{"id":101080,"date":"2023-03-27T18:57:33","date_gmt":"2023-03-27T18:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=101080"},"modified":"2023-03-27T18:57:33","modified_gmt":"2023-03-27T18:57:33","slug":"selbst-und-welt-ein-gemeinsames-erwachen-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/selbst-und-welt-ein-gemeinsames-erwachen-teil-2\/","title":{"rendered":"Selbst und Welt: Ein gemeinsames Erwachen \u2013Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(Zur\u00fcck zu <a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/selbst-und-welt-ein-gemeinsames-erwachen-teil-1\/\">Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p>und in der Tat zeichnet die F\u00e4higkeit zu denken uns Menschen ja aus. Nach der theosophischen Lehre, die sich unter anderem auf die Upanishaden st\u00fctzt, ist der manas der \u201eniedrigste\u201c Aspekt des wahren, vom Geistigen ausgehenden unsterblichen Selbstes und zugleich derjenige, der unserem Leben auch im Konkreten eine neue Richtung geben kann. Das Erwachen des manas h\u00e4ngt ganz wesentlich davon ab, ob es dem Menschen gelingt, seinen Astralk\u00f6rper zu reinigen und von der Dialektik von Anziehung und Absto\u00dfung zu befreien. \u201eDas Geistselbst entsteht in dem Ma\u00dfe, als es dem menschlichen Ich gelingt, die Herrschaft \u00fcber die angeborenen <a href=\"https:\/\/anthrowiki.at\/Triebe\">Triebe<\/a>, Empfindungen und Begierden zu gewinnen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> So beschreibt die Anthroposophie diesen Vorgang. Der Rosenkreuzer Jan van Rijckenborgh betont, dass das \u201eAstral-Bewusste\u201c ins Herz hinaufgezogen werden muss.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Denn in unserem Astralk\u00f6rper leben nicht nur h\u00f6here und reine Empfindungen. Im Gegenteil, er wird von Trieben, \u00c4ngsten und Begierden bev\u00f6lkert und gesteuert. Wenn nicht mehr der \u201eBauch\u201c unser Tun dirigiert, sondern das Herz \u2013 und dieses sich immer weiter vom Ichhaften reinigt, \u2013 dann kann der manas sich mit unserem Denk- und dem Empfindungsk\u00f6rper verbinden. Die Befreiung im Astralen gelingt nur, wenn ein Mensch aus eigener Erkenntnis bereit ist, seine Mauern abzubrechen, die ihn von seinem pers\u00f6nlichen Umfeld und der Menschheit als ganzer, auch von der Welt \u2013 und von seinem wahren Selbst im Innern \u2013 trennen. Ein paralleler Prozess spielt sich im Denken ab, das seinen zergliedernden, kontrollierenden Zugriff auf die Dinge aufgibt<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Umgekehrt beginnt durch das Erwachen des manas, das dann m\u00f6glich wird, ein Durchdringen der astralen und mentalen Sph\u00e4ren der Erde und der Menschheit, das in mehrfacher Hinsicht bedeutsam ist.<\/p>\n<p>Zum einen beteiligt sich der manas auf diese Weise am Bau eines feinstofflichen Feldes, das all die Menschen n\u00e4hrt, die sich aus der Gebundenheit an die Dualit\u00e4t im Denken und F\u00fchlen befreien wollen.<\/p>\n<p>Zweitens betritt der manas die Sph\u00e4re des Abstrakten. Er geh\u00f6rt ihr an \u2013 auch dies ist ein Aspekt des wahren Selbstes, das ja \u00fcberpers\u00f6nlich ist. Im Alltagsleben k\u00f6nnen wir abstrahieren, auch ohne den manas verwirklicht zu haben. Wir erkennen Muster in Dingen und Vorg\u00e4ngen. Wir k\u00f6nnen abstrakte Prinzipien erkennen und sie sogar zu einer Philosophie verdichten, nach der wir leben wollen. Wenn der manas erwacht, betritt der Mensch die Sph\u00e4re der abstrakten Gedanken und entdeckt sie als lebendige Wirklichkeit und transformierende Kraft. Das ist Platos \u201eWelt der Ideen\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> im hellen Sonnenlicht, die der Mensch nach dem Verlassen der dunklen H\u00f6hle der Irrt\u00fcmer betritt. Und, nota bene: Das H\u00f6hlengleichnis beschreibt, wie m\u00fchsam es ist, die Augen an das helle Sonnenlicht zu gew\u00f6hnen. Vor diesem Erwachen scheint das Abstrakte eine Art Quersumme hinter den Dingen zu sein. Danach ist es eine lebendige Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Da der manas zugleich in diejenigen Sph\u00e4ren des Planeten blickt, aus denen das derzeitige Denken und F\u00fchlen der Menschheit sich speisen, erkennt er drittens auch die Kr\u00e4fte, welche die Menschheit weitestgehend unbewusst ausagiert und die ihr Denken und F\u00fchlen an die Verg\u00e4nglichkeit binden.<\/p>\n<p>Die Menschheit hat einen gemeinsamen Individualisierungsprozess hinter sich, der f\u00fcr das Erlangen von Selbstst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung notwendig war. Dabei hat sdie Menschheit ihr Empfindungsverm\u00f6gen und das sich entwickelnde Denken so stark auf die Materie fokussiert, dass ihr die bewusste Verbindung mit ihrem universellen Ursprung verloren ging. So entstand ein ebenso breites wie auch analytisch tiefes Bewusstsein f\u00fcr alles Stoffliche. Es tr\u00e4gt die Saat des Konflikts in sich, denn wo jeder als Einzelner auf die Materie als die Sph\u00e4re seiner Selbstverwirklichung gerichtet ist, beginnt ein Kampf um Ressourcen, Macht und Sicherheit, der nur pausieren, aber nie enden kann. Die Individualisierung, die wir vollzogen haben, hat uns in die Einsamkeit und in eine mehr oder weniger starke Isolation gef\u00fchrt. Jeder Mensch hat diesen Prozess \u2013 als Mikrokosmos \u2013 \u00fcber Inkarnationen hinweg erlebt. Zugleich bildete das Denken und Empfinden, das sich bei all diesen Einzelnen formte, kollektive Energiefelder, die in innigem Austausch mit ihren Erzeugern stehen. Diese kollektiven Gef\u00fchls- und Denkmuster besitzen ein Eigenleben, sie wollen von uns belebt werden und bescheren uns die immer gleichen beschr\u00e4nkenden und entzweienden Bewegtheiten. Der Mensch, ein prinzipiell unbegrenztes Wesen, will sich in der Begrenzung und in Abschottung von anderen erkennen und verwirklichen: Dass dies zu Verteilungsk\u00e4mpfen f\u00fchrt, ist kein Wunder. So lebt die Menschheit aus dem Reservoir ihrer mentalen und astralen Erzeugnisse, und so arbeitet sie aber auch gemeinsam daran, sie weiter zu entfalten. Wir denken und f\u00fchlen prinzipiell immer wieder das Gleiche, bis wir uns durch das Erwachen des Selbstes aus diesen individuellen und kollektiven Zw\u00e4ngen befreien. Als Einzelne und als Menschheit durchleben wir das Wesen der Trennung und der Gebundenheit an die Materie (wobei \u201eMaterie\u201c die gesamte Verg\u00e4nglichkeit meint, mit ihren feinstofflichen Anteilen). Wir erleben dies, bis uns von innen her die eigene Tiefe mit einem Wissen ber\u00fchrt, das die vormaligen Grenzen \u00fcberschreitet und einen Befreiungsprozess einleitet. Die kollektiven Energiefelder k\u00f6nnen sich aufl\u00f6sen, wenn sie gemeinhin erkannt und so \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p>Die Abw\u00e4rtsspirale, auf der wir uns, von materiegebundenen Kr\u00e4ften angetrieben, in der Materie verankern, dort Sicherheit suchen, nach Macht und Kontrolle verlangen und \u00c4ngste durchstehen, weil unsere Kontrolle immer wieder durch andere oder durch unsere eigene Schw\u00e4che bedroht wird, ist furchtbar. Immer wieder entstehen \u00c4ngste, die zu neuen Sicherheitsma\u00dfnahmen oder Aggressionen f\u00fchren. Dazu geh\u00f6ren auch R\u00fcckzug, Misstrauen und weitere Isolation. Der Normalb\u00fcrger baut sich dann ein Haus mit Alarmanlage, Kamera\u00fcberwachung und hohen Mauern, und er bestellt am Ende noch einen Sicherheitsdienst, der es bewachen soll. Nie f\u00fchlt er sich wirklich sicher.<\/p>\n<p>Staaten tun etwas ganz \u00e4hnliches. Sie sind Konstrukte, die ihre B\u00fcrger, also \u201edie Nation\u201c, repr\u00e4sentieren. Als politisch-milit\u00e4risch-wirtschaftlich-kulturelle Agenten auf der Weltb\u00fchne agieren sie die konzentrierten Energien ihrer B\u00fcrger aus. Sie verfertigenbedienen sich dazu oft \u00fcberlieferter, seelisch einst tief begr\u00fcndete und glaubw\u00fcrdige Erz\u00e4hlungen, die historische Gr\u00f6\u00dfe, universelle Werte und konkrete St\u00e4rke in sich vereinent, um ihre oftauch die fragw\u00fcrdigen, aggressiven (und scheinbar notwendigen) Taten damit zu bem\u00e4nteln. Je gr\u00f6\u00dfer der Staat, desto h\u00f6her der Anspruch und desto h\u00f6her der Druck, Gr\u00f6\u00dfe und Macht mit allen Mitteln zu verteidigen, wenn nicht zu erweitern. Nationalismus wiederum ist die Handhabe und die Erz\u00e4hlung, welche die Menschen dazu bringt, dem jeweiligen \u00dcber-Ich blind zu dienen. F\u00fcr die Einzelnen ist es eine Art und Weise, dem eigenen Leben die Gr\u00f6\u00dfe zu verleihen, die dem individuellen Lebenslauf oft zu fehlen scheint. Ohne die Menschen, die die Erz\u00e4hlung glauben und f\u00fcr sie Opfer zu bringen bereit sind, sind Staaten nur Verwaltungsapparate (und als solche notwendig und verdienstvoll). Das Erwachen aus den nationalistischen Erz\u00e4hlungen, die die Nationen und die Menschen in ihnen in Konkurrenten und Feinde verwandeln, steht an. Es ist indes nur f\u00fcr denjenigen vollst\u00e4ndig m\u00f6glich, der das ewige Fundament seines Seins findet, und der zum universellen Menschsein erwacht. Dann gibt es keine \u00c4ngste und keine Feindschaften mehr. Wer erwacht ist, sieht das Leiden aller Menschen, das in diesen alten Identifikationsmodellen entsteht. Er kann die Freiheit des universellen Menschseins daneben setzen, oder vielmehr aus der Mitte aufleuchten lassen.<\/p>\n<p>Buddhi ist der n\u00e4chste Aspekt des universellen Selbstes, der sich nach dem Erwachen des Manas realisieren kann. Wenn Menschen bereit sind, ihre Selbsterhaltung, die ihre Wurzel im \u00c4therk\u00f6rper hat, durch ihr Innerstes \u00fcberwinden zu lassen, dann erst k\u00f6nnen sie zu der universellen Seele werden, die sich mit der spirituellen Seele der Erde vereint. Dies ist eine Art von mystischem Tod, denn als Ichmenschen k\u00f6nnen und wollen wir die eingefleischte Selbsterhaltung nicht aufgeben, die durch das Erwachen von buddhi abgel\u00f6st wird. Zugleich ist es buddhi, die es Menschen erm\u00f6glicht, ihre Wurzeln in der Verg\u00e4nglichkeit preiszugeben und sich bewusst in der Unverg\u00e4nglichkeit zu verankern, in der ihr urspr\u00fcnglicher Wesenskern von jeher existiert.<\/p>\n<p>Als lebendige, wenn auch verg\u00e4ngliche Natur besitzt die Erde auch eine Seele, die den ganzen Planeten durchdringt und tr\u00e4gt. Neben ihren verg\u00e4nglichen Bereichen geh\u00f6rt zu ihr. Sie besitzt aber auch einen h\u00f6heren Seelenaspekt, buddhi, der gleichsam als n\u00e4hrendes Feld spirituellen Erwachens wirkt. Wer in sich die Vereinzelung und die Selbsterhaltung \u00fcberwindet, wer den schon erw\u00e4hnten Quell von unwillk\u00fcrlichen Grenzziehungen und Abwehrhaltungen austrocknet, wird frei, alle Menschen als Br\u00fcder und Schwestern zu erleben und zu behandeln. Er erwacht in der buddhi der Erde, einer universellen Beseelung, die keine Grenzen mehr kennt. In der christlichen Sicht ist dieser Aspekt der Christusgeist unseres Planeten.<\/p>\n<p>Manas \u2013 buddhi \u2013 \u00e2tman sind zusammen das wahre, ewige Selbst. Manas ist letztlich alldurchdringende Erkenntnis, buddhi allumfassende Liebe und \u00e2tman das Sein, das alle Grenzen \u00fcberschreitet und bis dahin reicht, wo unser Ichbewusstsein nur noch Nichtsein vermuten kann. Deshalb ist \u00e2tman (der in der indischen Spiritualit\u00e4t eins mit brahman<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> ist) zugleich der Quell allen Seins. Dabei eignet dem manas die Kenntnis des Irdischen wie auch des Himmlischen. Diese Kenntnis ist prinzipiell mittelpunktlos, sie geh\u00f6rt keiner Person, sie ist ein Anteilhaben am All. Buddhi geht in der Freude der geistig-seelischen Einheit auf. Hier beginnt der Mensch, gleich dem Christus, zu einer gro\u00dfen Seele heranzureifen, die ein Entwicklungsfeld f\u00fcr andere erschaffen und sein kann. \u00c2tman ist das gro\u00dfe, unauslotbare Mysterium des Seins.<\/p>\n<p>Das Erwachen des wahren Selbstes befreit neue Sch\u00f6pfungskr\u00e4fte im Menschen, der so zum Kraftquell f\u00fcr andere wird. Dieses Sein l\u00e4sst offenbar werden, was Menschsein eigentlich bedeutet.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>in anthrowiki.at\/Geistselbst vom 23.08.2022. Die Anthroposophie sieht das \u201eIch\u201c auf einem bruchlosen Weg zum Erwachen des Christus im Menschen. Der Weg des Rosenkreuzes hingegen betont die Notwendigkeit der Hingabe und \u00dcbergabe des Ichs an das erwachende Selbst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Jan van Rijckenborgh: Die \u00e4gyptische Ur-Gnosis und ihr Ruf im ewigen Jetzt, Band II, Haarlem 1991, S. 116ff. Das \u201eAstral-Bewusste\u201c kann im Menschen als energetisches Prinzip mit einem eigenen Bewusstseinsaspekt wahrgenommen werden, daher diese Bezeichnung. Es ist entweder Werkzeug der Triebe und Instinkte, oder es entwickelt sich zu einem Aspekt der erwachenden Seele.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hierbei wird das konkrete Erkenntnisverm\u00f6gen nicht beeintr\u00e4chtigt. Es entsteht die F\u00e4higkeit, aus dem und f\u00fcr das Ganze zu denken.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>wie es im H\u00f6hlengleichnis beschrieben ist. In: Platon. Hauptwerke. Ausgew\u00e4hlt und eingeleitet von Wilhelm Nestle. Stuttgart 1973, S: 205 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>brahman, nicht der Gott brahma<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":101090,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-101080","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/101080","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101080"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101080"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=101080"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=101080"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}