutet, dass es Freiheit von Reaktionen geben muss, Freiheit von der Begrenzung des Denkens, Freiheit von aller Bewegung der [psychologischen] Zeit. [\u2026] Es muss v\u00f6llige Freiheit von all dem geben, bevor ich wirklich den leeren Geist und all das verstehe, und die Ordnung des Universums, die dann die Ordnung des Geistes ist.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Mensch, der von der lebendigen Bewegung des Handelns der Ganzheit erfasst wird, tritt prozessm\u00e4\u00dfig von der Karma-Natur in die unteilbare Natur der Wahrheit ein. Das Handeln der Wahrheit ist einig, ungeteilt, vollkommen eins. In diesem Handeln liegt die wahre Einheit und Zusammenarbeit der Menschheit verborgen; eine Zusammenarbeit, die prim\u00e4r nicht physisch gebunden ist. Es ist in diesem Handeln der Ganzheit, in der lebendigen Ungeschaffenheit, dass die Menschheit wahrlich als eins handeln kann. Dort wird das Handeln der Ganzheit, ihr Handeln.<\/p>\n<p>Sehen wir, \u201eschmecken\u201c wir dieses heilige, innerliche Handeln, das sich immer weiter zu offenbaren beginnt? Es ist vollkommen unber\u00fchrt durch das Denken, durch Ideen, durch Vorstellungen.<\/p>\n<h4>Sterben und Geburt<\/h4>\n<p>Man kann sagen, im reinen Gewahrsein stirbt der Mensch innerlich vor allem im Mentalk\u00f6rper von Geschaffenheit in Ungeschaffenheit. Meister Eckhart nennt diese Ungeschaffenheit in dem vorangegangenen Zitat \u201edas H\u00f6chste der Seele\u201c. Diese Dimension der Ungeschaffenheit ist die Dimension einigen Handelns, in die sich fortw\u00e4hrend \u201eder Sohn gebiert\u201c oder, in anderen Worten, die Ganzheit sich selbst offenbart und wirkt.<\/p>\n<p>Bei der Geburt eines Kindes aus dem Mutterleib stirbt das Kind f\u00fcr die alte Ordnung, in der es im Mutterleib lebte, und wird in diesem Sterben in einem Zug neu geboren, in die Ordnung der \u00e4u\u00dferen physischen Welt. Auf die gleiche Weise wird das neue Denken in uns in der Ungeschaffenheit geboren, wo wir f\u00fcr das alte Denken der Geschaffenheit innerlich sterben. Die Hebamme dieser Geburt ist die anstrengungslose, heilige Negation des reinen Gewahrseins, dass frei von Kontrolle, Wille, Absicht oder Zwang ist. Denn Kontrolle, Wille, Absicht oder Zwang, sie alle stammen aus dem alten Denken.<\/p>\n<p>Auf diese Weise an die Grenzen des Menschseins zu gelangen, birgt Weite, Tiefe und Sch\u00f6nheit; es wirkt die Lebendigkeit einigen Lebens.<\/p>\n<p>So wie das alte Denken eine Form des Handelns aus der Vergangenheit ist, so ist das neue Denken unmittelbares, ewig neues Handeln. Im neuen Denken liegt innerlich kein Zeitintervall zwischen Denken und Handeln. Denken ist Handeln. Gottes Denken ist sein Wort und sein Wort ist sein Handeln. Damit dieses Denken-Sprechen-Handeln sich in den Menschen gebiert, braucht es das reine Gewahrsein, das ebenfalls eine Qualit\u00e4t der Ganzheit ist. Das ist die heilige, einige Intelligenz des Wahrnehmen-Handelns.<\/p>\n<p>Man kann gleichsam sagen, im reinen Gewahrsein reift das Gehirn. Das Gehirn des Menschen, ist noch unreif; es reift im Licht des stillen, urteilslosen, reinen Gewahrseins, in dem die Ordnung der Ganzheit wirkt und handelt.<\/p>\n<p>Wenn sich dieses beschriebene Handeln der Ganzheit im Einzelnen vollzieht, so beginnt dies einen Einfluss auf das Bewusstsein der Menschheit zu haben \u2013 frei von Ideologie, \u00dcberzeugung oder Absicht. Wahrheit wirkt auf diese Weise aus sich selbst heiligend durch den Menschen in alles, was ist, auf eine Weise, die Worte nicht ber\u00fchren k\u00f6nnen. Es wirkt sich selbst in allem.<\/p>\n<p>So wie die Menschheit den einzelnen Menschen tr\u00e4gt, so tr\u00e4gt der einzelne Mensch die Menschheit in sich. Und so, wie die Erde die Menschheit tr\u00e4gt, so tr\u00e4gt die Menschheit die Erde in sich. Das Handeln der Wahrheit in der Natur des einzelnen Menschen wirkt also in dieselbe ganze Natur der Menschheit hinein.<\/p>\n<p>Jiddu Krishnamurti:<\/p>\n<blockquote><p>Verstehen Sie also bitte die ganz einfache Verantwortung eines menschlichen Wesens &#8211; Sie -, das in dieser verr\u00fcckten Welt lebt. Wenn Sie sich radikal ver\u00e4ndern, wirkt sich das auf das Bewusstsein der Welt aus. Das ist es also, worum es uns geht. \u00a0Das Wort &#8222;Regeneration&#8220; bedeutet, wiedergeboren zu werden, nicht in irgendeinem zuk\u00fcnftigen Leben, was wahr sein mag oder nicht, sondern in diesem Leben, in dieser kurzen Zeitspanne der Existenz. Ob es f\u00fcr Sie als Mensch, der die ganze Menschheit repr\u00e4sentiert, m\u00f6glich ist, wiedergeboren zu werden.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h4>Abschluss<\/h4>\n<p>Machen wir uns nun also eine Vorstellung aus dem Beschriebenen, durch die mentale Anpassung unseres Selbstbildes und Weltbildes?<\/p>\n<p>Diesen Mechanismus des Bilderformens in sich selbst urteilslos zu beobachten, als Tatsache, ist reines Gewahrsein. Wenn Sie ihn so unbewegt beobachten, wie Sie die Tatsache eines vorbeiziehenden Vogels im Fl\u00fcgelschlag beobachten w\u00fcrden, dann sehen sie die Aktivit\u00e4t eines unreifen Gehirns. Eines Gehirns, das sich selbst unter all seinen Interpretationen und Bildern verdunkeln will vor dem Licht dessen, was ist.<\/p>\n<p>Das direkte Sehen der Wahrheit dessen, was ist, hat seine eigene direkte Wirkung auf das Gehirn; es ist ein Wirken, dass kein Motiv hat, keine Vergangenheit, keine Zeit und kein Bild. Die Ordnung der Wahrheit ber\u00fchrt das Gehirn, so dass die Ordnung der Wahrheit seine Ordnung wird. Wahrheit, frei von Vergangenheit, ber\u00fchrt das, was ist. Es zerbricht die Wirkungen des Karmas.<\/p>\n<p>Verstehen, tief innerlich, findet nicht durch Interpretation statt, sondern Zuh\u00f6ren-Verstehen ist eins. Es gibt kein Zeitintervall zwischen Zuh\u00f6ren und Verstehen; es gibt niemanden, der versteht \u2013 nur Verstehen. Und dieses Verstehen hat in sich ein Handeln, das ganz ist, heil, heilig, von unauslotbarer Tiefe. Es gibt ein so grenzenloses, unermessliches, immenses Wirken, dass es sich nur im v\u00f6lligen inneren Enden offenbaren kann.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das Evangelium des Buddha, editiert durch Paul Carus, Pilgrims Publishing, 2004, <a href=\"https:\/\/www.gutenberg.org\/files\/35895\/35895-h\/35895-h.htm\">https:\/\/www.gutenberg.org\/files\/35895\/35895-h\/35895-h.htm<\/a>, letzter Zugriff 18.07.2022<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das Evangelium des Buddha, editiert durch Paul Carus, Pilgrims Publishing, 2004, <a href=\"https:\/\/www.gutenberg.org\/files\/35895\/35895-h\/35895-h.htm\">https:\/\/www.gutenberg.org\/files\/35895\/35895-h\/35895-h.htm<\/a>, letzter Zugriff 18.07.2022<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Meister Eckhardt, Predigten und Traktate, Diogenes Taschenbuch, 1979, Predigt 23, \u201cAve, Gratia Plena\u201d (Luk. I, 28)<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Jiddu Krishnamurti, Madras, 3. \u00f6ffentlicher Vortrag, 12. Januar 1952, zitiert in Jiddu Krishnamurti (1992), Action: A Study Book of the Teachings of J. Krishnamurti, Krishnamurti Publications of America<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Jiddu Krishnamurti, Saanen, 10. \u00d6ffentliche Rede, 2. August 1964, zitiert in Jiddu Krishnamurti (1992), Action: A Study Book of the Teachings of J. Krishnamurti, Krishnamurti Publications of America<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Jiddu Krishnamurti (1979), Die Briefe an seine Schulen (2022), Edition JK-DE, Brief 30, Der Geist der Zusammenarbeit, S. 111 ff.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Jiddu Krishnamurti (1979), Die Briefe an seine Schulen (2022), Edition JK-DE, Brief 47, Intention, S. 163 ff.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Jiddu Krishnamurti im Gespr\u00e4ch mit David Bohm, Der Geist im Universum (The mind in the universe), Dialog 14 in Brockwood Park, England, 20 September 1980, verf\u00fcgbar online unter <a href=\"https:\/\/www.jkrishnamurti.org\/content\/mind-universe\">https:\/\/www.jkrishnamurti.org\/content\/mind-universe<\/a>, letzter Zugriff 31.07.2023<br \/>\n<a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Jiddu Krishnamurti, erster \u00f6ffentlicher Vortrag, Bombay (Mumbai), Indien &#8211; 21. Januar 1978, online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.jkrishnamurti.org\/content\/when-you-change-radically-it-affects-all-mankind-0\">https:\/\/www.jkrishnamurti.org\/content\/when-you-change-radically-it-affects-all-mankind-0<\/a>, letzter Zugriff 31.07.2023<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":103983,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-103949","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/103949","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103949"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103949"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=103949"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=103949"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}