{"id":103112,"date":"2023-06-22T09:32:43","date_gmt":"2023-06-22T09:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=103112"},"modified":"2023-06-23T18:28:28","modified_gmt":"2023-06-23T18:28:28","slug":"the-mountains-are-calling","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/the-mountains-are-calling\/","title":{"rendered":"Der Berg ruft"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Berg ruft\u201d ist ein weit verbreiteter Spruch, der zu einer Bergwanderung oder -besteigung einl\u00e4dt. Es ist ein magischer Ruf, der anzieht, der etwas verspricht: Gipfelgl\u00fcck? Herrliche Aussichten? Gef\u00fchle der Erf\u00fcllung oder Selbstverwirklichung unseres Egos? Oder ist es ein Ruf aus einer anderen Welt, der Welt der Seele, die sich durch die Ausstrahlung des \u201eBerges\u201c in uns Geh\u00f6r verschaffen m\u00f6chte? Der Psalmist spricht:<\/p>\n<blockquote><p>Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In unserer heutigen, von H\u00f6her-Weiter-Schneller dominierten Zeit ist die mystische Bedeutung der Berge fast verloren gegangen. Ruft uns der physische Berg, ein Felsmassiv, oder ruft uns unsere Seele zu einem \u201eBerg\u201c, der nicht von dieser Welt ist? Sollen wir uns physisch ver\u00e4ndern und auf den Berg klettern oder in uns gehen und den Ursprung des Rufs in uns suchen und ihm nachgehen? K\u00f6nnen wir Antworten finden durch das Erklimmen eines Berges oder durch das Suchen des \u201eK\u00f6nigreiches in uns\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, das n\u00e4her ist als H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe? Oder \u2026 f\u00fchrt ein Weg von dem einen zum anderen?<\/p>\n<p>In den Weltreligionen und Philosophien haben Berge eine besondere Bedeutung. Der Himalaya ist Sitz der G\u00f6tter im Hinduismus und Buddhismus, mit dem Berg Meru als Zentrum der Welt, sichtbar im Berg Kailash im indisch-tibetischen Grenzgebiet. Im Alten Testament wurde Moses von Gott auf den Berg Nebo gerufen, um das gelobte Land zu sehen, in das er nicht selbst gehen konnte. Im Neuen Testament lesen wir vom R\u00fcckzug Jesu auf verschiedene Berge, von der Bergpredigt und dann von der Verkl\u00e4rung Jesu auf dem Berge. Hier wird beschrieben, was auf dem Gipfel des \u201eSeelenberges\u201c geschieht. Die Kreuzigung Jesu findet auf einem Berg statt und ebenso die Himmelfahrt. Die Katharer, die in den Pyren\u00e4en lebten, vollzogen ihre Besinnungen und inneren Verwandlungen in den H\u00f6hlen um Ussat-les Bains und begaben sich als letzte Zuflucht vor dem Heer von Papst und K\u00f6nig auf den Monts\u00e9gur. Und da ist Lalibela in \u00c4thiopien mit seinen aus dem Fels gehauenen Kirchen und Einsiedeleien &#8230;<\/p>\n<p>Der Mensch sucht eine Verbindung zu Gott, er sucht dem G\u00f6ttlichen n\u00e4her zu kommen. Und seit alters her hat ihn dabei die Ausstrahlung der Berge angezogen, und so hat er ihnen eine mystische, religi\u00f6se Bedeutung verliehen. Heute wird der Ruf der Berge meist als ein Ruf zu Abenteuer und Verwirklichung von Ambitionen erfahren, aber vielleicht klingt auch heute noch im Hintergrund ein zweiter Ruf mit, der Ruf der Stille, die uns in unser Innerstes f\u00fchren will.<\/p>\n<h4>Der Ruf nicht von dieser Welt<\/h4>\n<p>Das Suchen nach einer anderen Dimension hat auf der ganzen Welt Spuren hinterlassen, und davon legen auch die Berge Zeugnis ab: Steinhaufen wurden auf ihnen errichtet, Gebetsfahnen angebracht, in Stein gemei\u00dfelte Gebete und Statuen finden sich auf ihnen,, Gebetsmauern, Kreuze auf den Spitzen und Schreine an Weggabelungen. Es gibt Pilgerst\u00e4dte an mystischen und von der Natur eigent\u00fcmlich geformten Berg- und Felsstrukturen. Es gibt nat\u00fcrliche Seen in 4.000 bis 6.000 Metern H\u00f6he im Himalaya, die schwer zu erreichen sind, aber als Sitz Shivas und Parvatis verehrt und j\u00e4hrlich durch gro\u00dfe Pilgerstr\u00f6me belebt werden.<\/p>\n<p>Die Pilger nehmen den beschwerlichen Aufstieg gl\u00e4ubig und voller Hingabe auf sich. Ein Bad im eiskalten Wasser der Gosainkundaseen soll alle S\u00fcnden und alles Karma abwaschen und eine gute Wiedergeburt sichern. Bei \u00e4u\u00dferer Betrachtung erscheint es als ein Rummel aus einfachen Pilgern, Schamanen mit Trommeln und Schellen, Yogis und Sadhus. Werden sie alle die Ruhe finden, die sie suchen, die Erhebung aus der Tr\u00fcbsal ihres Alltagslebens? Sie ist ja da, die tiefe Stille, sie ist hinter der Ger\u00e4uschkulisse, erhebt sich majest\u00e4tisch \u2026 und ist nicht leicht zu erreichen. So klagt die Stimme der Stille:<\/p>\n<blockquote><p>Ach, dass so wenige Menschen Nutzen ziehen aus dieser Gabe, dem kostbaren Geschenk, die Wahrheit zu erfassen, der richtigen Wahrnehmung dessen, was da ist, und der Erkenntnis des Nichtvorhandenen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Gr\u00f6\u00dfer, schneller h\u00f6her. Die Zeltst\u00e4dte der Basislager im Himalaya sind ber\u00fchmt. Die Stimme der Stille wird nicht geh\u00f6rt, und der Ruf des Psalmisten nach Hilfe von den Bergen wird \u00fcberdeckt. Und doch ist dieses Rufen vorhanden und wir k\u00f6nnen uns ihm n\u00e4hern. Von den hohen Gipfeln erklingt der Ruf der Stimme der Stille, der Ruf des Psalmisten, der Ruf des Nirvana, der Klang des Innersten der menschlichen Seele. Aus dem Herzen der Welt erklingt der Ruf, von den Bergesspitzen her breitet er sich \u00fcber die Menschheit aus \u2013 der Ruf der geistigen, heiligen Erde. Um ihn zu h\u00f6ren und anzunehmen, brauchen wir nicht auf die physischen Berge zu klettern, sondern m\u00fcssen hinabsteigen in uns selbst \u2013 um dann wieder aufzusteigen auf den \u201eGipfel, auf dem die Form stirbt\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>Das K\u00f6nigreich Gottes ist uns n\u00e4her als H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe. Die \u201eneue Erde und der neue Himmel\u201c <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>,<\/p><\/blockquote>\n<p>k\u00f6nnen zu uns herabsinken.<\/p>\n<h4>Mein Weg<\/h4>\n<p>Ich bin mit Bergen aufgewachsen, sie waren und sind meine Freunde. Ich habe Freud und Leid mit ihnen geteilt, und schon in meiner Kindheit und Jugend gaben sie mir Freude, Trost und auch Hilfe. Sie zogen mich an und f\u00fchrten mich in den Himalaya. Damit einher ging mein Suchen. Dieses Suchen beschr\u00e4nkte sich nicht auf das Bezwingen von immer mehr und immer h\u00f6heren Bergen. Es f\u00fchrte mich zum Suchen nach dem Anderen und zu der Erkenntnis, dass ich nicht die physischen Gipfel der Berge besteigen, sondern dem inneren Ruf folgen soll.<\/p>\n<p>Es bot sich mir die Gelegenheit, im Himalaya zu arbeiten. Ich konnte immer h\u00f6here Berge besteigen und gleichzeitig die spirituellen Zentren und die spirituellen Ausstrahlungen der Berge im Himalaya erfahren. Ich versuchte, ihre Botschaften aufzunehmen. Tiefgehende und f\u00fcr mein weiteres Leben richtungweisende Erfahrungen wurden mir zuteil,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Ich lernte, das Rufen der Berge als einen neuen, unstofflichen und spirituellen Ruf der Seele anzunehmen, und ich versuche, darauf zu reagieren.<\/p>\n<p>In Gedanken versunken, gehe ich durch einen verschlungenen Rhododendren-Wald meinem Tagesziel entgegen. Auf welchem Weg befinde ich mich \u2013 auf dem Weg zum Gipfelgl\u00fcck dieser Welt? Oder auf dem Weg zu \u201eden Bergen, von denen mir Hilfe kommt\u201c?<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an eine Begebenheit von Christian Rosenkreuz auf seinem Weg zur Alchymischen Hochzeit <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>: er steht an einer Weggabelung, muss w\u00e4hlen und kommt zu keinem verstandesm\u00e4\u00dfigen Entschluss. Da n\u00e4hert sich ihm eine Taube, mit der er sein Brot teilt. Sie wird verscheucht durch den Raben, der ihr das Brot streitig macht. Spontan l\u00e4uft Christian Rosenkreuz den V\u00f6geln hinterher, um die Taube zu retten und den Raben zu vertreiben, ohne zu merken, dass er damit seinen Weg gew\u00e4hlt hat. Die spontane Entscheidung der Verteidigung der Taube kam aus seinem Innern und f\u00fchrte ihn auf den \u201eguten Weg\u201c. Diese Geschichte st\u00e4rkt in mir das Vertrauen, in Demut und Ausgerichtetsein den mir zustehenden Weg zu w\u00e4hlen: Dein Wille, nicht mein Wille geschehe.<\/p>\n<p>Im Licht der untergehenden Sonne werden die Schneegipfel des Himalaya rosa, die Ruhe und der Frieden, den die Natur ausstrahlt, st\u00e4rken die Sehnsucht und das Verlangen, mich zu \u00f6ffnen f\u00fcr die \u201eHilfe, die von den Bergen kommt\u201c \u2026 So erreiche ich mein Tagesziel, und die Sicherheit, dass ich den \u201eGipfel, auf dem die Form stirbt\u201c, einmal finden werde. Es scheint mir, dass die Ruhe und der Frieden der Natur auch eine Klage aussenden:<\/p>\n<blockquote><p>Ach, dass alle Menschen an der Weltseele teilhaben und eins mit der Gro\u00dfen Seele sind, und dass sie ihnen doch von so wenig Nutzen ist.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Psalm 121<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Lukas 17, 21 (Einheits\u00fcbersetzung)<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> H.P. Blavatski, Die Stimme der Stille, Adyar Verlag, Graz, S. 38<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Off. 21,1<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> wie ich sie z.B. in den Artikeln Begegnung im Himalaya (10.01.2018) oder Tibet 1986 (19.06.2019) in LOGON beschrieben habe<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Jan van Rijkenborgh, Die Alchymische Hochzeit von Christian Rosenkreuz, Rozekruis Pers, Haarlem 1967, S. 25<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> H.P. Blavatski, Die Stimme der Stille, a.a.O., S. 38<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":103222,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-103112","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/103112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103112"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=103112"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=103112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}