{"id":100322,"date":"2023-10-24T22:03:49","date_gmt":"2023-10-24T22:03:49","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=100322"},"modified":"2023-10-24T22:03:49","modified_gmt":"2023-10-24T22:03:49","slug":"wie-der-goettliche-geist-in-den-menschen-kam-und-was-dann-mit-ihm-geschah-heraklit-und-origenes","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wie-der-goettliche-geist-in-den-menschen-kam-und-was-dann-mit-ihm-geschah-heraklit-und-origenes\/","title":{"rendered":"Wie der g\u00f6ttliche Geist in den Menschen kam und was dann mit ihm geschah \u2013 Heraklit und Origenes"},"content":{"rendered":"<p>Der Philosoph Heraklit fand eine Antwort auf sie, indem er sich selbst erforschte. Der Philosoph und Theologe Origenes wollte, was Heraklit erkannt hatte, auch ins Christentum aufnehmen und wurde daf\u00fcr schwer bestraft.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Heraklit (520-460 vor Chr.)<\/strong><\/p>\n<p>Vor 3.000 Jahren besiedelten die Griechen die K\u00fcstengebiete Kleinasiens, der heutigen T\u00fcrkei. Dieses Land war bereits bewohnt von den Karern. In Ephesus hatte das karische Volk bereits ein Heiligtum errichtet, das der Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin Diana polymastos geweiht war. Noch heute gibt es den Begriff der alma mater, der vielbr\u00fcstigen n\u00e4hrenden G\u00f6ttin von Ephesus. Die Griechen errichteten in dieser Tempelzone den ersten steinernen Tempel, der zu den sieben Weltwundern der Antike geh\u00f6rte. Er hatte eine Grundfl\u00e4che von etwa einem qkm und war 25 Meter hoch. In dem damaligen Tempelbezirk befand sich auch das W\u00e4ldchen, in dem Heraklit zur\u00fcckgezogen lebte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Karer hing die Einweihung noch unter anderem von den Jahreszeiten und der Konstellation der Sterne und Planeten ab. In der ephesischen Spiritualit\u00e4t trat nun durch Heraklit eine Emanzipation ein: Einweihung konnte unabh\u00e4ngig von Natur, Zeit, Ort und astronomischen Ph\u00e4nomenen stattfinden. Allein die Reife des Sch\u00fclers ist ausschlaggebend, die abh\u00e4ngt von seinen spirituellen Erfahrungen, seinem Denken und seiner Weisheit.<\/p>\n<p>Heraklit nimmt unter den griechischen Philosophen eine Ausnahmestellung ein. Bei ihm ist erstmals das Bewusstsein des Denkens von sich selbst wahrnehmbar. Und dieses Bewusstsein beinhaltet die Idee des Logos. W\u00e4hrend zu gleicher Zeit Pythagoras (570-510 v.Chr.) Wissen und Kenntnisse auf seinen Reisen durch die damals bekannte Welt sammelte und so als wahrer Sucher auch in heutigem Sinne bezeichnet werden kann, steht Heraklit auf einem vollkommen anderen Standpunkt. Er sagt, er wisse alles! Diese Aussage ist kompatibel mit der Aussage des sp\u00e4teren Sokrates, der formulierte: Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df. Sokrates war sehr kenntnisreich, ja, er war ein wissender Philosoph. So kann es sich bei dieser Aussage nur um die alles entscheidende Frage nach der Wahrheit und den Urquellen der Weisheit handeln. Bei Heraklit erleben wir die Geburt des Gedankens aus dem Logos, der eigentlichen Quelle des Seins. Vielleicht hilft das Bild, dass Heraklit noch Kontakt zu den G\u00f6ttern hatte. Pythagoras und Sokrates hingegen konnten nur noch aus den Abbildern der G\u00f6tter Erkenntnis gewinnen. So konnten die Nachgeborenen Heraklit wohl nicht mehr ganz verstehen. Und wir heute k\u00f6nnen das wohl auch nicht.<\/p>\n<p>Die Logos-Idee hat sich hingegen \u00fcber die Jahrtausende bis heute zu uns gerettet. Heraklit schrieb seine Gedanken nieder und hinterlegte seine B\u00fccher im Tempel der Artemis (dem Tempel der Diana polymastos). Die Absicht war, dass nur diejenigen zu diesen Aufzeichnungen gelangen sollten, die dazu (kraft ihrer Stellung im Artemistempel) in der Lage waren. Seine heilige Schrift sollte also im Schutz der Logos-G\u00f6ttin geborgen bleiben. \u00dcberliefert ist der Satz Heraklits zur Quelle seines Wissens: \u201eIch durchforschte mich selbst!\u201c Der vollendete Logos ist das Urprinzip der Sch\u00f6pfung. Die Logos-Idee umschreibt das geistige Feuerprinzip, das mit jedem Wesen der Sch\u00f6pfung verbunden ist und das der Mensch in seinem eigenen Innern erfahren kann.<\/p>\n<p>Durch alle Jahrhunderte wird diese Idee des Feuergeistes weitergetragen. Sie findet ihren Ausdruck auch in der griechischen Urfassung des Neuen Testaments: \u201eAm Anfang war der Logos; und der Logos war bei Gott und Gott war der Logos\u201c (Joh. 1, 1).<\/p>\n<p>Es ist gut, sich bewusst zu machen, dass die alten griechischen Philosophen die Mythologie f\u00fcr das geeignetste Ausdrucksmittel hielten, die Wirklichkeit zu vermitteln. Zu bedenken ist, dass es, von heute aus betrachtet, kaum m\u00f6glich ist, die Situation in der Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus richtig zu deuten bzw. zu erkennen. Gesellschaftliche, gedankliche und religi\u00f6se Erscheinungsformen, Traditionen und Bedrohungen und Reaktionen darauf d\u00fcrfen nicht mit heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen werden. Gleichwohl kann der heutige Mensch aus der alten Philosophie durchaus wertvolle Erkenntnisse ziehen. Auch Dichtung und Poesie geh\u00f6rten damals zu den wesentlichen Urph\u00e4nomenen der Existenz. Der Mythos kann als Spielraum zwischen Wahrheit und Unwahrheit angesehen werden. Er stellt die Wirklichkeit im bildhaften Spiel der Phantasie und der inneren Schau dar. In diesem Rahmen k\u00f6nnen also Wunder die Naturordnung zumindest zeitweise au\u00dfer Kraft setzen.<\/p>\n<p><strong>Heraklit nennt das \u201eFeuer\u201c den Urgrund von allem.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass er damit die Frage nach dem \u201eeinheitlichen Grund\u201c aller Erscheinungsformen beantworten will. Hierin k\u00f6nnte der Beginn der Geisteswissenschaft liegen, zumal durch Heraklits Einf\u00fchrung des Feuergeistes das kosmologische \u201eEinheitsdogma\u201c der Antike prinzipiell aufgehoben wird. Nicht mehr gilt das \u201eEs war immer so und wird so bleiben.\u201c\u00a0 Sein vielleicht bekanntestes Textfragment, das die Zeiten \u00fcberlebt hat, spielt jetzt die entscheidende Rolle: panta rhei, alles flie\u00dft, alles ist in Wandlung begriffen durch den Feuergeist des Gottes. Dieses Feuer ist kein \u201eruhender Urstoff\u201c, sondern Motor der permanenten Verwandlung. Hierzu geh\u00f6rt auch Heraklits oft falsch verstandene Aussage: \u201eDer Krieg (Kampf) ist der Vater aller Dinge.\u201c Diese Aussage beeinflusste Hegel, Marx, Engels und Lenin. Sie ist vor allem im Sinne einer inneren Auseinandersetzung zu verstehen. Auch der urspr\u00fcngliche Islam hat diese Gedanken aufgenommen: Der Dschihad stellt, recht verstanden, den innerlichen mentalen und emotionalen Kampf um das richtige Handeln im Angesicht Allahs dar. Eine Reihe \u00fcberlieferter Fragmente Heraklits beschreibt einen fr\u00fchen Dualismus, der den inneren Streit notwendigerweise lebendig erh\u00e4lt:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Menschen verstehen nicht, wie das \u201eEine\u201c auseinanderstrebend in sich \u00fcbereinstimmt.<\/li>\n<li>Das All ist \u201eAlles in Einem\u201c: Getrenntes und Ungetrenntes, Gewordenes und Ungewordenes, Sterbliches und Unsterbliches.<\/li>\n<li>Der Schraube Weg, gerade und gekr\u00fcmmt, ist einer und derselbe, gerade hinauf und im Kreise herum geht er zugleich.<\/li>\n<li>Die Natur strebt nach dem \u201eEntgegengesetzten\u201c und bringt hieraus und nicht aus dem \u201eGleichen\u201c den Einklang hervor.<\/li>\n<li>Sich wandelnd ruht das \u00e4therische Feuer im menschlichen K\u00f6rper sich aus.<\/li>\n<li>Das meiste des G\u00f6ttlichen entzieht sich der Erkenntnis aus Mangel an Vertrauen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am Ende der Tage sind alle Gegens\u00e4tze und Widerspr\u00fcche des Menschenlebens in einer h\u00f6heren Geistigkeit und Einheit aufgehoben. So entstand in den Schriften Heraklits die Lehre der Coincidentia oppositorum, des Zusammenfallens des Gegens\u00e4tzlichen. Diese philosophische, ephesische Sicht entsprach dem Logos, wie Heraklit ihn postuliert. Er ist zugleich \u201eWort\u201c, also Idee und Sprache, Gedanke, also innerer Hervorbringungsprozess der eigenen Wahrheit, des Sinnes und zugleich der Vernunft. Der Mensch, inspiriert durch den g\u00f6ttlichen Logos, kann die Worte sprechen: Haben sie nicht mich, sondern den Logos vernommen, so ist es weise zu sagen, \u201eAlles ist Eins\u201c.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4t, die Kraft des Logos im Menschen, ist nach wie vor ungebrochen. Im \u00c4u\u00dferen ist es die vollendete geistige Sch\u00f6pfungskraft. Im Inneren (auf der Geist-Seelenebene) ist der Logos die Saat zuk\u00fcnftiger Evolution. Er ist also noch im Wachstum begriffen. So l\u00e4sst sich nach den wenigen \u00dcberlieferungen Heraklits erkl\u00e4ren, dass der Geist im Herzen des Menschen aktiv sch\u00f6pferisch t\u00e4tig ist und die Entwicklung eines h\u00f6heren \u201eIchs\u201c vorantreibt bis hin zu einem Zustand\/Geschehen, in dem die g\u00f6ttliche Geistkraft im entwickelten Menschen zu einer Vergeistigung, einer Heiligung f\u00fchrt. Zuversicht und Vertrauen sind die Wege zum Logos.<\/p>\n<ul>\n<li>Doch, aufs Innigste mit dem Logos verkn\u00fcpft,<\/li>\n<li>widersetzt sich der Mensch st\u00e4ndig.<\/li>\n<li>Wie kann sich jemand vor dem Licht verstecken,<\/li>\n<li>das niemals untergeht?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Origenes (geb. Ende des 2. Jh. nach Chr.) tr\u00e4gt die Fackel weiter<\/strong><\/p>\n<p>Origenes gilt f\u00fcr viele als der gr\u00f6\u00dfte Kirchenvater. Er schrieb 6.000 B\u00fccher, die nur noch bruchst\u00fcckhaft erhalten sind. Es wird vermutet, dass einige der im letzten Jahrhundert gefundenen Schriftrollen vom Toten Meer aus seiner Feder stammen. Origenes f\u00fchrte den griechischen Geist in das fr\u00fche Christentum ein. Verfolgung, Folter und Vernichtung seiner Schriften bedrohten und begleiteten ihn bis zu seinem Tod. In Pal\u00e4stina wurde er im Jahre 230 zum Priester geweiht. In seiner Heimat, in Alexandria, \u00c4gypten, wurde ihm die Priesterweihe aberkannt, und er wurde aus der fr\u00fchen Kirche exkommuniziert. Er blieb seiner Kirche allerdings immer treu. Es hei\u00dft von ihm, er k\u00e4mpfte mit dem R\u00fccken gegen den Klerus, mit dem Gesicht hingegen f\u00fcr Gott.<\/p>\n<p>Origenes beschreibt das Hegemonikon. Es ist der Ort im Herzen eines jeden Menschen, in dem der Logos wohnt. Er postuliert, dass Christus allen Vollendeten erscheine und ihr Hegemonikon erleuchte zur Erkenntnis aller Dinge. Das Hegemonikon ist das innerste Heiligtum im Menschen, das Uratom, der Raum, in den der Geist seinen Samen s\u00e4t. Es ist der Raum des Logos spermatikos, der Ber\u00fchrung mit dem geistigen Samen.<\/p>\n<p>Sein Leben lang war Origenes ein unerm\u00fcdlicher, hingebungsvoller Lehrer, der seine Gedanken unaufh\u00f6rlich druckreif \u00e4u\u00dferte. Eine Mannschaft von Stenografen schrieb ununterbrochen seine Aphorismen und Gedankensplitter auf.<\/p>\n<p>Auf einem Konzil in Konstantinopel im Jahre 553 wurden neun Lehren Origenes\u00b4 als Ketzerei verurteilt. 869 beschloss die Kirche, das Zwei-Seelen-Prinzip abzuschaffen, nach dem der Mensch neben der irdischen Seele auch eine unsterbliche Geistseele besitzt. Die Zwei-Seelen-Lehre wurde mit dem Bannfluch belegt, der bis heute fortbesteht. Der Mensch verlor den Geist aus seinem Bewusstsein, und damit wurden, ohne dass man sich dessen bewusst war, die Grundlagen f\u00fcr den heutigen Materialismus geschaffen. Auch das Luziferische, das \u00fcbersteigerte irdische Ich, konnte nun in die europ\u00e4ische Zivilisation einziehen. Die Ergebnisse hiervon erleben wir in unserer Zeit.<\/p>\n<p>Origenes wurde unter Kaiser Decius mit Folter und schweren Misshandlungen in Gef\u00e4ngnissen geschunden. An den Verletzungen starb er im Jahr 254. Er erhielt den Beinamen Origenes Adamantius, was bedeutet: der Mann aus Stahl.<\/p>\n<p>Er dr\u00fcckte seine Beziehung zum Vatergott wie folgt aus: Wenn wir uns nicht dem B\u00f6sen hingeben, sondern f\u00fcr Gott Raum schaffen, s\u00e4et Gott seinen Samen in unser Hegemonikon. Den Ort in uns, in dem h\u00f6here Erkenntniskr\u00e4fte wirken, umschreibt er als das Innere der H\u00fcllen, wo Unzug\u00e4ngliches aufbewahrt wird. Dieses principale cordis (Herr des Herzens) kann allein die Wahrheit erfassen und ist den Geheimnissen Gottes gewachsen.<\/p>\n<p>Darin liegt die M\u00f6glichkeit, Christ zu werden. Durch die Geistwirksamkeit im Hegemonikon wird der Mensch bereit, dem g\u00f6ttlichen Geist, dem Logos, sein Leben zu weihen. Zahllose Menschen sind im Laufe der Geschichte von dem Drang erfasst worden, nach dem tieferen Sinn der Dinge zu forschen. Sie haben die dogmatischen Grenzen der herrschenden Religionen durchbrochen. Gerade in unseren Tagen dr\u00e4ngt das innere Gotteselement erneut zum Aufbruch, quer durch alle Lebens- und Kulturbereiche hin: in der Wissenschaft, der Philosophie, der Kunst, der Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":100361,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-100322","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/100322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100322"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=100322"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=100322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}