{"id":103068,"date":"2023-06-12T07:00:47","date_gmt":"2023-06-12T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/the-royalty\/"},"modified":"2023-06-12T12:01:01","modified_gmt":"2023-06-12T12:01:01","slug":"the-royalty","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/the-royalty\/","title":{"rendered":"Das K\u00f6nigtum"},"content":{"rendered":"<p>In der Welt, wie wir sie kennen, haben sich die so genannten Klatschzeitschriften oder die rosa Presse seit Jahrzehnten etabliert und wuchern nun auch im Internet. Es gibt sie in der einen oder anderen Form \u00fcberall in der so genannten westlichen Welt. Sie sind Foren, in denen mit mehr oder weniger Selbstbewusstsein jede Banalit\u00e4t der &#8222;gente guapa&#8220; oder der &#8222;sch\u00f6nen Menschen&#8220; besprochen wird, die von den eigenen und fremden K\u00f6nigen \u00fcber die schicke Aristokratie bis hin zu verschiedenen Prominenten reichen: Schauspielerinnen und Schauspieler, Models und neuerdings auch Influencer &#8211; was f\u00fcr ein Wort f\u00fcr einen solchen Job. Kurz gesagt sind es all jene, die in dieser Gesellschaft, in der die intimsten Dinge mehr \u00fcber andere bekannt sein m\u00fcssen als \u00fcber sich selbst, den Kopf hinhalten.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen wird durch die Dynamiken der sozialen Netzwerke noch verst\u00e4rkt, die, so scheint es manchmal, das Sagen haben und diktieren, was gesagt werden muss, wer es sagen darf und wann und wo es gesagt werden muss. Zum Ruin oder zum Ruhm der Betroffenen.<\/p>\n<p>Ich habe diese Medien immer verachtet, weil sie im Grunde genommen f\u00fcr ein oberfl\u00e4chliches menschliches und psychische Kapital, das sie bewegen, und die m\u00f6glichen Interpretationsebenen, die sie verbergen, stehen.<\/p>\n<p>Es ist bekannt, dass wir das, was wir uns selbst nicht verzeihen oder mit gro\u00dfem Eifer verbergen &#8211; Untreue, Steuerverstrickungen, rauschende Partys, laxe oder sehr laxe Moral -, gerne demjenigen verzeihen, der in diesen privilegierten R\u00e4umen, die zum Teil mit \u00f6ffentlichen Geldern unterst\u00fctzt werden, Pr\u00e4senz zeigt und eine Identifikationsm\u00f6glichkeit darstellt.<\/p>\n<p>Welche Faszination \u00fcbt nun aber das Privatleben von Menschen aus, die durch ihr Auftreten in den \u00f6ffentlichen Medien das Prestige dessen genie\u00dfen, was ich als k\u00f6niglich bezeichnen m\u00f6chte? K\u00f6nigtum, das ist der Status und das Privileg von K\u00f6nigen und K\u00f6niginnen und ihrer intimen Umgebung, die jederzeit ein &#8222;k\u00f6nigliches Leben&#8220; f\u00fchren. Au\u00dferdem nat\u00fcrlich das Bild, das man sich von ihnen macht, und die Haltung, die das nicht-hoheitliche Volk einnimmt: Unterwerfung, Furcht, Ehrfurcht, Bewunderung, Neid, Nachahmung &#8230; und, nicht wenige auch Hass, Abneigung und so weiter.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, was in diesen Blicken &#8211; positiv oder negativ &#8211; gew\u00fcrdigt wird, hat mit Gef\u00fchlen, Emotionen, dem Unterbewusstsein und dem Herzen zu tun, mit dem, was ein Eigenleben hat und was wir selten beherrschen. Mit anderen Worten: Emotionen, die uns beherrschen.<\/p>\n<p>Ich habe mich oft gefragt, warum diese Bewunderung und Verehrung, deren Ursprung so tiefe Wurzeln hat und die Revolutionen, Enthauptungen und k\u00f6nigliche Verbannungen verursacht hat uns die f\u00fcr radikale Ver\u00e4nderungen der Rolle der Frau, bei Menschen verschiedener \u00a0Rassen oder anderer sexueller Verh\u00e4ltnisse mit verantwortlich ist, in uns als profane Metapher weiterlebt, die manchmal der religi\u00f6sen Empfindung so nahe kommt, dass wir sie nicht unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Ermangelung von Religionen, deren Prinzipien zu folgen ist \u2013 die aber heute sehr in Misskredit geraten sind \u00ad\u00ad\u2013 ist es notwendig, dass dieser heilige Raum unseres Gewissens auf die eine oder andere Weise gef\u00fcllt wird. In unserer Zeit sind die Trib\u00fcnen, Alt\u00e4re und Baldachine durch R\u00e4ume ersetzt worden, in denen sich jeder &#8211; denn das Individuum ist heilig und das Volk seit der Franz\u00f6sischen Revolution souver\u00e4n &#8211; frei \u00e4u\u00dfern kann, sei es in Form von Tatsachen oder Meinungen, oder durch die schlichte Schaffung der so genannten postfaktischen Wahrheiten oder Fakenews, die vom RAE-Lexikon als &#8222;bewusste Verzerrung einer Realit\u00e4t definiert sind, die \u00dcberzeugungen und Emotionen manipuliert, um die \u00f6ffentliche Meinung und soziale Einstellungen zu beeinflussen&#8220;.<\/p>\n<p>Es gab eine Zeit, in der K\u00f6nige sowohl Priester als auch Propheten waren, was ihnen eine Aura der Macht \u00fcber das Volk verlieh, als w\u00e4ren sie die Gottheit selbst, dessen Pl\u00e4ne sie an ihr Volk weitergaben. Denken wir an die Richter und K\u00f6nige Israels &#8211; Samuel, Saul, David, Salomo, usw. &#8211; deren Salbung direkt von Gott durch seine Priester kam, was bedeutete, dass sie an der richtigen Stelle der Wahrheit und der Macht standen. Es war eine Zeit, in der die Menschen eher primitiv und stammesorientiert waren; sie lebten nach kollektiven Mustern und Glaubensvorstellungen. Es entstand in der Folge im klassischen Griechenland und aus dem Christentum im R\u00f6mischen Reich, ein Prototyp eines Menschen mit Individualit\u00e4t, bei dem man von der Existenz einer individuellen Seele mit freiem Willen ausgeht; ob man Patrizier, B\u00fcrger oder Sklave, Mann oder Frau, Jude oder Heide war, man hatte seine eigene Seele und Eigenart.<\/p>\n<p>Wir haben von heiligen St\u00e4tten gesprochen, nun, lassen Sie uns dar\u00fcber reden.<\/p>\n<p>Schon in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts sagte McLuhan, &#8222;das Medium ist die Botschaft&#8220;, das hei\u00dft, man ist dort, wo man sich &#8222;zeigt&#8220;. Und der private Raum, der nun \u00f6ffentlich geworden ist, ist der Ort, an dem das Heilige sichtbar wird.<\/p>\n<p>Was in einem sakralen Raum der medialen Verbreitung beschrieben wird, \u00fcbt diese Faszinationskraft aus, denn indem wir diesen privilegierten Ort betreten, an den wir unser Herz verschenken, was fast automatisch geschieht, sehnen wir uns, wenn auch nur f\u00fcr einen Augenblick, nach dem Podest, das die neuen sakralen Orte anbieten. Weil wir in der Tiefe unserer Seele und mit vollem Recht anstreben K\u00f6nige zu sein, obwohl wir fast nie damit den wahren Thron meinen und aus reiner Unwissenheit die Lebensb\u00fchne lieber mit unscharfen Figuren, mit echten oder plastischen Helden oder Monstern, mit vielen Formen der Schatten in der H\u00f6hle aus Platons Gleichnis f\u00fcllen. Gl\u00fccklicherweise verlassen wir diese Orte unerf\u00fcllt so schnell, wie wir sie betreten haben, denn das, was einmal ein Tempel war, wird hier zu einem Ort der Maskerade.<\/p>\n<p>Warum werden diese Orte als heilig angesehen? Weil in ihnen das Machtwort gesprochen werden kann oder weil dort die uralten Worte des Stammes benutzt werden, die die Mehrheit erreichen. Fr\u00fcher hie\u00df es: &#8222;So steht es in den Schriften&#8220; oder auch in einem Buch, wenn es von Autorit\u00e4ten geschrieben wurde, dann h\u00f6rt man h\u00e4ufig: &#8222;So war es im Fernsehen zu sehen&#8220;, und heutzutage: &#8222;Es steht im Internet&#8220;. Das ist der Zirkus des heutigen Lebens.<\/p>\n<p>Wenn man bedenkt, dass die Medien und Netzwerke heute den Platz des Heiligen eingenommen haben und diejenigen, die in ihnen auftreten, die Gesalbten darstellen, ist das Heilige allm\u00e4hlich in Verruf geraten, nicht aus Mangel an Publikum, sondern aus Mangel an heiligem Inhalt. Man k\u00f6nnte sagen, dass wir, wie in Platons H\u00f6hle, nur noch aus dem Impuls der Schatten heraus sehen und handeln, und selten aus dem Licht, das sie erm\u00f6glicht. Und warum ist das so? Eine Reihe von Hindernissen oder zwischengeschalteten Wesenheiten bewirken, dass das urspr\u00fcngliche Licht zu einem Schatten oder einem Phantom wird.<\/p>\n<blockquote><p>\u00a0Die Last dieser Welt ist die Liebe.<br \/>\nUnter der Last der Einsamkeit,<br \/>\nunter der Last der Unzufriedenheit,<br \/>\nist die Last, die wir tragen, die Liebe.<\/p><\/blockquote>\n<p>So beginnt ein Gedicht von A. Ginsberg, dem amerikanischen Dichter der Beat-Generation oder Beatnik.<\/p>\n<p>Diese Liebe, die der Dichter erblickt hat, ist kosmische, g\u00f6ttliche Energie, universelle Liebe, auch ohne menschliche Filter, die ihre Kraft und Klarheit entstellen; aber in den heiligen medialen R\u00e4umen wird unser Durst nach einer Quelle reinen Lichts durch eine Darstellung von Figuren und deren Schatten gestillt: Abglanz des urspr\u00fcnglichen Adels.<\/p>\n<p>Die universelle Energie ist eins. Es h\u00e4ngt von unserem Zustand ab, in dem wir sie aufnehmen, von dem Bewusstseinszustand, mit dem wir sie wahrnehmen, er entscheidet, ob wir einen klaren Weg oder einen tr\u00fcben Raum sehen. Hier geht es nicht um moralische Kriterien, sondern wir sprechen ganz n\u00fcchtern von reinen und einfachen energetischen Kriterien, wie von einer einfachen Skala f\u00fcr die Reinheit der Luft, die wir atmen oder auch wie von den verschiedenen Oktaven einer Tonleiter.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen denkt man heute fast ausschlie\u00dflich, dass das Ideal einer Gesellschaft die Anh\u00e4ufung von Macht, Geld und Ruhm ist. Das Trugbild des wahren Lichts, ein Licht, das eigentlich Unterscheidungsverm\u00f6gen, Mitgef\u00fchl und universelle Liebe ist. Und doch haben wir es immer mit der einen Energie des Lebens zu tun, nur in verschiedenen Graden der Schwingung und Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p>In der Alchemischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz (erschienen 1616), dem Werk von Johann Valentin Andreae, ist von der &#8222;Inkarnation des K\u00f6nigtums&#8220; die Rede. Dass bedeutet, dass nur durch einen alchemistischen Prozess die Vereinigung von K\u00f6nig und K\u00f6nigin, dem m\u00e4nnlichen und weiblichen Aspekt unseres Wesens, der Seele mit dem Geistes, zu erreichen ist. Die Befreiung geschieht durch die Erkenntnis aus erster Hand, damit wir erkennen, was wir sind und was das Leben wirklich ist.<\/p>\n<p>Der alchimische Prozess beinhaltet, dass wir eine Sehnsucht, eine Ber\u00fchrung oder einen Ruf versp\u00fcren und uns auf einen Weg der inneren Reinigung begeben, auf dem durch das Feuer der Kr\u00e4fte des Weges &#8211; der gnostischen Kr\u00e4fte des Wissens &#8211; alle vergangenen und gegenw\u00e4rtigen Phantome gel\u00f6scht werden. Dann k\u00f6nnen wir etwas von dem erahnen, was wir wirklich sind: der urspr\u00fcngliche Mensch, der K\u00f6nig, der wei\u00df, wer er ist, der Odysseus, der in sein gr\u00fcnes und bescheidenes Ithaka zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Das scheint die Bestimmung aller Menschen zu sein: K\u00f6nige im urspr\u00fcnglichsten Sinne zu sein. S\u00f6hne Gottes, K\u00f6nige ihrer selbst. Das K\u00f6nigtum, das die heiligen Medienr\u00e4ume einnimmt, ist nur ein schwacher Abglanz des wahren K\u00f6nigtums, zu dem wir berufen sind. Deshalb ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich, weil sie ein Spiegel dessen sind, was wir sein wollen: frei und ewig.<\/p>\n<p>Die Zeit wird f\u00fcr uns alle sprechen. Denn tief im Inneren geht es nur darum, zu sein oder nicht zu sein.<\/p>\n","protected":false},"author":930,"featured_media":98849,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-103068","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/103068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/930"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98849"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103068"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=103068"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=103068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}