{"id":103318,"date":"2023-07-08T07:06:15","date_gmt":"2023-07-08T07:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=103318"},"modified":"2023-10-06T11:27:56","modified_gmt":"2023-10-06T11:27:56","slug":"einige-gedanken-zum-karma","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/einige-gedanken-zum-karma\/","title":{"rendered":"Einige Gedanken zum Karma"},"content":{"rendered":"<p>Karma leitet sich vom Sanskritbegriff f\u00fcr TAT ab und steht f\u00fcr die Folgen aller Handlungen. Es wird auch das Gesetz von Ursache und Wirkung genannt. Karma und Reinkarnation sorgen f\u00fcr die angemessene Fortsetzung des menschlichen Entwicklungsweges, auch \u00fcber die Schranke des Todes hinweg. Karma ist mithin eine kosmische Gegebenheit, ohne die spirituelles Erwachen und Befreiung aus dem Rad von Geburt und Tod letztlich nicht denkbar w\u00e4re. Hinduismus und Buddhismus haben die Karmalehre \u00fcber die Jahrhunderte vertieft und verfeinert; Theosophie und Anthroposophie haben sie aufgegriffen. Das Goldene Rosenkreuz hat sie als Bestandteil einer universell g\u00fcltigen Lehre \u00fcbernommen und in Bezug auf die geistig-seelische Entwicklung des Menschen weiter ausgearbeitet.<\/p>\n<p>Oft wurde das Karma vor allem als Bilanzierung von \u201eGut und B\u00f6se\u201c betrachtet, die \u00fcber Inkarnationen hinweg wirkt. Lebt und handelt ein Mensch so, dass er anderen, auch Tieren, Gutes tut, dann erwirkt er f\u00fcr sich eine g\u00fcnstige Wiedergeburt, die nach der altindischen Lehre in einer hohen Kaste oder sogar in der G\u00f6tterwelt stattfinden kann. Solch ein Mensch hat dann im Gro\u00dfen und Ganzen ein Leben unter f\u00f6rderlichen Umst\u00e4nden und ohne Widrigkeiten zu erwarten. Lebt und handelt ein Mensch so, dass er andere sch\u00e4digt, so erwirbt er sich eine \u201eschlechte\u201c Wiedergeburt, in einer niedrigen Kaste, als Tier oder sogar in einem H\u00f6llenreich.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Immer ist dabei aber klar, dass weder schlechtes noch gutes Karma befreiend sind. Der Kreis der Inkarnationen wird auf diese Weise nicht durchbrochen. \u201eGute\u201c Wiedergeburten bedeuten daher oft nur eine Art zeitlichen Ruheplatz, an dem das gute Karma aufgezehrt wird. Diese Art des Bilanzziehens bez\u00fcglich der Fr\u00fcchte eines Lebens ist sicher ein Aspekt des Karma, aber wir sehen auf diese Weise noch nicht das Ganze.<\/p>\n<p>Dennoch hat unser Handeln Bedeutung und kann es ein Weg der Befreiung sein. Entsprechendes lehrt bereits die Bhagavadgita (ca. 5.-2. Jahrhundert vor Christus), in der Krishna, eine Verk\u00f6rperung von Vishnu, sagt:<\/p>\n<blockquote><p>Was auch immer du tust, woran du auch immer Freude hast, was auch immer du opferst, (&#8230;) welches Wollen und Bem\u00fchen der Seele du auch aufbringst, &#8211; mach es zu einer Darbringung an mich.<br \/>\nAuf diese Weise sollst du befreit werden von guten und b\u00f6sen Ergebnissen, die die Fesseln unseres Handelns begr\u00fcnden. Wenn deine Seele durch solche Entsagung im Einssein mit dem G\u00f6ttlichen ist, wirst du frei werden und zu mir gelangen.<br \/>\nIch (der Ewige, der ihnen innewohnt) bin der gleiche in allen Wesen. Keines ist mir lieb und keines verhasst. Jene aber, die sich mit Liebe und Hingabe mir zuwenden, die sind in mir, und ich bin auch in ihnen.<br \/>\nUnd selbst ein Mensch mit schlechter Lebensf\u00fchrung, der sich mit einziger und ganzer Liebe mir zuwendet, muss nun als rechtschaffen gelten. Denn sein entschlossener Wille zur Bem\u00fchung ist der rechte und vollkommene Wille.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns dem t\u00e4tigen Leben nicht entziehen. Und selbst wenn wir \u00e4u\u00dferlich nichts t\u00e4ten, w\u00e4ren wir doch t\u00e4tig, in unserem Denken, Begehren und Wollen, das wir h\u00f6chstens f\u00fcr Augenblicke abstellen k\u00f6nnen. Daher ist entscheidend, wo der Ursprung und das Ziel unserer Handlungen liegen. In der Bhagavadgita sagt Krishna: \u201eWende dich mir zu, gib alles mir hin\u201c. Am Ende wird Gott \u2013 oder das G\u00f6ttliche in uns \u2013 Ursprung und Ziel aller Handlungen sein. Dieses \u201eEnde\u201c ist die Frucht einer seelischen Reifung und bewussten Hingabe an das G\u00f6ttliche in uns. Da Er der gleiche in allen Wesen ist, sorgt diese Allverbundenheit, die zum Allbewusstsein f\u00fchrt, f\u00fcr das Ende von Handlungen, die Dunkelheit und Schmerz verursachen. Unsere Handlungen sind dann nicht nur frei von Selbstsucht, sondern auch von der Unwissenheit, mit der man genauso viel Schaden anrichten kann wie mit b\u00f6sem Willen. Damit generieren unsere Taten kein Karma mehr. Doch wie gelangt man dahin, \u201eseine Seele mit Gott zu einen und nur auf Gott gerichtet zu sein\u201c?<\/p>\n<p>Karma ist das Fahrzeug, das uns auf diesem Pfad der Bewusstwerdung voranbringt. Dieser Aspekt liegt hinter dem Aspekt der \u201eBilanzierung\u201c durch das Karma verborgen. Wie sich Einzelerfahrungen \u00fcber Inkarnationen hin zu wachsender Seelenreife verdichten, kann man anhand des seelischen Erfahrungsschatzes andeuten, der auf \u00fcberpers\u00f6nliche Weise \u00fcber die Inkarnationen hin angesammelt wird und die jeweils n\u00e4chste Inkarnation ma\u00dfgeblich formt. Auch das ist Karma! Karma ist also nicht nur g\u00f6ttliche Belohnung oder Vergeltung. Es ist sowohl Ursache und Wirkung als auch wachsende Seelenreife. Dies ist die Br\u00fccke zum Verst\u00e4ndnis des Karma als Werkzeug der Bewusstwerdung.<\/p>\n<p>Paracelsus<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> (1493-1541) f\u00fchrt hierzu (unter anderen) zwei Kr\u00e4fte an, die das menschliche Wesen formen. Er nennt sie Ens Astrorum und Ens Naturale. Das Ens Astrorum, das \u201eSein der Sterne\u201c, l\u00e4sst an Astrologie denken und beschreibt, wie sich durch das Gesetz von Ursache und Wirkung die Fr\u00fcchte unserer Handlungen in Charakterst\u00e4rken und -schw\u00e4chen umsetzen, und wie in der Folge Lebensziele, Kr\u00e4fte und Hindernisse daraus erwachsen. Das Ens Naturale meint die Auswirkungen des Karma auf die k\u00f6rperliche Konstitution, also auf die St\u00e4rke und Schw\u00e4che der Organe und alle k\u00f6rperlichen Prozesse. So formen \u201eBilanz\u201c und \u201eBewusstwerdung\u201c die Bedingungen einer neuen Inkarnation, mit dem Ziel, die Bewusstwerdung zu vervollkommnen.<\/p>\n<p>Damit Karma sich vollzieht und erf\u00fcllen kann, m\u00fcssen die entsprechenden Begebenheiten \u201evon au\u00dfen\u201c auf uns zukommen. Wir Menschen sorgen untereinander daf\u00fcr, dass die karmischen F\u00e4den weitergesponnen werden, bis die Bewusstwerdung es uns erm\u00f6glicht, die Knoten zu l\u00f6sen. Denn unser pers\u00f6nliches Karma begegnet uns in anderen Menschen. Was wir als Menschheit gemeinsam geschaffen haben, durch egozentrisches Denken und die entsprechenden Begierden, durch ein im Ego eingekapseltes Bewusstsein, das begegnet uns in den ungel\u00f6sten Problemen und Krisen der Welt. Als Menschheit haben wir die Welt zu einem \u201eglobalen Dorf\u201c gemacht. Nun ist es an der Zeit, das Bewusstsein hierf\u00fcr zu entwickeln \u2013 ein Bewusstsein, das um die eigene Verantwortung f\u00fcr das Wohlergehen des Ganzen wei\u00df, und das zum heilenden Mitwirken am Ganzen f\u00e4hig ist. Aus der Bewusstwerdung entsteht schlie\u00dflich die Freiheit, neu und anders zu handeln.<\/p>\n<p>Wenn alles Wesentliche, was uns begegnet, Karma ist, dann begegnen wir auf diese Weise uns selbst. Das ist mehr, als die Folgen vergangener Taten kennenzulernen: unser eigener Seinszustand kommt von au\u00dfen auf uns zu. K\u00f6nnen wir das akzeptieren? Die Welt ist, was wir sind.<\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, dass wir akzeptieren lernen, was ist. Akzeptieren wir es, dann \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr zu einer neuen Bewusstwerdung. Denn Annehmen \u2013 etwas in das Herz einzulassen \u2013 erm\u00f6glicht es, eine Sache gleichsam von innen kennenzulernen. Akzeptanz \u00f6ffnet in uns die Grenzen zwischen Innen und Au\u00dfen. Daher beginnt durch das Annehmen ein Prozess, der uns in die Einheit f\u00fchrt, die unserer Wirklichkeit zugrunde liegt. Philosophie und Meditation werden das nicht schaffen, aber das offene Herz erm\u00f6glicht es.<\/p>\n<p>Dieser Weltinnenraum, dem wir uns auf diese Weise \u00f6ffnen, verwandelt uns in ein alchimisches Labor. Es erm\u00f6glicht eine heilende Arbeit an uns selbst und damit auch an allen Dingen, die unser Teil sind. Die untrennbare Verbundenheit mit allem kennenzulernen, ist ein erster Schritt. Wenn die Seele diesen Raum der Verbundenheit erforscht, begegnet sie dort auch der g\u00f6ttlichen Liebe, die ihn durchwirkt. Hier kann sie lernen, sich dem wahren g\u00f6ttlichen Selbst zu \u00f6ffnen, das in allem wohnt, und sich von der Ichheit langsam l\u00f6sen. Am Ende stehen die Hingabe der Ichheit, das Erwachen des Selbstes in Gott, und die Freiheit von Ursache und Wirkung.<\/p>\n<p>\u201eAuf diese Weise sollst du befreit werden von guten und b\u00f6sen Ergebnissen, die die Fesseln unseres Handelns begr\u00fcnden. Wenn deine Seele durch solche Entsagung im Einssein mit dem G\u00f6ttlichen ist, wirst du frei werden und zu mir gelangen.\u201c<\/p>\n<p>Es wird Zeit, dass wir als Menschheit diese Aufgabe erkennen. Sie anzugehen hei\u00dft, das eigene Leben anzunehmen mit allem, was ist. Es hei\u00dft auch, alle Erkenntnisse zu sammeln, die durch das Aufgeben von Abgrenzungen und Polarisierung erm\u00f6glicht werden. Verantwortung und Heilung &#8211; sie sind Geschwister, gehen miteinander einher.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dies entspricht sowohl dem Glauben der Hindus, als auch dem der Buddhisten \u2013 bei letzteren ist das Kastendenken nat\u00fcrlich nicht existent. Rosenkreuzer sind der Auffassung, dass Menschen nur als Menschen reinkarnieren, denn der erworbene Erfahrungsschatz kann sich in keinem Tier zur Geltung bringen. Die \u201eH\u00f6lle\u201c ist in diesem Zusammenhang ein nachtodlicher Zustand, der von einer erneuten Geburt als Mensch abgel\u00f6st wird.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bhagavadgita IX, 27-30. \u00dcbertragung aus dem Sanskrit ins Englische von Sri Aurobindo, \u00fcbersetzt ins Deutsche von Heinz Kappes und Rolf Hinder, Gladenbach 1981<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe auch \u201eParacelsus \u2013 vom Sichtbaren zum Verborgenen\u201c von Dr. med. Klaus Bielau, Hanni Studer, Dr. med. Stephan Sigrist, Dr. Roger Kalbermatten. Birnbach o.J. oder <a href=\"https:\/\/www.paracelsus-magazin.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Paracelsus-Heft-2-Mar-Apr-2014.pdf\">Paracelsus-Heft-2-Mar-Apr-2014.pdf (paracelsus-magazin.ch)<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":103577,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-103318","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/103318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103577"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103318"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=103318"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=103318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}