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	<title>Geist und Seele &#8211; LOGON</title>
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	<description>An online magazine with articles about spiritual development</description>
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	<title>Geist und Seele &#8211; LOGON</title>
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		<title>Von der Vielfalt zur Einfalt des Herzens – Ein Weg der inneren Transformation</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/von-der-vielfalt-zur-einfalt-des-herzens-ein-weg-der-inneren-transformation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 06:00:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In einer Welt, die von einer Vielzahl von Meinungen, Überzeugungen und Identitäten geprägt ist, wird Vielfalt oft als höchstes Gut gefeiert. Doch benötigen wir nicht vielmehr Einfalt? Nicht im Sinne einer Verarmung, sondern als eine tiefe Besinnung auf das Wesentliche, das aller Vielfalt zugrunde liegt, einer spirituellen Transformation, die zur Essenz des Menschseins führt. In [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In einer Welt, die von einer Vielzahl von Meinungen, Überzeugungen und Identitäten geprägt ist, wird Vielfalt oft als höchstes Gut gefeiert. Doch benötigen wir nicht vielmehr Einfalt?</em></p>
<p><span id="more-126342"></span></p>
<p><iframe title="Spotify Embed: Von der Vielfalt zur Einfalt des Herzens – Ein Weg der inneren Transformation" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/4uYTIBvXYgyPiS8YRToBJM?si=NK8cjx3oRzqVJvsLXdKzBw&amp;utm_source=oembed"></iframe></p>
<p>Nicht im Sinne einer Verarmung, sondern als eine tiefe Besinnung auf das Wesentliche, das aller Vielfalt zugrunde liegt, einer spirituellen Transformation, die zur Essenz des Menschseins führt.</p>
<p>In einer Zeit, in der das Leben immer komplexer und komplizierter wird, spüren viele Menschen das Bedürfnis nach Einfachheit und innerer Klarheit. Diese Einfachheit und innere Klarheit liegt in dem Begriff „Einfalt” begründet, der im Deutschen die doppelte Bedeutung von geistiger Beschränktheit (auf den Verstand bezogen) und Reinheit des Gemütes (auf das Herz bezogen) hat, wobei letztere zunehmend in Vergessenheit gerät.</p>
<h3>Die Illusion der Vielfalt</h3>
<p>Die moderne Welt lebt von Vielfalt: Kulturelle, religiöse und ideologische Unterschiede prägen unsere Gesellschaft. Diese Unterschiede sind einerseits Stärke, bilden eine Quelle von Kreativität, Innovation und dynamischem Fortschritt. Andererseits führen sie zu Konflikten, Missverständnissen und Spaltungen. Vielfalt ist eine Bühne für den Wettstreit der Egos, wo jeder darum kämpft, seine eigene Perspektive zu propagieren und zu behaupten.</p>
<p>In dieser Vielfalt verlieren wir uns leicht. Die unzähligen Stimmen, Meinungen und Ansichten, die uns täglich umgeben, können zu einem lärmenden Getümmel werden, das den Geist verwirrt und das Herz belastet. Viele Menschen fühlen sich in dieser Welt der unendlichen Möglichkeiten verloren und suchen nach einem tieferen Sinn, nach etwas, das all diese unterschiedlichen Teile zusammenführt.</p>
<p>Jan van Rijckenborgh, einer der geistigen Leiter des Goldenen Rosenkreuzes, beschreibt in seinen Büchern, wie wir die dualistische Natur dieser Welt durchschauen und überwinden können. Um zur Einfalt, zu einem Zustand der inneren Einheit, zu finden, müssen wir die Illusion der Gegensätze durchbrechen und den göttlichen Funken im eigenen Selbst und in allem Leben entdecken.</p>
<h3>Ein Weg zur Einfalt</h3>
<p>Einfalt in diesem Sinne ist nicht Simplizität oder Naivität, sondern Rückkehr zur Essenz, zur Einheit. Sie ist ein Zustand des Seins, der jenseits der Vielheit existiert, ein Weg zur inneren Quelle, die alle Gegensätze in sich vereint. Diese Quelle ist nicht von kulturellen, religiösen oder ideologischen Unterschieden bestimmt, sondern ist die reine Essenz des Menschseins.</p>
<p>Einfalt bedeutet, die Illusion der Trennung zu durchbrechen und die Einheit allen Lebens zu erkennen. Der Mensch wird sich dabei seiner wahren Natur bewusst – jenseits von Ego, gesellschaftlicher Konditionierung und oberflächlichen Identitäten. Es ist ein Zustand der tiefen Verbundenheit mit dem Selbst, dem „Anderen“ im eigenen Wesen, dem Universellen.</p>
<p>Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart (1260-1328) beschreibt die Einfalt als das höchste Ziel des geistigen Lebens. Für ihn bedeutet Einfalt, dass die Seele sich selbst entleert, um Raum für Gott zu schaffen. „Je mehr der Mensch hinausgeht aus den Dingen, umso mehr geht Gott in ihn hinein,“ sagt Meister Eckhart. In einer Welt, die ständig nach mehr strebt – mehr Wissen, mehr Reichtum, mehr Macht – liegt die Lösung im Loslassen. Die Seele, die in der Einfalt verweilt, erkennt, dass wahre Erfüllung nur durch das Einswerden mit dem Göttlichen erreicht werden kann. Dieses Einswerden führt zu einem Zustand des „gelassenen Seins“, in dem alle weltlichen Dinge an Bedeutung verlieren und die göttliche Präsenz alles durchdringt.</p>
<h3>Die Kraft der Inneren Stille</h3>
<p>Wie gelangen wir von der Vielfalt zur Einfalt? Der Weg dorthin ist ein innerer Weg, ein Weg der Selbstreflexion und Selbsterkenntnis, die in der Erkenntnis des eigenen, inneren göttlichen Geistfunkens gipfelt. In einer Welt, die von äußeren Reizen und Ablenkungen geprägt ist, erfordert es Mut und Entschlossenheit, nach innen zu schauen und die innere Stille zu suchen. Diese Stille ist kein Vakuum, sondern ein lebendiger Raum, in dem wir unsere wahre Natur entdecken können.</p>
<p>Auch die Bibel spricht von der Bedeutung der Einfalt. Im Neuen Testament heißt es: „Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein“ (Matthäus 6:22). Achtsamkeit, Gebet und die Praxis der inneren Stille sind Werkzeuge, die uns helfen können, den Lärm der Vielfalt zu durchbrechen. Es geht darum, die vielen Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen und die leise, aber klare Stimme des Herzens zu hören. In dieser Stille erkennen wir, dass das, was uns trennt, nur eine oberflächliche Illusion ist, und dass wir im Kern alle Teil eines größeren Ganzen sind.</p>
<p>Diese Erkenntnis erleuchtet. Durch sie wird es hell im Inneren, und die Stimme des Herzens wird zur Stimme Gottes, die zu uns spricht. Deshalb sagte der Psalmendichter: „Wenn dein Wort offenbar wird, so erleuchtet es und macht klug die Unverständigen.“ (Psalm 119:130)</p>
<h3>Einheit in Vielfalt</h3>
<p>Die Entdeckung der Einfalt bedeutet nicht, die Vielfalt der Welt abzulehnen oder zu negieren. Vielfalt ist ein natürlicher Ausdruck der Fülle des Lebens. Wir können sie in all ihren Facetten schätzen, ja genießen. Doch wirklich erfüllen kann sie uns nur, wenn wir sie in einer tieferen Einheit verwurzelt sehen. Diese Einheit ist die Göttliche Einfalt, die jenseits der Erscheinungsformen existiert.</p>
<p>Jakob Böhme, ein bedeutender deutscher Mystiker des 17. Jahrhunderts, beschreibt die Reise der Seele als einen Weg von der „Mannigfaltigkeit“ zur „Einfalt“. Für Böhme ist die Mannigfaltigkeit – die Vielfalt der Welt – eine Manifestation des göttlichen Reichtums, aber auch eine Herausforderung. Die Seele muss diese Vielfalt durchdringen und zu ihrem Ursprung zurückkehren, zur Einheit des Seins. Böhme schreibt, dass die Rückkehr zur Einfalt kein einfacher Prozess ist. Sie erfordert eine tiefe innere Umwandlung und das Loslassen des Egos. In seinen Werken spricht er von der „inneren Geburt“ des Göttlichen in der Seele, ein Prozess, der zu einer spirituellen Einfalt führt, die das Wesen aller Dinge in ihrer Ursprünglichkeit erkennt.</p>
<p>Von der Vielfalt zur Einfalt zu gelangen bedeutet, die tiefe Wahrheit zu erkennen, dass wir alle aus derselben Quelle stammen und miteinander verbunden sind. Es bedeutet, dass wir uns nicht länger als getrennte Individuen sehen, sondern als Teile eines größeren kosmischen Plans, an dem wir mitwirken können, um eine harmonische Welt zu erschaffen.</p>
<h3>Schlussgedanken</h3>
<p>In einer Zeit, in der sich die Welt zunehmend polarisiert, ist der Weg von der Vielfalt zur Einfalt ein dringendes Anliegen. Es ist ein Weg, der uns lehrt, das Verbindende zu suchen, tiefer zu schauen, tiefer zu fühlen und die Einheit in der Vielfalt zu erkennen.</p>
<p>In einer Welt, die zunehmend chaotisch und komplex ist, könnte der Ruf nach Einfalt eine Antwort auf unsere tiefsten Sehnsüchte sein. Vielleicht liegt gerade hier der Schlüssel zu einem neuen Verständnis vom Menschsein, bei dem Frieden, Harmonie und Einheit nicht nur Idealvorstellungen sind, sondern gelebte Realität werden. Der Weg zur Einfalt ist eine Reise nach innen, die uns zur Essenz unseres Seins führt und uns zeigt, dass die Vielfalt des Lebens erst in der Einheit ihrer Quelle ihre wahre Schönheit entfaltet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom Puzzleteil zum Bild</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/vom-puzzleteil-zum-bild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Mar 2026 06:00:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sind wir Menschen nicht wie Puzzleteile? Jeder einzelne von uns ist anders „zusammengesetzt“, hat eine andere Form und andere Inhalte, andere Gefühle und Gedanken. Sind wir dabei, trotz unserer Individualität ein schönes, neues Gesamtbild zu formen? Auch wenn ein Ziel vorliegt, ist die Entwicklung dorthin ein kreativer Prozess, in dem Freiheit und freiwillige Mitwirkung vorgesehen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sind wir Menschen nicht wie Puzzleteile? Jeder einzelne von uns ist anders „zusammengesetzt“, hat eine andere Form und andere Inhalte, andere Gefühle und Gedanken.</em></p>
<p><span id="more-113641"></span><em>Sind wir dabei, trotz unserer Individualität ein schönes, neues Gesamtbild zu formen? Auch wenn ein Ziel vorliegt, ist die Entwicklung dorthin ein kreativer Prozess, in dem Freiheit und freiwillige Mitwirkung vorgesehen sind.</em></p>
<p>Vor mir liegen Puzzleteile ausgebreitet auf dem Tisch. Wenn ich alles richtig mache, wird es am Ende ein schönes Landschaftsbild. Ich beginne mit einigen Randsteinen und arbeite mich dann weiter vor, in die Bildmitte hinein.</p>
<p>Sind wir Menschen nicht wie Puzzleteile? Jeder, Jede von uns ist anderes „gestrickt“, hat eine andere Form und andere Inhalte, andere Gefühle und Gedanken. Unsere Gewohnheiten und Ziele unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Sind wir dabei, trotz unserer Individualisierung ein schönes, neues Menschenbild zu formen und wirken wir an einem gemeinsamen Ziel, dem nächsten Entwicklungsschritt der Menschheit, so wie es ja vom neuen Zeitalter, dem Wassermannzeitalter erwartet wird?</p>
<p>Anders als beim Puzzle sind wir keine fertigen Teile, die zusammen ein bereits festgelegtes Bild formen. Die großen Seher der Menschheit beschreiben gleichwohl ein Menschheitsziel, eine Entwicklungsstufe, die es zu erreichen gilt. Einige sprechen von Frieden und Freiheit, andere von nichts ausschließender brüderlich-schwesterlicher Liebe die alle Menschen, die Tiere, die Pflanzen und die gesamte Schöpfung umfasst.</p>
<p>Da das Individuum mit dem Kollektiv verbunden ist und die einzelnen Lebenswellen voneinander abhängig sind, hat die Entwicklung jedes Einzelnen auf den Gesamtkosmos eine Wirkung.</p>
<p>Die einzelnen Lebenswellen Engel, Mensch, Pflanze, Tier und Mineral haben ihren eigenen Entwicklungsauftrag, bleiben jedoch immer mit allen anderen Lebenswellen verbunden, da sie aufeinander einwirken. So bekommen wir z. B. ohne die Pflanzenwelt keinen Sauerstoff zum Atmen, die Blüten ohne Bestäubung durch Insekten würden keine neuen Pflanzen hervorbringen.</p>
<p>Der Gesamtschöpfung liegt ein großer Plan zugrunde. Der dänisch / US-amerikanische  Autor, Theosoph und Rosenkreuzer Max Heindel spricht von sieben Weltkörpern, die sieben mal sieben Entwicklungskreisläufe über große Zeitperioden von Aktivität und Ruhephasen durchlaufen.<sup>1</sup></p>
<p>So ist zwar ein Ziel vorgegeben, aber die Entwicklung dahin ist ein Schöpfungsprozess. Diesen Schöpfungsprozess durchlaufen alle genannten Lebenswellen in grosser Harmonie und Eintracht. In diesem Prozess ist die Entwicklung eines freien Willens vorgesehen. Die heutige Menschheit ist von diesem göttlichen Entwicklungsplan abgewichen, indem sie ihren freine Willen nicht im Einklang mit dem göttlichen nutzte. Sie muss daher durch Erfahrungen wieder auf den göttlichen Entwicklungsplan zurückkehren. Erst dann kann sie die sich entwickelnde Geistseele erkennen und damit dem gesamten Entwicklungsprozess des Komsmos dienen. Dann formen sich der Mensch zu Puzzleteilen, die ein schönes neues Menschenbild kreien.</p>
<p>Doch wie verhält sich die Sache mit dem Willen? Kann ich wollen, was ich soll, damit das Entwicklungsziel erreicht wird? Nein, durch die Abweichung vom göttlichen Schöpfungsplan kann ich das nicht so ohne weiteres.</p>
<p>Bevor ich etwas wollen kann, muss eine Einsicht in die Richtigkeit des Zieles des Wollens vorhanden sein und ebenso die Empfindung, dass das für mein Seelenheil, das im Einklang mit dem göttlichen Plan steht richtig ist. Das kann ich nur aus der Erfahrung heraus. Durch Erfahrung lerne ich, dass mein Wille nicht immer das bewirkt, was in meiner Absicht lag, einfach deshalb, weil die Unberechenbarkeit durch andere Menschen und Umstände immer gegeben ist.</p>
<p>Meine Gefühle können sich ebenso täuschen, auch das lerne ich durch die Korrektur von außen und innen. Von innen, weil mein tiefstes Inneres weiß, was richtig ist, und von außen, weil überall Weltenweisheit zu finden ist. Sie ist in meinen Mitmenschen, in der Natur und Übernatur bei  höher entwickelten Wesen, die immer um uns und bei uns sind.</p>
<p>Erst wenn Verstand und Gefühl durch Erfahrungen geläutert sind in dem Sinne, dass ich mich auf das ausrichte, was „wirklich“ sinnvoll ist, richtet sich mein Wille anders aus. Er ist auf das Ganze ausgerichtet, das nur intuitiv zu erfassen ist, wenn ich tief nach innen horche. Denn dort ist die Antwort. Sie ist rein, wenn ich geläutert bin aus Erfahrung und deshalb diese Stimme vernehmen kann. Und nur dann kann ich sie verstehen.</p>
<p>Erst wenn so Verstand und Gefühl durch Erfahrung geläutert sind, kann der Wille dazu übergehen vom Eigensinn zum göttlichen Willen zu werden.</p>
<p>Jan van Rijckenborgh, einer der Begründer der modernen Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes, beschreibt in seinem Buch &#8218;Dei Gloria Intacta&#8216; diesen Prozess als die Mars(Wille)-Einweihung des ersten Siebenkreises. Dieser Einweihung geht die Einweihung des Merkur (Verstand) und der Venus (Gefühl) voraus.<sup>2</sup></p>
<blockquote><p>Man kann also nicht zuerst mit dem Willen beginnen, dann läuft es falsch, dann gerät der Mensch auf Irrwegen, da er experimentell und forcierend arbeitet. Andererseits macht der Mensch auf diese Weise Erfahrungen, die sie letztendlich zu der Einsicht führen, dass nur gut ist, was für den Gesamtorganismus Mensch und die Geschöpfe und Welten, mit denen er verbunden ist, gut ist.</p></blockquote>
<p>So wird die sich entwickelnde Seele selber zu einem perfekten Puzzleteil, das sich ins Gesamtbild Schöpfung sinnvoll einfügen kann.</p>
<p>Der Impuls dazu geht vom Geist aus. Der Geist beunruhigt die Seele, drängt sie zur Entwicklung. Das Ziel ist ihre Vergeistigung.</p>
<hr />
<p>1 Max Heindel, <em>Die Weltanschauung der Rosenkreuzer.</em></p>
<p>2 Jan van Rijckenborg, Dei Gloria Intacta, <em>Die Mars-Einweihung des ersten Siebenkreises</em>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das offene Geheimnis</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/das-offene-geheimnis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 06:00:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Können wir die Dinge und die Welt einfach so sehen, wie sie wirklich sind – und nicht, wie wir sie uns vorstellen? Können wir die eigenen Schleier beiseite schieben? Es gibt keine Geheimnisse an sich, sondern nur Uneingeweihte aller Grade. Einfacher als in diesem Satz von Christian Morgenstern kann man kaum sagen, worum es im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Können wir die Dinge und die Welt einfach so sehen, wie sie wirklich sind – und nicht, wie wir sie uns vorstellen? Können wir die eigenen Schleier beiseite schieben?</em></p>
<p><span id="more-126114"></span></p>
<p><iframe title="Spotify Embed: Das offene Geheimnis" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/3UBS80ve1Z31KeSM9u5ALu?si=YshW2l6WR5mdErf5JFF0eg&amp;utm_source=oembed"></iframe></p>
<blockquote><p><em>Es gibt keine Geheimnisse an sich, sondern nur Uneingeweihte aller Grade.</em></p></blockquote>
<p>Einfacher als in diesem Satz von Christian Morgenstern kann man kaum sagen, worum es im Leben geht: Nicht die Wahrheit ist kompliziert, sondern wir sind unfähig, zu ihrer Einfachheit durchzudringen. Wir sind diejenigen, die sich in der Vielfalt verlieren. Wir können die Wahrheit nicht entschlüsseln, weil wir nicht in der Lage sind, unsere eigenen Standpunkte und Projektionen aufzugeben. Es fehlt uns an Bewusstsein. So kommt aus all unserem Grübeln immer nur eine Vervielfältigung von Bekanntem, schon Gedachtem heraus.</p>
<p>Aber: So einfach den Vorhang vor der einfachen Wahrheit beiseite ziehen, geht das überhaupt, wenn wir den Vorhang lieben, uns daran festklammern, ihn verzieren, ihn schwerer machen und wir womöglich selbst Teil des Vorhangs sind? Zweifellos geht es nicht so einfach, man bräuchte eine Methode, einen Trick, mit dem man die eigene Beschränktheit überlisten kann. Das klingt nach einer der Geschichten des Freiherrn von Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen konnte.</p>
<p>Aber auch wenn wir ratlos vor dem Vorhang stehen: Es lohnt sich, nach einer Möglichkeit zu suchen, ihn zu öffnen. Es ist nicht das „einfache Leben“, es ist nicht Beschränkung unseres Denkens oder Fühlens, und es ist auch nicht das Hineinmeditieren in etwas Unbekanntes oder das Hinter-sich-lassen von dem, was uns lieb und wert ist. Das alles würde uns nicht weiterhelfen.</p>
<p>Vielleicht müssen wir uns zunächst an den Widerspruch gewöhnen, dass alle Erscheinungen scheinbar sind, aber die Wahrheit dennoch zugänglich ist. Was wir im Allgemeinen unter Objektivieren verstehen oder „objektiv“ betrachten, bedeutet im Grunde nichts anderes, als alle Dinge zu Objekten zu machen, zu Objekten unserer Wahrnehmung, zu Waggons im Verschiebebahnhof unseres Ichs, das genau das konstruiert, was wir selbst sehen <em>wollen</em>, das uns vorspielt, diese oszillierende Vielfalt sei schon der Ursprung. Von außen tritt uns das vielfach gespiegelte Eigene gegenüber. So bestürzend diese Beobachtung sein kann, so heilsam ist sie aber auch, denn die Suche ist es wert.</p>
<p>Laotse nannte die einfache Wahrheit Tao, und sagte immer wieder, dass dieses Tao der Urgrund von allem, aber unfassbar sei. Unfassbar für wen? Für alle Menschen? Für die „Uneingeweihten“ Morgensterns? Viele Menschen haben Laotses Texte hunderte Male gehört, sie haben sich auch daran erfreut. Das ist nichts Schlechtes. Aber es reicht offensichtlich nicht, um den Vorhang vor der einfachen Wahrheit zu lüften.</p>
<p>Schauen wir uns die chinesische Version des Wortvorhangs etwas genauer an:</p>
<p>Es gibt eine berühmte Stelle im Tao Te King<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, die mehrfach auftaucht. Am häufigsten wird Bezug genommen auf Kapitel 25, wo sie als letzte Zeile lautet: „<em>Dao Fa Zi Ran</em>“. Ein Chinese übersetzte diese Worte für mich einmal sehr einfach mit “<em>Tao ist das Gesetz der Natur</em>“. Er meinte es anscheinend gut mit mir und wollte mich nicht irritieren. Und er fügte noch dazu „So einfach ist das“.</p>
<p><em>Fa</em> bedeutet „Methode“, „Art und Weise etwas zu tun“ oder einfach „Gesetz“.</p>
<p>Aber machen wir es uns nicht <em>zu</em> einfach, wenn wir <em>Zi Ran</em> nur mit „Natur“ übersetzen? Denn der Begriff hat, wie viele andere in der chinesischen Sprache, eine Vielfalt von Bedeutungen auf mehreren Ebenen. Und hier fangen die „zehntausend Erscheinungen“ an, die aus dem <em>Einen</em> hervorgehen – und bei unserem Vorhang aufhören.</p>
<p><em>Zi Ran</em> bedeutet eben nicht nur „Natur“, sondern auch „natürlich“, „einfach“, „ursprünglich“, „Leichtigkeit“, „frei von Zuneigung“ oder auch „aus sich selbst hervorgehend“, und so weiter&#8230; .</p>
<p>Wir könnten darüber nachdenken, welche Natur mit dem Begriff <em>Zi Ran</em> gemeint sein könnte. Möglicherweise nicht nur die „äußere“ Natur, die der Mensch mit anderen Lebewesen gemeinsam hat. Aber welche dann? Die schillernde Vielfalt der Übersetzungen macht die Sache nicht einfacher.</p>
<p>Kehren wir deshalb einen Moment zu Morgenstern zurück: Wir können davon ausgehen, dass der „Eingeweihte“ Morgensterns die Dinge (und die Welt) <em>einfach</em> sieht, nämlich so, wie sie (wirklich) sind – und nicht, wie er sie sich vorstellt. Einweihung bedeutet dann das Beiseiteschieben der eigenen Schleier. Nicht-Einweihung ist das Verzieren der Schleier.</p>
<p>Abgesehen davon, dass die Worte Laotses oft kryptisch und schwer verständlich sind, ahnen wir doch ihre Tiefe. Ernst genommen, werden sie zu einem Schock, der unser Wesen durcheinanderwirbelt und unseren Kopf verwirrt. Würde das Beiseiteschieben der Schleier nicht auch das Beiseiteschieben des eigenen Wesens, das unsere Identität ausmacht, bedeuten? Wir würden uns einem Nichts oder dem „Aus-sich selbst-Seienden“ (wie <em>Zi Ran</em> manchmal übersetzt wird) zuwenden – und das auch noch „frei von Zuneigung“ wie Laotse sagt! Eine verrückte, eine unerfüllbare Aufforderung, oder?</p>
<p>Es geht offensichtlich um mehr, als sich weniger wichtig zu nehmen, auch um mehr, als weniger zu essen und trinken, weniger zu reden und um mehr, als auf Komfort zu verzichten. Es geht um ein anderes Leben, nicht nur eine höhere Oktave im bekannten Leben, also letztlich um ein anderes Bewusstsein, das sein Zentrum nicht mehr bei sich selbst hat.</p>
<p>Jeder, der arbeitet – ganz gleichgültig was – und sich ganz in diese Tätigkeit hineinbegibt, vergisst seine Umgebung, blendet sich selbst aus. Er ist in gewissem Sinne nicht mehr anwesend. Das kennen viele von uns. Es ist ein schwaches Bild von dem, was Laotse und Morgenstern andeuten. Aber zumindest zeigt es, dass die Fähigkeit im Menschen angelegt ist. Wer dar-<em>innen</em> ist, ist <em>ein-</em>geweiht gerade dadurch, dass er nicht mehr nur bei sich ist.</p>
<p>Diese Erfahrung lässt uns vermuten, dass es hinter (oder in) der Vielfalt, die wir sind und die uns umgibt, eine Art Natur anderer Ordnung, das „Aus-sich selbst-Seiende“ gibt.</p>
<p>Dieses anzuerkennen, könnte der <em>erste</em> <em>Schritt</em> sein, er kostet uns etwas Mühe, aber mit ihm verlassen wir den Zuschauerraum und zupfen ein wenig am Vorhang der verwirrenden Vielfalt.</p>
<p>Das Sich-davon-ergreifen-lassen ist der <em>zweite Schritt</em>; er kostet mehr Mut und mehr Überwindung; mit ihm öffnen wir einen schmalen Spalt im Vorhang; wir sehen die ersten Konturen und hören die Musik dahinter und – beginnen, uns zu verändern.</p>
<p>Und mit dem <em>dritten Schritt</em> ziehen wir den Vorhang ganz zur Seite. Das ist sicher der entscheidende und schwierigste Schritt. Er verlangt alles von uns.</p>
<p>Aber für alle drei Schritte müssen wir leiblich auf die Bühne gehen, die Bühne unseres Lebens. Diese Mühe bleibt uns nicht erspart, denn wenn wir auf unserem Sitz im Parkett festkleben, wird sich nie etwas ändern.</p>
<p>So bewegen wir uns durch alle „Grade der Uneingeweihten“ Morgensterns.</p>
<p>Wenn wir dann den Vorhang öffnen, stellen wir fest: Dahinter ist – NICHTS.<br />
Nichts, und doch  ALLES. Nichts, was wir kennen oder uns vorstellen können. Und dennoch durchdringt es alles.</p>
<p><em> </em></p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Wir verwenden hier die im Deutschen übliche Schreibweise „Tao“ anstelle des korrekteren „dao“ und „King“ anstelle von „jing“.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wer bin ich?</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/wer-bin-ich-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Feb 2026 06:16:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine Reflexion über das subtile Ego und die Geburt des Neuen Menschen In jeder authentischen Tradition – sei es vedantisch, christlich oder hermetisch – ist die Frage „Wer bin ich?“ keine psychologische Frage, sondern eine Frage der inneren Erkenntnis. Sie sucht keine konzeptionelle Antwort, sondern eine unmittelbare Erkenntnis dessen, was übrig bleibt, wenn alle Identitäten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine Reflexion über das subtile Ego und die Geburt des Neuen Menschen</em></p>
<p><span id="more-126016"></span>In jeder authentischen Tradition – sei es vedantisch, christlich oder hermetisch – ist die Frage „Wer bin ich?“ keine psychologische Frage, sondern eine Frage der inneren Erkenntnis. Sie sucht keine konzeptionelle Antwort, sondern eine unmittelbare Erkenntnis dessen, was übrig bleibt, wenn alle Identitäten beiseite gelassen werden. In der Sprache der Rosenkreuzer ist es der Unterschied zwischen der alten Natur und dem neuen inneren Menschen. In der Sprache der Vedanta ist es der Unterschied zwischen dem Ego, der subtilen Identität und dem inneren Licht. Um diese Struktur zu verdeutlichen, verwenden wir drei Begriffe aus der Advaita-Vedanta-Tradition, die an eine für westliche esoterische Schulen geeignete Sprache angepasst wurden:</p>
<ul>
<li><b>ahamkāra </b>– das psychologische Ego, das „biografische Selbst“</li>
<li><b>asmitā </b>– die subtile Identität, das „spirituelle Ego”</li>
<li><b>chidābhāsa </b>– die Reflexion des Lichts im individuellen Bewusstsein</li>
</ul>
<h3>Ahamkāra – das biografische Selbst (Ego)</h3>
<p>Ahamkāra ist die Struktur, durch die der Mensch sich selbst als separate Person wahrnimmt, die in der Zeit steht und durch Wünsche, Ängste, Meinungen und Rollen definiert ist. Es ist das gewöhnliche Selbst, das bekräftigt: Ich habe Recht, ich bin verletzt, ich bin auf der Suche, ich möchte mich spirituell entwickeln, ich strebe nach Befreiung. Diese Identität ist notwendig, um in der manifestierten Welt zu funktionieren, aber sie wird zu einem Hindernis, wenn das Wesen nach echter Transformation strebt. In der Lehre des Goldenen Rosenkreuzes entspricht diese Ebene der dialektischen Natur und der reaktiven Persönlichkeit, die den Impulsen der Erinnerung und Konditionierung unterworfen ist.</p>
<p>Ahamkāra ist von Natur aus instabil, weil es auf der Vergangenheit und Projektionen aufgebaut ist: auf dem, was gewesen ist und was es zu werden hofft. Es kann keine dauerhafte Grundlage für eine Verwandlung bieten, sondern muss erkannt und überwunden werden, damit eine Veränderung stattfinden kann.</p>
<h3><strong>Asmitā – Das subtile Selbst (Ego) </strong></h3>
<p><strong>ist der Zeuge, der immer noch glaubt, jemand zu sein.</strong> Asmitā bezieht sich auf eine äußerst verfeinerte Form der Selbstidentität. Es handelt sich nicht mehr um das biografische oder psychologische Selbst, sondern um das innere Gefühl eines Bewusstseins, das sich selbst als gegenwärtig, klar und als Zeuge seiner eigenen Erfahrungen wahrnimmt. Diese Ebene wird oft als tiefe Stille, Klarheit und inneres Licht erlebt und tritt häufig in der Meditation, Kontemplation, im Gebet oder in der Arbeit der Rosenkreuzer auf.</p>
<p>Aus der Perspektive des Goldenen Rosenkreuzes bleibt dieser Zustand jedoch mit der Persönlichkeit verbunden. Er stellt ein vergeistigtes Selbst dar, eine subtile Präsenz, die sich selbst als rein und mystisch orientiert erlebt, aber durch Trennung weiter existiert. Gerade sein erhöhter Charakter macht ihn stabil und defensiv: Erfahrungen werden als Wahrheit bestätigt, und jede Erleuchtung, die dieses Zentrum auflösen könnte, wird abgelehnt. Innerhalb des Lectorium Rosicrucianum kann diese Ebene manchmal mit der Manifestation der „Neuen Seele” verwechselt werden. In Wirklichkeit stellt sie nur die subtile Reflexion der erleuchteten Persönlichkeit dar, nicht die tatsächliche Geburt des Neuen Menschen, die eine Veränderung der Ordnung und das endgültige Verschwinden des Ego-Zentrums als herrschende Autorität impliziert.</p>
<h3>Chidābhāsa – Reflexion des Lichts im Geist</h3>
<p>Chidābhāsa bezeichnet die Reflexion des spirituellen Lichts im Bereich des menschlichen Bewusstseins. Es ermöglicht Wahrnehmung, Verständnis und innere Erfahrung: Sehen, Hören, Denken, Kontemplation. Es hat keinen eigenen Willen und keine Identität; es ist eine Reflexion des Lichts im mentalen Instrument der Persönlichkeit. In hermetischer Sprache kann es mit dem Licht verglichen werden, das im Spiegel des Geistes reflektiert wird, aber nicht mit der Lichtquelle selbst.</p>
<p>Es ist wie ein Licht, das in einem dunklen Raum eingeschaltet wird; in seiner Gegenwart erkennt das Selbst sich selbst als die psychische Struktur der Persönlichkeit, hat Zugang zur Erinnerung und gewinnt Klarheit und Orientierung im dialektischen Feld. Und in Ermangelung ausreichender spiritueller Kenntnisse kann es zu verschiedenen falschen Identifikationen führen, wie zum Beispiel: Ich bin der Körper und der Geist, wodurch Ahamkara, die dialektische Persönlichkeit, entsteht, oder <i>Ich bin das Licht</i>, <i>Ich bin reines Bewusstsein</i>, <i>Ich bin der Zeuge</i>, wodurch Asmita, das subtile Ego, entsteht. Aus dieser Perspektive ist asmitā das am schwierigsten zu überwindende Glied: Es ist kein grobes Ego, sondern ein vergeistigtes, stabiles, leuchtendes und scheinbar unpersönliches Selbst. Deshalb wird es oft mit Verwirklichung verwechselt, insbesondere von fortgeschrittenen Suchenden, die bereits die groben Formen des dialektischen Selbst überwunden haben.</p>
<p>Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen der Reflexion des Lichts (chidābhāsa) und der Rose des Herzens. Die Rose im Herzen, das Atom des Geistes, ist keine Reflexion und gehört nicht zum persönlichen Bewusstsein. Sie repräsentiert das ursprüngliche spirituelle Prinzip, das einer anderen ontologischen Ordnung angehört als der Verstand und die Erfahrung. Die Rose leuchtet nicht durch Reflexion, sondern existiert als latenter Keim eines neuen Lebens. Während chidābhāsa von einem subtilen „Ich” erfahren und beansprucht werden kann, kann die Rose des Herzens nicht als Zustand besessen, beobachtet oder erfahren werden. Sie manifestiert sich nicht durch Erfahrung, sondern durch Wiedergeburt, wenn der persönliche Wille aufhört, das bestimmende Zentrum des Mikrokosmos zu sein.</p>
<p>Im Lectorium Rosicrucianum wird betont, dass die Persönlichkeit, selbst wenn sie verfeinert, ruhig und erleuchtet ist, immer noch zur alten Natur gehört. Sie kann das Licht betrachten, es erfahren und interpretieren, aber sie kann es nicht verkörpern. Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn diese subtile Identität aufhört, das Licht für sich zu beanspruchen, und sich der persönliche Wille zurückzieht. Nur dann kann das spirituelle Prinzip im Mikrokosmos entscheidend aktiv werden.</p>
<h3>Warum ist Asmitā das subtilste Hindernis?</h3>
<p>Die meisten Schulen haben Methoden oder Praktiken entwickelt, jede auf ihre eigene Weise, um mit Ahamkāra, der Persönlichkeit, zu arbeiten, aber nur sehr wenige beziehen sich auf Asmitā. Darüber hinaus haben einige verstanden, dass Asmitā ein spirituelles Ziel ist, das mit Befreiung gleichgesetzt wird.</p>
<p>Es gibt einige tiefgreifende und strukturelle Gründe, warum viele Suchende, selbst wenn sie in spirituellen Schulen sind, nicht über die Ebene von Asmitā hinausgehen können. Asmitā ist die letzte Bastion des Egos, und es ist „leuchtend”, nicht grob.</p>
<p>Das grobe Ego (ahamkāra) ist leicht zu beobachten: Wünsche, Ängste, Anhaftungen. Asmitā erzeugt „Ich bin der Beobachter”, „Ich bin Bewusstsein”, „Ich bin der Zeuge”, „Ich bin auf einem spirituellen Weg”. Es ist verfeinert, ähnelt der Wahrheit und wird daher nicht als Irrtum erkannt. Es scheint spirituell zu sein. Deshalb sagte Śrī Ramana Maharṣi <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn1">[1]</a>: „Das subtile Ego ist das gefährlichste, weil es einen Mantel aus Licht trägt.”</p>
<p>„Das größte Hindernis ist nicht das grobe Ego, sondern das Ego, das sich selbst für spirituell hält”, warnt JvR. Dies ist der „letzte Schleier“, dieses subtile Gefühl, dass die Erfahrung des reinen Geistes immer noch jemandem gehört, dass sie im Erfahrungsbereich des dialektischen Egos verbleiben könnte. Dies ist der letzte Faden, der durchtrennt werden muss, bevor das „Licht des Geistes“ ungehindert eindringen kann.</p>
<p>Viele zeitgenössische spirituelle Praktiken lösen das Zentrum des Egos nicht auf, sondern verfeinern es. Sie führen zu einer subtilen Form der Identifikation mit dem Bewusstsein selbst, das als höherer „Zustand“ der Persönlichkeit erlebt wird. Obwohl solche Übungen das Gedankenfeld reinigen und inneren Frieden bringen können, bleiben sie im Bereich der dialektischen Natur und befreien das Wesen nicht von der Dualität. Solange es ein „Ego“ gibt, das diesen Zustand erlebt, beobachtet oder besitzt, bleibt das Wesen an das dialektische Feld gebunden. Auf diese Weise wird das alte Selbst nicht aufgelöst, sondern in ein spirituelles Selbst verwandelt, was die wahre Verwandlung des Mikrokosmos verzögert. Diese Art von Selbst oder Ego wird von Ādi Śaṅkarācārya <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn2">[2]</a> als „asmitā sattvică”, der subtilste Schleier, bezeichnet.</p>
<p>Wenn der Mensch weiterhin durch Übungen der Persönlichkeit nach Befreiung strebt, bleibt das Ego das aktive Zentrum des Mikrokosmos. Selbst Erfahrungen von Ruhe, Einheit oder erweitertem Bewusstsein können zu Mitteln werden, durch die das alte Selbst aufrechterhalten wird. Ohne eine tiefgreifende Klärung des Unterschieds zwischen Persönlichkeit und spirituellem Prinzip findet keine Veränderung der Ordnung statt. Die Verwandlung beginnt erst, wenn das Bewusstsein des Egos transzendiert wird und die ursprüngliche spirituelle Kraft frei wirken kann.</p>
<p>Die Bindung an die spirituelle Identität („Ich bin jemand, der sich weiterentwickelt hat“) ist eine subtile Form des Stolzes, durch die ich mir selbst sage: „Ich habe Praxis“, „Ich habe Einweihungen“, „Ich bin ein Schüler“, „Ich bin erwacht“, „Ich habe die Nicht-Dualität intuitiv erfasst“, „Ich komme aus einer großen Schule“. Dadurch entsteht ein „Ich“, das geschützt werden muss, und dieser Schutz verhindert seine Auflösung. Asmitā hat keine Angst vor Meditation, Gebet oder Dienst, aber es hat tödliche Angst vor Auflösung.</p>
<p>Asmitā zu überwinden bedeutet, die Kontrolle aufzugeben, die Position des „Erlebenden“ aufzugeben, jede persönliche ontologische Grundlage aufzugeben. Das ist schockierend für die Psyche. Dort tauchen die „dunkle Nacht“, „Trockenheit“, „Leere“ und „Verzweiflung“ auf. Viele vermeiden dies.</p>
<p>Asmitā gibt Sinn (ich bin auf dem Weg), Richtung (ich bewege mich auf die Erleuchtung zu), Status (ich habe eine Stufe erreicht), Zugehörigkeit (ich bin Teil einer Schule). Ohne Asmitā verschwindet all diese „spirituelle Grundlage”. Die meisten Menschen sind existentiell nicht auf ein Leben ohne „spirituelles Selbst” vorbereitet.</p>
<p>Nur wenige Meister wissen, wie man <i>Samādhi </i>von Nicht-Erfahrung oder Gaudapādas nicht-dualer Verwirklichung unterscheidet. Tatsächlich bezeichnet Samādhi einen Zustand tiefer Ruhe und Konzentration des Bewusstseins, in dem die Aktivität der Persönlichkeit im dialektischen Feld ausgesetzt ist und eine Erfahrung innerer Einheit entsteht. Aus der Perspektive des Goldenen Rosenkreuzes bleibt diese Erfahrung, so erhaben sie auch sein mag, an die Ordnung der Natur gebunden und ist daher vergänglich. Die Verklärung besteht nicht in einem Bewusstseinszustand, sondern in einer radikalen und irreversiblen Transformation des Mikrokosmos durch die Aktivierung des inneren spirituellen Prinzips. Samādhi kann auf diese Ausrichtung vorbereiten, ist aber nicht gleichbedeutend mit der Geburt des Neuen Menschen.</p>
<p>Gaudapāda, der Verfasser der <i>Māṇḍūkya Kārikā</i>, vertritt eine radikale nicht-dualistische Lehre, in der Befreiung nicht als Erfahrung oder Bewusstseinszustand beschrieben wird, sondern als die Erkenntnis, dass die wahre Realität ungeboren und vom Werden unberührt ist. Aus dieser Perspektive gehört die nicht-duale Erkenntnis nicht zum Erfahrungsbereich der Persönlichkeit, sondern besteht in der endgültigen Befreiung von der Illusion der Trennung durch die Auflösung jeglicher Identifikation mit dem alten Selbst. In die Sprache der Rosenkreuzer übersetzt, entspricht dies dem Ende der Herrschaft des dialektischen Mikrokosmos und der unumkehrbaren Ausrichtung auf die ursprüngliche spirituelle Ordnung jenseits von Zeit, Werden und Erfahrung.</p>
<p>JvR weist in vielen seiner Schriften darauf hin, dass <i>nichts Dialektisches die Schwelle des inneren Tempels</i> überschreiten kann. Ganz gleich, wie rein der innere Zeuge auch erscheinen mag, wenn er sich noch als Subjekt wahrnimmt, gehört er zur alten Natur. Die Neue Seele hat kein beobachtendes „Ich”, sondern ist völlige Transparenz. Ramana Maharṣi ist sehr deutlich: <i>„Ohne Erforschung der Quelle des ‚Ich bin’ kann asmitā nicht überwunden</i> werden.”</p>
<p>In vielen Schulen fehlt die innere Untersuchung „<i>vichara</i>“. Vicāra ist der innere Akt der Untersuchung, durch den der Mensch seine Aufmerksamkeit aus dem dialektischen Feld der Natur dieser Welt zurückzieht und sie auf das Zentrum des Mikrokosmos richtet. Es handelt sich nicht um eine Analyse der Gedanken, sondern um eine klare Wachsamkeit, in der die Persönlichkeit transparent wird und das innere Feuer des spirituellen Prinzips zur Aktivität aufgerufen wird. Durch diese Ausrichtung verliert das alte Selbst seine Dominanz, und der Same des Neuen Menschen kann erreicht und erweckt werden.</p>
<p>Asmitā bewahrt sich hauptsächlich durch Selbsttäuschung und verfolgt dabei zwei Hauptstrategien. Die erste besteht darin, sich hinter dem Licht zu verstecken: „Ich fühle Frieden, also bin ich Bewusstsein.“ Die zweite besteht darin, sich hinter dem Verstehen zu verstecken: „Ich habe die Nicht-Dualität verstanden.“ Beides sind subtile Illusionen.</p>
<p>Die wesentliche Schlussfolgerung ist, dass die meisten Suchenden nicht über das Zentrum des Selbst hinausgehen, weil es verfeinert und spiritualisiert werden kann und dadurch subtil und verführerisch wird. In vielen zeitgenössischen Schulen wird Transformation als Verfeinerung der Persönlichkeit durch Tugenden, moralische Übungen oder erhöhte innere Erfahrungen verstanden. Aber diese Mittel lösen das Ego nicht auf, sondern geben ihm neue Legitimität.</p>
<p>Ohne eine tiefgreifende Klärung zwischen dem Realen und dem Unrealen, zwischen dem, was zur dialektischen Ordnung gehört, und dem, was zur ursprünglichen spirituellen Ordnung gehört, bleibt das Wesen an seine Identität gebunden, auch wenn es als „spirituell“ bezeichnet wird. Die Angst vor der Auflösung des Egos entsteht, und subtile Erfahrungen werden mit Verwirklichung verwechselt.</p>
<p>Die wahre Transzendenz des Ego-Zentrums ist weder ein psychologischer Prozess noch eine Anhäufung von Tugenden, sondern eine radikale Veränderung in der Ausrichtung des Wesens, in der die Persönlichkeit ihre führende Rolle verliert. Von diesem Punkt an ist der Weg nicht mehr der der Selbstverbesserung, sondern wird mystisch und unpersönlich: eine Öffnung des Mikrokosmos für das freie Wirken des spirituellen Prinzips.</p>
<h3>„Die Transfusion des Lichts als mikrokosmische Mutation” oder die Geburt des Neuen Menschen</h3>
<p>Asmitā löst sich auf, wenn das innere Licht (der Geistfunke) das Herz und den Verstand durchdringt und die Reflexion in „Lebendiges Feuer” verwandelt. Das Ego verschwindet nicht, sondern wird in eine höhere Schwingung „verbrannt”. In der Sprache der Rosenkreuzer ist die „Transfusion des Lichts” der Moment, in dem das „Ur-Licht”, das aus dem Bereich des Geistes kommt, in den Mikrokosmos eindringt, die egoistische Reflexion (asmitā) auflöst und die Geburt des Neuen Menschen in Gang setzt. Es handelt sich nicht um einen metaphorischen Akt, sondern um eine reale Veränderung in der Struktur des Bewusstseins.</p>
<p>Die Transfusion des Lichts ist der direkte Kontakt zwischen <i>dem Urlicht </i>(Geist, göttlicher Funke, Fels des Seins) und dem individuellen Bewusstsein, das bis dahin reflexiv (chidābhāsa) und identifiziert (asmitā) funktionierte. In hermetischer Hinsicht strahlt das höhere Licht in den Mikrokosmos hinein und beginnt, die Verbindung zwischen Selbstbezogenheit und den Kräften des alten Lebens zu lösen. In spiritueller Hinsicht beginnt das Licht des wahren Bewusstseins, die Falschheit des kleinen Subjekts („psychologischer Zeuge”) aufzudecken.</p>
<p>Diese „Transfusion” wird nicht vom Verstand hervorgerufen, sondern durch eine gleichzeitige Öffnung in zwei Zentren:</p>
<p>Das<b><i> heilige Herz </i>(das mikrokosmische Zentrum des Wirkens des Geistes) </b>wird durchlässig, verzichtet auf Selbstverteidigung, verzichtet darauf, für sich selbst zu leben. Diese Öffnung schafft Zugang für den „Strahl des Geistes”.</p>
<p><b><i>Der stille Geist, </i></b>der den Lärm reduziert, die egoische Reaktion aussetzt, befindet sich in einem Zustand klarer Verfügbarkeit.</p>
<p>Wenn diese beiden zusammenfallen, dringt Licht spontan in das System ein. Man zieht es nicht an, es dringt ein, wenn es einen Riss in der egoistischen Struktur gibt. <i>„Licht wird nicht angezogen, sondern dringt ein, wenn die innere Struktur durchlässig wird.” </i>Die JvR-Lehren besagen, dass das ursprüngliche Licht nicht durch den persönlichen Willen „herbeigerufen” wird. Es dringt spontan ein, wenn die Persönlichkeit ihre Ansprüche aufgibt und eine Lücke in der egozentrischen Panzerung entsteht.</p>
<p>Wenn wir die eigentliche Ursache analysieren, die die Transfusion auslöst, sehen wir, dass alle Traditionen sehr klar sind: Nicht die Praxis erzeugt Licht, sondern das Licht reagiert auf einen reifen inneren Ruf. Die eigentliche Ursache ist eine tiefe Sättigung, wenn man die alten Lebensweisen nicht mehr wiederholen will, eine extreme Aufrichtigkeit, wenn man für sich selbst nichts mehr von der Spiritualität erwartet.</p>
<p>Die Ursache ist auch eine innere Hingabe, keine „Anbetung”, sondern die Aufgabe der persönlichen Zentralität. Es fühlt sich an wie ein Ruf aus dem Mikrokosmos selbst. Manchmal wird der Mikrokosmos „durch Leiden vorbereitet”, manchmal durch Reifung. Nichts Freiwilliges kann ihn erzwingen.</p>
<p>Ist dieses Eintauchen des ursprünglichen Lichts in die Strukturen der Persönlichkeit ein persönlicher Verdienst oder ist es eine Gnade? Hier muss klar gesagt werden, dass diese Lichttransfusion nicht durch die Person selbst hervorgerufen wird. Asmitā kann sich nicht selbst auflösen, noch kann es sich selbst loslassen. Es ist Gnade, aber nicht willkürlich; es folgt den Gesetzen des Mikrokosmos. Licht strömt hervor, wenn das mikrokosmische Feld offen und vorbereitet ist. Es ist keine Gunst, sondern eine Folge wahrer innerer Reifung<i>.</i></p>
<p>Persönliche Anstrengung erzeugt kein Licht, aber sie bereitet den Boden. Die Anstrengung, die der Schüler unternehmen kann, besteht aus der Reinigung der Absicht, Ehrlichkeit, Selbstbeobachtung, ethischem Leben und der Beruhigung des Geistes. Wie man in der Goldenen Rosenkreuz-Schule sagt: „Der alte Mensch bereitet sich vor, aber der neue Mensch wird durch die Gnade des Geistes geboren.“</p>
<p><i>Der neue Mensch ist nicht die Vollkommenheit des alten, sondern das Entstehen einer anderen Natur. </i>Wir verwandeln das Ego nicht in ein subtileres Ego. Der alte Mensch zieht sich zurück, und ein neues Bewusstsein, das kein persönliches Zentrum hat, beginnt zu wirken.</p>
<p>Eine weitere berechtigte Frage ist, wie sich dieses Licht im Leben des Schülers anfühlen wird. Die Transfusion wird durch mehrere deutliche Phänomene erkennbar. Ein kaltes, neutrales, unpersönliches Licht, es ist keine Emotion, es ist keine Ekstase, auch keine Energie; es ist Klarheit. Ein Gefühl der „Loslösung vom Zentrum“. Du bist nicht mehr das Zentrum der Erfahrung. Es ist Stille ohne einen Besitzer. Es findet eine Umkehrung der Motivation statt; du tust nichts mehr „für dich selbst”, du „stehst einfach in Meinem Licht” und schließlich „wirkt Mein Licht in dir auf die Welt hin”.</p>
<p>Es fühlt sich an wie Transparenz, wie eine Lockerung der Spannung zwischen dem beobachtenden Selbst und dem handelnden Selbst. Dies ist das Zeichen für die Auflösung von asmitā. Es gibt kein „Ich, das beobachtet” mehr. Nur reine Beobachtung ohne Identität, ziellos, gleich, uninteressierte Kontemplation. Du hast nicht mehr das Gefühl, zu dem Spektakel zu gehören, das du betrachtest. <i>Die Identität löst sich in Licht auf, und was weiterlebt, gehört nicht mehr zur Person. </i>Für LR bleibt die Identität nicht erhalten: Nur der Mikrokosmos als Tempel des Lichts bleibt aktiv. Die Person wird zu einem transparenten Instrument.</p>
<p>Die „Transfusion des Lichts” kann in drei typischen Momenten stattfinden. Nach einer tiefen inneren Krise, beispielsweise dem persönlichen „Gethsemane” als Bruch zwischen Altem und Neuem. In Zuständen intensiver Ruhe mit Selbsthingabe. Nicht in Konzentration, nicht in Ekstase, sondern in „vollständiger Akzeptanz”. Oder spontan nach Jahren der Vorbereitung, wenn die Struktur ausreichend transparent ist. Es kann nicht geplant werden, aber der Boden kann durch radikale Ehrlichkeit, Ablehnung von Selbsttäuschung, Offenheit des Herzens, Verzicht auf den Schutz des Selbstbildes, einfaches und reines Leben vorbereitet werden. Und vor allem durch das Erkennen und Entlarven des Asmitā-Egos in seinem Handeln: „Ich bin der spirituelle Zeuge” als letztes Hindernis. Wenn der Schüler dies erkennt, kommt das Licht auf natürliche Weise herein.</p>
<p>Damit die Schüler asmitā erkennen können, müssen sie die drei bereits erwähnten Ebenen des Egos unterscheiden: das schwankende, emotionale, biografische Selbst (ahamkāra); das spirituelle Selbst (asmitā) – ruhig, beobachtend, leuchtend, aber immer noch getrennt; und das Licht als Präsenz ohne Identität – chidābhāsa – Sein. Das Ziel ist nicht, asmitā zu perfektionieren, sondern es zu transzendieren, damit das transformative Prinzip der Neuen Seele direkt wirken kann.</p>
<p>Zusammenfassend lässt sich sagen: „Wer bin ich?“ ist nicht die Frage, durch die wir eine neue Identität finden, sondern die Frage, durch die sich alle Identitäten auflösen. Wenn asmitā verschwindet, bleibt nicht ein „spirituelles Selbst“ zurück, sondern eine namenlose Präsenz, eine strahlende Stille, die nicht zur Person gehört. Dies ist das Tor zum Neuen Menschen, zur authentischen spirituellen Geburt, zum wahren Wesen des Lichts.</p>
<hr />
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref1">[1]</a> Śrī Ramana Maharṣi (1879–1950) ist einer der bedeutendsten modernen Lehrer der Advaita-Vedānta-Tradition, bekannt für seine Methode der Selbstbefragung (ātma-vicāra), die durch die Frage „Wer bin ich?“ formuliert wurde. Seine Lehre schlägt keine neue Doktrin vor, sondern weist direkt auf die Erkenntnis der nicht-dualen Natur des Selbst hin, jenseits der Identifikation mit Körper und Geist, in einer lebendigen Kontinuität mit dem klassischen vedantischen Apophatismus.</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref2">[2]</a> Ādi Śaṅkarācārya (8. Jahrhundert n. Chr.) ist der wichtigste Systematisierer des Advaita Vedānta, der nicht-dualistischen Tradition des klassischen Hinduismus. Durch seine Kommentare zu den Upanishaden, dem Brahma Sūtra und der Bhagavad Gītā formulierte er eine radikal apophatische Metaphysik, in der die letztendliche Realität (Brahman) frei von jeglicher Bestimmung (nirguṇa) ist und die phänomenale Welt als eine durch Unwissenheit (avidyā) bedingte Erscheinung erklärt wird. Sein Einfluss war sowohl für die Geschichte der indischen Philosophie als auch für die Gestaltung des nachfolgenden nicht-dualistischen Diskurses entscheidend.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schönheit – eine Offenbarung</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/schoenheit-eine-offenbarung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Feb 2026 06:00:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn wir wahrer Schönheit begegnen, wird etwas von unserem inneren Adel sichtbar. Eine Sehnsucht erwacht in uns, dieser Schönheit und Vollkommenheit entgegenzuwachsen. Ein mit glitzernden Eiskristallen besetzter Grashalm, ein mit Sternen übersäter Nachthimmel, ein blühender Apfelbaum vor dem hellblauen Frühlingshimmel, ein blutroter Sonnenuntergang – was ist es, das unser Herz mit staunender Bewunderung erfüllt angesichts [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wenn wir wahrer Schönheit begegnen, wird etwas von unserem inneren Adel sichtbar. Eine Sehnsucht erwacht in uns, dieser Schönheit und Vollkommenheit entgegenzuwachsen.</em></p>
<p><span id="more-116124"></span></p>
<p>Ein mit glitzernden Eiskristallen besetzter Grashalm, ein mit Sternen übersäter Nachthimmel, ein blühender Apfelbaum vor dem hellblauen Frühlingshimmel, ein blutroter Sonnenuntergang – was ist es, das unser Herz mit staunender Bewunderung erfüllt angesichts solch großartiger Schönheit?</p>
<p>Es scheint etwas dem Menschen Eigenes zu sein, denn kein Tier wäre zu solcher Empfindung fähig. Während das Glück des Tieres vor allem davon abhängt, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen, scheint es im Menschen eine Instanz zu geben, die sich von Schönheit ernährt.</p>
<p>Mit dem Denken, das den Menschen ja über das Tier hinaushebt, hat diese Instanz sehr wenig zu tun. Vielmehr ist es etwas, das weit darüber hinaus geht, etwas Unmittelbares, fast Bestürzendes, das uns jäh in unserem innersten Wesen ergreift und uns mit etwas Hohem und Wahrhaftigen verbindet, das unserem sterblichen Wesen nicht eigen ist.</p>
<p>Alle großen Kunstwerke in Malerei, Bildhauerei, Literatur und Musik sind aus diesem Prinzip entstanden. Wenn wir uns in ein solches Werk vertiefen, ahnen wir etwas davon, was Vollkommenheit und Ewigkeit bedeuten. Es rührt eine Erinnerung in uns an, die diese Vollkommenheit kennt.  Etwas Heiliges trifft uns dann, das uns verstummen lässt.</p>
<p>Was ist dieses Etwas? Vielleicht das, von dem Plotin sagt:</p>
<blockquote><p><em>Es gibt etwas im Menschen, das sich selbst im eigentlichen Sinne erkennt.</em></p>
<p><em>Es ist der geistige Teil der Seele, dem innewird, dass er ist und wer er ist.</em></p>
<p><em>Indem er das Seiende <strong>schaut</strong>, schaut er sich selbst in seiner ganzen Fülle.</em></p></blockquote>
<p>Wenn wir der wahren Schönheit im Äußeren begegnen, wird uns plötzlich bewusst, wer wir im Innersten sind: ein Gott in Lumpen, ein Edelstein, im grauen groben Stein verborgen, der ausgegraben und geschliffen werden will.</p>
<p>Etwas von unserem inneren Adel wird sichtbar. Eine Sehnsucht erwacht in uns, dieser Schönheit und Vollkommenheit entgegenzuwachsen, wie eine Blume, die von Gestrüpp bedeckt war und nun das erste Mal die Macht des Lichtes erfährt, die sie emporzieht und sich entfalten lässt.</p>
<p>Schönheit ist sehr eng mit Liebe verbunden. Alles was ich mit den  Augen der Liebe betrachte, wird zu Schönheit. Der Mensch, den ich liebe, ist der schönste Mensch für mich auf der ganzen Welt. Je mehr ich von Liebe erfüllt bin, umso schöner wird die Welt um mich herum.</p>
<p>Je mehr ich den Edelstein aus dem Mantel des groben Stoffes löse und ihn beschleife, umso mehr leuchtet die Schönheit seines strahlenden Innenlebens nach außen.</p>
<p>Je mehr ich den Gott in mir von seinen Lumpen befreien kann, damit seine Liebe in mir bewusst werden kann, umso mehr erkenne ich die Herrlichkeit des Lebens.</p>
<p>Schönheit ist also nichts Objektives, sondern sie entsteht im Geist des Betrachters. Das, was der eine als schön empfindet, lässt den anderen völlig unberührt. Entscheidend ist, was der Betrachter mit dem Wahrgenommenen anfängt. Auf welche Resonanz in seinem Inneren trifft das äußere Bild? Hat er schon ein Bewusstsein für die geistige Welt entwickelt?</p>
<blockquote><p><em>Schönheit ist die vollkommene Übereinstimmung des Sinnlichen mit dem Geistigen</em>,</p></blockquote>
<p>sagt der Dichter Franz Grillparzer.</p>
<p>Aber um diese Übereinstimmung wahrzunehmen, braucht es sowohl ein Sinnesorgan, das das Geistige erkennen kann, als auch die natürlichen Sinnesorgane, die wach genug sein müssen, um die Impulse im Äußeren aufzufangen. Ein Mensch, der nur in seinen Überlebenskampf verstrickt ist, wird wenig Sinn für das Wunderbare haben, das ihn umgibt. Je mehr wir von der geistigen Welt entdecken, umso mehr Schönheit werden wir im Äußeren finden.</p>
<p>Alles Irdische ist ein Gleichnis und wenn wir die Wirklichkeit hinter diesem Gleichnis erkennen, erschließt sich uns auch die Schönheit ihres Symbols.</p>
<p>Nur im Hier und Jetzt kann so etwas geschehen. Es ist ein absolutes Wachsein in diesem Augenblick nötig, um die aus der geistigen Welt einfallenden Lichtstrahlen im Gewirr des Alltags nicht zu verpassen. Die Schönheit, die wir in der Vergangenheit erlebt haben, verblasst mit jeder Erinnerung daran, die wir  aufrufen. Das Wunderbare, das wir von der Zukunft erwarten, ist nur erst eine Vorstellung davon und kommt nicht über das hinaus, was wir schon kennen. Aber im Hier und Jetzt ist das Leben, und es hat überall seinen Zauber verstreut, wir müssen ihn nur sehen.</p>
<p>Eine solche zeitlose Schönheit kann auch nicht mit Worten beschrieben werden. Wir können sie niemandem erzählen. Jedes Wort schnürt sie in ein Korsett, das ihr ihre Einzigartigkeit nimmt und ihr den Glanz raubt. Wenn wir es trotzdem versuchen, werden wir feststellen, dass wir nur ein fahles Abbild dessen weitergeben können, was sich in unserem Inneren als ein Wunder offenbart hat.  Zurück bleibt ein Gefühl von Enttäuschung und Verlust.</p>
<p>So ist es mit allen Dingen, die wir aus der geistigen Welt in der Welt des Stoffes manifestieren wollen. Sie sind nur für den jetzigen Augenblick erkennbar und wirksam. Jeder Versuch, dieses Glück festzuhalten, muss scheitern.</p>
<p>Rainer Maria Rilke beschreibt das wunderbar in einem seiner Gedichte:</p>
<blockquote><p><em>Du musst das Leben nicht verstehen</em></p>
<p><em>dann wird es werden wie ein Fest.</em></p>
<p><em>Und lass dir jeden Tag geschehen</em></p>
<p><em>so wie ein Kind im Weitergehen</em></p>
<p><em>von jedem Wehen</em></p>
<p><em>sich viele Blüten schenken lässt.</em></p></blockquote>
<p>Die Art von Schönheit, von der hier die Rede ist, überwältigt uns, macht uns fassungslos und stumm. Wir können sie nicht begreifen, und es fehlt auch jeder Wunsch danach, sie zu erklären. Es genügt vollkommen, dieses Mysterium zu erleben. Wir fallen in das Wunder hinein und verschwinden darin.</p>
<p>Es ist ein Vorgeschmack der geistigen Welt, wo wir mit der Schönheit verschmelzen, wo unser Ich bedeutungslos wird, wo wir zeitlos, raumlos und grenzenlos ein Teil dieses Wunders sind.</p>
<p>Solche Momente rauben uns den Atem und erfüllen uns mit namenloser Freude. Sie sind Geschenke aus der Ewigkeit,  nur für uns und nur für diesen Augenblick.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Walter Russell</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/walter-russell/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wiesia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 06:00:24 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://logon.media/logon_article/walter-russell/</guid>

					<description><![CDATA[Das Werk von Walter Russell handelt von der Realität. Der absoluten Realität. Der Wahrheit. Logon ordnet Artikel verschiedenen Kategorien zu, wie „Geist &#38; Seele“, „Moderne“, „Wissenschaft“ und „Kunst“. Aber wo sollen wir Walter Russell einordnen? Er umfasst alle Kategorien. Kunst? Denn er war Maler und Bildhauer. Geist &#38; Seele? Nach seiner tiefgreifenden Erleuchtungserfahrung im Jahr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Werk von Walter Russell handelt von der Realität. Der absoluten Realität. Der Wahrheit.</p>
<p><span id="more-125250"></span>Logon ordnet Artikel verschiedenen Kategorien zu, wie „Geist &amp; Seele“, „Moderne“, „Wissenschaft“ und „Kunst“. Aber wo sollen wir Walter Russell einordnen? Er umfasst alle Kategorien. Kunst? Denn er war Maler und Bildhauer. Geist &amp; Seele? Nach seiner tiefgreifenden Erleuchtungserfahrung im Jahr 1921 behauptete er, Zugang zur „Quelle allen Wissens” zu haben. Moderne? Nikola Tesla sagte zu Walter Russell über sein Manuskript „The Universal One”: „Schließen Sie es für tausend Jahre in einen Tresor. Die Welt ist noch nicht bereit dafür.” Wissenschaft? Auf der Titelseite von „The Universal One“ lesen wir: „Eine exakte Wissenschaft des einen sichtbaren und unsichtbaren Universums des Geistes (&#8230;)“.</p>
<p>Es gibt eine Kategorie, die alle anderen umfasst. Sie heißt „Realität“.</p>
<p>Das Werk von Walter Russell handelt von der Realität. Der absoluten Realität. Der Wahrheit.</p>
<p><a href="https://excellencereporter.com/2025/05/14/life-lessons-from-walter-russell-genius-balance-and-inner-power/">Hier</a> finden Sie eine gute und leicht verständliche Einführung in das Werk von Walter Russell.</p>
<h3>Wahrheit und Einladung</h3>
<p>Die Wahrheit nähert sich uns immer mit einer offenen Einladung: Betreten Sie das Reich der Wahrheit und erkennen Sie! Doch nur wenige können diese Einladung annehmen. Die offene Tür wird durch unsere Überzeugungen, unsere Wahrnehmungen, unsere Vergangenheit blockiert. Die Wahrheit weiß das und kommt uns zu Hilfe: Sie schickt einen Boten, der uns helfen soll, die innere Tür zu öffnen. Wenn wir uns dem Werk von Walter Russell nähern, sind ein offenes Herz und ein offener Geist von entscheidender Bedeutung. Geben Sie dem Unerwarteten eine Chance, einzutreten! Wir sagen nicht: Akzeptiere es als Wahrheit. Wir sagen: Untersuche es, betrachte es mit offenem Geist, ohne Vorurteile, ohne Vergleiche. Lass sein Werk sich in uns entfalten wie eine schöne Blume, die ihre Blütenblätter der Sonne entgegenstreckt.</p>
<h3>Erhöhter amerikanischer Traum</h3>
<p>Wenn wir das Leben von Walter Russell betrachten, sehen wir, dass er von klein auf die Prinzipien der „Ausrichtung auf das Universum” und der „grundlegenden Balance” anwandte.</p>
<p>Er sagte:</p>
<blockquote><p><i>Gott arbeitet mit dir, aber nicht für dich.</i></p></blockquote>
<p>Das bedeutet eine aktive, dynamische Herangehensweise an das Leben, die jedoch auf der Ausrichtung auf das Universum und die kosmischen Gesetze basiert. Mit einem Lächeln sagen wir, dass es sich um den „amerikanischen Traum” in einem spirituellen und gehobenen Sinne handelt. Es ist der Glaube, dass jeder Mensch Großes und Mächtiges vollbringen kann, solange er mit Gott zusammenarbeitet. Die Zusammenarbeit mit dem Universum ist jedoch keine leichte Sache, denn sie erfordert absolutes Gleichgewicht und Rechtschaffenheit. Wir können nicht einatmen, wenn wir nicht ausatmen. Wir können nicht empfangen, wenn wir nicht geben. Wenn wir mit dem Universum zusammenarbeiten wollen, müssen wir ihm unsere Aufmerksamkeit schenken, unseren Kopf; wir müssen ihm unser Verlangen schenken, unser Herz; wir müssen ihm die dynamische Energie unseres Willens schenken, unsere Hände.</p>
<p>Walter Russell hatte interessante Ideen zum Thema Erfolg. Sie haben wenig mit der üblichen Meinung zu tun, dass Erfolg die Anhäufung von materiellem Reichtum ist. Er glaubte, dass jeder Mensch sein schlummerndes „inneres Genie” erwecken kann, indem er innere Stille praktiziert und sich an die Quelle allen Wissens und aller Kreativität anschließt. Die wichtigsten Grundsätze für den Erfolg sind, unsere Energie zu konzentrieren und unser Denken auf unsere Ziele zu fokussieren. Verschwenden Sie keine Energie und Gedanken an alle möglichen Ablenkungen. Die wichtigsten Prinzipien sind jedoch die „Ausrichtung auf das Universum” und das „grundlegende Gleichgewicht”. Wir möchten dies anhand von zwei Zitaten von Jan van Rijckenborgh veranschaulichen:</p>
<blockquote><p><i>Wenn Ihre Sehnsucht, Ihre Wunschnatur, vollständig im Einklang mit dem grundlegenden Wunsch der Natur steht, werden Sie die Kraft erfahren und besitzen, das zu erreichen, was Sie sich wünschen.</i> <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn1"><sup>[1]</sup></a></p>
<p><i>Wer lernt, das Feuer zu beherrschen, wer sich nicht dem Explosiven hingibt, wird auch die Kontrolle über die gegensätzliche Kraft erlangen. Das Gleichgewicht zwischen Zentrifugal- und Zentripetalkraft, zwischen Hitze und Kälte, den beiden Kräften der Natur, führt zu wahrer Harmonie und Verwandlung – dem idealen Stoffwechsel.</i><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn2"><sup>[2]</sup></a></p></blockquote>
<h3>Wissenschaft</h3>
<p>Die Lehren von Walter Russell sind spirituelle Lehren, aber sie haben auch eine einzigartige wissenschaftliche Seite. Als „The Universal One” erstmals veröffentlicht wurde, fanden seine Ideen in einer von materialistischem Denken geprägten Gesellschaft keinen fruchtbaren Boden. Hundert Jahre sind vergangen; heute sehen wir, dass die Menschheit im Zeitalter des Wassermanns angekommen ist. Das Feuer der Erneuerung beeinflusst unser Bewusstsein und bricht alte Strukturen auf. Ein neuer Morgen zeichnet sich am Horizont ab. Die theoretische Physik hat sich weiterentwickelt: Relativitätstheorie, Teilchenphysik, kosmische Strahlung und Quantenmechanik sind Teil des wissenschaftlichen Paradigmas. In diesem neuen Licht erscheinen die Ideen von Walter Russell nicht mehr so seltsam. Wir glauben, dass sein Werk nun den ihm zustehenden Platz einnehmen kann.</p>
<p>Es ist interessant, dass sich sein Werk auf amerikanischem Boden entwickelt hat. Manche sehen die Vereinigten Staaten als Symbol für einen neuen Morgen, einen neuen Tag, neue Möglichkeiten; einen Ort, an dem ein Mensch ein neues Leben in Freiheit beginnen kann. Wir können uns dies auf spirituelle Weise vorstellen: als den Weg zur Wiedergeburt der menschlichen Seele. Es gibt nur eine universelle Lehre, aber sie offenbart sich in verschiedenen Gewändern. Sie nimmt ein Gewand an, das für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort geeignet ist, für diejenigen, für die sie bestimmt ist. Walter Russell gab der Menschheit ein neues Gewand der universellen Lehre, eine Form, in der Spiritualität und Wissenschaft Hand in Hand gehen. Wir hoffen aufrichtig, dass sein Werk einen spirituellen Goldrausch auslösen wird: dass alle Menschen ihren inneren Schatz entdecken, den spirituellen Reichtum, der im Zentrum unseres Wesens verborgen ist.</p>
<p>Um uns mit der spirituelleren Seite von Walter Russells Werk vertraut zu machen, präsentieren wir eine Reihe von Zitaten aus seinem Buch „The Universal One”<a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn3"><sup>[3]</sup></a>, begleitet von einigen Kommentaren. Wir hoffen, dass Sie sich uns auf dieser spirituellen Reise anschließen und dass wir gemeinsam die Atmosphäre der Wahrheit erleben, die frische Luft einer neuen Realität einatmen und die Schönheit eines neuen Lebens ausatmen werden.</p>
<h3>The Universal One</h3>
<p>Mit der folgenden Passage schließt Walter Russell die Einleitung seines Buches „The Universal One” ab:</p>
<blockquote><p><em>Diese Botschaft richtet sich an die gesamte Menschheit und nicht nur an einige wenige, denn sie legt eine Macht in ihre Hände, die sie entweder verherrlichen oder auf schreckliche Weise versklaven kann, je nachdem, wie sie diese Macht einsetzen.</em></p>
<p><em>So oder so spielt es keine Rolle, denn am Ende wird die Wahrheit überleben und der Mensch sein Schicksal erfüllen.</em></p>
<p><em>Die Wahrheit lebt. Es gibt nichts als die Wahrheit, und alles, was anders erscheint, existiert nicht und wird niemals existieren.</em></p></blockquote>
<h3>Die Einheit des Lebens</h3>
<blockquote><p><em>Das gesamte „geschaffene“ Universum von allem, was ist, jemals war oder jemals sein wird, ist nichts anderes als die eine Substanz in Bewegung, das Licht.</em></p>
<p><em>Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis (Johannes 1:5).</em></p>
<p><em>Materie ist Licht.</em></p>
<p><em>Gott und Materie sind eins.</em></p>
<p><em>Geist und Materie sind dieselbe Substanz.</em></p>
<p><em>Diese Substanz ist Licht. (…)</em></p>
<p><i>Das gesamte Universum ist nur ein einziges lebendiges, atmendes, pulsierendes Wesen.</i><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn4">[4]</a></p></blockquote>
<h3>Eine Substanz</h3>
<p>In der Kosmologie von Walter Russell besteht das Universum aus einer einzigen Substanz: Licht. Dieses Licht kann in zwei Zuständen vorliegen: Es gibt Licht in Stille und Licht in Bewegung. Licht in Bewegung kann mit spirituellen oder materiellen Sinnen wahrgenommen werden, da es erkennbare Eigenschaften hat, die Walter Russell als Dimensionen bezeichnet. Er unterscheidet 18 solcher Dimensionen<a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn5"><sup>[5]</sup></a>.</p>
<blockquote><p><i>Das gesamte „geschaffene” Universum von allem, was ist, jemals war oder jemals sein wird, ist nichts anderes als die eine Substanz in Bewegung, das Licht.</i></p></blockquote>
<p>Wenn Licht in Bewegung versetzt wird, offenbart es sich in bestimmten Zuständen oder „Potenzialen”. Diese Potenziale folgen einem periodischen Zyklus gemäß der kosmischen Uhr:</p>
<blockquote><p><i>Der denkende Geist hat diese geordneten Abläufe als Methode entwickelt, um die Idee des universellen Denkens zur Erscheinung der Form zu entwickeln und sie im Verschwinden der Form wieder aufzulösen.</i> <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn6"><sup>[6]</sup></a></p></blockquote>
<p>Was ist dann das „nicht geschaffene” Universum? Es ist Licht in Stille. Wir glauben, dass „Licht in Stille” sich auf das bezieht, was Jacob Boehme als „Ungrund” bezeichnet hat. Es ist der ursprüngliche Abgrund, in dem die eine Substanz in einem undifferenzierten Zustand existiert. Es ist die Quelle aller Schöpfung, reines Potenzial. Da es alles und nichts ist, ist es ohne Dimensionen: Es kann in keiner Weise wahrgenommen werden. Dieses Licht in der Stille enthält den Willen und den Wunsch, zu werden. Der Kreis der Ewigkeit, der Ungrund, vervielfältigt sich und bildet die beiden absoluten Säulen aller Schöpfung: die männlichen und weiblichen Aspekte der Gottheit.</p>
<p>Laut Walter Russell gibt es nur zwei Kräfte im geschaffenen Universum: Gravitation und Radiation. Diese beiden Kräfte sind Ausdruck der männlichen und weiblichen Archetypen, die die Grundlage des geschaffenen Universums bilden: Sie setzen das Licht in Bewegung. Der männliche Aspekt, die Gravitation, wirkt auf das Zentrum aller Dinge hin; sie ist eine zentripetale Kraft. Der weibliche Archetyp, die Strahlung, ist zentrifugal, sie ist die Kraft, die vom Zentrum weg wirkt. Diese beiden Kräfte sind in perfekter Balance und erhalten den göttlichen Rhythmus des geschaffenen Universums aufrecht. „<i>Das gesamte Universum ist nur ein einziges lebendiges, atmendes, pulsierendes Wesen.“</i></p>
<h3>Das Gesetz</h3>
<p>Im Kapitel „Universelle Einheit“ lesen wir:</p>
<blockquote><p><em>Nun muss das einfachste, aber größte aller Gesetze des Universums niedergeschrieben werden.</em></p>
<p><em>Alles, was ist, ist von allem anderen, was ist. Nichts ist für sich allein. Alle geschaffenen Dinge sind untrennbar miteinander verbunden.</em></p></blockquote>
<p>Dies ist das Gesetz der gesamten Substanz des göttlichen Geistes.</p>
<p>Dies ist das Gesetz der Seelen der Dinge.</p>
<p>Dies ist das Gesetz der Liebe.</p>
<p>Es ist das Gesetz der Einheit des Universums.</p>
<p>Alles, was ist, ist Eins.</p>
<h3>Denken im Licht</h3>
<p>Walter Russell weist darauf hin, dass wir lernen müssen, im Licht zu denken, wenn wir die universelle Einheit erfahren wollen.</p>
<blockquote><p><em>Der Mensch muss im Licht denken, um den Geist wirklich zu verstehen.</em></p>
<p><i>Alle Menschen können in den höheren Oktaven des Lichts denken, wenn sie nur verstehen, denn mit dem Verstehen kommt die Kraft. </i>(&#8230;)</p>
<p><em>Der innere Geist des Menschen ist Licht der hohen Oktaven inspirierenden, ekstatischen Denkens. Für die innere Sicht des Menschen ist Licht immer Licht. Es verschwindet nie. (&#8230;)</em></p>
<p><i>Der innere Geist des Menschen kennt keine Dunkelheit.</i><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn7"><sup>[7]</sup></a></p></blockquote>
<p>Wir fügen einige Kommentare aus der Perspektive der Schule des Goldenen Rosenkreuzes hinzu, um die Bedeutung von „innerem Geist” und „Denken im Licht” zu verdeutlichen.</p>
<p>Alle Menschen, die in der Natur geboren sind, haben ein dreidimensionales Bewusstsein, das auf ihren Sinnen basiert. Wir denken in Zeit und Raum. Der „äußere Geist” betrachtet die Dinge von außen; wir fühlen uns vom Universum und von anderen Menschen getrennt. Das ist der normale Zustand des Ich-zentrierten Bewusstseins. Aber das, was wir „normal” nennen, ist für das Universum nicht normal, denn das Gesetz besagt:</p>
<blockquote><p><em>Alles, was ist, ist von allem anderen, das ist. Nichts ist für sich allein. Alle geschaffenen Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. </em>(WR)</p></blockquote>
<p>Das Ich-Bewusstsein ist eindeutig nicht im Einklang mit dem Universum, und das führt zu Leiden. Ich fühle mich vom Ganzen getrennt und folge meinen eigenen Wünschen. Ich verstehe die Folgen meines Handelns nicht. Aufgrund meiner Blindheit verletze und schädige ich andere Menschen, die Tiere, die Erde. Aber…</p>
<blockquote><p><i>Alle geschaffenen Dinge sind untrennbar miteinander verbunden </i>(WR)<i>, </i></p></blockquote>
<p>und daher verletze ich mich selbst. Jetzt bemitleide ich mich selbst und frage: „Warum hat Gott eine böse Welt voller Leiden geschaffen?“ Wie dumm ich doch bin, denn ich habe sie selbst geschaffen! Leider lerne ich nur langsam und muss viele irdische Leben durchlaufen, um ein gewisses Verständnis für das Gesetz von Ursache und Wirkung zu erlangen. Ich beginne, verantwortungsbewusster zu leben; ich möchte Gutes tun. Aber was ist gut? Wenn der äußere Verstand nur getrennte Objekte sieht, wie kann ich dann allem, was ist, Gutes tun?</p>
<p>Ich werde still, still wegen meiner Unfähigkeit, meiner Einsamkeit, meiner Sehnsucht nach Einheit und Liebe. Der stolze Mann, der die Erde erobern wollte, ist nun verschwunden. Wenn die Stille des Unvermeidlichen, die Leere aller materiellen Dinge, über mich hereinbricht, frage ich mich: „Wer bin ich?“</p>
<blockquote><p><i>Und die Stimme antwortete: „Du bist ich. Ich, der universelle Eine, bin du, den du nach meinem Bild erschaffst.</i> <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn8"><sup>[8]</sup></a></p></blockquote>
<p>Woher kommt diese geheimnisvolle Stimme? Es ist die Stimme des Zentrums, des Zentrums unseres eigenen Wesens. Die Rosenkreuzer nennen es die Rose. Es ist die göttliche Vorstellung davon, wer wir sind, unser wahres Selbst. Warum habe ich diese Stimme vorher nicht gehört? Weil meine Ohren voller irdischer Geräusche waren, meine Augen voller illusorischer Bilder. Wenn ich meine Aufmerksamkeit, mein Verlangen, auf mein eigenes Zentrum richte, öffne ich die Tür zu einer neuen Welt, einem Universum des Lichts. Jetzt, da ich das Tor meines Herzens geöffnet habe, können diese Lichtkräfte in meinen Blutkreislauf, mein Nervensystem eindringen und die Schwingung aller Zellen in meinem Körper erhöhen. Spirituelles Licht ist Kraft, Intelligenz und Liebe; es führt einen göttlichen Bauplan aus.</p>
<blockquote><p><i>Zerstört diesen Tempel, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen.</i> <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn9"><sup>[9]</sup></a></p></blockquote>
<p>Die Lichtkräfte fließen in unserem Körper nach oben, und nach dem Herzen wird dann der Kopf erneuert.</p>
<blockquote><p><i>Das innere Bewusstsein des Menschen ist Licht hoher Oktaven inspirierenden, ekstatischen Denkens. </i>(WR)</p></blockquote>
<p>Das innere Bewusstsein ist das spirituelle Zentrum, das sich in unserem Kopf offenbart. Es ist das „himmlische Herz“. Es ist die Einheit zwischen Herz und Kopf; jetzt erfahren wir, was es bedeutet, im Licht zu denken.</p>
<p>Um zu veranschaulichen, dass „<i>der innere Geist des Menschen keine Dunkelheit kennt“ </i>(WR)<i>, </i>präsentieren wir das folgende Zitat:</p>
<blockquote><p><em>Darüber hinaus, und das ist wichtig, erscheint ein feuriges Zeichen, das der Stirn und der Krone des Kopfes entspricht; es ist das dritte Auge. Dieses feurige Zeichen, diese Flamme, bedeckt den Schädel von der Stirn bis zur Krone. Es ist das Zeichen des Menschensohnes, von dem in Offenbarung 7 die Rede ist. Es handelt sich nicht um eine mystische Andeutung, sondern um eine wissenschaftliche Tatsache. Es ist das Zeichen der neugeborenen Seele. Wenn ein Schüler sein Herz für die Gnosis öffnet, wenn das Prana des Lebens eintritt und sich mit den Lebensflüssigkeiten vermischt, das Heiligtum des Kopfes durchdringt und der Schüler ausharrt und seine Gedanken bewacht, beginnt sich diese Flamme zu manifestieren: das Zeichen des Menschensohnes, die goldene Wunderblume (&#8230;).</em></p>
<p><em>(&#8230;) wenn sich das dritte Auge – die goldene Rose – entwickelt, ist er in der Lage, in die Seelenwelt zu sehen; für die erwachte Seele muss es also keine Dunkelheit mehr geben. Dieses Sehen wird gnostische Intuition genannt. Es ist das Sehen der Seele und der Beginn des damit verbundenen neuen Bewusstseins, denn das Zentrum des dritten Auges ist mit der Zirbeldrüse verbunden.</em> <a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftn10"><sup>[10]</sup></a></p></blockquote>
<p>Wir sind uns bewusst, dass die Schriften von Walter Russell auch nach hundert Jahren nicht leicht zugänglich sind. Wir hoffen, dass dieser Artikel ein erster kleiner Schritt ist, um das Potenzial seines Werks zu erschließen. Wir glauben, dass sein Werk zum Zeitalter des Wassermanns passt, in dem wir alle eingeladen sind, zu lernen, im Licht zu denken.</p>
<p>__________________________________________________</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> <a href="https://www.goldenrosycross.org/books/the-egyptian-arch-gnosis-3">Die ägyptische Arch-Gnosis 3</a>, XVIII Suche zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> <a href="https://www.goldenrosycross.org/books/the-egyptian-arch-gnosis-2">Die ägyptische Arch-Gnosis 2</a>, XLI Die Wiederherstellung des perfekten Gleichgewichts</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> <a href="https://oceanofpdf.com/genres/metaphysics/pdf-epub-the-universal-one-download/">[PDF] [EPUB] Das Universelle Eins Herunterladen</a></p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref4">[4]</a> Das Universelle Eins; Buch I – Kapitel I – Schöpfung</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_SVi7wJKGbo&amp;t=2747s">Hier können Sie</a> eine Einführung in die eher wissenschaftliche Seite von Walter Russells Kosmologie sehen.</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> Das Universelle Eine; Buch I – Kapitel XV – Die Formel der verschlossenen Potenziale</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> Das Universelle Eine; Buch I – Kapitel VIII – Ein dimensionsloses Universum</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> Das Universelle Eine; Buch I – Kapitel XIX – Allwissenheit</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> Johannes 2:19</p>
<p><a href="https://www.deepl.com/en/translator#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> <a href="https://www.goldenrosycross.org/books/the-egyptian-arch-gnosis-1">Die ägyptische Arch-Gnosis I</a>, Kapitel „Das Zeichen des Menschensohnes”</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Legende vom unerschütterlichen alten Mann und dem kleinen Zweig</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/the-legend-of-the-unshakable-old-man-and-the-little-twig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wiesia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jan 2026 06:00:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Freiheit liegt nicht in Reinheit, sondern in der vollständigen Akzeptanz jedes Windes, jedes Zweigs, jedes Chaos – ohne inneren Widerstand oder persönliche Vorlieben. Teil Eins Ich habe diese Parabel vor etwa sechs oder sieben Jahren zum ersten Mal gehört. Seitdem taucht sie immer wieder in Gesprächen auf – ich erzähle sie gerne meinen Freunden und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Freiheit liegt nicht in Reinheit, sondern in der vollständigen Akzeptanz jedes Windes, jedes Zweigs, jedes Chaos – ohne inneren Widerstand oder persönliche Vorlieben.</em></p>
<p><span id="more-124577"></span></p>
<h3>Teil Eins</h3>
<p>Ich habe diese Parabel vor etwa sechs oder sieben Jahren zum ersten Mal gehört. Seitdem taucht sie immer wieder in Gesprächen auf – ich erzähle sie gerne meinen Freunden und Angehörigen. Und als sie mir an Heiligabend wieder in den Sinn kam, beschloss ich, sie aufzuschreiben.</p>
<p>In einem der Bergtäler Chinas lebte ein alter Mann. Man sagte, sein Geist sei so ruhig wie die Oberfläche eines Bergsees: Kein Sturm konnte das Spiegelbild des Himmels in seinen Tiefen stören. Er war kein Lehrer, hatte keine Schüler und strebte nicht nach Ruhm – er lebte einfach, wie diejenigen, die es nirgendwo eilig haben.</p>
<p>Später erfuhr ich, dass diese Geschichte oft Bodhidharma (Damo) zugeschrieben wird, dem ersten Patriarchen der Chan-Schule, der im 6. Jahrhundert die Lehre der direkten Einsicht in das Wesen des Seins von Indien nach China brachte. Es handelt sich hierbei nicht um eine kanonische Biografie, sondern um eine im Laufe der Zeit entstandene Volksparabel – eine Geschichte über die letzte und schwierigste Prüfung auf seinem Weg.</p>
<h3>Die erste Prüfung – Diebe</h3>
<p>Eines Nachts brachen Diebe in seine Behausung ein. Der alte Mann, der in Meditation versunken war, beobachtete ruhig, wie sie seine mageren Besitztümer mitnahmen.</p>
<p>„Nehmt alles mit“, sagte er mit ruhiger Stimme. „Macht nur nicht zu viel Lärm.“</p>
<p>Beeindruckt von seiner Gelassenheit, gingen die Diebe verwirrt davon.</p>
<h3>Die zweite Prüfung – Verrat</h3>
<p>Als der alte Mann einmal nach Hause kam, fand er seinen Nachbarn – einen jungen Mann – mit seiner Frau vor. Er nickte nur leicht, sein Gesichtsausdruck blieb unverändert.</p>
<p>„Verzeih mir, dass ich deine Ruhe gestört habe“, sagte er und ging, als hätte er sich in der Tür geirrt.</p>
<h3>Die dritte Prüfung – Verbannung</h3>
<p>Seine Söhne, für die Ehre und Status alles bedeuteten, erklärten:</p>
<p>„Du bist schwach. Du bringst Schande über unsere Familie. Geh.“</p>
<p>„Wie ihr wünscht, meine Kinder“, antwortete der alte Mann ruhig. Er verbeugte sich, nahm seinen Stab und seine Almosenschale und machte sich auf den Weg in die Berge, zu einem Kloster.</p>
<h3>Das Kloster</h3>
<p>Der alte Mann kam im Kloster an. Er wurde aufgenommen, bekam eine Unterkunft und die Aufgabe, den Hof zu kehren.</p>
<p>Er verbrachte seine Tage damit, den Hof zu fegen, Blätter und Staub zu entfernen, seine Bewegungen waren bedächtig und vertraut. Das Fegen wurde zu einem Ritual – einer Meditation in Aktion. Er fegte nicht Steine, sondern seinen eigenen Geist, und mit jedem Strich wurde es in seinem Inneren leerer und heller. In seiner Freizeit zog er sich tiefer in den Hof zurück, setzte sich unter einen Baum und meditierte, beobachtete seinen Atem und die Bewegungen seines Geistes.</p>
<p>Und in dieser Ruhe, in einer Stille, die ewig zu dauern schien, begann der alte Mann, leises Rascheln und subtile Bewegungen um sich herum wahrzunehmen. Schatten sammelten sich dort, wo noch nie ein Gedanke der Angst gewesen war. In dem flackernden Licht tauchten kaum erkennbare Bildfragmente auf – die ersten Vorboten der Maras. Im Buddhismus, wie auch in der europäischen und slawischen Mythologie, ist dies der Name für Dämonen, die sich von menschlichen Anhaftungen ernähren.</p>
<h3>Der Angriff der Maras</h3>
<p>Die Maras begannen, sich deutlicher zu manifestieren, nahmen furchterregende Gestalten an und flüsterten von der Vergangenheit, um den alten Mann von seiner Arbeit und Meditation abzulenken. Der alte Mann seufzte nur leise, wie gewohnt, bei jedem Schwung mit dem Besen.</p>
<p>Dann änderten sie ihre Gestalt, erschienen in strahlender Pracht und erklärten ihn zum größten Heiligen aller Zeiten, um Stolz und das Verlangen nach Anerkennung in ihm zu wecken, doch der alte Mann lächelte nur innerlich und fegte weiter.</p>
<p>Eines Tages, nachdem er seine Arbeit beendet hatte, setzte er sich unter eine alte Kiefer. Der Hof war sauber. Eine leichte Brise bewegte einen Ast, und ein winziger trockener Zweig fiel auf den Stein zu seinen Füßen. Ein Schatten huschte über das Gesicht des alten Mannes: eine kleine Irritation, eine kaum wahrnehmbare Vorliebe für Ordnung und Sauberkeit.</p>
<p>Die Maras heulten triumphierend: Sie hatten keine Leidenschaft und keine Angst gefunden, sondern die subtilste Vorliebe – seine verborgene Zuneigung. In diesem Moment entfesselten sie einen heftigen Sturm über dem Hof, der Kiefernnadeln, Staub und Schmutz in einen tobenden Wirbel hob und seine makellose Arbeit in Sekundenschnelle zunichte machte.</p>
<p>Der alte Mann trat vor, seine Hände erhoben sich in stummer Verzweiflung.</p>
<p>Die innere Harmonie zerbrach – nicht größer als ein winziger heruntergefallener Zweig. Er identifizierte sich mit dem, was geschah.</p>
<p>Er hatte verloren.</p>
<h3>Teil Zwei – Bedeutung</h3>
<p>In dieser Geschichte geht es nicht um die Niederlage von Bodhidharma (denn laut Überlieferung hat der Patriarch sein Ziel tatsächlich erreicht). Sie offenbart die letzten Fallen auf dem Weg zur Freiheit. Genau diese Niederlage legt die empfindlichsten Ketten offen, die unser „Selbst” fesseln, und deshalb ist sie so wichtig. Betrachten wir dies einmal genauer.</p>
<h3>1. Söhne und Ehefrau – Anhaftung an die Welt der Formen</h3>
<p>Die Söhne verkörpern das soziale Ego: Ansehen, Status, Familie, Ehre, öffentliche Meinung. Der alte Mann lässt dies leicht los – er sieht darin nur Etiketten, nicht sein Wesen. Sein Exil ist ein Akt der vollständigen Loslösung von sozialen Verträgen.</p>
<p>Die Frau und der Nachbar symbolisieren sinnliche Bindung, Besitz und Eifersucht. Der alte Mann identifiziert sich nicht mit dem Körper oder mit Beziehungen im gewöhnlichen, weltlichen Sinne.</p>
<h3>2. Dämonen (Maras) – Die Personifizierung des Ego-Verstandes</h3>
<p>Dies sind keine äußeren Wesen, sondern Kräfte der eigenen Unwissenheit:</p>
<p>Angst, Abneigung, Wut (niedere Dämonen) – die ersten Hindernisse, die ein Suchender überwinden muss.</p>
<p>Stolz, Verlangen nach Anerkennung, spirituelle Arroganz – dies sind subtilere Feinde. Der alte Mann besteht auch diese Prüfung und zeigt, dass selbst die Vorstellung von der eigenen Heiligkeit eine Illusion ist.</p>
<p>Die letzten und am schwersten fassbaren Dämonen sind die Gewohnheiten des Geistes: eine mechanische, fast unbewusste Vorliebe.</p>
<h3>3. „Der kleine Zweig“ – Der letzte Anker des Selbst</h3>
<p>Die letzte Anhaftung ist winzig, kaum wahrnehmbar – eine winzige Falle des Bewusstseins. Selbst nachdem man Familie, Reichtum, Angst und Stolz aufgegeben hat, zieht sich der Geist zu einem mikroskopisch kleinen Identifikationspunkt zusammen. Dies kann folgende Formen annehmen:</p>
<ul>
<li>Anhaftung an Sauberkeit und Ordnung.</li>
<li>Heimliche Freude an der eigenen Nicht-Anhaftung.</li>
<li>Eine leichte Irritation durch ein Geräusch, einen Ton, das Wetter.</li>
<li>Eine unbemerkte Vorliebe für Komfort – Stille, Geschmack, Rituale.</li>
</ul>
<p>Dieser „Zweig“ ist gefährlich, weil er unschuldig, ja sogar tugendhaft erscheint. In ihm verbirgt sich der letzte Funke des Dualismus: „Ich existiere hier, und dies – dieser Zweig, diese Unordnung – sollte in meiner Welt nicht existieren“.</p>
<h3>4. Hurrikan – Das Leben, wie es ist</h3>
<p>Das Leben ist unvorhersehbar und unkontrollierbar. Es stört ständig unsere innere und äußere Welt. Die letzte Prüfung besteht nicht darin, unter idealen Bedingungen Ruhe zu bewahren, sondern gelassen zu bleiben, wenn die Realität selbst die Ordnung stört – und somit wirklich frei zu sein.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Die Geschichte endet nicht mit einem Sieg, sondern mit einer Niederlage. Doch diese Niederlage ist der beste Lehrmeister. Sie ruft uns zu:</p>
<p>„Bleibe bis zum Ende wachsam. Schau nicht auf die Stürme – höre auf das kaum hörbare Flüstern in deiner eigenen Seele. Freiheit liegt nicht in der Reinheit, sondern in der vollständigen Akzeptanz jedes Windes, jedes Zweigs, jedes Chaos – ohne inneren Widerstand oder persönliche Vorlieben.“</p>
<p>Und wo versteckt sich dein kleiner Zweig?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die drei unirdischen Geister der Weihnacht</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/drei-geister-der-weihnacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Wiesia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Dec 2025 06:00:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die drei Geister aus Charles Dickens&#8216; „A Christmas Carol“ können als mystische Führer verstanden werden, die die Seele durch drei Stufen des inneren Erwachens begleiten. A Christmas Carol von Charles Dickens ist eine magische Geschichte, die sich seit ihrer Entstehung ungebrochener Beliebtheit erfreut und unzählige Übersetzungen und Verfilmungen erfahren hat. Unabhängig davon, ob wir das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die drei Geister aus Charles Dickens&#8216; „A Christmas Carol“ können als mystische Führer verstanden werden, die die Seele durch drei Stufen des inneren Erwachens begleiten.</em></p>
<p><span id="more-123539"></span><i>A Christmas Carol </i>von Charles Dickens ist eine magische Geschichte, die sich seit ihrer Entstehung ungebrochener Beliebtheit erfreut und unzählige Übersetzungen und Verfilmungen erfahren hat. Unabhängig davon, ob wir das Buch lesen, die klassische Schwarz-Weiß-Verfilmung von 1938, den Film von 1951, die Fernsehadaption von 1984 oder den Zeichentrickfilm sehen, in dem Piotr Fronczewski Scrooge seine Stimme leiht – diese Geschichte bewegt uns immer wieder aufs Neue. Sie weckt in uns die Sehnsucht nach dem Guten und den Wunsch, besser zu werden. Sie wirkt so stark, weil sie den Sinn des menschlichen Lebens aus der Perspektive der Seele zeigt und eine spirituelle Tiefe verbirgt, die viel reichhaltiger ist, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.(1)</p>
<p>Wenn wir in die Welt dieser Geschichte eintauchen, sehen wir uns in ihrem Haupthelden wie in einem Spiegel – auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Normalerweise nehmen wir <i>A Christmas Carol </i>als eine Geschichte über jemand anderen wahr: einen alten, verbitterten Geizhals, der dringend eine Veränderung braucht. Die wahre spirituelle Dimension dieser Geschichte offenbart sich jedoch erst, wenn wir verstehen, dass Scrooge, über den Dickens schrieb: „Hart und scharf wie Feuerstein, in sich gekehrt, schweigsam und einsam wie eine Auster” – in Wirklichkeit wir selbst sind.</p>
<p>Sicherlich haben unsere Seelen durch viele Inkarnationen mehr Altruismus, Empathie, Großzügigkeit und Wärme entwickelt, als Scrooge in sich hatte. Und doch bleiben wir im Innersten unseres Wesens in gewisser Weise verschlossen – auf unser eigenes „Ich” fokussiert, egozentrisch. Unser Bewusstsein dreht sich weiterhin um „ich, mich, mein”. Verantwortlich dafür ist der Träger dieses Bewusstseins selbst: der flammende Strom im Rückenmark, der uns die Illusion der Getrenntheit, der Trennung vom Rest der Schöpfung vermittelt. Genau darauf bezog sich Dickens – in einem Anflug genialer Intuition – als er schrieb, dass „es unmöglich ist, aus ihm irgendein edles Feuer zu entfachen” .</p>
<p>Scrooges offensichtliche Gier und Geiz spiegeln die Gier unseres Egos wider, das immer mehr ansammeln und für sich selbst beanspruchen will, sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer und geistiger Ebene. Die Gier des Egos manifestiert sich im Anhäufen von Geld über die eigenen Bedürfnisse hinaus, in der Besessenheit vom Besitz, im ständigen Vergleich mit anderen und im Verlangen nach Überlegenheit. Dazu gehört auch das Bedürfnis, seine Mitmenschen zu kontrollieren, Aufmerksamkeit zu fordern und sogar spirituelle Praktiken zu nutzen, um die eigene Einzigartigkeit zu betonen. Wie Dickens treffend bemerkte: „Die Fehler eines Menschen sind immer eine Strafe für ihn selbst”. Sie sind eine Strafe, weil sie aufgrund des Gesetzes des Karma in Form von Konsequenzen auf uns zurückkommen. Sie führen zu Einsamkeit, Konflikten und verwandeln die Beziehungen zu anderen und zur Realität in ein Schlachtfeld. Auf diese Weise sperrt sich der Mensch selbst in eine Welt ein, die er aus seinen eigenen Illusionen, Ängsten und Anhaftungen aufgebaut hat.</p>
<p>Spirituelles Bewusstsein ist die Perspektive der Einheit, der tiefen Verbindung mit dem Ganzen des Seins und des Mitgefühls. Ein Mensch mit diesem Bewusstsein wird niemals vollkommenes Glück erfahren, wenn er weiß, dass jemand anderes leidet. Sein Wesen ist die Einsicht, dass der wahre Wert nicht in der Menge der angesammelten Güter liegt, sondern in der Qualität der Beziehungen, in der Fähigkeit, ohne Erwartungen zu lieben – was zu innerer Freiheit führt. Das Ego sagt: „Das ist für mich”, während das spirituelle Bewusstsein flüstert: „Das ist für uns”. Das Ego hat Angst vor Verlust, während das spirituelle Bewusstsein Freiheit im Geben und Fließen erlebt.</p>
<p><strong>Drei Geister</strong></p>
<p>Dickens hat – auch wenn er sich dessen nicht voll bewusst war – eine dreifache Initiation in seine Geschichte eingebracht. Die drei Geister, die Scrooge heimsuchen, können als mystische Führer gelesen werden, die die Seele durch drei Stufen des inneren Erwachens führen.</p>
<p>Sie kommen wie aus einem Raum außerhalb der Zeit, aus einer Dimension der Ewigkeit. Scrooge spürt eine Störung im linearen Ablauf der Stunden – er hat das Gefühl, dass die Zeit zurückgeht oder sich auf unnatürliche Weise verschiebt, um schließlich dreimal um Mitternacht stehen zu bleiben. Diese Stunde ist ein multidimensionales Symbol. Einerseits verweist sie auf die zwölf Tierkreiszeichen unserer Welt – archetypische Kräfte, die Erfahrungen mit sich bringen, die die Seele während ihrer irdischen Wanderung verinnerlichen muss. Mitternacht ist auch der Moment, in dem sich der Zyklus schließt. Scrooge, der am Ende seines Lebens steht, gelangt symbolisch an den Ort, , an dem alle Lektionen seines Schicksals zusammenkommen. Mitternacht ist eine Grenztunde – die Schwelle zwischen zwei Realitäten: der Welt der Materie und der Welt des Geistes.</p>
<p>Bevor die Geister erscheinen, schlägt die Uhr jedes Mal vier Viertelstunden und bildet so das Bild eines Kreuzes – ein uraltes Symbol für den Weg der Sonne am Himmel und ihre vier Stationen, die durch zwei Sonnenwenden und zwei Tagundnachtgleichen markiert sind. Dieses Kreuz erinnert daran, dass das Leben hier eine zyklische Reise durch Licht und Dunkelheit, Geburt und Tod, Vergessen und Erwachen ist. Es weist auch auf die Wurzeln des christlichen Glaubens hin, dessen tiefer Hintergrund das alte Sonnenmysterium ist. Es symbolisiert das Herabkommen der Kräfte der geistigen Welt (vertikaler Balken des Kreuzes) in die irdische Welt (horizontaler Balken) und die Vereinigung dieser beiden Dimensionen an einem Punkt – im Herzen des Menschen, wo sich das Tor zur Ewigkeit befindet.</p>
<p>Die alten Eingeweihten sagten, dass „Gott wie eine Kugel ist, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgendwo ist”. Die Göttlichkeit ist die Fülle – unendlich, grenzenlos, allgegenwärtig, intensiv, multidimensionales Bewusstsein. Wenn sich der Mensch jedoch von seinem spirituellen Zentrum löst, wird er zu ihrem Gegenteil – zu einer Kugel, deren Umfang überall ist und deren Mittelpunkt nirgendwo ist. Er lebt an der Oberfläche seiner selbst, identifiziert sich mit Schichten von Rollen, Masken und Illusionen und verliert den Kontakt zu seinem eigenen inneren Wesen. Das ist der Zustand der Vergessenheit, der Scrooge fesselt – ein egoistisches, begrenztes Dasein, ohne inneren Ankerpunkt in der Liebe der Quelle.</p>
<p>Scrooges Begegnungen mit den drei Geistern finden zwischen Mitternacht und ein Uhr nachts statt. Diese symbolische Zeit weist auf den Moment hin, in dem der Mensch aus der göttlichen, grenzenlosen Fülle in ein getrenntes, individuelles Wesen – das Ego – hervortritt. Es ist der Übergang vom Ganzen zur Trennung, vom Zustand der ursprünglichen Einheit zum Bewusstsein des eigenen <i>Ichs</i>. In diesem Zusammenhang kommen mir die Worte Shakespeares in den Sinn: „Sein oder Nichtsein – das ist hier die Frage”, die das wiederkehrende Dilemma des Menschen auf dem Weg zur Zerstörung der Illusionen des egozentrischen Bewusstseins zum Ausdruck bringen. Der Moment, in dem die Seele vor der Wahl steht: in einer falschen Identität zu verharren oder sich zu beruhigen und die Wahrheit der Quelle auszustrahlen. Die falsche Identität bringt gewisse Vorteile mit sich: Sie vermittelt den trügerischen Komfort, im Bekannten und Vorhersehbaren zu verweilen, schützt vor der Angst vor dem Unbekannten und erlaubt es, in den Automatismen des Alltags zu verharren, die keine Anstrengung erfordern.</p>
<p>Ein Mensch, der bestimmte Talente oder Vorzüge hat, kann leicht damit prahlen, ohne zu erkennen, dass sie in Wirklichkeit Gottes Reichtum sind – etwas Höheres, das über den Menschen hinausgeht. Das Aufrechterhalten dieser Illusion vermittelt ein vorübergehendes Gefühl der Überlegenheit oder Einzigartigkeit. Sie loszulassen bedeutet, darauf zu verzichten, sich die Reichtümer des Geistes anzueignen, und öffnet den Blick für die Erkenntnis, dass es ein einziges Bewusstsein gibt – unendlich, durchdrungen von höchster Liebe, Weisheit und Kraft. In diesem Raum beginnen sich die Grenzen des individuellen „Ichs” aufzulösen, und die Seele erkennt sich als Teil eines unteilbaren Ganzen, das die einzige wahre Identität von allem ist, was existiert.</p>
<p><strong>Der Geist der vergangenen Weihnacht</strong></p>
<p>Der erste Geist – der Geist der vergangenen Weihnacht – führt Scrooge (und mit ihm uns) zur Anamnese, also zur spirituellen Erinnerung daran, wer wir wirklich sind und woher wir kommen. Scrooge reist in die Vergangenheit und gelangt zu Momenten in seinem Leben, die seit Jahren unter dem Staub der Vergessenheit begraben waren.</p>
<p>Dieser Geist trägt eine Kappe auf dem Kopf, die an eine Kapuze zum Löschen von Kerzen erinnert – ein Symbol für die Unterdrückung des spirituellen Lichts, das Scrooge nicht ertragen kann. Er will nicht in den Glanz blicken, der von der Spitze des Kopfes des Geistes ausgeht, denn dieser offenbart die Wahrheit, die Scrooge sein ganzes Leben lang unter Schichten von Egoismus zu verbergen versucht hat. Der Geist fragt: „Reicht es dir nicht, dass du zu denen gehörst, deren Leidenschaften diesen Hut geschaffen haben?“ – eine bittere Erinnerung an den Zustand vor dem Eintauchen in die Materie, bevor der Platz in seinem Herzen, der der Liebe gehörte, von einer anderen Gottheit eingenommen wurde: dem „goldenen Kalb“, wie Bella es in <i>A Christmas Carol</i> nennt.</p>
<p>Der vom Kopf des Geistes ausgehende Glanz erinnert an das Licht des höheren Geistes, über den der Mensch einst verfügte. Dieser Geist ist kein Sklave der Instinkte, sondern im Einklang mit Seele und Herz. Der Geist zeigt den früheren Zustand des göttlichen Menschen – eines Wesens, in dem Geist und Herz harmonisch zusammenwirkten und sich Gott unterordneten. Wenn der Geist Scrooges Herz berührt, symbolisiert dies das Erwachen des wahren Selbst – die Rückkehr zum leuchtenden Zentrum, das noch immer unter den Schichten egoistischer Entscheidungen und Vergessenheit schlummert.</p>
<p>Aber der Geist der vergangenen Weihnacht ist auch der Schlüssel zur Entdeckung des alten Wissens – eine Einladung, in die Zeit der alten Eingeweihten zurückzukehren, die Weihnachten als einen Moment des mystischen Erwachens feierten.</p>
<p>Rudolf Steiner schrieb über die Magie der Weihnachtsnacht wie folgt: „In der besonderen Nacht, die wir heute als Weihnachtsfest feiern, wurden die Schüler der Mysterienschulen auf eine innere, spirituelle Vision vorbereitet, damit sie das sehen konnten, was zu dieser Zeit seine physische Kraft vollständig von der Erde zurückgezogen hatte. In der langen Winternacht zu Weihnachten war der Novize bereits so weit fortgeschritten, dass er um Mitternacht eine Vision erleben konnte. Die Erde war für ihn dann kein Vorhang mehr vor der Sonne – sie wurde durchsichtig, transparent. Durch diese transparente Erde sah der Schüler das spirituelle Licht der Sonne, das Licht Christi. Diese tiefe spirituelle Erfahrung des Novizen spiegelte sich in dem Ausdruck „die Sonne um Mitternacht sehen” wider<em>.</em> (2)</p>
<p>Damit meinte Steiner das Licht des Christusgeistes, der jedes Jahr in den Kern der Erde eindringt und in der Nacht der Wintersonnenwende von dort aus drei göttliche Eigenschaften ausstrahlt: Liebe, Licht und Leben. In der Weihnachtszeit öffnet sich das kosmische Tor zu Gott weit. Auch wenn wir keine mystischen Fähigkeiten haben, können wir in dieser Zeit Einsichten gewinnen, Antworten auf drängende Fragen finden oder unsere Dunkelheit dank des intensiven Lichts Christi auflösen, das dann besonders die Atmosphäre der Erde durchdringt.</p>
<p>Auf diese Weise wird der Geist der vergangenen Weihnacht nicht nur zum Führer durch Scrooges persönliche Vergangenheit, sondern auch zum symbolischen Führer für uns – er lädt uns ein, die uralte, zeitlose Weisheit zu erfahren, die vom Vergessen zum Licht, von der Knechtschaft des Egos zur Freiheit der Seele führt.</p>
<p><strong>Der Geist der diesjährigen Feiertage</strong></p>
<p>Nach der Begegnung mit dem Geist der vergangenen Feiertage kommt die Zeit für den Geist der diesjährigen Feiertage – eine farbenfrohe, fröhliche Figur, die Wärme und Überfluss ausstrahlt. Dickens beschreibt ihn als einen Riesen, umgeben vom Schein der Kerzen, dem Duft von Weihnachtsgerichten und grünen Girlanden, der die Eigenschaften eines heidnischen Fruchtbarkeitsgottes und der christlichen Liebe in sich vereint. Dieser Geist zeigt Scrooge die Gegenwart, die er bisher ignoriert hat. Er nimmt ihn mit in die Häuser einfacher Menschen und zeigt ihm Freude, Gemeinschaft und Dankbarkeit, selbst dort, wo Armut herrscht. Er erinnert daran, dass Weihnachten nicht aus materiellen Geschenken besteht, sondern aus Herzensgüte, Freundlichkeit und Präsenz. In diesem Zusammenhang fallen in dem Buch wichtige Worte: „Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, dass seine Seele sich mit der Seele seiner Mitmenschen vereint und während seiner gesamten irdischen Wanderung in brüderlicher Verbundenheit mit ihnen bleibt.” Diese Vereinigung der Seelen kann jedoch nicht als soziale Pflicht verstanden werden, sondern eher als mystische Erhebung auf eine höhere Ebene des Daseins. Auf dieser Ebene ist alles, was existiert, in ein einziges Bewusstsein eingetaucht – in einen einzigen Willen, der einen Plan für jede Manifestation des Lebens hat. Dort herrscht ein tiefes Bewusstsein dafür, dass die materielle Existenz die Göttlichkeit auf unvollkommene und unreine Weise widerspiegelt. Auf einer höheren Ebene gibt es jedoch Platz für diese Unvollkommenheit – es gibt Akzeptanz, Ordnung und einen Zweck auch für sie.</p>
<p>Es gibt göttliche Ebenen, auf denen ewige Glückseligkeit und Freude herrschen, aber das irdische Reich ist anders. Hier drückt sich Liebe auch in der Akzeptanz des Schattens aus, darin, die „Schläge” des Schicksals mit Gelassenheit und dem Bewusstsein anzunehmen, dass sie Teil unseres Lebensplans sind – zu unserer Läuterung und Veredelung. Erst wenn in unserem Inneren ein echtes „Ja” zum Leiden entsteht, können wir die christliche Haltung, die uns vom Egozentrismus befreit, vollständig verwirklichen, eine Haltung, die in den Worten enthalten ist: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe, Herr.”</p>
<p>Das bedeutet jedoch nicht, dass die Unterwerfung unter diesen Willen unweigerlich zu Schmerz und Leid führt. Es bedeutet vielmehr, dass der Mensch allmählich aufhört, sich mit seinem Ego zu identifizieren. Er verliert sein Verlangen nach dem Erwerb von Gütern, die in dieser Welt als besonders wertvoll gelten. Mit dieser Haltung geht auch der Verzicht auf das Bedürfnis einher, alles kontrollieren zu wollen, das aus Angst und dem Wunsch, das eigene „Ich” zu schützen, entsteht. Wenn die Befreiung von falscher Bewusstheit zum übergeordneten Ziel des Menschen wird, dann gibt er sich vertrauensvoll der Führung hin – und genau darin liegt die wahre Freiheit.</p>
<p>Das Tor zu dieser Haltung befindet sich im Herzen des Menschen. Es ist der Teil des göttlichen Bewusstseins, den die alten Eingeweihten als Funken des Geistes oder Rose bezeichneten. Er stimmt uns auf großzügige Liebe ein – eine Liebe, die sowohl Vollkommenheit als auch Unvollkommenheit umfasst, die Freude und Mühen, Lob und Beleidigung gleichermaßen annimmt. Es ist eine Liebe, die alle Erscheinungsformen des Daseins als Ausdruck des Lebens ehrt, das letztlich in Gott versunken ist.</p>
<p>Der Geist der diesjährigen Feiertage regt uns dazu an, über unseren Umgang mit der Gegenwart nachzudenken. Unsere Gedanken sind oft so sehr mit den Erfahrungen der Vergangenheit überladen, dass wir den gegenwärtigen Moment nicht klar, frei von Ängsten und Vorurteilen wahrnehmen können.</p>
<p>Selbst unser Erkenntnisapparat schränkt die Möglichkeit einer objektiven Wahrnehmung der Welt ein. Der Philosoph Alan Watts bemerkte, dass Licht ohne das menschliche Auge nicht „hell” wäre, Dornen ohne empfindliche Haut nicht „scharf” wären und Felsen ohne Muskeln nicht „hart” oder „schwer” wären. „Hell”, „scharf”, „hart” und „schwer” existieren nur in Bezug auf unsere Sinne. Hundert Jahre zuvor kam Ralph Waldo Emerson zu ähnlichen Schlussfolgerungen – wir neigen dazu, der Welt zu viele Eigenschaften zuzuschreiben und uns selbst zu wenige. Der Physiker P. W. Bridgman hat es treffend formuliert: „Im Allgemeinen sollten wir niemals über die Welt um uns herum nachdenken, ohne das Nervensystem in unseren Köpfen zu berücksichtigen, mit dessen Hilfe wir die Welt wahrnehmen. <em>”</em> (3)</p>
<p>Die Rose des Herzens und das in ihr verborgene Entwicklungspotenzial ermöglichen es uns, uns von den Beschränkungen unseres gegenwärtigen Erkenntnisapparats zu befreien. Mit zunehmender spiritueller Reife beginnen sich subtile Erkenntnisinstrumente zu entwickeln, die unabhängig von unseren natürlichen Sinnen sind. Mit diesem Prozess befreien wir uns allmählich von den Überresten der Vergangenheit, von Filtern, Programmen und Vorurteilen. Unser Nervensystem unterliegt einer Transformation – die Rolle des alten Systems wird von einem neuen übernommen, das auf höhere Dimensionen der Wahrnehmung abgestimmt ist. Das karmische Gepäck, das uns bedingt und sich im Basis-Chakra angesammelt hat, wird verbrannt und befreit uns von der Gewohnheit, „wir selbst zu sein” in seiner begrenzten, bedingten Form.</p>
<p>Der Geist der diesjährigen Feiertage ist immer derselbe – er wird uns unverändert geschenkt, aber unsere Reaktion darauf ändert sich mit unserem Bewusstseinszustand. Allzu oft versuchen wir in der Weihnachtszeit, den „Götzen der Fülle” zu befriedigen – wir kochen, putzen, dekorieren –, bis uns die Materie zu erdrücken beginnt. Die Form übertrifft den Inhalt, und der Sinn geht unter der Last der Vorbereitungen verloren. Aber das muss nicht so sein.</p>
<p>Die Botschaft des Geistes der diesjährigen Feiertage lautet: <b>Sei achtsam</b>. In diesem Moment entscheidest du, ob du dich dem begrenzten Bewusstsein von Scrooge – einem egozentrischen Menschen der Masse – anschließt oder dich für den Strom der Ewigkeit öffnest. Selbst im dunkelsten Moment deines Lebens kannst du dich in der Gegenwart verankern und dich daran erinnern: <i>Dies ist der Moment – das schmale Tor zur Ewigkeit, dies ist das Geschenk, das mir die Wahl lässt</i>.</p>
<p>In einer mystischen Dimension ist der Geist der diesjährigen Feiertage eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft – eine Erinnerung daran, dass wir im gegenwärtigen Moment unsere Realität erschaffen und unser zukünftiges Schicksal gestalten.</p>
<p><strong>Die zwölf Heiligen Nächte</strong></p>
<p>Es ist eine besondere Zeit des Jahres – der Unterschied zwischen den zwölf Zyklen des Mondes, der das natürliche Bewusstsein des Menschen symbolisiert, und dem zwölfmonatigen Zyklus der Sonne, die das göttliche Bewusstsein repräsentiert. Rudolf Steiner sprach davon als einer „Zeit außerhalb der Zeit” – einem mystischen Raum zwischen dem alten und dem neuen Jahr, in dem die gewöhnliche, lineare Zeit stillsteht und in dem der Mensch sich spirituell reinigen und erneuern kann, da die spirituellen Kräfte des Tierkreises dann besonders intensiv wirken.</p>
<p>Jede der Zwölf Heiligen Nächte entspricht einem Zeichen des Tierkreises und damit einem Aspekt der menschlichen Seele. In dieser besonderen Zeit haben wir die Möglichkeit, die zwölf spirituellen Kräfte in uns zu überdenken, zu reinigen und vorzubereiten, entsprechend dem Einfluss der Tierkreiszeichen. Rudolf Steiner sah diese Zeit als eine Zeit, in der die Christus-Seele in den Kern der Erde hinabsteigt und der Mensch sich für einen tieferen Kontakt mit den spirituellen Hierarchien öffnet.</p>
<p>In esoterischer Hinsicht kann während der Zwölf Heiligen Nächte auch eine subtile Veränderung im menschlichen Körper stattfinden, wir können Inspirationen aus höheren Bewusstseinsbereichen vollständiger wahrnehmen. Die Erde ist zu dieser Zeit wie „eingeschlafen” – das Leben der Pflanzen und der Natur kommt zum Erliegen, sodass der menschliche Geist erwachen kann. Die zwölf Tage der Heiligen Nächte bilden einen spirituellen Kalender – jede Nacht ist der „Keim” eines Monats des kommenden Jahres:</p>
<ul>
<li>Die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember entspricht dem Januar,</li>
<li>die Nacht vom 26. auf den 27. Dezember dem Februar,</li>
<li>…</li>
<li>die Nacht vom 5. auf den 6. Januar dem Dezember.</li>
</ul>
<p>Der Höhepunkt ist der 6. Januar – das Fest der Erscheinung des Herrn, das Steiner als den Tag der Offenbarung Christi als kosmische Sonne und den Beginn des Weges zur inneren Initiation bezeichnete. Auf diese Weise wird das Portal der Zwölf Heiligen Nächte zu einer einzigartigen Möglichkeit, <b>hier und jetzt</b> zu handeln – diesen mystischen Raum für spirituelle Reinigung, Erneuerung und bewusste Gestaltung der Zukunft zu nutzen.</p>
<p><strong>Der Geist der zukünftigen Weihnacht</strong></p>
<p>Nach dem Geist der vergangenen und der diesjährigen Weihnacht kommt die Zeit für den dritten Geist – den Geist der zukünftigen Weihnacht, der im Gegensatz zu den vorherigen düster, still und geheimnisvoll ist. Dickens stellt ihn als gesichtslosen Charakter in einem schwarzen Gewand dar, der Angst und Unruhe hervorruft. Es ist der Geist der Zukunft, die noch nicht gekommen ist, voller Unsicherheit und Konsequenzen unserer Entscheidungen.</p>
<p>Der Geist der zukünftigen Weihnacht zeigt Scrooge die Folgen seines gegenwärtigen Lebens und Verhaltens – Einsamkeit, Vergessenheit und schließlich einen Tod ohne Würde. Es ist eine Vision, die ihn erschrecken und zu einer Veränderung zwingen soll. Auf dieser Reise gibt es keine Freude und keine Wärme, sondern nur das kalte, unerbittliche Urteil der Zukunft, das jeden Menschen erwartet – wenn er sein Herz und seine Haltung gegenüber anderen nicht ändert.</p>
<p>Es ist der Moment, in dem Scrooge seinem eigenen Schicksal gegenübersteht: einem verlassenen, namenlosen Grab, das spirituelle und soziale Ausgrenzung symbolisiert. Dieser Geist spricht nicht, aber sein Schweigen ist vielsagend – es ist eine Warnung, dass die Zukunft davon abhängt, was wir jetzt tun.</p>
<p>In einer tieferen, mystischen Dimension ist der Geist der zukünftigen Weihnacht ein Symbol für die Notwendigkeit der Veränderung und des Todes des Egos – des alten „Ichs”, das die spirituelle Entwicklung hemmt und uns an den Kreislauf von Geburt und Tod bindet. Es ist eine Vorankündigung des inneren Todes und der Wiedergeburt, die notwendig sind, um den Weg des wahren Lebens und des Lichts zu beschreiten.</p>
<p>In der Konfrontation mit diesem Geist beginnt Scrooge zu verstehen, dass Veränderung unvermeidlich ist und dass seine Zukunft davon abhängt, ob er sein Herz für Liebe, Mitgefühl und Gemeinschaft öffnet.</p>
<p><strong>Schluss</strong></p>
<p>Die drei Geister der Weihnacht zeigen die Konfrontation unserer Vergangenheit – oft schwer und belastend – und unsere Neigung, die Zukunft zu planen, mit dem Raum der göttlichen Ewigkeit, der die Zeit durchdringt und überwindet. In dieser besonderen Zeit des Jahres fällt es uns leichter, uns auf den Heiligen Atem einzustimmen – eine geheimnisvolle Kraft, die die irdische Atmosphäre durchdringt, uns mit dem Bewusstsein der gesamten Schöpfung verbindet und uns für eine tiefe Einheit öffnet.</p>
<p>Unter dem Einfluss dieser Kraft hat sich Scrooge verändert: „Er war ein ganz anderer Mensch geworden. Von da an war er ein so guter Freund, ein so guter Arbeitgeber, ein so guter Mensch, wie es gute Menschen in guten alten Zeiten, in einem guten alten Land, in einer guten alten Stadt, in einer guten alten Welt waren.”</p>
<p>Möge diese Zeit der Wende für uns eine Zeit solcher Veränderungen sein. Möge sie uns für die Sonne des neuen Bewusstseins öffnen – für die Liebe, die sowohl das Licht als auch den Schatten durchdringt und umfasst. Möge sie uns auf die Stille einstimmen, auf die symbolische Stunde Null, aus der jeder von uns als neuer Mensch hervorgehen wird – im Einklang mit der Fülle.</p>
<hr />
<p>(1) Charles Dickens, <i>A Christmas Carol</i>, Wolne Lektury, Übersetzung unbekannt, Text basierend auf: Charles Dickens, <i>A Christmas Carol. A Fantastic Tale with Illustrations</i>, Feliks Owczarek Publishing House, Łódź 1947</p>
<p>(2) Man int the Light of Occultism, Theosophy and Philosophy, GA 137, Lecture VII, <a href="https://rsarchive.org/Lectures/GA137/English/RSP1964/19120609p01.html">https://rsarchive.org/Lectures/GA137/English/RSP1964/19120609p01.html</a></p>
<p>(3) Larry Dossey, <i>Słowa, które uzdrawiają. Siła modlitwy a praktyka medyczna, </i>Jacek Santorski &amp; Co Verlag, 1993.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Glaube, Wissen, Leere</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/glaube-wissen-leere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 06:00:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die spirituelle Entwicklung, vor der die Menschheit steht, führt vom Glauben zu höherem Wissen. Sie bedeutet eine Bewusstseinswandlung, die mehr ist als eine Erweiterung des Bewusstseins, mit dem den Weg begonnen wurde. Die Wandlung führt jedoch in und durch die Leere, durch das Nichtwissen. Zu allen Zeiten haben spirituelle Lehren uns Wissen von Entwicklungsgängen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die spirituelle Entwicklung, vor der die Menschheit steht, führt vom Glauben zu höherem Wissen. Sie bedeutet eine Bewusstseinswandlung, die mehr ist als eine Erweiterung des Bewusstseins, mit dem den Weg begonnen wurde.</p>
<p><span id="more-113772"></span></p>
<p>Die Wandlung führt jedoch in und durch die Leere, durch das Nichtwissen.</p>
<p>Zu allen Zeiten haben spirituelle Lehren uns Wissen von Entwicklungsgängen und höheren Seinszuständen vermittelt, die in uns angelegt sind. Wer berührbar ist, nimmt dabei nicht nur Wissen „aus zweiter Hand“ in sich auf, sondern erlebt zuweilen eine Berührung, die ihm konkrete innere Kenntnis erschließt, die einem Wiedererkennen gleicht. Deshalb sprechen die Rosenkreuzer hier vom Aufbrechen der <em>Urerinnerung</em>. Diese innere Kenntnis ist es, die man auch als <em>Gnosis</em> bezeichnen kann. Doch Gnosis ist nicht nur Erkenntnis, sie ist auch Liebe und Kraft: Sie ist Trägerin eines lebendigen Erneuerungsprozesses.</p>
<p>Dieser Lebendigkeit wird unser Ichbewusstsein immer dann nicht gerecht, wenn es das Wissen horten möchte – auch wenn es dabei dem logischen Gedanken folgt, dass das so erworbene Wissen sich immer weiter im eigenen Bewusstsein ausbreiten, vertiefen und ausdifferenzieren kann und soll, bis es buchstäblich ein Wissen <em>von allem </em>wird. Doch das Festhalten verschließt über kurz oder lang den Quell der lebendigen Weisheit. Das Lebendige, als Wahrheit Wiedererkannte wird spröde, leblos, gar uninteressant. Man beginnt vielleicht, es anzuzweifeln. (Oder es zum Dogma zu verdichten und die Kenntnis gewissermaßen mit dem Feuer des Eigenwillens lebendig zu erhalten, soweit sie dann noch lebendig ist&#8230;)</p>
<p>Wenn in uns der genannte Quell geöffnet wird, der die Gnosis als universelles Potenzial fruchtbar macht, dann fließt uns Kraft zu, die den inneren Menschen wieder zum Leben erwecken soll. Das Ich, das Kraft und Kenntnis – unwillkürlich – als sein Eigentum behandelt, stellt sich gleichsam dazwischen und verschließt so immer wieder den Quell, aus dem allein die lebendige Kenntnis strömt. Und sie soll strömen, in unser ganzes Wesen und Leben. Verschließt sich das Herz, dann endet die erlebte Verbundenheit mit dem Ursprung, die eigentlich Licht (und somit Kenntnis) ist.</p>
<p>Wenn der Fluss versiegt, lernen wir, dass wir ihn willentlich nicht wieder in Gang bringen können. Wir wollen wieder berührt werden, können die Gnosis aber nicht anziehen. Wir können nichts tun, außer still und offen zu werden. Wir müssen uns eingestehen, über Kraft und Kenntnis nicht verfügen zu können. Unwissend und mit leeren Händen dazustehen, macht uns wieder berührbar, denn wir haben für einen Augenblick – vielleicht noch unbewusst – die Leitung abgegeben.</p>
<p>Der noch verborgene innere Mensch kann zu Beginn noch nicht konkret in uns handeln, aber die Gnosis als umfassendes Kraftprinzip kann uns berühren, erheben, nähren und uns immer mehr erkennen lassen, dass wir nur durch Hingabe den Weg gehen, den Weg frei machen können für den wahren Menschen in uns. Das Herz, das in Stille ausharrt und sich öffnet, beweist Glauben; es kann in Nichtwissen, gleichsam in Einfalt, empfangen.</p>
<p>So trifft uns aufs Neue ein erneuernder Kraftstrom, der größere und tiefere Erkenntnis mit sich bringt&#8230;, und so greift das Ich irgendwann wieder nach dieser Schönheit, dieser Weite, diesem Wissen, um ein besseres Ich zu bauen, nur um dann das Versiegen des lebendigen Stromes feststellen zu müssen.</p>
<p>Dieser Kreislauf von Glaube, Wissen und dem Durchgang durch die Leere bringt einen Prozess des wechselseitigen Aufbaus von Neuem und des Abbruchs des Alten mit sich. Unser ganzes Wesen wird gereinigt, es lernt loszulassen, schließlich sogar vom bisherigen Selbst. Die Erkenntnis, die mit diesen Erfahrungen verbunden ist, scheint mehr oder weniger nutzlos zu sein, ist aber wesentlich für den Weg. Lao Tse beschreibt etwas hiervon in Kapitel 20 des Tao Te King:</p>
<blockquote><p>Gib das Lernen auf, und mache deinen Sorgen ein Ende. [&#8230;]<br />
Andere haben gefunden, was sie wollten.<br />
Doch ich alleine scheine verloren zu sein.<br />
Ich habe das Herz eines Narren! Wie verworren!<br />
Andere sind klar,<br />
Doch ich allein bin benommen.<br />
Andere sind scharfsinnig.<br />
Ich treibe wie die Wellen auf der See,<br />
Vom Wind bestimmt und richtungslos.<br />
Andere haben etwas zu tun,<br />
Doch ich allein bin tollkühn und fühle mich wertlos.<br />
Ich bin anders.<br />
Mich nährt meine Mutter.<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p></blockquote>
<p>Auf dem Weg verlieren das äußere Wissen, der Scharfsinn und die äußeren Ziele an Kraft und Gewicht. Dem irdischen Gang der Dinge nach scheint solch ein Mensch verloren, denn er gibt sich dem Lauf des Schicksals hin – und der Intuition, die er von seiner Mutter, der Gnosis erhält. Er macht selbst keine Pläne; er schafft Raum für das, was einströmen und sich offenbaren will. Er lebt in einem stillen Verbundensein ohne Erwartungen. Manchmal mag er sich wertlos fühlen, aber in der Hingabe an diesen unabsehbaren Prozess liegt sein Mut. Daher kann er sagen: „Ich allein bin tollkühn.“</p>
<p>In der Leere werden unsere Konzepte, unsere Wünsche und unser Handwerkszeug zunichte, mit denen wir das Leben bis dahin gesteuert haben. Wie kann man leer werden? Eigentlich gar nicht – die Leere ist das Gegenteil unserer Existenz; sie tritt nur ein, wenn all unser Streben und Tun&#8230; ins Leere läuft, endet und für uns im Augenblick nichts mehr zu tun, zu wollen, zu denken, zu wünschen oder zu fürchten übrigbleibt. Wir erleben ein Ende, das ein neuer Anfang ist. Der Quell öffnet sich wieder.</p>
<p>Die Erkenntnis, dass sich durch das Nichtwissen und sogar Nichtsein des Ichs das Universelle in uns offenbaren kann, vertieft sich auf dem Weg immer weiter. Sie wird zu einem bewussten Seinszustand. Dass der Weg zu wirklichem umfassendem inneren Wissen durch die Leere geht, ist bezeichnend: Denn das neue Bewusstsein, das dadurch entsteht, ist ein Ausdruck der Allverbundenheit und Einheit, es ist auf keine Weise ein Aufbewahrungsort für Wissen, von welcher erhabenen Art auch immer. Im Laufe dieser Entwicklung geht der Bewusstseinsschwerpunkt vom Ich zum inneren Menschen, unserem universellen Selbst, über.</p>
<p>Damit geht auch der Prozess von Glauben, Berührung, Erkenntnis und Durchgang durch Nichtwissen und letztlich Nichtsein in ein neues Sein über. Im universellen Selbst wird aus dem Kreislauf eine lebendige, ausgewogene Dreiheit. Die Leere zeigt sich zugleich als das tiefste Selbst und der Quell von allem, der Glaube entfaltet sich zu Allverbundenheit und Allliebe. Aus der Allverbundenheit, die wirkliche Einheit ist, strömt tiefe Weisheit, die alles kennt und umfängt.</p>
<hr />
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a>     Tao Te King, in der Übersetzung von Gia Fu Feng und Jane English, München 1972</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sisyphus und Phönix &#8211; Vom Sklaven zum Menschen</title>
		<link>https://logon.media/de/logon_article/sisyphus-und-phoenix-vom-sklaven-zum-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiko Haase]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2025 06:00:52 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://logon.media/?post_type=logon_article&#038;p=113925</guid>

					<description><![CDATA[Einmal bleibt der Mann mit dem Stein, wo er ist – am Gipfel des Berges; er lässt den Stein herunter rollen, läuft ihm nicht mehr nach. Der Stein rollt und rollt und rollt, und irgendwann macht es einen lauten Krach, der Stein zerbricht, Sisyphus aber steht am Gipfel des Berges, sieht voller Glück und Freude, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Einmal bleibt der Mann mit dem Stein, wo er ist – am Gipfel des Berges; er lässt den Stein herunter rollen, läuft ihm nicht mehr nach.</em></p>
<p><span id="more-113925"></span></p>
<p>Der Stein rollt und rollt und rollt, und irgendwann macht es einen lauten Krach, der Stein zerbricht, Sisyphus aber steht am Gipfel des Berges, sieht voller Glück und Freude, voll tiefem Einverständnis das Feuer seines eigenen Herzens.</p>
<p>1<br />
Kino – Ich saß unlängst im Kino, es ist eines der älteren in der Stadt, in dem bekannte, meist klassische Filme gezeigt werden. Sah mir einen Krimi an; es geht hart her, die Handlung komplex, die Szenen kurz, die Musik zerrt an den Nerven – – – und plötzlich ist es weiß auf der Leinwand, erst schmerzhaft, dieses weiße Weiß; das Dunkel des Raumes ist kein Dunkel mehr; Stimmen von Besuchern, die irgendwie enttäuscht, manche aber auch erleichtert klingen; auch ich spüre meine schwitzigen Hände … Langsam geht die Beleuchtung im Raum an. Und wieder einmal frage ich  mich, wozu ich mir diesen Film habe anschauen müssen. Aus dem Off hört man die Stimme des Vorführers, der den Filmriss bedauert; klar, es ist ja ein alter Film von vor dem filmischen Digital-Zeitalter …</p>
<p>2<br />
Die Leinwand bleibt weiß, wieder die Stimme aus dem Off, der Filmriss sei Folge eines technischen Gebrechens am Vorführ-Apparat, das wie&#8217;s aussieht am heutigen Abend nicht mehr zu beheben sei. Das Geld gebe es an der Kasse zurück oder, wer wolle, bekomme auch einen Gutschein für zwei Film-Abende desselben cineastischen Großmeisters …</p>
<p>Es ist ein milder Spätsommerabend, bin froh, draußen zu sein, meine Begleiterin murrt ein wenig über den verhauten Abend und so; ich aber bin richtig froh, die angenehm warme Luft im Freien in meinen Lungen zu spüren … Im aufkommenden Wind hörst du das Rascheln der Blätter in den umliegenden Bäumen.</p>
<p>3<br />
Der Film – nichts als Farbtupfer auf Zellophan, die Schatten werfen auf eine weiße Leinwand und uns Bilder, Handlungen vorgaukeln – und je nach ihrer Art unsere Nerven zerrütten oder uns in irgendwelchen Illusionen wiegen wollen.</p>
<p>Sind der Großteil unserer Gedanken nicht auch solche dunklen Kleckse, die, von einem Licht bestrahlt, dessen Quelle ich nicht kenne, Schatten werfen auf und in unsere Seelen?</p>
<p>4<br />
Eigentlich ist die ganze komplizierte Welt einem Theater, oder vielleicht besser einem Kino gleich, in dem ununterbrochen Filme laufen, die vorgeben, neu zu sein, aber bei genauerem Hinsehen geht es stets um Wiederholungen alter Plots im neueren Gewand, mit denen man eben die heutigen Menschen interessieren oder, je nach dem, betören will und kann, vielleicht im Sinne einer Hypnose.</p>
<p>5<br />
Die Welt, ein Kaleidoskop von 10 000 Dingen, von unerhörten Konflikten, unerhörter Manipulation der Menschheit. Korruption, Lügen, Gewalt, Unrecht, soweit das Auge reicht. Im Herzen der Menschen, in der Tiefe lebt aber etwas anderes, das Frieden und Freude ahnen lässt, und das ist etwas von jenseits der 10 000 Dinge.</p>
<p>6<br />
Die Herde – Unlängst an den Almen meiner Heimat hatte ich die Muße, eine Schafherde zu beobachten, die geduldig und die ganze Zeit lang futterte, Gras, was die Wiesen eben hergeben; und ich hörte die ganze Zeit die Glöckchen, heller, dunkler, ein schönes Konzert, beruhigend für meine Ohren und auch für die Herde; die fühlt sich behütet durch den gewohnten Klang der Glöckchen neben dem fetten Gras für den Bauch …</p>
<p>Werden nicht auch wir Menschen ständig ruhig gestellt durch eine Unzahl von Bildern, von Glöckchen, Tönen, Melodien, feineren und gröberen? Ach ja, da ist wieder das Kino … Und an den Folgen unserer Unaufmerksamkeit dürfen wir lernen, im täglichen Lauf der Dinge.</p>
<p>7<br />
Der Mensch, der wirklich nach Wahrheit, nach Weisheit, nach Erleuchtung strebt, nach Glück und Frieden, der muss erstmal damit beginnen, aufzuräumen im eigenen Haus. Das eigene Haus, das liegt schnell auf der Hand, kann nichts anderes sein als unser eigenes Wesen. Das Motiv, aufzuräumen, nach Klarheit zu suchen, ist meist Enttäuschung. Wer nicht enttäuscht ist, der ist ja zufrieden. Wer zufrieden ist, hat momentanen Frieden in sich, und wer Frieden in sich hat, vielleicht sogar glücklich ist, der sieht doch keinen Grund, irgendeine Alternative zu suchen. Enttäuscht zu sein ist ein allerheilsamstes Ding. Es kommt auf jeden zu, irgendwann. Du kennst vielleicht den alten, aber durchaus nicht zu bekannten Lehrsatz:<em> Von Enttäuschung zu Enttäuschung bis zum Ende der Täuschung. </em>Erst wer enttäuscht wird in der Verfolgung seiner Ziele, wer enttäuscht ist von seiner Arbeit, seiner Religion, seinen Liebhabereien, seiner Kirche, seinen Beziehungen, mit einem Wort: enttäuscht ist von seinen Abgöttern, und wer diesen Schmerz der Sinnlosigkeit leidet, nur der hat Interesse daran zu suchen, eine Alternative zu suchen. <em>Alter natus, </em>wörtlich:<em> erneut geboren.</em></p>
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Wie eben festgestellt, wir leben in einer durchaus komplizierten Welt, die an die meisten von uns ziemlich straffe Forderungen stellt, vor allem seelisch. Die Zeit rast, und wir werden mitgeschleift vom Rad der Zeit, gleich einem Totentanz, wie wir ihn kennen von den Darstellungen auf alten Bildern. Und dann liegst du erschöpft da, beim Boxen sagt man: knocked-out. Der unparteiische Schiedsrichter steht daneben und zählt. Und wenn du Glück hast, kommst du nicht mehr auf die Beine und das Spiel ist mal fürs erste <em>gelaufen</em>. Der heutige Volksmund sagt dazu beispielsweise <em>Burnout,</em> was soviel heißt wie: <em>Die alten Feuer können nicht mehr brennen. </em>Du bist einfach ausgebrannt, weg vom Fenster, du kannst nicht mehr mit im endlosen Marathon des Lebens. Enttäuschung die nächste, richtig kräftig. – – – Nun  gibt’s einige Möglichkeiten. Die vielleicht dümmste ist, zu versuchen, sich aufzurappeln in ein paar Wochen oder Monaten, um sich dann wieder in die Schlacht der Nichtigkeiten zu werfen. Was folgen wird, weil es folgen muss, brauchen wir nicht zu erzählen. Jeder mit nur wenig Phantasie kann die Geschichte weiter spinnen.</p>
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Du kannst das Ganze aber auch als Möglichkeit, als ungeahntes Geschenk nutzen: Denn wenn wir noch nicht ganz entsorgt werden müssen vom Leben, das heißt aus der Krise gelernt haben und nachzudenken beginnen, dann gibt es die Chance für Änderungen, für ein Erwachen des in uns verborgenen Kernes. Dieses für den Menschen im Allgemeinen unbegreifliche Geheimnis wartet schon viele Zeitalter darauf, dass wir ihm unsere Aufmerksamkeit  zuwenden. Und nun begegnen wir Bildern, alten oder neueren Texten, die unser Herz berühren, begegnen mehr oder weniger <em>zufällig</em> Menschen, die sich auch für einen spirituellen <em>Weg </em>interessieren. Dieses Interesse für die verborgenen Seiten des Lebens ist eines der wichtigsten Vorspiele, um aufzutauchen aus dem <em>Labyrinth der Welt</em> zum <em>einzig Notwendigen</em> – dem Weg des Lichtes, <em>Via lucis. </em></p>
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In dem Maße nun, wie wir bereit sind, einer inneren, stillen Ahnung – es ist die Sprache unserer Intuition – zu folgen, taucht der Weg in die Einheit auf. Es ist ein Weg des Feuers, ein Weg der Freude, auch ein Weg der Schmerzen; die können natürlich nicht ausbleiben, das liegt im Wesen der neuen Orientierung, wodurch uns die Ketten des Labyrinthes brennend bewusst werden. Aber wir beginnen auch, die Sprache dieser Schmerzen im Lichte der Vernunft zu verstehen – es sind nötige Schritte der Reinigung – die Seele beginnt genauer zu begreifen, wie <em>ununterbrochene Aufmerksamkeit</em> den täglichen Fragen und Herausforderungen gegenüber geboten ist.</p>
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Und wieder einmal werden deine Gedanken zu dem Mann mit dem Stein gezogen, Sisyphus. Du siehst dich, wie du im Dunkeln immer und immer wieder in der alten Laufbahn rennst – auf Asche, wie in den alten Zeiten, keuchst, zusammenbrichst, aufstehst, weiter läufst, als ginge es ums nackte Überleben. Und dann kommen einige Traumbilder, Fetzen einer alten Ahnung vorbei – und es ist schlagartig klar, was du zu tun hast: Der Mann mit dem Stein bleibt, wo er ist – am Gipfel des Berges; er lässt den Stein herunter rollen, läuft ihm nicht mehr nach. Der Stein rollt und rollt und rollt, und irgendwann macht es einen lauten Krach, der Stein zerbricht, Sisyphus aber steht am Gipfel des Berges, sieht voller Glück und Freude, voll tiefem Einverständnis das Feuer seines eigenen Herzens. Und die alten Schlacken, es sind die Schmerzen einer vergehenden, chaotischen Welt, brennen und brennen im Hochofen, im <em>Athanor</em> seines Wesens. – – – Er erlebt den Tod des Sklaven, den die <em>Vielfalt</em> geknechtet hat, Jahrtausend um Jahrtausend. Das Wesentliche, das Beständige, das Gold der ewigen Werte, das Gewand des Phönix, des feurigen Vogels der Mysterien erhebt sich mit einem befreienden Lachen in die azurnen Himmel des Unendlichen, verbunden mit allen, verbunden mit dem Licht, verbunden mit der Natur. – – – Der Mann, der, wie so viele andere, unzählige Zeitalter unzählige Steine rollte, erwacht, ohne Stein – im flammenden Gewand hört er die Worte zu sich sprechen: <em>Ein Mensch ist wahrlich auferstanden.</em> <em>Von nun an wisse es, du bist das Licht der Welt, du bist das Salz der Erde.</em> Als er sich umsieht, wird er herzlich begrüßt, umarmt von vielen, die er irgendwie ahnungsvoll schon lange gekannt, doch sie waren vergessen im Dunkel der alten, einsamen, nun vergangenen Welt. Eine Stimme aus dem Licht hört er zu sich sprechen: <em>Ein Same ist gesät ins Herz der Welt, es ist dein Herz, das Herz des Universums.</em></p>
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<em>Nun ist also all das verwirrend Komplizierte doch der notwendige Weg ins Einfache.</em></p>
<p>Der glimmende Funke des Geistes weckt die wahre, die klare Seele, das klare Denken. Die vernünftige Tat in Wohlwollen und Freude ist dessen Signatur. In der Kraft des Phönix, des Spirits-in-uns, wandelt und erhebt sich alles Komplizierte und wird zur Kunst des Einfachen.</p>
<p>Die 10 000 Dinge sind eingeschmolzen – Gold ist geworden in den Retorten …</p>
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<p>Literatur:</p>
<p>J.A. Comenius:  <em>Via Lucis, </em><em>Das einzig Notwendige, </em><em>Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens,</em></p>
<p>R.W.Trine: <em>In Harmonie mit dem Unendlichen</em></p>
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