{"id":100402,"date":"2023-10-18T21:20:16","date_gmt":"2023-10-18T21:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=100402"},"modified":"2023-10-18T21:20:16","modified_gmt":"2023-10-18T21:20:16","slug":"feuer-im-herzen-ein-blick-in-die-tiefe-der-russischen-seele","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/feuer-im-herzen-ein-blick-in-die-tiefe-der-russischen-seele\/","title":{"rendered":"Feuer im Herzen \u2013 Ein Blick in die Tiefe der russischen Seele"},"content":{"rendered":"<p>Die Silbe \u201eUr\u201c weist auf die Wurzel des Lichts im Feuer hin. Seit unvorstellbaren Zeiten zieht dieser strahlende Urgrund die Herzen der V\u00f6lker an.1<\/p>\n<p>Wahrlich, der Pfad des Geistes muss von Menschenf\u00fc\u00dfen beschritten werden! 2<\/p>\n<p>In ihrem Werk Feurige Welt bezeichnet Helena Roerich, die Begr\u00fcnderin des Agni Yoga, das Element Feuer als die allgegenw\u00e4rtige, am meisten sch\u00f6pferische und am meisten lebenspendende Kraft. Sie stellt fest, dass das menschliche Bewusstsein sich mit vielen leeren und unbedeutenden \u00dcberlegungen \u00fcber das Feuer besch\u00e4ftigt und ihm dabei das Wunderbarste entgeht. F\u00fcr einen suchenden Menschen ist es aber lebensnotwendig, dieses Wunderbarste zu erfassen: den Abglanz des h\u00f6chsten Feuers im eigenen Innersten. Ist dieser Abglanz zu ersp\u00fcren? Kann ein Mensch das Mysterium des Feuers in seinem eigenen Innern entschl\u00fcsseln?<\/p>\n<p><strong>Das entflammte Herz \u2013 Die Legende von Danko<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint, als h\u00e4tten Opfer und Feuer nichts miteinander gemein, doch das Opfer wird in allen \u00dcberlieferungen als flammend bezeichnet.3 \u201eMan muss Feuer, Wasser und Posaunen \u00fcberstehen\u201c, so lautet ein russisches Sprichwort, das sich aus der Offenbarung des Johannes ableitet und in dem der Volksmund deutlich macht, welche Bedingungen auf dem Weg zum G\u00f6ttlichen erf\u00fcllt werden m\u00fcssen. Der an die Natur gebundene Mensch muss begreifen, dass eine Umkehr erforderlich ist. Dann wird sein Herz durch ein Gnadenfeuer entflammt, das nicht versengend ist.4 Der wahre Mensch besitzt ein reines Herz, er ist das Herz. Er wohnt als ein Gott im Herzen der Naturgestalt.5<\/p>\n<p>Ein reines, entflammtes Herz begegnet uns in der Legende von Danko.6\u00a0 Sie erz\u00e4hlt vom Entwicklungsweg der Menschheit mit all seinen Hindernissen und seiner M\u00fchsal. Es ist ein Weg, der nur gangbar ist, weil die Liebe und der Trost aus der g\u00f6ttlich-geistigen Welt den Menschen begleiten. Der J\u00fcngling Danko opfert sich. Er rei\u00dft, als sein Volk sich in einem scheinbar ausweglosen dunklen Wald verirrt hat und nur noch Verzweiflung herrscht, sein Herz aus der Brust und h\u00e4lt es hoch \u00fcber den Kopf. Es leuchtet heller als die Sonne und weist den rettenden Ausweg.<\/p>\n<p><strong>Das Opfer an die Weltseele \u2013 Die Legende von Kitesch<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nachvollziehbar, dass die Anforderungen des befreienden Pfades einen Menschen abschrecken k\u00f6nnen, vor allem, wenn er versucht, \u201eFeuer, Wasser und Posaunen\u201c aus eigener Kraft zu bew\u00e4ltigen. Damit steht er sich selbst im Weg und hindert die unsterbliche Seele, die ihm \u201en\u00e4her als H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe\u201c ist, daran, ihm zu helfen. Ein Motiv f\u00fcr die \u00fcberindividuelle seelische Macht begegnet uns in der Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch.<\/p>\n<p>Die Legende berichtet, dass Kitesch im See untergetaucht ist und dadurch vor der Batu Khan-Armee gerettet werden konnte. Allein Fevronya, die Gattin des im Kampf gefallenen F\u00fcrsten Wsewolod, kann die Stadt sehen und auch die wei\u00dfen, in Tr\u00e4nen gewaschenen Gew\u00e4nder ihrer Bewohner mit den Lilien des Paradieses darauf sowie die brennenden Kerzen, die sie in den H\u00e4nden tragen. Wie eine Feuers\u00e4ule steigt das Licht \u00fcber der unsichtbaren Stadt zum Himmel auf; es str\u00f6mt aus den ge\u00f6ffneten T\u00fcren ihrer Kathedrale hervor.7<\/p>\n<p>In dieser Legende schwebt \u00fcber dem Ego eine \u00fcberindividuelle Macht. Sie verwandelt das Leiden auf dem Weg und macht es zu einem Ausdruck der Wirksamkeit des Heiligen Geistes im Menschen. Die Stadt Kitesch vermag aus dem See aufzusteigen aufgrund des unverdienten Leidens aller f\u00fcr alle. Hierin bildet sich in der Seelenweisheit Russlands das Ideal einer spirituellen Essenz ab, die man mit den Worten ausdr\u00fccken kann: Wer das Leiden geduldig auf sich nimmt, auf den harrt die Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>In der Legende zeigt sich, dass es nicht um die Befreiung des Individuums geht, sondern um die der Gemeinschaft, ja letztlich die der Menschheit. \u00c4hnlich wie in der Parzivalsage muss auch hier eine Frage gestellt werden. In der Kitesch-Legende lautet sie: Wie kann die Menschheit gerettet werden? Die Antwort liegt in dem Gebet, das die Gnade Gottes f\u00fcr alle erfleht.<\/p>\n<p>Die Legende lehrt uns, unsere individuellen Motive f\u00fcr den geistigen Aufstieg dem Streben der Gemeinschaft unterzuordnen. Weg und Ziel eines blo\u00df individuellen Strebens finden in der Kitesch-Legende keinen Platz.8<\/p>\n<p><strong>Feuers\u00e4ule des Geistes \u2013 Der Prometheus von Alexander Skrjabin<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Frage der Transformation des Bewusstseins der Menschheit besch\u00e4ftigte sich auch der russische Komponist Alexander Skrjabin (1871-1915), der Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Adyar in Belgien war. Er sah in der Bewusstseinstransformation seinen Lebensauftrag, dem er stets treu blieb. Skrjabin hoffte, die Menschheit mit der Musik und der Kunst zu erl\u00f6sen. In einer geistigen Schau erblickte er die Feuers\u00e4ulen eines Tempels, die wie von Himmel herabkamen. Er hatte vor, in Indien, dem Land der Musik und Magie, einen Mysterientempel zu errichten, in dem er sein speziell daf\u00fcr komponiertes Orchesterwerk Prometheus \u2013 Po\u00e8me du Feu (1911) auff\u00fchren wollte. Die Erl\u00f6sung der Menschheit sollte durch ein Gesamtkunstwerk geschehen, eine Synthese s\u00e4mtlicher K\u00fcnste, eine Symphonie aus Wort, Ton, Farbe, Duft, Ber\u00fchrung, Tanz und bewegter Architektur. Unter einer Halbkugel sollte dieses Geschehen mit 2.000 Mitwirkenden immer wieder neu stattfinden, so lange, bis die gesamte Menschheit das Mysterium erlebt haben und in eine h\u00f6here Bewusstseinsstufe erhoben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie mit einer frischen Windbrise sollten die Melodien die Herzen aller Menschen auf der Erde ber\u00fchren. Dann w\u00fcrden sie aus ihrem irdischen Schlaf erwachen, sich wie auf einer Br\u00fccke in die h\u00f6here, geistige Welt bewegen, die lebt und atmet und auf Seelen wartet, die zu ihr herangereift sind. Die Menschenseelen w\u00fcrden in dieser hohen und reinen Energie so lange verweilen, in diesem Liebesmeer so lange baden, bis sie gereinigt und befreit sind.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, dass Alexander Skrjabin diese Vision, diesen Auftrag nicht erf\u00fcllt hat, da kein sichtbarer Tempel erbaut worden ist. Doch im Prometheus mit seinem \u201emystischen Akkord\u201c, der Luce-Stimme und dem \u201eFarbenklavier\u201c, hat er den Tempel in unsichtbaren Sph\u00e4ren verwirklicht. Unter den vielf\u00e4ltigen Erscheinungsformen des \u201eTredezimakkordes\u201c erlangte Alexander Skrjabins \u201emystischer Akkord\u201c (der \u201eprometheische Akkord\u201c) eine besondere Bekanntheit und Bedeutung.9<\/p>\n<p>Als Mitwirkender in einer theosophisch orientierten Gruppe wusste Skrjabin, dass unsere Welt von feurigen Gedanken durchdrungen ist, die, wenn es gut ist, mit den sieben Strahlen des geistigen Universums in Verbindung stehen. Durch sie kann das Alte (das Irdische) vergehen und das Neue (das G\u00f6ttliche) geboren werden. Wie sich einzelne Flammenzungen in einem unendlichen Tanz zu einem m\u00e4chtigen Feuer vereinen, so verbinden sich die lichtvollen Gedanken miteinander und gehen ein in das gro\u00dfe Wesen der Weltseele, das den g\u00f6ttlichen Geist empfangen kann. Jeder Mensch, der von der Weltseele ber\u00fchrt wird und sich von ihren Flammen erf\u00fcllen l\u00e4sst, wandelt zu einem Lichtwesen.<\/p>\n<p><strong>Das Wunderbarste liegt in der Tiefe<\/strong><\/p>\n<p>Galaxien mit Sternen und Planeten entstanden aus dem Ur-Feuer. Auch unser Planet wurde aus ihmhervorgebracht. Hermes Trismegistus nennt die \u201eHeilige Erde\u201c den \u201ezweiten Gott\u201c. Die Kr\u00e4fte der siebenfachen Heiligen Erde, die \u201esieben Flammen der Isis\u201c, erm\u00f6glichen die Heranbildung der urspr\u00fcnglichen Seele und des urspr\u00fcnglichen, geistig-seelischen K\u00f6rpers. Die Seelenkr\u00e4fte k\u00f6nnen ihr siebenfaches Verm\u00f6gen dem ge\u00f6ffneten Herzen des Menschen \u00fcbertragen. Das f\u00fchrt zu einem siebenfachen Prozess, auf dem der \u201esiebenfache Leuchter, der vor Gott steht\u201c, im Menschen erneut entflammt wird.10<\/p>\n<p>So erf\u00e4hrt er das Wunder des Feuers.<\/p>\n<p>Helena Roerich schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Um das Feuer als den Weg der Hierarchie, der Liebe und des Mitleids zu empfangen und anzunehmen, muss man sich unwiderruflich mit dem ganzen Herzen opfern, nur so werden sich die kleinen Sterne in flammende Giganten verwandeln.11<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Sehnsucht, den Abglanz des h\u00f6chsten Feuers im Innersten zu schauen, wird erf\u00fcllt, wenn sich der Mensch zu seinem geistigen Kern umkehrt. Dann \u00f6ffnet sich das Wunderbarste, der innewohnende Geist, das Ur-Feuer.<\/p>\n<hr \/>\n<p>1 Helena Roerich, Feurige Welt, 1933 (S. 8-13 im russ. Original)<br \/>\n2 Nikolai Roerich, Altai \u2013 Himalaya, 1929 (S. 78 im russ.Original)<br \/>\n3 Helena Roerich, a.a.O.<br \/>\n4 A.a.O.<br \/>\n5 Jan van Rijckenborgh, Die \u00c4gyptische Urgnosis, Band 1, Rozekruis Pers, Haarlem, 2. Auflage 1983, S.75<br \/>\n6 Maxim Gorki, Die alte Isergil. Gesammelte Erz\u00e4hlungen, aus dem Russischen von Michael Feofanow, Diederichs, Leipzig 1902.<br \/>\n7 Rimsky-Korsakov, Nikolai, Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronija, Oper, Sankt Petersburg 1906<br \/>\n8 Nederlander, Munin, Kitez. The Russland Grail Legends, The Aquarian Press, First Edition, London, 1991, S. 92-95<br \/>\n9 Zsolt G\u00e1rdonyi, Alexander Skrjabin (1871\u20131915) zum 100. Todestag, W\u00fcrzburg, www.gardonyi.de<br \/>\n10 Jan van Rijckenborgh, Die \u00c4gyptische Urgnosis, Band 2, Rozekruis Pers, Haarlem, 2. Auflage 1983, S.276<br \/>\n11 Helena Roerich, a.a.O.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":100726,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[111042,110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-100402","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de-2","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/100402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100402"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=100402"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=100402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}